Rezension {Alexandra} - Schwarze Schwestern

Sonntag, 26. Februar 2012 1 Kommentar

von Chika Unigwe

Verlag: Tropen Verlag / Klett Cotta
Übersetzung: aus dem Flämischen von Ira Wilhelm
Original Titel.: Fata Morgana
Genre: Gegenwartsliteratur
Erscheinungdatum: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: 284 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50109-4 
Preis: 19,95 €






Sie hofften auf ein besseres Leben - und erleben die Hölle

Inhalt: 
Sisi, Efe, Ama und Joyce - vier nigerianische junge Frauen - zusammengeführt durch das Schicksal des Lebens. Jede der vier Frauen leidet unter ihrer persönlichen, tragischen Lebenserfahrung und sie haben nur einen sehnlichsten Wunsch: Sie möchten ihrem Land den Rücken kehren und im Ausland eine Chance auf ein besseres Leben finden. Denn trotz größter Bemühungen  sehen sie keine Zukunft in ihrem Land. Sie bekommen trotz sehr guter Schulausbildung keinen Job, sie werden missbraucht oder werden Opfer von Rebellen-Angriffen und müssen ihrem bisherigen Leben Hals über Kopf entfliehen. 
In ihrer größten Verzweiflung treffen die Frauen unabhängig voneinander auf ein und denselben Mann, den monströsen Oga Dele. Dele ist das Band zwischen den vier Frauen. Dele verspricht Ihnen ein besseres Leben im gelobten Europa, wenn sie nur eine Weile lang hart dafür arbeiten. Er organisiert den Frauen die Reise, streckt das teure Geld vor, dass sie in raten an ihn zurückzahlen müssen und steckt sie in ein Flugzeug nach Antwerpen, Belgien. 
Obwohl die Frauen teils wissen, teils ahnen, auf was sie sich mit dieser Reise einlassen, trifft sie die Realität doch wie ein Schlag ins Gesicht: Sie landen als Prostituierte im anonymen Rotlichtviertel von Antwerpen und müssen von nun ab Abend für Abend unter der Aufsicht einer herrischen Madam ihren Körper billig verkaufen. 
Der plötzliche Tod von Sisi reißt Efe, Ama und Joyce aus ihrer Lethargie und sie beginnen, ihre Verschlossenheit über Bord zu werfen und sich gegenseitig anzuvertrauen. Sie kommen sich näher. Denn eine bittere Frage quält sie: Wurde Sisi ermordet? Und warum?

Handlung & Charaktere:
Chika Unigwe legt mit "Schwarze Schwestern" einen ernsten und auch gesellschaftskritschen Roman vor, der den Leser nachdenklich stimmt und sehr bewegt. 
Das Buch ist in zwei Handlungstränge geteilt, die dem Leser immer abwechselnd präsentiert werden. Zum einen erfahren wir die komplette Geschichte um die verstorbene Sisi. Diese Kapitel sind auch mit der Überschrift "Sisi" gekennzeichnet.  Zum anderen befindet sich der Leser in jedem zweiten Kapitel  in der "Strasse der schwarzen Schwestern"  Dieser Handlungstrang gewährt  Einblicke in die Gefühlswelt der drei weiteren Frauen Efe, Ama und Joyce. Ihre Lebensgeschichten werden abwechselnd erzählt. 
Sisi ist eher eine Einzelgängerin, die sich den anderen Frauen nicht anvertraute und versuchte, Ihren Weg zu finden. Die sich zuletzt so weit in ihre Fantasiewelt zurückzog, um der Realität entfliehen zu können und ihre Träume in ihren Fantasiedarstellungen , wie zum Beispiel der reichen Touristin, auszuleben. Sie hate aber nicht den Glauben an die Liebe verloren und ihre Ganze Hoffnung für ihre Zukunft liegt bis zuletzt bei Luc, der sie tatsächlich so zu lieben scheint, wie ist ist.
Dazwischen Efe, Ama und Joyce, die versuchen, mit der Nachricht über Sisis Tod umzugehen und sich auf diese Weise plötzlich der Verbindung zwischen Ihnen klar werden. Dass sie nicht nur nebeneinander her leben sollten, sondern auch endlich füreinander da sein sollten - denn sie ziehen alle am gleichen Strang. Sisis Tod lehrt sie, sich zu öffnen, zu ihrer Vergangenheit und auch zu ihrer gegenwärtigen Situation zu stehen. Die Frauen lernen, sich den anderen anzuvertrauen - zum ersten Mal, seit sie zusammenleben, erzählen sie ihre Schicksale, die sie zuletzt nach Antwerpen brachten. 
Sie reden über Ihre Träume und Hoffnungen. 
Diese Schicksale stimmen den Leser sehr nachdenklich, man trauert mit den Frauen mit und denkt viel über die jeweiligen Situationen nach. Situationen, die sich auch in der realen Welt immer und immer wiederholen. Denn diese bewegenden vier Schicksale sind die Schicksale so vieler Frauen, die Nacht für Nacht in den Bordellen dieser Welt ihren Körper verkaufen und verzweifelt versuchen, ihre Würde und ihren Stolz nicht zu verlieren.  Frauen, die unter schlimmen Verhältnissen aufwuchsen und Träume haben von einer besseren Welt. 
Europa, Amerika...eine Welt voller Reichtum und ungeahnten Möglichkeiten - da kann es nur besser werden. Und so lassen sie sich aus dem Land schleusen, der neuen Hoffnung entgegen. Weg von Terror, Rebellengewalt und Armut.
Für den Leser fast unvorstellbar, was sie über sich ergehen lassen müssen. Denn die Freiheit lässt lange auf sich warten, auch wenn sie nun in einem anderen Land sind. Denn die muss ja erst mit jahrelangen Rückzahlungen an die Schleuser erkauft werden. Viele Jahre weiterer Demütigungen. Und dabei bleibt nicht viel Erspartes übrig. 
Chika Unigwe schafft es, dem Leser die Schwere und Ernsthaftigkeit des Themas zu vermitteln, ihn zum nachdenken zu bringen , aber er wird nicht erschlagen von der Geschichte. 

Fazit:
Eine wahrlich empfehlenswerte Lektüre über Schicksal und Hoffnung, über Arm und Reich, über Liebe und Trauer...
Eine ergreifende Geschichte, die auch mich sehr zum Nachdenken anregte, da dieser Roman so sehr das tatsächliche tägliche Leben vieler Frauen wiederspiegelt, die weder eine Chance noch eine Wahl haben. 
Man sollte sich auf jeden Fall Zeit zum lesen dieses Buches nehmen, denn nur dann kann man sich in die Gedanken und Gefühle der vier Frauen hineinversetzen. 
Ein Roman, der aufrüttelt! 


Rezension (c) Alexandra Zylenas (az)

Zur Autorin:

Chika Unigwe, 1974 in Nigeria geboren, lebt heute im belgischen Turnhout. Sie ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und hat für ihre bisherigen literarischen Veröffentlichungen zahlreiche Preise gewonnen. »Schwarze Schwestern« ist ihr erster Roman in deutscher Sprache.
Quelle: Website Tropen Verlag


Rezension: Die teuflischen Abenteuer des Filip Engel

Donnerstag, 23. Februar 2012 0 Kommentare

Kenneth Bøgh Andersen 

Verlag: dtv junior
Übersetzung: Aus dem Dänischen von Antje Subey-Cramer
Deutsche Erstausgabe
Ausstattung: Hardcover, 400 Seiten
Alter: Ab 11 Jahre
ISBN: 978-3-423-76040-9
Auflage: 1. Auflage, November 2011


Inhalt: 

Der dreizehnjährige Filip Engel hat es nicht leicht: Gutmütig, zuvorkommend, immer brav und ehrlich, wie Filip nun mal ist, ist er das passende Opfer für den Schul-Rowdy Damian, der ihm das Leben sozusagen "zur Hölle" macht. Als er nach einer wiederholten Streiterei von Damian aus Versehen vor ein Auto geschubst wird, wacht Filip auf und stellt erschrocken fest, dass er - ausgerechnet er - in der Hölle gelandet ist. Was hat er denn nur verbrochen? Der Fürst der Dunkelheit persönlich, Luzifer, klärt ihn auf, dass er an einer unheilbaren Krankheit leidet und dringend einen Nachfolger ausbilden muss. Und eben dieser Nachfolger ist Damian. Damian??? Filip klärt den Fürsten aus, dass er ganz gewiss nicht Damian sei und hier doch ein Irrtum vorliegen muss. Luzifer fällt quasi aus allen Wolken!
"Wie lautet dein vollständiger Name?"
"Filip Engel", antwortete Flip.
"Engel", wiederholte Luzifer matt und rieb sich die Stirn. "Ich hätte einen Teufel kriegen sollen und bekomme einen Engel? Verdammt, das sieht nicht gut aus."
Aber geschehen ist geschehen und lässt sich nicht mehr rückgängig machen - Filip muss sich nun seiner neuen Aufgabe als Teufelslehrling stellen. Diese entpuppt sich als äußerst kniffelig, wenn man aus tiefstem Herzen kein bisschen böse ist. 
Wären da nicht die wunderschöne Teufelin Satina und sein Erzfeind Aziel, die ungeahnte Gefühle in Filip auslösen...
Außerdem macht Filip eine sehr merkwürdige Entdeckung, was Luzifers Krankheit betrifft. Zusammen mit Satina beginnt er der Sache auf den Grund zu gehen! 

Handlung & Charaktere:

Kenneth Bøgh Andersen hat einen wunderschönen und sehr fantasiereichen Kinderroman geschaffen, der selbst Erwachsenen während des Lesens ein ständiges Lächeln ins Gesicht zaubert.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und leicht zu lesen und entspricht daher sehr gut dem empfohlenen Lese-Alter. Die Geschichte sprüht nur so vor Witz und Humor und begeistert von der ersten Seite an. Trotz des für Kinder vielleicht etwas unangenehmen Themas "Hölle" kommt hier beim Lesen kein bitterer Beigeschmack auf. Allerdings sollte man meiner Meinung nach die Altersfreigabe unbedingt beachten, denn die Hölle wird mit all seinen landschaftlichen und charakteristischen Gegebenheiten doch recht ausführlich erklärt und bildlich beschrieben. Dies regt natürlich auch ungemein die Fantasie des Lesers an, was aber meiner Meinung nach nicht als negativ empfunden werden kann. Im Gegenteil, man versinkt quasi in der Geschichte und man fühlt sich die ganze Zeit über als Filips unsichtbarer Begleiter. Man fiebert bei seinen Erlebnissen mit, fröstelt bei den Gedanken an die dunklen Gassen und schüttelt sich bei solch "leckeren" Menüs wie zum Beispiel "Gedämpfte Spinnenbeine mit Schneckensoße" , "Feldermaus mit schwarzer Soße" und "Blutbier" - nur um einige der Leckereien zu nennen, die Filip von der gutmütigen Köchin Ravine serviert bekommt.
Die Geschichte beginnt gleich spannend und zu keiner Zeit kommt Langeweile beim lesen auf. Im Gegenteil: Man möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen!
Zwar vermutet man recht früh, wer oder was hinter Luzifers mysteriösen Krankheit stecken könnte, aber trotzdem hält das Ende doch noch einige Überraschungen bereit.
Filip Engel (schon die Namenswahl lässt einen ständig schmunzeln) ist ein herzensguter Junge, der immer für andere da ist und helfen mag, wo er nur kann. Ein Junge, den man sofort lieb gewinnt und ins Herz schließt. Im Gegenteil zu seinen gleichaltrigen Klassenkameraden, die in ihm eher das "Weichei" sehen. 

Denn Lügen oder gar Streiche aushecken, das ist für Filip fast ein Ding der Unmöglichkeit und so treibt er den armen Luzifer fast in den Wahnsinn. Es ist eine wahre Freude, dem Unterricht der Teufelei zu folgen, da auch Luzifer trotz seiner Rolle als Fürst der Finsternis sehr sympathisch erscheint. Zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch so gut zusammen harmonieren, dass für den Leser wirklich schöne Lesestunden dabei herausspringen. 
Auch wunderschön dargestellt sind seine jugendlichen, zaghaften Gefühle für die schöne Satina und seine rasende Eifersucht gegenüber dem starken Temptaner Aziel, den er sich gleich an seinem ersten Tag in der Hölle zum größten Feind überhaupt gemacht hat.
In Satina scheint Filip zum ersten Mal eine echte Freundin zu finden - und das ausgerechnet in der Hölle!

Aber auch die vielen Nebendarsteller sind wunderbar und teilweise sehr amüsant dargestellt und regen die Fantasie des Lesers an, wie zum Beispiel die herzensgute und doch vehemente Köchin Ravina oder der Dämon Motzbart, den Filip immer gerne besucht. Und natürlich Luzifers Helfer, die sprechende Katze Luzifax. Sie alle sorgen für wahrlich heitere Momente.

Fazit: 
"Die teuflischen Abenteuer des Filip Engel" ist ein wirklich empfehlenswerter Kinder-Fantasy-Roman, der nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt!
Ich bin total begeistert von diesem Buch und kann es daher auch allen Erwachsenen empfehlen, die gerne einmal ein schönes Kinderbuch zur Hand nehmen, um ein paar unbeschwerte Lesestunden zu genießen. Ich habe mir wirklich schwer getan, das Buch aus der Hand zu legen und wenn es mir zeitlich möglich gewesen wäre, hätte ich es gerne in einem Rutsch durchgelesen. 
Eltern rate ich, unbedingt auch die Altersangabe zu beachten. Vom Verlag wurden 11 Jahre angegeben und dies empfinde ich auch als angemessen. Früher sollte es meiner Meinung nach nicht gelesen werden. Fantasy-begeisterte Kinder werden mit diesem Buch gewiss ihren Spaß haben. 
Man könnte sagen: Wer Harry Potter mag, wird Filip Engel lieben!

 Rezension, Alexandra

[alexandra]

Rezension: Wie ein Flügelschlag

Sonntag, 19. Februar 2012 4 Kommentare

von Jutta Wilke
Verlag: Coppenrath
Seiten: 288
ISBN: 9783649605669
Alter: ab 12 Jahren
"Ich war fünf, als ich fliegen lernte. Ich schlüpfte aus den Armen meiner Mutter , die im hüfthohen Wasser stand, wand mich unter dem Seil hindurch und flatterte davon wie ein kleiner Vogel. Kein Boden mehr unter den Füßen und keine Hände mehr, die mich umklammerten.
Über mir der Himmel und unter mir nichts als Wasser."

Inhalt: 

Jana Schwarzer, eine leidenschaftliche Schwimmerin, hat es geschafft: Sie erhält ein Stipendium für ein renommiertes Sportinternat.  Ihren Mitschülern, die allesamt aus der gesellschaftlichen Oberschicht kommen, ist sie jedoch ein Dorn im Auge . Aber Jana kümmert sich nicht darum. Für sie zählt nur das Schwimmen - und das kann sie gut. Sehr gut sogar. Sie ist die härteste Konkurrentin für Melanie Wieland, das Schwimm-Ass der Schule.  Und doch ist gerade Melanie auch ihre einzige Freundin. 
Für Jana ist der Sieg nicht wichtig, nur die Leistung. Im Schwimmen hat sie endlich ihre Freiheit gefunden. Wenn sie schwimmt, dann spürt sie, wie alle Probleme, alle Sorgen von ihr abfallen und sie abhebt wie ein Schmetterling, der dem Himmel und der Freiheit entgegen fliegt. 

Aus für Jana sehr unbegreiflichen Umständen kommt es zum Streit zwischen ihr und Melanie und alle Versöhnungversuche ihrerseit scheitern. Und plötzlich ist Melanie tot...Wie ein gebrochener Engel liegt sie morgens neben dem Schwimmbecken. Für Jana bricht eine Welt zusammen.  Was ist hier passiert? Woran ist Melanie gestorben? 
Die Ärzte diagnostizieren ein Herzversagen, aber Jana kann und will dies nicht glauben. Melanie war doch so stark. Daher versucht sie, auf eigene Faust herauszufinden, was tatsächlich hinter Melanies Tod steckt. Überraschend bekommt sie Hilfe von Mels Bruder Mika. Gemeinsam stoßen sie auf die schreckliche Wahrheit.

Handlung & Charaktere: 

Jutta Wilke hat mit  "Wie ein Flügelschlag " einen äußerst spannenden und auch emotiongeladenen Jugend-Thriller vorgelegt, der den Leser regelrecht fesselt. Gleich nach den ersten Seiten versinkt man völlig in der Geschichte und es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Das Buch wird aus Jana´s Sicht  in der "Ich"-Perspektive erzählt und gerade das macht unheimlich viel aus - denn so bekommt der Leser einen großen Einblick in Jana´s Gefühlswelt. Die Schreibweise fasziniert, da gerade für das Darstellen der Gefühle und Emotionen viele Metaphern verwendet werden.
Ein schönes Beispiel hierfür findet man unter Anderem auf Seite 155:

"Ich falle und falle und da, wo der Aufprall meinem Sturz ein Ende setzen müsse, tut sich der Boden unter mir auf und ich falle weiter.
Und die Wahrheit fällt unbarmherzig mir mir, hält mich fest umklammert und denkt nicht daran, mich loszulassen. Melanie ist tot."

Wirklich toll gelöst ist auch das Einbringen der unbekannten Person ins Geschehen. Die vereinzelten, geheimnisvollen Abschnitte der unbekannten Person zwischen den Kapiteln steigern die Spannung, denn nun wird auch dem Leser klar, dass der Mels Tod nicht einfach "nur" ein Herzversagen war, sondern dass hier mehr dahintersteckt...das JEMAND dahintersteckt...

Die Protagonistin Jana ist eine starke Persönlichkeit, auch wenn sie im ersten Moment nicht so erscheint. Bei weiterem Lesen wird man jedoch feststellen, welche Stärke tatsächlich in ihr steckt. Sie hat es geschafft, hat einen Weg gefunden, sich aus der starken Umklammerung ihrer stark labilen Mutter zu befreien. Einer Mutter, deren eigenes Leben total aus den Fugen geriet und die nun durch ihre Tochter lebt und diese am liebsten Zuhause in einen goldenen Käfig sperren möchte. Durch das Schwimmen kann Jana diesem Käfig entfliehen. Sie fliegt davon wie ein Schmetterling... 
Der Schmetterling steht für Jana als Symbol für diesen gewonnenen Kampf. Es bedarf schon einer innerer Stärke, sich gegen die Mutter zu stellen. Auch der Hass ihrer Mitschüler versucht sie immer wieder abzuschütteln und nicht an sich heran zu lassen. Und auch hier hilft ihr das Schwimmen wieder. Schwimmen und atmen...das bedeutet Freiheit für Jana. 
Und ohne jeglichen Rückhalt ihrer Mitschüler und ihrer Mutter kämpft sie verbissen um die Wahrheit - und siegt auch hier.

Man fühlt und leidet mit Jana während des Lesens und genießt aber auch die schönen Momente mit ihr, in denen sie zaghaft die Liebe entdeckt.
Melanies Vater verkörpert alle Klischees des karrierebesessenen Mannes, der seinen Erfolg durch seine Kinder weiterleben möchte. Melanie kämpft um dessen Anerkennung und nimmt daher seine Manipulation scheinbar resigniert in Kauf. Mels Mutter möchte man am liebsten kräftig schütteln und sagen "Wach auf und wehr dich! " , kommt sie doch so sehr als verschrecktes Mäusschen daher, das nicht mal wagt, in normaler Lautstärke zu sprechen. Mika erscheint gleich zu Beginn sehr sympathisch, offen und herzlich. Auch dass er nach dem tragischen Tod seiner Schwester nicht resigniert und Mel bei der Suche nach der Wahrheit hilft, spricht für einen starken Charakter.Das zarte Erwachen der Liebe zwischen Mika und Jana sorgen für schöne Lesemomente und lockern die düstere Thrillerstimmung auf.

Cover & Aufmachung:

Die Covergestaltung ist in meinen Augen einfach nur gelungen und sehr ansprechend. Nach einigen gelesenen Seiten stellt man auch gleich den Zusammenhang zwischen der Protagonistin und den abgebildeten Schmetterlingen dar.
Das blau spiegelt zum einen den Himmel und zum Anderen aber auch das Wasser dar - beide Elemente, die Zusammen die  große Freiheit für Jana bedeuten. 
Entfernt man den Schutzumschlag, findet man ein fast komplett schwarzes Buch vor, auch das Lesezeichenband ist schwarz gehalten. In meinen Augen stellt das den Kontrast zur Freiheit auf dem Schutzumschlag dar und symbolisiert Janas Trauer um ihre Freundin Melanie.  Sehr ansprechend ist auch die Darstellung des Schmetterlings zu jedem Beginn eines neuen Kapitels. Diese Gedanken der unbekannten Person werden jeweils auf einer separaten Seite in kursiver Schrift dargestellt und erhöhen alleine schon durch diese Darstellung die Spannung beim lesen.

Fazit: 

"Wie ein Flügelschlag" ist ein wahrlich gelungener Jugend-Thriller, der mich von der ersten Seite in seinen Bann gezogen und fasziniert hat. ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen und so habe ich es an einem Stück gelesen. 
Ein Buch, dass den Leser zudem nachdenklich stimmt, was sportlichen Ehrgeiz, Macht und Karriere betrifft. Wie weit darf man gehen, wo sind die Grenzen und wer bestimmt diese? Wie weit dürfen Eltern gehen im Vorantreiben ihrer eigenen Kinder? 
Ein Buch, das sich zu Recht als "All Ager" bezeichnen darf. Denn nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene aller Altersklassen werden Gefallen an diesem einfach nur schönen Buch haben.

© Rezension, Alexandra


Zur Autorin: 

Über zwölf Jahre war Jutta Wilke selbstständige Anwältin für Familienrecht. Nach der Geburt ihres fünften Kindes hängte sie ihre Robe an den Nagel, um sich ganz ihrer auf XL-Format angewachsenen Großfamilie widmen zu können. Als dann auch der jüngste Spross der Familie einen Kindergartenplatz ergattern konnte, beschloss Jutta Wilke, noch einmal ganz neu durchzustarten und endlich das zu machen, wovon sie ihr Leben lang geträumt hatte: Kinderbuchautorin werden. „Holundermond“ ist ihr erster Roman. 
Quelle: Website Coppenrath Verlag

[alexandra]

Rezension {Alexandra} - Das Schwein unter den Fischen

Donnerstag, 16. Februar 2012 0 Kommentare


Das Schwein unter den Fischen
von Jasmin Ramadan


Verlag: Klett Cotta / Tropen
Genre: Gegenwartsliteratur
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2012
Ausstattung: 272 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50120-9 



"Es war am Morgen meines dreizehnten Geburtstags, als Ramona eine Tiefkühltorte föhnte ..." 


Inhalt:  

Die dreizehnjährige Celestine, von den meisten einfach nur Stine genannt (oder auch Stint, wie ihr Vater sie öfters ruft) hat es nicht leicht in ihrem Leben: Denn ihre Familie ist alles andere als eine normale Durchschnittsfamilie - in ihrer Familie herrscht das blanke Chaos. Ihre leibliche Mutter lernte sie nie kennen, ihre dauerbetrunkene Stiefmutter Ramona dagegen mehr, als ihr lieb ist. Reiner, ihr Vater gibt sich völlig seinem Zwiebelmett-Rezepten hin und eröffnet sogar ein Imbiss eigens für seine Mettbrötchen. Einzig seine Methol-Ziegaretten können dem Mett noch das Wasser reichen. Ja und dann wären da unter Anderem noch ihre unter Depressionen leidende, lesbische Tante Trixi und ihr bester Freund - ein schwuler Arzt aus Amerika. 
Die Weichen scheinen für Stine gelegt zu sein. Ohne jeglichen Antrieb und ohne eigene Zukunftspläne arbeitet sie nach der Schule selbst im Imbiss ihres Vaters. Als sich ihr eines Tages unerwartet eine Chance bietet, entschließt sie, ihr Leben endlich in die eigene Hand zu nehmen und beginnt eine neue Arbeit in der Altenbetreuung. Die extravagante Lilli und der etwas skurrile Heinrich bringen Stine auf andere Gedanken. Und dann ist da ja auch noch Enki, der unbekannte Gefühle in ihr auslöst...


Handlung / Charaktere:

Jasmin Ramadan schaffte mit "Das Schwein unter den Fischen" ein Werk, dass zum einen sehr sozialkritisch ist und zum anderen dem Leser aber auch eine skurril-komische Unterhaltung bietet. In der "Ich"-Perspektive erzählt Stine ihre junge Lebensgeschichte auf mal zynische, mal ironische Art, aber auch oft in sehr amüsanter Weise. Dieser Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und lässt viel Freiraum für ihre Gedanken zu. Dem Leser fällt es so leicht, sich in Stine und ihrer verdrehten Gefühlswelt einzufinden. 
Das Thema regt sehr zum Nachdenken an. Vieles kommt einem beim Lesen erst als sehr zugespitzt und übertrieben vor, nach längeren Nachdenken allerdings revidiert man seine Meinung, denn man findet doch immer wieder Parallelen zu verschiedenen Situationen oder Momenten, denen man selbst im echten Leben begegnete. Tatsächlich gibt es in unserer Gesellschaft einige Familien, die Stines Familie in den ein oder anderen Situationen sehr ähneln (reicht es dazu doch schon, einmal den Mut zu fassen und eine Nachmittags-Talkshow einzuschalten ...) 
Zum anderen lockert gerade diese  Überdrehtheit oftmals die Situation auf, die sonst recht düster auf den Leser wirken würde. Denn Stine´s Leben ist in der Tat recht trostlos und auch traurig. 

Die Protagonistin Celestine ist ihrer Situation entsprechend sehr authentisch dargestellt. Zynisch und etwas trotzig versucht sie, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Sie findet sich mit vielem ab, selbst als sie im Winter im kalten, engen Schrebergartenhäusschen hausen mussten und versucht, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Aber dies ist eine harte Nuss für eine Jugendliche auf dem Weg zu Erwachsenwerden. So führt auch ihr Weg immer wieder mal zu Drogen und Alkohol, aber nie zu Exzessen. 
Ihre wachsenden Gefühle der Liebe und Eifersucht, die sie Enki gegenüber entwickelt, verunsichern sie und sie muss erst einen Weg für sich selbst finden, diese Gefühle zuzuordnen und damit umzugehen. 



Reiner - Stines Vater - ist trotz seiner machohaften, etwas "hinterwäldlerischen" Art sehr liebevoll und ist immer für seine Tochter da (so gut er das eben kann). Auf naive und auch dumme Art und Weise versucht er ihr durch ihre Ängste, wie zum Beispiel der Platzangst,  zu helfen. Und auch Ramona ist in ihrer Charakteristik und in Ihren Eigenschaften sehr gut dargestellt. In ihrer Beschreibung treffen viele Klischees aufeinander und man kann sich die verruchte, bauchtanzende, durch Alkohol und Zigaretten immer heiser klingende Frau regelrecht bildlich vorstellen.



Zu Beginn lässt sich die Geschichte sehr flüssig lesen, jedoch baut dies im Mittelteil etwas ab. Die Thematik ist weiterhin interessant, da sie nun Lilli und Heinrich kennenlernt - zwei äußerst sympathische Charaktere - aber diesen Teil hätte man etwas interessanter gestalten können. Das Lesen fällt im Mittelteil etwas schwer und man neigt dazu, Zeilen zu überspringen. Zum Ende hin liest es sich dann wieder flüssiger. 
Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Stines Selbstfindung etwas ausführlicher zur Sprache gekommen wäre. Hier verspricht der Klappentext mehr, als er zuletzt hält. Mehr Eigeninitiative hätte ich ihr zugetraut, seit sie das Imbiss verlassen hat. Und zuletzt geht dann alles so schnell und der Leser erfährt kaum, wie es eigentlich dazu kam. Denn für ein solches Projekt musste Stine meiner Meinung auch geistig noch reifen. Doch hier wird der Leser zuletzt vor vollendete Tatsachen gestellt. Auch gefällt mir die Entwicklung mir ihrer eigenen Mutter nicht so sehr, hier wird die Geschichte und deren Zufälle etwas zu unglaubwürdig.


Fazit:

Ein sozialkritischer Roman, den zum Teil skurril-komisch und unterhaltend wirkt, aber auch sehr zum Nachdenken anregt. Ein Roman, der sicher für gespaltene Meinungen sorgen wird. Wer die große Spannung erwartet, wir hier enttäuscht werden. Meines Erachtens steckt einiges an Tiefgang in dieser Geschichte - man wird diesen Tiefgang jedoch erst finden, wenn man sich seine eigenen Gedanken über das Gelesene macht. Daher finde ich, dass es kein Buch für das schnelle Lesen nach Feierabend ist. 
Abzug gebe ich für das Ende, das mir persönlich nicht zu schnell und unaufgeklärt kommt. Auch die Entwicklung der Geschehnisse zum Ende sagen mir persönlich nicht so zu.
Aber alles in Allem ein empfehlenswertes Buch für Liebhaber der Gegenwartsliteratur. 




© Alexandra Zylenas 



Zur Autorin:
Jasmin Ramadan, geboren 1974, lebt in Hamburg. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Ägypter. Sie studierte Germanistik und Philosophie. 2009 gelang ihr mit ihrem Debüt »Soul Kitchen« zum gleichnamigen Kino-Hit von Fatih Akin ein Überraschungserfolg. Für ihren neuen Roman »Das Schwein unter den Fischen« erhielt sie den Hamburger Förderpreis für Literatur. Mehr über die Autorin unter: www.jasminramadan.de

Quelle: Klett Cotta Verlag / Tropen


Rezension {Alexandra} - Die kleine Göttin

Sonntag, 12. Februar 2012 0 Kommentare

Ein Afrikaroman
von Ilona Maria Hilliges

Verlag: Wunderlich / Rowohlt Bücher
Ausstattung: Hardcover, 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.01.2012
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-8052-5005-4

Auch als eBook erhältlich








Inhalt:  
Viktoria - Mitte 50, geschieden und  mittlerweile arbeitslos, da ihr Arbeitsplatz als Versicherungskauffrau durch einen Computer ersetzt wurde - steuert gezielt auf eine Lebenskrise zu. Als sie dann auch noch ihre Mutter beerdigt, um die sie sich all die Jahre gekümmert hatte, rechnet sie aus, das ihre durchschnittliche Lebensdauer gerade mal noch bei 31,4 Jahren liegt. Das und der Kommentar ihrer selbstbewussten Tochter Jasmin, dass sie nun endlich ein Fitness-Center aufsuchen solle, da sie "aus dem Leim" gehe, trägt nicht gerade zur Besserung ihrer Stimmung bei. 
Beim anstrengenden Training kollidiert sie beim Laufbandtraining  mit Moritz, dem Buchhändler ihres Vertrauens. Ein anschließendes Essen läutet den Beginn einer schönen Freundschaft ein. 
Beim Entrümpeln des Familienhauses stößt Viktoria auf eine alte Tonfigur und einige vergilbte Fotos. Fasziniert von dem Fund startet Moritz eine Recherche und stellt fest, dass Viktoria als Kleinkind adoptiert wurde. Im nigerianischen Tiameh geboren, wurde sie mir 2 Jahren nach Deutschland gebracht. 
Hängt dieser Dachboden-Fund mit ihrem immer wiederkehrenden Traum zusammen, der sie schon ihr Leben lang verfolgt? Ein Traum, der sie ins dunkle Herz Afrikas führt, bis nahe an einen Abgrund...
Die sonst schüchterne und zurückhaltende Viktoria fasst einen für sie sehr mutigen Entschluss: Sie fliegt mit ihrer Tochter nach Tiameh und forscht nach ihrer Familie. Denn die Recherchen haben ergeben, dass es dort noch eine Tante geben muss. 
Was sie dort findet, übertrifft ihre kühnsten Erwartungen - denn in Afrika findet sie nicht nur ihre Familie, sondern endlich auch sich selbst...

Handlung / Charaktere: 
Nachdem ich von Ilona Maria Hilliges schon den historischen Roman "Sterne über Afrika" gelesen habe, wusste ich, dass ich sicher wieder eindrucksvolle Beschreibungen über das weite Afrika erwarten kann. 
Diesbezüglich wurde ich auch in keinster Weise enttäuscht. Die Beschreibung des Ortes Tiameh und vor allem des Hain´s, in den sich Viktoria mit Theodora zurückziehen, faszinierte und man wünschte sich, diese Ort einmal erleben zu dürfen.
Da die Autorin selbst viele Jahre in Afrika lebte, macht die landschaftliche und menschliche Darstellung zudem sehr authentisch. 
Der Beginn des Buches ist etwas schleppend, aber seit Viktorias Ankunft in Nigeria liest es sich sehr angenehm. 
Die Schreibweise ist recht leicht zu lesen, der Satzbau nicht zu lang - im Gegensatz du den Kapiteln. Ich persönlich bevorzuge kürzere Kapitel, da es mir zeitlich nicht immer möglich ist, lange am Stück zu lesen. Aber ich möchte schon gerne immer bis zum Kapitel-Ende lesen. 
Etwas störend finde ich manchmal die Ausdrucksweise. Das beste Beispiel hierfür ist die Tochter Jasmin, die Viktoria immer "meine kleine Mama"  oder "arme kleine Mama" nennt...Meiner Meinung nach ist das sehr unpassend. 
Viktorias Reise nach Afrika und zu sich selbst ist sehr philosophisch dargestellt und schön zu lesen.
Die Geschichte um eine Frau - Viktoria - auf der Suche nach Ihrem wahren Ich, nach ihrem wahren Platz im Leben sorgt für viele Emotionen und Gefühle. Eine Frau, die vom Leben nicht viel erwartet und auch bisher nicht viel dafür getan hat, etwas daran zu ändern. Langweiliger Job, gescheiterte Ehe, keinerlei aufregende Erfahrungen und immer schön alles nach Plan. Und plötzlich steht sie im Dschungel und philosophiert mit Theodora über das Leben. 
Den Gedanken und die Rituale der Frauen im Hain zu folgen, begeistern beim lesen und regen ebenfalls zum Nachdenken an. Welchem Element würde man sich selbst am ehesten zuordnen? Feuer oder Luft? Wasser oder Erde? Der Mensch im Einklang mit der Natur - etwas, dass wir uns in der westlichen Zivilisation, regiert von Computern, Technik und Fitness-Centern,  kaum noch vorstellen können.
Auch die immer wieder aufgeführten Vergleiche zwischen der westlichen und der nigerianischen Welt stimmen nachdenklich.
Allerdings muss ich sagen, dass mir die Protagonistin Viktoria charakteristisch nicht so sehr gefallen hat. Ich konnte über die meiste Zeit des Buches keine Verbindung zu ihr aufbauen. Im Gegenteil, ich wurde zum Teil sogar leicht gereizt beim Lesen ihrer Gedanken. Ständig ängstlich hinterfragend, ständig negative Gedanken....  Ich bin mir bewusst, das dies bestimmt so gewollt ist, um ihren schüchternen Charakter besser darzustellen, aber ich persönlich konnte leider nicht ganz warm werden mit ihr. 
Im Gegensatz dazu gefiel mir die Darstellung der Theodora unglaublich gut. Sie hat viel mitgemacht in ihrem Leben und trotzdem die Zügel in der Hand behalten. Ihre ruhige, weise Art und ihre Liebe zu dem Land, Ihre Haltung Viktoria gegenüber und auch ihre Erklärungen der Verbindungen zwischen Natur und Mensch sind sehr angenehm auch wirklich sehr interessant zu lesen.Gerade diese Darstellungen ebschäftigen auch noch nachhaltig.

Cover:
die Covergestaltung ist sehr stimmig und passend zur Geschichte gestaltet. Das Cover ziert die Tonfigur der kleinen Göttin - von Viktoria und Jasmin liebevoll "Julia" getauft. Farblich  wurden Erdtöne gewählt und stimmen den Leser auf die  literarische Reise nach Afrika ein.

Fazit: 
Ein schöner & philosophischer Afrika-Roman mit interessanter und auch leicht mystischer Thematik, die zum Nachdenken einlädt und den nötigen Tiefgang bereit hält.
Teilweise sagte mir die Ausdrucksweise nicht zu und ich persönlich wurde leider nicht warm mit der Protagonistin Viktoria. Aber diesbezüglich sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden. Hier sind die Geschmäcker und die Auffassungen bekanntlich verschieden. Die Beschreibung des Landes und der Menschen hingehen ist sehr schön gelungen. 
Für Afrika-Liebhaber ist "Die kleine Göttin" auf jeden Fall empfehlenswert. 

Meine persönliche Bewertung: 

B_Jones


Zur Autorin:

Ilona Maria Hilliges lebte mehrere Jahre in Afrika. Ihr autobiografischer Roman "Die weiße Hexe" stürmte die Bestsellerlisten. Auch die Romane „Sterne über Afrika“ und „Ein Kind Afrikas“ über die Ärztin Amelie, die bei Wunderlich erschienen, waren beim Publikum außerordentlich beliebt. Ilona Maria Hilliges ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt in Berlin. 
Quelle: Website Rowohlt Verlag 
Bild: © by privat / Website Rowohlt Verlag

Rezension: Die Bestimmung 1

Donnerstag, 9. Februar 2012 2 Kommentare



Was ist deine Bestimmung?
In einer Welt, in der Loyalität alles ist, kann deine Entscheidung das Leben von Grund auf beeinflussen...

Die Bestimmung
von Veronica Roth


Verlag: cbt Jugendbuch
Originaltitel: Divergent
Übersetzt von Petra Koob-Pawis
Deutsche Erstausgabe 
Titel erscheint am: 19. März 2012
Alter: Ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-570-16131-9

Inhalt:  

Die sechzehn-jährige Beatrice wächst in einer Zeit auf, in der die Menschen verschiedener Fraktionen angehören. Diese einzelnen Fraktionen stehen für ihre lebensweisenden Eigenschaften und Werte, die sie auch ihren Kindern vermitteln. Mit dem Erreichen des sechzehnten Lebensjahres allerdings kann ein Kind entscheiden, ob es in der Fraktion der Eltern weiter leben möchte oder ob sein Charakter eher zu einer anderen Fraktion passen würde. Die Wahl ist ein einschneidender Eingriff in das Leben der Kinder, denn ein Wechsel der Fraktion zieht das Verlassen der eigenen Familie nach sich. Diesen Platz nimmt die neue Fraktion ein. Denn der Leitsatz der Gesellschaft lautet: "Fraktion vor Blut"

Ein Eignungtest soll die Wahl erleichtern, und so sieht auch Beatrice gespannt und auch mit gemischten Gefühlen diesem Test entgegen.

Altruan - die Freimütigen
Ken - die Wissenden
Amite - die Friedfertigen
Ferox - Die Furchtlosen

Beatrice ist bei den Altruan aufgewachsen, einer Fraktion, deren größter Wert die Selbstlosigkeit ist. Aber sie kommt mit vielen Regeln und Vorschriften der Altruan nicht zurecht. Sie spürt, dass der Drang, den furchtlosen Ferox anzugehören, immer stärker wird. Doch das Ergebnis ihres Eignungtests ist nicht eindeutig. Beatrice ist eine Unbestimmte. Sie versteht nicht, was dies zu bedeuten hat, aber sie weiß, dass sie dieses Ergebnis für sich behalten muss - denn es ist sehr gefährlich, eine Unbestimmte zu sein...

Am Tag der Wahl entscheidet sie sich nach ihrem Gefühl und wechselt tatsächlich zur Fraktion der Ferox. Im Hauptquartier ihrer neuen Heimat angekommen, muss sie noch die letzte Hürde, die Initiation, bewältigen, erst dann ist sie eine richtige Ferox. Schafft sie es nicht, wird sie zwangsläufig eine Fraktionslose sein, deren Leben von Hunger und Elend geprägt ist. So durchlebt Beatrice - die sich ab sofort "Tris" nennt - eine Ausbildung, die viel Schmerz und Leid, aber auch Intrigen, Hass und Neid im Kampf um die besten Plätze für sie bereithält. Aber sie findet trotz allem auch neue Freunde. Nur Four, ihr furchtloser scheinbar unnahbarer Ausbilder gibt ihr Rätsel auf und sie schreckt zurück vor seiner Härte, die er ausstrahlt. Aber da ist noch etwas anderes....Zum Ende ihrer Initiation kommt es plötzlich zu einer Eskalation zwischen den Fraktionen und Tris muss der Gefahr ins Auge blicken.

Handlung / Charaktere: 

Veronica Roth hat mit ihrem Debütroman "Die Bestimmung" eine Dystopie der Extraklasse vorgelegt. Der Schreibstil ist entsprechen der Zielgruppe (Jugendroman) recht einfach gehalten und leicht zu lesen. Aber das Buch ist nicht einfach nur ein Jugendbuch, sondern kann getrost als "all-ager" eingestuft werden. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive - aus Sicht von Tris - erzählt, was uns viele ihrer Gedanken, Gefühle und Ängste während ihrer Initiation bei den Ferox beschert. Man findet recht schnell hinein in die Thematik und schon nach ein paar Seiten versinkt man regelrecht in der Geschichte. Es kommt einem fast vor, als stünde man selbst gerade im Hauptquartier der Ferox. Veronika Roth hat es geschafft, die Spannung über das Buch weg immer weiter aufzubauen. Zu Beginn noch eher zurückhaltend, aber dafür erhält man einen ausführlichen Einblick in Beatrice´s bisheriges Leben bei den Altruan. Das passt hervorragend zum krassen Gegensatz nach der Wahl, wenn sie als Tris von ihrem jetzigen leben bei den Ferox berichtet. Zwei völlig verschiedene Welten prallen hier aufeinander. 

Die Spannung baut sich dann aber zügig auf und es gibt keine Einbrüche, in denen Langeweile oder gar Lese-Ermüdung aufkommt. Im Gegenteil, man möchte das Buch nicht aus der Hand legen, so fesselt die Geschehen. Die Idee der unterschiedlichen Fraktionen bringt frischen Wind in die Fülle der zuletzt erschienenen Dystopien. Die interessante Beschreibung der einzelnen Fraktionen mit ihren Stärken und auch Schwächen ist sehr gelungen. Viele Details machen diese Dystopie Lesens-und Erlebenswert. Es werden keine stark abgehobenen und unglaubwürdigen Fantasy-Elemente verwendet, sondern alles ist sehr menschlich und auch emotional. Und gerade hier liegt meines Erachtens die Stärke des Buches.

Dass die einzelnen Fraktionen sehr lobenswert für ihre Stärken einstehen und auch dementsprechend handeln, aber dass auch nicht vergessen wird, dass der Mensch trotzdem auch Schwächen hat. Dass Rache, Hass und falscher Stolz auch im Zeitalter der Fraktionen bestehen bleibt und massiven Schaden anrichten kann. Die Protagonistin Beatrice - oder auch Tris - ist sehr authentisch dargestellt. Ihre Gedanken und Gefühle bei der Wahl, ihre Emotionen gegenüber der Familie, die sie für die Ferox verlassen muss und nicht zuletzt ihr Anstrengungen, einen Platz in der neuen Wahl-Fraktion zu finden, machen Tris so liebenswert.  Sie bewältigt ihre Ängste, wenn sie auch noch so stark sind. Ihre Gedanken geben Einblick in ihre auf den Kopf gestellte Gefühlswelt. So viele Änderungen in Ihrem Leben, so viele neue Erfahrungen - und dann ist da ja noch Four. Er löst zuletzt in Tris völlig unbekannte Gefühle aus. Ihre erste sachte Erfahrung mit der Liebe berührt den Leser tief. 

Auch Four ist in seiner Charakteristik sehr gelungen dargestellt. Trotz seiner Unnahbarkeift, seiner Stille und teilweise auch seiner Härte ist er eine Person, die man - oder sollte ich besser sagen: die die weiblichen Leser :-) - sofort ins Herz schließen und beim Lesen dahinschmelzen lassen. Aber man muß keine Angst haben, die Liebesgeschichte verdrängt in keiner Weise die Hauptgeschichte. Eher laufen beide Handlungstränge auf harmonische Weise in einem ausgeglichenen Verhältnis nebeneinander her.

Sehr gelungen ist auch die schöne Darstellung der vielen Nebendarsteller. Hier erwarten den Leser die unterschiedlichsten Charaktere, welche keineswegs langweilig oder gar lieblos dargestellt werden. Auch hier hat die Autorin auf eine schöne und authentische Beschreibung geachtet - ob es nun der große, starke Al ist, der ein zu weiches Herz besitzt. Oder Peter, der vor nichts zurückschreckt um sein Ziel zu erreichen und zuletzt doch "die Hosen voll hat". Oder der Neid, der immer wieder kurz in Tris bester Freundin Christina aufflammt...

Alles in allem versetzt "Die Bestimmung" den Leser in eine Welt der anhen Zukunft, ohne dabei angehoben zu wirken. Im Gegenteil - die Thematik regt den Leser zum Nachdenken an. Es wird aufgezeigt, wohin zu viel Ehrgeiz, falscher Stolz und Machtbesessenheit führen kann. 

Fazit: 

"Die Bestimmung" ist für meinen Geschmack eine hervorragend gelungene Jugend-Dystopie. Ich habe dieses Buch fast in einem Rutsch durchgelesen - und wenn es mir zeitlich möglich gewesen wäre, hätte ich auch gerne auf diese eine Unterbrechung verzichten können. Ich war total begeistert und gefesselt von der Geschichte, die sich so schön lesen lässt. Ich warte nun wirklich sehr gespannt auf die Fortsetzung - ob es die Autorin schafft, dieses hohe Level beizubehalten! Ich hoffe es! Ich kann dieses Buch auf alle Fälle uneingeschränkt an jeden Dystopie-Fan und solche, die es noch werden möchten, weiterempfehlen. 

Rezension: Alexandra Zylenas


Zur Autorin:

Veronica Roth lebt in Chicago und studierte an der dortigen Northwestern University Creative Writing. Im Alter von nur 20 Jahren schrieb sie während ihres Studiums den Roman, der später "Die Bestimmung" wurde, und mit dem sie in den USA auf Anhieb die Bestsellerlisten stürmte.

[alexandra]