Rezension {Alexandra} - Die kleine Göttin

Sonntag, 12. Februar 2012 0 Kommentare

Ein Afrikaroman
von Ilona Maria Hilliges

Verlag: Wunderlich / Rowohlt Bücher
Ausstattung: Hardcover, 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.01.2012
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-8052-5005-4

Auch als eBook erhältlich








Inhalt:  
Viktoria - Mitte 50, geschieden und  mittlerweile arbeitslos, da ihr Arbeitsplatz als Versicherungskauffrau durch einen Computer ersetzt wurde - steuert gezielt auf eine Lebenskrise zu. Als sie dann auch noch ihre Mutter beerdigt, um die sie sich all die Jahre gekümmert hatte, rechnet sie aus, das ihre durchschnittliche Lebensdauer gerade mal noch bei 31,4 Jahren liegt. Das und der Kommentar ihrer selbstbewussten Tochter Jasmin, dass sie nun endlich ein Fitness-Center aufsuchen solle, da sie "aus dem Leim" gehe, trägt nicht gerade zur Besserung ihrer Stimmung bei. 
Beim anstrengenden Training kollidiert sie beim Laufbandtraining  mit Moritz, dem Buchhändler ihres Vertrauens. Ein anschließendes Essen läutet den Beginn einer schönen Freundschaft ein. 
Beim Entrümpeln des Familienhauses stößt Viktoria auf eine alte Tonfigur und einige vergilbte Fotos. Fasziniert von dem Fund startet Moritz eine Recherche und stellt fest, dass Viktoria als Kleinkind adoptiert wurde. Im nigerianischen Tiameh geboren, wurde sie mir 2 Jahren nach Deutschland gebracht. 
Hängt dieser Dachboden-Fund mit ihrem immer wiederkehrenden Traum zusammen, der sie schon ihr Leben lang verfolgt? Ein Traum, der sie ins dunkle Herz Afrikas führt, bis nahe an einen Abgrund...
Die sonst schüchterne und zurückhaltende Viktoria fasst einen für sie sehr mutigen Entschluss: Sie fliegt mit ihrer Tochter nach Tiameh und forscht nach ihrer Familie. Denn die Recherchen haben ergeben, dass es dort noch eine Tante geben muss. 
Was sie dort findet, übertrifft ihre kühnsten Erwartungen - denn in Afrika findet sie nicht nur ihre Familie, sondern endlich auch sich selbst...

Handlung / Charaktere: 
Nachdem ich von Ilona Maria Hilliges schon den historischen Roman "Sterne über Afrika" gelesen habe, wusste ich, dass ich sicher wieder eindrucksvolle Beschreibungen über das weite Afrika erwarten kann. 
Diesbezüglich wurde ich auch in keinster Weise enttäuscht. Die Beschreibung des Ortes Tiameh und vor allem des Hain´s, in den sich Viktoria mit Theodora zurückziehen, faszinierte und man wünschte sich, diese Ort einmal erleben zu dürfen.
Da die Autorin selbst viele Jahre in Afrika lebte, macht die landschaftliche und menschliche Darstellung zudem sehr authentisch. 
Der Beginn des Buches ist etwas schleppend, aber seit Viktorias Ankunft in Nigeria liest es sich sehr angenehm. 
Die Schreibweise ist recht leicht zu lesen, der Satzbau nicht zu lang - im Gegensatz du den Kapiteln. Ich persönlich bevorzuge kürzere Kapitel, da es mir zeitlich nicht immer möglich ist, lange am Stück zu lesen. Aber ich möchte schon gerne immer bis zum Kapitel-Ende lesen. 
Etwas störend finde ich manchmal die Ausdrucksweise. Das beste Beispiel hierfür ist die Tochter Jasmin, die Viktoria immer "meine kleine Mama"  oder "arme kleine Mama" nennt...Meiner Meinung nach ist das sehr unpassend. 
Viktorias Reise nach Afrika und zu sich selbst ist sehr philosophisch dargestellt und schön zu lesen.
Die Geschichte um eine Frau - Viktoria - auf der Suche nach Ihrem wahren Ich, nach ihrem wahren Platz im Leben sorgt für viele Emotionen und Gefühle. Eine Frau, die vom Leben nicht viel erwartet und auch bisher nicht viel dafür getan hat, etwas daran zu ändern. Langweiliger Job, gescheiterte Ehe, keinerlei aufregende Erfahrungen und immer schön alles nach Plan. Und plötzlich steht sie im Dschungel und philosophiert mit Theodora über das Leben. 
Den Gedanken und die Rituale der Frauen im Hain zu folgen, begeistern beim lesen und regen ebenfalls zum Nachdenken an. Welchem Element würde man sich selbst am ehesten zuordnen? Feuer oder Luft? Wasser oder Erde? Der Mensch im Einklang mit der Natur - etwas, dass wir uns in der westlichen Zivilisation, regiert von Computern, Technik und Fitness-Centern,  kaum noch vorstellen können.
Auch die immer wieder aufgeführten Vergleiche zwischen der westlichen und der nigerianischen Welt stimmen nachdenklich.
Allerdings muss ich sagen, dass mir die Protagonistin Viktoria charakteristisch nicht so sehr gefallen hat. Ich konnte über die meiste Zeit des Buches keine Verbindung zu ihr aufbauen. Im Gegenteil, ich wurde zum Teil sogar leicht gereizt beim Lesen ihrer Gedanken. Ständig ängstlich hinterfragend, ständig negative Gedanken....  Ich bin mir bewusst, das dies bestimmt so gewollt ist, um ihren schüchternen Charakter besser darzustellen, aber ich persönlich konnte leider nicht ganz warm werden mit ihr. 
Im Gegensatz dazu gefiel mir die Darstellung der Theodora unglaublich gut. Sie hat viel mitgemacht in ihrem Leben und trotzdem die Zügel in der Hand behalten. Ihre ruhige, weise Art und ihre Liebe zu dem Land, Ihre Haltung Viktoria gegenüber und auch ihre Erklärungen der Verbindungen zwischen Natur und Mensch sind sehr angenehm auch wirklich sehr interessant zu lesen.Gerade diese Darstellungen ebschäftigen auch noch nachhaltig.

Cover:
die Covergestaltung ist sehr stimmig und passend zur Geschichte gestaltet. Das Cover ziert die Tonfigur der kleinen Göttin - von Viktoria und Jasmin liebevoll "Julia" getauft. Farblich  wurden Erdtöne gewählt und stimmen den Leser auf die  literarische Reise nach Afrika ein.

Fazit: 
Ein schöner & philosophischer Afrika-Roman mit interessanter und auch leicht mystischer Thematik, die zum Nachdenken einlädt und den nötigen Tiefgang bereit hält.
Teilweise sagte mir die Ausdrucksweise nicht zu und ich persönlich wurde leider nicht warm mit der Protagonistin Viktoria. Aber diesbezüglich sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden. Hier sind die Geschmäcker und die Auffassungen bekanntlich verschieden. Die Beschreibung des Landes und der Menschen hingehen ist sehr schön gelungen. 
Für Afrika-Liebhaber ist "Die kleine Göttin" auf jeden Fall empfehlenswert. 

Meine persönliche Bewertung: 

B_Jones


Zur Autorin:

Ilona Maria Hilliges lebte mehrere Jahre in Afrika. Ihr autobiografischer Roman "Die weiße Hexe" stürmte die Bestsellerlisten. Auch die Romane „Sterne über Afrika“ und „Ein Kind Afrikas“ über die Ärztin Amelie, die bei Wunderlich erschienen, waren beim Publikum außerordentlich beliebt. Ilona Maria Hilliges ist verheiratet, hat vier Kinder und wohnt in Berlin. 
Quelle: Website Rowohlt Verlag 
Bild: © by privat / Website Rowohlt Verlag

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