Im Gespräch mit Autorin Diana J. Jakobs-Waibel

Montag, 30. April 2012 1 Kommentar


Zuerst natürlich einmal ein "Herzliches Willkommen" und vielen Dank für Deinen Besuch im Bücherkaffee und dass Du Dir Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.
Gleich mal eine neugierige Frage vorab: Mit welchem Getränk kann man Dir größere Freude bereiten? Kaffee oder Tee? Lieber gemütliches Straßencafe oder doch eher würzig-duftendes Teehaus?
© Diana Jakobs-Waibel
Erst einmal lieben Dank für die Einladung. Ich bin leidenschaftliche Teetrinkerin. Am liebsten im Straßencafé mit einem Tee aus frischer Minze, Ingwer, Limette. Weißen Tee oder Jasmin Tee trinke ich auch sehr gerne, allerdings nur, wenn er ganz kurz gezogen ist.

Stell Dich doch bitte kurz den Lesern vor. Wer ist Diana J. Jacobs-Waibel? 
Diana ist bunt, vielfältig, offen, neugierig, gegensätzlich. Sie liebt Lakritz. Morgens sollte man sie vor dem ersten Tee allerding lieber noch nicht ansprechen. 
Manchmal ist sie ein wenig chaotisch und sucht dann Schlüssel, Brille und Schuhe. Davon hat sie einige Paare. Wenn es aber ums Arbeiten geht, ist sie äußerst eigen. Da darf auf ihrem Schreibtisch nichts weggenommen, zugelegt oder verändert werden. 

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und seit wann schreibst Du? 
Als Kind habe ich sehr gerne geschrieben, verlor aber die Lust, als meine geschriebenen Texte vor lauter Korrekturen immer ganz rot waren.  Durch den Satz meiner Tochter „ Die Lehrerin hat gesagt, es gibt keine Drachen mehr“, fing ich wieder an zu schreiben. 

Wer oder was beeinflusste Dich in der Wahl deines Berufes als Autorin? 
Sagen wir es mal so, der Beruf hat mich gewählt. Beeinflusst durch Kinder, die immer wieder Fragen, „Warum? Warum gibt es das nicht?“  

Übst Du nebenher noch einen weiteren Beruf aus und wenn ja, welchen? 
Ich bin Entspannungstrainerin für Kinder und Jugendliche. Dadurch kann ich Kindern einen Raum zum Träumen und entspannen geben. 
Zusätzlich bereite ich mich auf die Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie vor. 

Der Weg von einer Idee zum fertigen Manuskript:
Wie sieht dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest du das Schreiben? Skizzen und Notizen samt Post-it-Sammlung oder alles ordentlich mit System am PC? Hast Du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen? 
Als ich anfing, die „Wandelwelt“ zu schreiben, habe ich mich eine Woche an die Ostsee verkrümelt. In dieser Woche entstand die erste Rohfassung von dem Kleinen Wesen. 
Damals dachte ich „wow“, so schnell kann man ein Buch schreiben. Allerdings nicht wissend, das es fünf weitere Jahre brauchte, um zu wachsen. 
Es kam immer wieder die Frage “Wo wohnen denn die Kleinen Wesen, wie sieht es da aus?“ 
„So wie ihr es euch vorstellt“ war meine Antwort. Keine sehr befriedigende für meine kleinen Testleser. Sie wollten einen Rahmen, in dem sie sich bewegen konnten. Und da war sie, meine Schreibblockade. Mich blockierte meine Grundidee, den Kindern einen Platz zum Träumen zu lassen. Ich wollte ihnen nicht vorgeben, wie es bei den Kleinen Wesen aussieht. Ich ließ das Buch fast ein Jahr ruhen. Dann kam endlich der Erlösende Satz: „Und die „Wandelwelt“ sieht genau so aus, wie du sie dir vorstellst.“ 
Und mit der „Wandelwelt“ kamen nach und nach „Nubila“, Tipps und die Idee von weiteren Kleinen Wesen.  Als ich das Buch weiterschrieb, habe ich oft nachts geschrieben. Es gibt eine magische Zeit in Hamburg, wo alle und alles schläft.  Eingekuschelt in einer Decke, mit dicken Socken, einer Tasse Tee und Kerzenlicht am Schreibtisch sitzend, kommen mir in diesem Moment die schönsten Ideen. 
Dieser ganze Prozess hat fast sechs Jahre gedauert, bis ich bereit war, die „Wandelwelt“ in unsere Welt zu entlassen.  Da ich ein sehr visueller Mensch bin, habe ich im Schreibprozess immer eine Sammlung von Bildern, Skizzen und Notizen neben mir hängen, liegen oder auch im Rechnern und Ordnern abgespeichert. 

Folgst Du bestimmten Ritualen im Schreib-Alltag? (z.B. eine Lieblingstasse, die IMMER neben dem PC stehen muss, etc.) 
Ich habe immer einen Tee neben mir stehen und ganz leise Musik im Hintergrund, die mich soweit entspannt, dass die Gedanken fließen können. 

Was bereitet dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches? 
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Wenn die Idee einer Geschichte da ist, habe ich eine gewisse Ahnung in welche Richtung das Ende gehen könnte. 
Wenn ich allerdings etwas bei der „Wandelwelt“ gelernt habe, dann ist es das, dass die Dinge auf einmal ganz anders ausgehen können, als ich dachte.  Von „Tipps“ z.B. wusste ich am Anfang noch nichts und auf einmal schlich sie sich ins Buch. 

Welches gelesene Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken? 
Da gibt es so einige. Eines das ich immer wieder lese, ist z.B „Die Welt der 1000 Ebenen“ und „Die drei Lichter der kleinen Veronika“. Ein Buch das 1912 mit unglaublich brillanten Sätzen in Wort und Inhalt von Manfred Kyber geschrieben worden ist. 

Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten? 
Fantasy 

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen? 
Peter Pan 

Da ich selbst blogge, interessiert mich dies besonders: Dank der Social Networks ist der Kontakt zwischen Autorin und deren Fans viel intensiver geworden. Fluch oder Segen? Wie stehst Du persönlich dazu? 
Ich empfinde das als Segen. Ich hätte mir damals auch die Möglichkeit gewünscht, mit dem einen oder auch anderen, in den Kontakt zu kommen. Fragen zustellen und an der Autorenwelt teilzunehmen. Ich finde das absolut spannend. Und auch im Umkehrschluss, ist es für mich als Autorin großartig zu sehen, was meine Leser beschäftigt, was sie anspricht und wer überhaupt meine Leser sind. Es ist nicht mehr abstrakt, der Kunde, der Leser oder der Käufer, sonder dahinter steht ein Gesicht, ein Mensch und eine Geschichte. 

Im August 2011 hast Du Das Kinderbuch „Wandelwelt 01, Noumi-Minou“ veröffentlicht. Du arbeitest als Enspannungstrainerin und zukünftig auch als Heilpraktikerin für Psychotherapie mit vielen Kindern zusammen. Haben dich die Erfahrungen aus dieser Zusammenarbeit dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?
Hast Du das Gefühl, dass immer mehr Kinder ihr Feingefühl für ihre Fantasie – für ihr kleines Wesen – verlieren? 
Ausgelöst durch den Satz meiner Tochter „ Die Lehrerin hat gesagt....“, habe ich mich mit vielen Lehrern, Pädagogen, Eltern und Kindern unterhalten. 
Es hat sich raus kristallisiert, dass mit Eintritt in die Schule, Buchstaben, Zahlen, Logik, den Vorrang haben. Es ist weder Zeit und Patz da für Tagträumereien und bunte Fantasien. Die Blätter haben grün oder herbstlich zu sein und nicht rosa. 
Der Schulstoff nach Lehrplan muss termingerecht durchgenommen werden. 
Nach der Schule ist dann oft Klavier, Fußball, Reiten und „Hör auf zu träumen und konzertiere dich besser auf deine Hausaufgaben“ angesagt.  Viel Platz zum „sein dürfen“ zum Träumen, haben unsere Kinder nicht mehr.  So ist die Idee zum Buch entstanden. Ich wollte ihnen einen Platz schaffen, in der Drachen erlaubt sind und Sätze wie „Das gibt es nicht“ verboten.  Um hier nicht missverstanden zu werden, Hobbys sind wichtig, aber bitte in Maßen.  In meiner Arbeit als Entspannungstrainerin verfolge ich den gleichen Weg. Ich gebe den Kindern eine Raum zum Luftholen und ein Werkzeug in die Hand, um mit all den Ansprüchen umgehen zu können. 

Ich habe mich früher gerne und oft in Tagträumereien und Fantasiereisen verloren, oft wurde ich gefragt: „Na, wo geisterst du gedanklich wieder herum?“. Heute passiert das seltener, viel Stress und Aktivitäten nehmen den Raum ein. Glaubst du, Kinder sind heute schon zu früh zuviel Stress ausgesetzt? 
Ich glaube und erlebe es definitiv so, dass unsere Kinder in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft zu viel Stress erleben. 

Und was rätst Du den Erwachsenen? Was können sie tun, um wieder zu ihrer Fantasie zu finden? 
Ich denke Erwachsene müssen ihre Fantasie nicht wirklich finden, sondern sie sich erlauben und zulassen.  Der Killer von Fantasie und Kreativität sind Sätze wie, „Das geht nicht, das ist unmöglich, das ist doch totaler Quatsch, das funktioniert nicht“, um nur ein mal ein paar zu nennen. 
Für mich funktioniert es, wenn ich mir vorzustelle, dass ich an einem Ort bin, wo alles möglich ist, alle Ideen und Gedanken erlaubt sind und ich nicht scheitern kann. 

Magst Du meinen Lesern kurz dein kleines Wesen Naadi beschreiben? 
Naadi ist sehr erfinderisch, besonders dann, wenn sie Lakritz naschen möchte.  Manchmal eine kleine Chaosqueen und manchmal sehr resolut.  Sie kann ohne Punkt und Komma reden, aber auch wundervoll zuhören.  Oh, hartnäckig ist sie auch. Besonders dann, wenn sie meint, ich höre ihr nicht zu. Dann macht sie die komischsten Sachen, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber auf der anderen Seite ist sie auch sehr geduldig mit mir. 
Immer wenn ich einen Anflug von „das geht nicht, das kann ich nicht“, bekomme, tippt sie mich an und sagt „Diana‚ „kann ich nicht, gibt es nicht‘, das sind deine Worte“. 
Und dann - dann kann ich meistens doch. 

Hast auch Du dein kleines Wesen erst wieder in Erinnerung rufen müssen? 
Naadi ist während einer Vorlesung in meinem Studium zur Kommunikations-Designerin oben links, auf meinem Blatt erschienen. 
Ich hatte sie in der Tat vergessen. Etwas, was sie ganz und gar nicht toll fand. 

Die „Wandelwelt“ ist ein Fortsetzungsband. Wann dürfen wir uns auf eine neue „Wandelwelt“-Geschichte freuen? Magst Du uns schon etwas darüber verraten? 
Es wird auf jeden Fall weitere „Wandelwelt“-Geschichten geben. 
Die nächste handelt von dem Kleinen Wesen „Sielas“ und seinem Menschen-Kind „Eliass“. 
Das kleine Wesen „Noumi“, ihr Menschen-Kind „Minou“ und „Tipps“ sind natürlich auch wieder mit von der Partie.  Allerdings kann ich noch nicht genau sagen wann und in welcher Form sie erscheinen wird. 

Das Buch ist geschmückt mit sehr ansprechenden Illustrationen, die in schönem Einklang zur Geschichte stehen. Erzähle uns doch kurz etwas darüber. Wer hat sie gezeichnet? 
Gezeichnet hat sie meine Freundin Kerstin Zemke. Wir haben damals zusammen unsere Ausbildung gemacht und uns zufällig in Hamburg wiedergetroffen. 
Für die „Wandelwelt“ hatte ich eine ganz bestimmte Farbenwelt und einen bestimmten Stil im Kopf. Ich wusste, wenn einer das so umsetzten konnte, wie ich es wollte, dann war Kerstin es. 
Nach dem wir besprochen hatte, welche Motive umgesetzt werden, legte sie los. 

Du hast einen eigenen Verlag gegründet – „Finde Fantasie“ in Hamburg. Wirst du ausschließlich Deine eigenen Werke publizieren oder ist auch eine Zusammenarbeit mit weiteren Autoren geplant? 
Sagen wir es mal so, ich bin offen für alles und mal sehen, was sich in der Zukunft noch so entwickelt. 

Was macht Diana, wenn sie gerade nicht hinter dem Schreibtisch sitzt? 
Dann findet sie Fantasie, ist Mama, Ehefrau, Entspannungstrainerin, Seminarleiterin, Hunde und Pferdebesitzerin, in der Krippe bei den ganz Kleinen, Freundin, am Meer, im Wald, in der Schanze, auf Reisen, in der Nacht, im Tag, liest Bücher, hört Audiobücher, Musik, lernt Gitarre, Spanisch, meditiert, pustet Seifenblasen oder – macht auch einfach mal nichts und trinkt ein Tee. 
Natürlich ist die Aufzählung austauschbar, nicht festgelegt und kann jederzeit in der Reihenfolge geändert werden....

Was ist das Verrückteste oder Lustigste, was Du je erlebt hast? 
Ich bringe mich teilweise selber in völlig verrückte Situationen. 
Meine aktuelle Tat, –mich völlig untrainiert zum Hamburger Elbrace angemeldet zu haben und 5km in 15 min. laufen zu wollen –, ist so eine. 
111 Läufer gegen die Cap San Diegeo auf und an der Elbe. 
Ich schaffe das! 

Wer oder was macht Dich besonders glücklich? 
Wenn ich bewusst glücklich sein möchte, fahre ich ans Meer. 
Sonst sind es die kleinen und auch großen Dinge in meinem Alltag, die mir ein glückliches Lächeln auf das Gesicht zaubern. Ein Buch, was sich verkauft hat, ein Klienten-Kind das sich mir öffnet, ein Erfolgserlebnis meiner Kinder, zu wissen das jemand für mich da ist, ein Stück Schokolade zur Richtigen Zeit. Es sind für mich eher die Kleinigkeiten als das große „Besondere“. 

… und was stimmt Dich eher nachdenklich? 
Ungerechtigkeiten, Ignoranz und der Tunnelblick einiger Mitmenschen. 

Verrätst Du uns Dein ganz persönliches Rezept für gute Laune? 
Laute Musik und neue High Heels, da bin ich doch ganz Frau.


Vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch im Bücherkaffee und für das nette Interview. Ich hoffe und wünsche es mir, dass wir noch viel von Dir hören bzw. lesen werden! Alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!

[alexandra]

Rezension: Wandelwelt 01. Noumi-Minou

0 Kommentare

von Diana J. Jacobs-Waibel (Autor) 
und Kerstin Zemcke (Illustrator)

Auflage: 1., August 2011
Genre: Kinderbuch, Fantaie
Ausstattung: Gebundene Ausgabe: 55 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3981222906
Empfohlenes Alter: Ab 7 Jahren

Es gibt eine Welt, die liegt jenseits unserer Welt. Eine Welt, in der Fantasie wahr ist. Eine Welt, die ohne Fantasie in großer Gefahr ist. Ihr Name ist Wandelwelt.

Inhalt:
Minou glaubt an Elfen, an Feen und Drachen. Die Erwachsenen sagen, die gibt es nicht. Nur Zahlen und Buchstaben, sagen sie - die gibt es!  Zum Glück hat Minou aber noch Noumi, ihr kleines Wesen, das genauso aussieht wie sie. Und bald ist sich sogar die Mathelehrerin Frau Besserwissen nicht mehr so sicher, ob unsere Welt nicht doch größer ist... Quelle: Klappentext

Handlung & Charaktere:
Die achtjährige Minou ist ein junges Mädchen, dass sich leidenschaftlich gerne ihren Fantasien hingibt. Elfen und Feen gehören zu ihrem Leben wie Schule und Hausaufgaben. Leider wird sie dafür aber auch von ihren Mitschülern gehänselt. Auch ihrer Mathelererin Frau Besserwissen sind ihre ständig verträumten Blicke aus dem Fenster während des Unterrichts ein großer Dorn im Auge und sie kritisiert Minou dafür sehr.
Eingeschüchtert von den Reaktionen ihrer Mitmenschen wird Minou sehr unsicher. Ihre Lehrerin ist doch eine erwachsene Frau, sie muss es ja besser wissen - und sie sagt - Elfen und Feen gibt es nicht, Zahlen und Buchstaben hingegen, ja die gibt es wirklich!

Da sich Minou so sehr eine Freundin wünscht und sich besser anpassen möchte, verdrängt sie ihre Fantasien und es passiert, was passieren muss: Auch sie beginnt, den Glauben zu verlieren. Ihr kleines Wesen in Wandelwelt - Noumi - ist entsetzt. Denn sie lebt durch die Fantasie des Menschenkindes. Und tatsächlich beginnt sie,  langsam zu verblassen. Schnell muss etwas geschehen! Mit Hilfe ihrer tollpatschigen Freundin, die Elfee Tips stellt sich Noumi der Herausforderung, ihrem Menschenkind die Fantasie zurück zu bringen. Tips schafft es, ausgerechnet der fantasielosen Mathelehrerin die Augen zu öffnen, ihr kleines Wesen wieder aufleben zu lassen. Diese ist sehr bestürzt darüber, dieses kleine Wesen Amrei tatsächlich schon vollkommen verdrängt und vergessen zu haben. Minou ist erstaunt über die Wandlung ihrer Mathelererin - plötzlich soll es also doch Feen geben? Noumi ist voller Hoffnung, auch ihr Menschenkind wieder für sich zu gewinnen!

Diana Jacobs-Waibel möchte mit diesem bezaubernden Buch erreichen, dass junge Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen, sie ausleben und genießen und sich so den nötigen geistigen Freiraum schaffen, den sie im hektischen Alltag des Lebens so dringend benötigen. Aber nicht nur Kindern spricht sie damit ins Gewissen - nein auch den Erwachsenen, die im Laufe der Zeit verlernt haben, Fantasie und die damit verbundenen schönen Träumereien und Traumreisen überhaupt zuzulassen. Erwachsene, die Kindern den Freiraum für Fantasie rauben, indem sie schlicht und einfach behaupten, dass es Fantasiegeschöpfe - welche immer das auch für jeden einzelnen sein mögen - überhaupt nicht gibt. Das es nicht real ist....

Denn wenn wir ganz tief in unser Innerstes blicken, in die Vergangenheit zurückblicken, war da nicht eventuell auch ein kleines Wesen, eine kleine Gestalt, die uns durch unsere Träume begleitet hat? Ein treuer Begleiter, der von uns sogar einen Namen bekommen hat? Jemand, der mit uns durch unsere Fantasiewelten gereist ist und fantastische Abenteuer miterlebt hat? Stress, Hektik und Termine lassen uns all diese Dinge aus unserer Kindheit gerne vergessen und verdrängen. Statt dessen haben wir nun einen Terminkalender im Kopf, den nächsten Einkaufszettel, die nächste Veranstaltung oder das Geschäfts-Meeting... Aber sollten wir uns nicht lieber ab und an etwas Zeit für uns nehmen und uns wieder darin üben, eine kleine Reise in unsere eigenen Wandelwelt zu unternehmen? Und wenn es nur ein kurzer Ausflug ist.

Wenn uns also Kinder in Zukunft von ihrer letzten Traumreise durch den verzauberten Wald mit all den vielen fantastischen Lebewesen wie wilde Feuerdrachen, zauberhaften Elfeen und Feen oder mutigen Baummännchen erzählen - sollten wir dies nicht einfach belächeln und das Kind somit verunsichern - nein, wir sollten wieder lernen, bewusst zuzuhören. Kindern ihre Fantasie zuzugestehen bedeutet, ihnen Freiraum für ihre kreative Entwicklung zu geben, Freiraum für die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins. Diese schöne Geschichte wird zudem untermalt von bezaubernden Illustrationen von Kerstin Zemke. Nahezu auf jeder Seite findet man ein passendes Bild, wunderbar stimmig, in angenehmen Farben. Auch tapsen die kleinen Füße Noumi´s durch das ganze Buch und hinterlassen ihre Spuren...

Mein Fazit:
Dieses wunderbare und bezaubernde Kinderbuch hat mich von der ersten Seite an tief berührt. Ich fühle mich leicht und beschwingt während des Lesens und ein Lächeln war mein ständiger Begleiter. Ein Buch, dass wahrlich verzaubert, dass einen mitnimmt auf eine schöne und fantasiereiche Reise. Ein Buch, dass zum Nachdenken animiert. Ein Buch, dass dazu einlädt, einfach mal loszulassen. Ein Buch für jung und alt! 

© Rezension: Alexandra Zylenas(az) 


Ich freue mich sehr, dass die Autorin Diana J. Jacobs-Waibel sich die Zeit genommen hat, für ein gemeinsames Gespräch in meinem Bücherkaffee Platz zu nehmen.
Gönnt euch einen schönen Kaffee oder Tee und macht es euch in der Interview-Ecke bequem - denn euch erwartet ein interessantes Interview!

[alexandra]

Rezension: Chili und Schokolade

Sonntag, 29. April 2012 2 Kommentare


Chili und Schokolade
von Lilli Beck

Verlag: rororo
Genre: Belletristik, Unterhaltung
Ausstattung: Taschenbuch, 256 Seiten
Erscheinungsdatum: 01.10.2009
ISBN: 978-3-499-25208-2


Inhalt:

Nach fünfundzwanzig Ehejahren nagen die Zweifel an Evelyn. Ihre Kinder sind mittlerweile ausgezogen und selbstständig und ihr Ehemann Konrad - ein erfolgreicher und angesehener Architekt - sieht in ihr nur noch eine unscheinbare Haushälterin, die nicht widerspricht, nicht auffällt und nur genau das tut, was er mag. In dem ultramodernen Haus, in dem alles nach Konrads Wünschen in puristischem weiß-grau eingerichtet ist, fühlt sie sich schon lange nicht mehr wohl. Und als dann auch noch ihr treuer und geliebter Terrier Oscar stirbt, wird Evelyn klar: So kann es nicht weiter gehen!

Kurzerhand beschließt sie, sich eine Arbeit zu suchen - natürlich ohne Konrad etwas davon zu sagen. Er würde es ja sowieso nicht verstehen, geschweige denn erlauben. Veränderungen mag Konrad nicht... Evelyns große Leidenschaft gehört dem Kochen. In der Küche ist sie in ihrem Element, hier kann sie sich entfalten und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Als sich ihr die Möglichkeit bietet, in der Küche eines Altersheimes eine Arbeit zu beginnen, greift sie spontan zu. Durch einen kleinen Unfall auf dem Parkplatz des Altersheimes lernt Evelyn die junge, schöne und quirlige Ulla kennen. Grundverschieden, wie sie sind, haben sie doch eines gemeinsam: Ihre große Leidenschaft für das Kochen. Und so freunden sich die beiden an. Durch Ulla blüht Evelyn regelrecht auf und sie lässt sich sogar dazu begeistern, zusammen ein erotisches Kochbuch zu kreieren - denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen!

Was die beiden Frauen aber nicht ahnen:
Sie teilen leider nicht nur ihre Kochleidenschaft ... "Werde!"

Handlung & Charaktere:

Lilli Beck hat mit "Chili und Schokolade" einen vor Witz und Charme sprühenden Chick-Lit-Roman erschaffen, den man nicht aus der Hand legen kann, bevor nicht auch die letzte Seite gelesen ist. Aus der Sicht der bezaubernden Evelyn erzählt, erlebt der Leser die Höhen und Tiefen ihrer plötzlich sehr turbulenten Zeit mit. Evelyn ist in ihrer Charakteristik geradezu liebevoll und facettenreich dargestellt. ihre Gedanken, ihre Gefühle, aber auch ihr Witz und ihre gesunde Portion Ironie und Sarkasmus machen sie zu einer äußerst angenehmen Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt.

Ihre Begeisterung für das Kochen ist so schön beschrieben, dass es regelrecht ansteckend wirkt und man am liebsten sofort die Kochtöpfe aus dem Schrank holen mag.
Ihre Verwandlung vom einst unscheinbaren grauen Mauerblümchen Evelyn in die sexy femme fatale Eve (die übrigens ausgesprochen gut französisch fluchen kann...) mitzuerleben, ist eine reine Lesefreude, die auch immer wieder für Lacher sorgt.
Ihr Ehemann Konrad erscheint gleich zu Beginn an unsympathisch - und das bleibt auch so. Egoistisch und von sich selbst überzeugt ist er der klassische Macho, den man am liebsten sofort in die Wüste schicken mag. Mehr als einmal beschleicht einen das Verlangen, ihn kräftig zu schütteln und wachzurütteln.

Aber Evelyn beweist in diesem Buch mal wieder: "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier."

Sich langsam verändernde Prozesse / Situationen nehmen wir kaum wahr im Alltag und merken es erst, wenn es meist schon zu spät ist. Viele Jahre hat sich Evelyn die Machenschaften ihre Mannes gefallen lassen, so dass es zur Routine und Gewohnheit wurde. Erst wenn es einmal "Klick" im Kopf macht und man akzeptiert, dass etwas grundlegend schief läuft - dann kommt der Stein ins Rollen. Plötzlich öffnet man die Augen und sieht die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Ich als Leser freute mich daher diebisch, als es bei Evelyn plötzlich "Klick" machte und sie den Mut packte, etwas zu ändern - und gleich einmal zur verschwenderischen Shopping-Queen wurde. Und plötzlich beginnt auch sie, sich wieder als sexy und begehrenswert anzusehen.

Mein Fazit:

"Chili und Schokolade" bietet ein leichtes und witzig-erotisches Lesevergnügen. Ein kurzweiliges, voller guter Laune steckendes Buch, dass für viele Schmunzler sorgt.
Und als i-Tüpfelchen hält Lilli Beck am Ende des Buches ihre traumhaften und verführerisch-erotischen Rezepte parat - von Chili-Schoko-Pralinen über Garnelen auf Mango-Carpaccio bis hin zu den Honeymoon-Feigen. Süß-scharfe Kreationen, die sofort zum Nachkochen einladen! Ein schönes Buch für ein paar unbeschwerte und leichte Lesestunden. Ein Buch, bei dem man einfach mal abschalten und genießen kann!

(c) Rezension, Alexandra


[alexandra]

Im Gespräch mit Autorin Nancy Salchow

Dienstag, 24. April 2012 1 Kommentar


Liebe Nancy, gleich mal eine neugierige Frage vorab: Mit welchem Getränk kann man Dir größere Freude bereiten? Kaffee oder Tee? Lieber gemütliches Straßencafe oder doch eher würzig-duftendes Teehaus?
Wirklich glücklich machen kann man mich mit einem leckeren Chai Latte, den ich allerdings lieber zu Hause oder bei guten Freunden trinke. Wenn ich allerdings zwischen Straßencafé und Teehaus wählen soll, nehme ich vermutlich das mit der schönsten Aussicht. Die angebotenen Getränke sind da eher zweitrangig.

Stell Dich doch bitte kurz den Lesern vor. Wer ist Nancy Salchow?
© Nancy Salchow
Um es auf die Grundfakten zu reduzieren (denn wenn ich mich selbst beschreiben sollte, käme ich sicher ins Straucheln ;-)): Ich bin eine Frau von der Ostsee Mecklenburg-Vorpommerns, Anfang 30, verheiratet, die gerade die ersten vorsichtigen Schritte unternimmt, sich ihren großen Traum von Schreiben zu erfüllen. Im April 2011 war ich einer der Finalisten des großen Neobooks-Wettbewerbs, der Autorenplattform der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Im Herbst 2011 erschien dann, als Resultat dieses Wettbewerbs, mein erster Roman „Herzliche Restgrüße“ bei Neobooks/Droemer Knaur als eBook. Im April diesen Jahres ist, ebenfalls bei Neobooks/ Droemer Knaur, meine erste eigene eBook-Edition an den Start gegangen, die mehrere meiner Werke beinhalten wird. Starttitel ist mein Roman „Das Glück im Augenwinkel“.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und seit wann schreibst Du? Wer oder was beeinflusste Dich in der Wahl deines Berufes als Autorin? Übst Du nebenher noch einen weiteren Beruf aus und wenn ja, welchen?

Die Liebe zum geschriebenen Wort habe ich vermutlich bereits mit der Muttermilch aufgesogen, denn auch meine Mutter hat schon immer gern geschrieben. Schon als junges Mädchen habe ich stets an irgendetwas geschrieben – Geschichten, Tagebücher, Gedichte. Das Schreiben war schon immer ein so elementarer Bestandteil in meinem Leben, dass ich keinen Zeitpunkt nennen könnte, an dem ich mich bewusst entschieden habe, auf den Traum vom eigenen Buch hinzuarbeiten. Diesen Traum zusätzlich beeinflusst hat aber vermutlich am ehesten Anne Frank und ihr weltberühmtes Tagebuch. Schon damals hat mich das Schicksal der jungen Jüdin sehr beschäftigt, nicht nur die schrecklichen Umstände, die sie damals umgeben haben, sondern vor allem auch ihr unerschütterlicher Traum, eines Tages für die Menschen schreiben zu können. 

Meine Brötchen verdiene ich als Bürokauffrau in einer gemeinnützigen Einrichtung. 


Der Weg von einer Idee zum fertigen Manuskript: Wie sieht dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest du das Schreiben?  Skizzen und Notizen samt Post-it-Sammlung oder alles ordentlich mit System am PC? Hast Du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen?
Notizen zu meinen Büchern machen mich nervös. Ich weiß, dass sie mir gut täten, da ich Gefahr laufe, Eckpfeiler meiner eigenen Romane während des Schreibens zu vergessen, aber der normale Ablauf besteht tatsächlich darin, dass ich grundsätzlich nur am PC oder Netbook sitze und schreibe. Der Rest findet in der Regel in meinem Kopf statt. Ab dem Moment, in dem ich mir bereits im Vorfeld, genau überlege, was zu welchem Zeitpunkt im Roman geschehen wird, verliere ich erfahrungsgemäß die Freude am Schreiben. Ich brauche einfach das Ungewisse, die Freiheit, meine Protagonisten gewisse Entscheidungen selbst treffen zu lassen, einfach aus ihrer „erschriebenen Persönlichkeit“ heraus – nur dann kann ein Buch wirklich so werden, wie ich persönlich es mir wünsche. Allerdings treffen diese Erfahrungen nur auf meine bisherigen Manuskripte zu. Sollte ich jemals einen kompliziert gestrickten Thriller verfassen, der ein Höchstmaß an Recherche erfordert und dem Leser verworrene Rätsel aufgibt, werde wohl auch ich um die kleinen Klebezettelchen nicht herumkommen. Trotzdem bräuchte ich immer noch einen gewissen Spielraum für spontane Änderungen, um den Spaß an der Freude nicht zu verlieren.

Wie entstehen die Protagonisten Deines Buches? Sind Deine Figuren immer rein fiktiv oder haben sie auch ab und an mit realen Personen in Deinem Leben zu tun?
Meist entstehen sie während des Schreibens und entwickeln dabei eine Art Eigenleben, das aus meinem Unterbewusstsein entsteht. Sicher fließen dabei auch Eigenschaften hinein, die ich an real existierenden Menschen wahrnehme. Allerdings beruhen die meisten Persönlichkeiten in meinen Büchern auf Eigenschaften, die ich selbst besitze. Wirklich glaubwürdig kann ich eben vor allem die Emotionen rüberbringen, die ich selbst schon einmal erlebt habe. Wenn also jemand in meinem Roman zur nervigen Zicke wird, ist sicher auch ein Fünkchen von mir dabei. Diese Eigenarten zu Papier zu bringen, ist dann eher wie Tagebuch schreiben und bereitet mir vermutlich gerade deshalb so viel Freude. 

Was bereitet dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches?
Gute Frage. Der Anfang entsteht meist wie von selbst, ohne dass ich lange darüber nachdenke, während ich mir mit dem Ende schon mehr Mühe gebe. Wirkliche Leidenschaft steckt aber vermutlich mehr im Abschluss des Buchs, weil ich mir die Frage stelle, was ich selbst erwarten würde und welches Ende ich für meine Titelhelden als das richtige betrachte. Man kann also davon ausgehen, dass der größte Teil meines Herzens immer in den letzten Zeilen steckt.

Welchen Einfluss hast Du als Autorin auf den Buchtitel und auf die Covergestaltung Deines Buches?
Ehrlich gesagt weiß ich das gar nicht, weil mir die Vorschläge des Verlags bisher immer gefallen haben und es keinen Grund für mich gab zu protestieren. Als mir meine Lektorin Eliane Wurzer damals den Cover-Entwurf mit dem roten Wandtelefon für die „Herzlichen Restgrüße“ schickte, machte mein Herz einen kleinen Sprung. Die Tatsache, dass sie genau das Telefon, das ich in meinem Buch beschrieben hatte, auch in Auftrag für das Design gegeben hatte, hat mich sehr begeistert. 

Welches gelesene Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
„Olympia“ von Anita Shreve.

Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten?
Vorrangig Bücher aus dem Genre „Gehobene Unterhaltung“ und „Romantische Literatur“, aber auch Biographien und Bücher, die sich mit den Schicksalen bekannter Persönlichkeiten beschäftigen, z.B. Anne Frank und Romy Schneider.

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen?
Mr. Darcy aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ dürfte mir sehr gerne einen Heiratsantrag machen. Allerdings müsste ich ihn leider ablehnen.

Da ich selbst blogge, interessiert mich dies besonders: Dank der Social Networks ist der Kontakt zwischen Autorin und deren Fans viel intensiver geworden. Fluch oder Segen? Wie stehst Du persönlich dazu?
Segen, absolut. Auch wenn ich die komplexen Verbindungen im Social Network manchmal doch als recht verwirrend empfinde und leicht den Überblick verliere, bin ich doch sehr dankbar, in der heutigen Zeit veröffentlicht zu haben. Leserfragen erreichen mich auf direktem Wege, ebenso habe ich die Möglichkeit, selbst in wenigen Sekunden zu wem auch immer Kontakt aufzunehmen, spontane Einfälle umzusetzen oder mich zu bestimmten Dingen zu äußern. Die Meinungen der Leser auf diese Weise erhalten zu können, bedeutet mir sehr viel.

Großes Thema eBook conta pBook: Beide Buchvarianten haben für ich große Vorteile. Ich lese beides. Zuhause gerne das gedruckte Buch, unterwegs und auf Reisen habe ich immer meinen eReader in der Tasche. Wie schaut das bei dir aus? Du schreibst momentan eBooks – würdest du auch in Zukunft gerne einmal eines Deiner Bücher auf gedrucktem Papier sehen?
Natürlich ist es nach wie vor ein großer Traum von mir, ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten. Im Idealfall wäre ich gerne in beiden Bereichen zu Hause, denn es wird einfach von Monat zu Monat deutlicher, wie sehr sich der Trend in Richtung eBook entwickelt. Trotzdem lese ich privat vorrangig die gedruckte Variante, ganz einfach auch deshalb, weil ich tagsüber schon so viele Stunden vor dem Bildschirm verbringe, dass ich abends lieber Papier in der Hand halte.

Der Droemer Knaur Verlag bietet Nachwuchstalenten die Möglichkeit, Romane auf ihrer Plattform Neobooks zu veröffentlichen. Dort kann diese dann bewertet und rezensiert werden. Auch Du hast Deine Bücher über Neobooks veröffentlicht. Magst du meinen Lesern einen kurzen Einblick geben, wie hier der Ablauf ist, bis aus Deiner Einreichung ein publiziertes eBook wird?
Ich mag es gerne unkompliziert, daher bestand in der Plattform Neobooks von Anfang an ein großer Reiz für mich. Dort konnte ich mein Manuskript einfach als PDF-Format uploaden (es gibt auch die Möglichkeit, das Werk über einen Texteditor einzugeben), das Cover dazu, und fertig war die Leseprobe. Danach entscheiden die Leser, wie sie das Werk finden und bewerten dementsprechend. Im Rhythmus von drei Monaten endet auf Neobooks der Wettbewerb, an dessen Ende die 10 bestbewerteten Werke automatisch auf dem Schreibtisch des Lektorats landen. Die wachsamen Augen des Neobooks-Teams entscheiden dann, ob und welche Werke für eine Verlagsveröffentlichung infrage kommen. Bei mir waren das die „Herzlichen Restgrüße“, damals noch unter dem Arbeitstitel „Fisch im Nest“ auf Neobooks zu finden. Nach einer ersten Sichtung teilte mir meine Lektorin dann mit, welche Änderungsvorschläge oder Anregungen sie hatte, die ich dann umsetzte bzw. selbst noch einmal schaute, welche Änderungen ich mir selbst wünschen würde. Als alles Wesentliche umgesetzt war, folgten dann die Sichtungen durch andere Redakteure und ggf. Anmerkungen, die ich noch mal per Mail erhielt. Generell ein sehr spannender Prozess. Irgendwann trudelte dann die Endfassung des eBooks bei mir ein, um freigegeben zu werden. Ja, und dann heißt es: Warten, dass es in den Online-Shops erscheint. Generell ist allerdings der Prozess, der hinter der Veröffentlichung als eBook steht, sehr viel kürzer als im Print.

„Herzliche Restgrüße“ war ein großer Erfolg. Nun ist im April Dein neues eBook „Das Glück im Augenwinkel“ erscheinen. Auch hier bahnt sich ein neuer Erfolg an. Bist Du selbst zufrieden mit der Entwicklung?
Vermutlich ist das eine Eigenschaft, die ich an mir selbst am meisten hasse: Die Unfähigkeit, zufrieden zu sein. Der Erfolg der Restgrüße hat mich zwar gefreut, und auch heute registriere ich jedes Feedback und jede Rezension mit großer Freude, allerdings denke ich auch ständig darüber nach, was ich hätte besser machen können oder was ich im nächsten Werk anders umsetzen kann. Vermutlich ist dieser Drang der größte Antrieb, aber manchmal auch recht belastend. 

Das Feedback, das ich bisher für „Das Glück im Augenwinkel“ erhalten habe, hat mich sehr positiv gestimmt, da ich mich ganz besonders darüber freue, wenn sich Leser mit einem meiner Werke auseinandersetzen, Fragen dazu stellen oder ihre eigene Sichtweise schildern. Da ich allerdings aufgrund der noch recht jungen Veröffentlichung bisher nicht allzu viele Rezensionen und Meinungen erhalten habe, kann ich hier noch kein wirkliches Fazit abgeben. Mal schauen, was die Zukunft bringt. 

In „Das Glück im Augenwinkel“ hast du hast ein schweres Thema mit viel Feingefühl angepackt und servierst es dem Leser mit angenehm zu lesender Leichtigkeit. Wieder macht das gefühls- und emotionsgeladene Gespräch zwischen Mann und Frau den Großteil des Buches aus. Zufall oder Absicht?
Tiefgründige Verbindungen interessieren mich grundsätzlich, egal ob ich lese, schreibe oder mir einen Film anschaue, deshalb läuft es oft darauf hinaus. Ich denke, dass es hier einfach so unendlich viele Möglichkeiten gibt, die besondere Beziehung zwischen Menschen zu beschreiben, so viele Schicksale und so viele Ebenen, auf denen wir uns bewegen können. Darin liegt für mich ein sehr großer Reiz. Allerdings nicht nur im Kontakt zwischen Mann und Frau, sondern auch den Schicksalen von Familien oder mutigen Einzelkämpfern. Die Emotion lenkt vieles – unter anderem eben auch mich, wenn ich schreibe. :-)

Welches Deiner bisher veröffentlichen eBooks sagt Dir selbst am meisten zu. Zu welcher Protagonistin hast Du „den besten Draht“, sprich mit welcher Protagonistin fühlst Du Dich am meisten verbunden?
Ein Stück von mir steckt in jedem meiner Titelhelden, aber Isobel, die Protagonistin aus „Herzliche Restgrüße“, ist mir vermutlich bisher am nächsten. Einige der Dinge, die sie Daniel beichtet, sind autobiographisch. Ich denke, dass gerade der Gedanke, mich einfach selbst in diese Situation zu versetzen und dabei größtenteils ich selbst sein konnte, mit allen Macken und Fehlern, hat es mir so leicht gemacht, dieses Buch zu schreiben. 

An welchem neuen Buchprojekt arbeitest du gerade? Auf was dürfen wir und als nächstes freuen? Kannst Du den Lesern schon etwas vorab verraten?

Derzeit arbeite ich an dem zweiten Werk für die bereits erwähnte Edition, „Memo von Meena“. Im Entwurf des Kurztextes heißt es: Oliver scheint am Ziel seiner Träume: Als Kolumnist eines großen People Magazins hat er endlich den Job, den er sich immer gewünscht hat. Doch seine Begeisterung bekommt einen ersten Dämpfer, als er erfährt, dass er keine eigene Kolumne bekommt, sondern als Ghostwriter für die hochschwangere Kolumnistin Meena einspringen soll. Alles, was man ihm in die Hand drückt, ist ein Diktiergerät mit den Audionotizen seiner Vorgängerin und den Tipp: Schreib einfach genau wie sie! Doch wie konstruiert man aus stundenlangen, konfus zusammen gewürfelten Aufnahmen eine lesenswerte Kolumne? Und wie fasst man die vielen Worte einer Frau zusammen, die scheinbar alle Talente beherrscht außer der Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen? Die Aufgabe, sich in die Gefühlswelt einer Frau zu versetzen, wird zur Mission – und schon bald ist die fremde Stimme auf dem Diktiergerät weit mehr als nur ein Job. 

Außerdem schreibe ich zum ersten Mal an einem Roman aus dem Genre Fantasy, eine sehr aufregende Erfahrung und eine vollkommen andere Art zu schreiben. Schon jetzt bin ich gespannt, ob es den Lesern gefallen wird.


Was macht Nancy Salchow, wenn sie gerade nicht hinter dem Schreibtisch sitzt?
Wenn ich nicht schreibe, entspanne ich gerne bei einer guten DVD, bei einem schönen Abendessen mit meinem Mann oder einem netten Abend mit guten Freunden.

Was ist das Verrückteste oder Lustigste, was Du je erlebt hast?
Ich habe ein sehr schlechtes Gedächtnis. Vermutlich sind es eher die täglichen Kleinigkeiten und Verrücktheiten, die mich prägen. Die letzte amüsante Anekdote, an die ich mich erinnere, ist folgende: Vor zwei oder drei Jahren wollte ich unbedingt das Konzert einer der Bands, in denen Tobias Künzel („Die Prinzen“) aktiv ist, besuchen. Aufmerksam geworden war ich deshalb, weil der Gitarrist meiner Lieblingsband dort als Gastmusiker dabei sein sollte. Als es dann endlich soweit war, herrschte allerdings solch ein Schneechaos, das meine Freundin und ich nicht fahren konnten. Ich war sehr enttäuscht, zumal es nicht oft vorkommt, dass ich ein Konzert direkt vor der Haustür besuchen kann, stattgefunden hat es nämlich im Rostocker „Ursprung“. Ich war danach nie wieder im „Ursprung“ und auch sonst bin ich in Rostock eher selten unterwegs, aber genau an dem Tag, als ich neulich am Autorenstammtisch in eben dieser Musikkneipe teilnahm, hing ein großes Plakat an der Tür, das den Auftritt von Tobias Künzel und seiner Band für genau diesen Abend ankündigte. Vor dem Konzert saß die Band dann auch noch genau am Nachbartisch. Dieser Zufall endete dann in einer netten Unterhaltung über Bücher und Verlage und sehr amüsanten Fotos. Das Konzert habe ich zwar nicht besucht, immerhin war ich diesmal wegen des Autorenstammtischs dort, lustig fand ich diese Begebenheit trotzdem.

Wer oder was macht Dich besonders glücklich?
Schreiben zu können, weil es mich in sehr schweren Zeiten davor bewahrt hat (und noch immer davor bewahrt), verrückt zu werden. Glücklich macht mich außerdem der Umstand, ein schönes Zuhause zu haben und all meine Lieben und mich selbst gesund und in Sicherheit zu wissen. Mehr brauche ich nicht zum Glücklichsten.

… und was stimmt Dich eher nachdenklich?
Wie sehr sich Missgunst in der heutigen Zeit an die Oberfläche kämpft. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Menschen mehr Zeit mit den Blicken über die Nachbarzäune vergeuden als mit der Verwirklichung eigener Ziele.

Verrätst Du uns Dein ganz persönliches Rezept für gute Laune?
Da muss ich jetzt mal oberflächlich sein: Shoppen und gutes Essen. 



Liebe Nancy, vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch im Bücherkaffee und für das nette und ausführliche Interview. Ich hatte große freude- und meine Leser sicher auch! Ich hoffe und wünsche es mir, dass wir noch viel von Dir hören bzw. lesen werden!
Alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!

Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann dies unter folgendem Link tun:
- > www.nancysalchow.de

[alexandra]


Rezension {Alexandra} - Das Glück im Augenwinkel

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Das Glück im Augenwinkel
von Nancy Salchow

Ausstattung: eBook
Seiten 114 / Dateigröße Kindle: 689 KB
ISBN-13 978-3-8476-0137-1
ASIN: B007R8OQ6W
Veröffentlicht am: 28.03.2012
Preis: 2,99 €
Verfügbar:  epub / PDF /Kindle

   --> zur Autoren-Website




Inhalt: 
Simon trauert. Er trauert seit einem Jahr um seine verstorbene Frau Emma, die er auf so tragische und für ihn einfach unbegreifliche Weise verloren hat. Um Abstand zu gewinnen, verließ er das gemeinsame Haus und suchte Zuflucht im Familienleben seiner Schwester. 
Nun jedoch, ein Jahr später, öffnet er zum ersten Mal die Haustüre seines eigenen Hauses und stellt sich den Gefühlen und Emotionen. Simon ist auf der Suche nach einem Weg zurück ins alltägliche Leben, ohne seine Frau aus seinem Kopf verdrängen zu müssen.
Im fällt das Buch "Das Glück im Augenwinkel" in die Hände, aus dem Emma am letzten  Abend las und macht eine verblüffende und überaus irritierende Entdeckung. Die ursprüngliche Romanhandlung wird auf Seite 139 unterbrochen und Simon kann den Tagebucheintrag einer fremden Frau lesen. Nitas Tagebucheintrag... Wer ist Nita? Warum kann er diese Einträge lesen? Welches unsichtbare Band verbindet ihn mit Nita?
Er weiß instinktiv, dass es diese Frau tatsächlich geben muss und macht sich auf die Suche - auf die Suche nach Nita und sich selbst...

Handlung & Charaktere: 
Nach dem erfolgreichen eBook "Herzliche Restgrüße" legt Nancy Salchow erneut einen gefühlsbetonten und hochemotionalen Roman vor, der den Leser tief bewegt und in seinen Bann zieht. Trotz der Schwere des Themas liest sich dieses relativ kurz gehaltene eBook leicht und flüssig, ohne zu sehr emotional zu belasten.  Natürlich stimmt der Roman den Leser nachdenklich, und man versucht, sich in die Situation der Protagonisten zu versetzen, aber Nancy Salchow hat es geschafft, an einigen Stellen einen leichten, angenehmen Humor einfließen zu lassen, der die Stimmung des Lesers hebt.
Der Roman ist aus der erzählenden Sicht geschrieben und lässt so Einblicke in das Gefühlsleben beider Protagonisten zu. Die charakteristische Darstellung ist wieder einmal sehr detailiert und authentisch. Mit viel Feingefühl werden die verschiedenen Facetten des Trauerns dargelegt - ob Wut, ob Resignation, Isolation, aber auch Hoffnung und Zuversicht in sich selbst, ja sogar spontane Glücksmomente. 
Im weiteren Verlauf des Romans wechselt die Art der Kommunikation und der Leser erlebt den Briefwechsel zwischen Nita und Simon mit all seinen Stimmungen mit. Durch das Gefühl der inneres Verbundenheit offenbaren sie sich ihre Gedanken, ihre Trauer und ihre Ängste. Sie haben das Gefühl, sich gegenseitig eine Stütze zu sein und nutzen zuletzt unbemerkt die Therapie des Aufschreibens. Der innere, wenn auch zum teil noch unbewusste Drang, nach vorne zu blicken - ohne das Vergangene loslassen zu müssen, ist groß bei beiden. 
Auf das Umfeld geht die Autorin nur sehr wenig ein, sie konzentriert sich bewusst auf die zwischenmenschliche Darstellung der Protagonisten. 
Einzig das Thema "Tagebuch im Buch" wurde mir persönlich zum Ende etwas vernachlässigt. Nita scheint dies letzten Endes einfach hinzunehmen , sie geht überhaupt nicht mehr darauf ein, obwohl es für sie eine ungeklärte Frage ist. Hier bleibt es bis zuletzt magisch für den Leser :)

Fazit:
Wieder eine schriftstellerisch großartige Leistung der Autorin Nancy Salchow. 
Ein schweres und bewegendes Thema wurde von ihr mit viel Feingefühl  zu einem gefühlvolle und schönen Leseerlebnis verpackt. Der Roman hat mir sehr gut gefallen und ist sehr empfehlendwert!


 B_Jones

Zur Autorin:

Nancy Salchow, 1981 geboren, arbeitet von Kindesbeinen an an eigenen Romanprojekten, wagte sich allerdings erst 2011 erstmals mit ihren Werken an die Öffentlichkeit und stellte Leseproben ihrer Manuskripte auf Neobooks ein, der Autorenplattform der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Wenn sie nicht gerade an einem Manuskript arbeitet, ist sie als Sängerin sowie Songtexterin in eigenen musikalischen Projekten aktiv.


Ihr möchtet mehr über Nancy Salchow erfahren? 
Dann schaut doch in der Bücherkaffee-Interviewecke vorbei! Ich durfte Nancy in einem Interview einige interessante Antworten auf meine Fragen entlocken!




"kann es twittern?" :)

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Das Kultvideo zu "Das ist ein Buch" jetzt auch auf Deutsch
Ein Buch, was soll das sein? Und wozu ist das gut? Es kann weder bloggen noch simsen, noch twittern, nicht einmal scrollen. Spätestens jetzt sollte sich Widerspruch regen. Bei Lane Smith in Gestalt eines Esels, eines Affen und einer Maus. In einfachen Worten und witzigen Bildern erzählt der berühmte New Yorker Illustrator die Fabel von der (Wieder-)Entdeckung des Buches. Ein ideales Geschenk für alle Menschen, die das Blättern dem Scrollen vorziehen.




"Das ist ein Buch"  von Lane Smith
Alle weiteren Informationen auf www.hanser-literaturverlage.de


Quelle: Hanser Literaturverlag / Video YouTube

Rezension: Weiß wie Schnee, Rot wie Blut, Grün vor Neid

Sonntag, 22. April 2012 2 Kommentare


Ein mörderischer Schneewittchenroman
von Gabriella Engelmann
Verlag: Arena Verlag
Alter: ab 12 Jahre 
Genre: modernes Märchen
Seitenzahl: 264
Einbandart: Klappenbroschur
Erscheinungsjahr: 1. Aufl. 2010, 2. Aufl.2011
ISBN: 978-3-401-06770-4


Inhalt:
Haut so weiß wie Schnee, Lippen so rot wie Blut, und Haare so schwarz wie Ebenholz - die siebzehn-jährige Sarah strahlt eine natürliche Schönheit aus, die Ihrer Stiefmutter Bella wahrlich ein Dorn im Auge ist. Sarah lerne ihre leibliche Mutter nie kennen, denn sie starb schon bei ihrer Geburt und mit Bella konnte sie nie wirklich warm werden. sie spürte schon früh, in Bellas Haus nicht erwünscht zu sein und kann auch nicht verstehen, was ihr Vater nur an dieser Frau findet. Scheinbar weiß auch er das nicht mehr und drückt sich um die Verantwortung, indem er mehr Zeit auf berufliche Reisen in weit entfernte Länder als zu Hause verbringt. Als Sarah dann auch noch zu einem Fototermin in einer der renommiertesten Modellagenturen Hamburgs eingeladen wird, ist für Bella klar: "Schneewittchen" Sarah muss beiseite geschafft werden!
Welch ein Glück für Sarah, dass sie unerwartet Zuflucht in der "Zwergen"-WG findet. Denn so sehr sich ihre Stiefmutter auch bemüht, ihre neugewonnenen Freunde haben ihr Schneewittchen sehr ins Herz geschlossen und geben auf sie acht und beschützen Sie, wann und wo immer es geht. Ob es letzten Endes der Apfel ist, der ihr zum Verhängnis werden könnte?

Handlung & Charaktere:
Wer bekam nicht in seinen Kinderjahren das Märchen "Schneewittchen und die sieben Zwerge" vorgelesen und wessen Kinderherz schlug nicht höher bei dieser wunderschönen Geschichte? Schneewittchen gehört zu den prägenden Teilen der Kindheit, jedem bleibt es in Erinnerung.
Gabriella Engelmann hat es geschafft, mit dieser modernen Fassung von Schneewittchen diese schönen Erinnerungen wachzurufen. Die ständig wiederkehrende Parallelen bringen den Leser zum Schmunzeln.
Der Schreibstil ist angenehm leicht zu lesen und auch der sprachliche Stil sehr Jugendbuch-gerecht gehalten. Das Buch ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt. Der erste Strang dreht sich  um "Schneewittchen" Sarah. Ihre Erlebnisse werden auch aus ihrer Sicht erzählt, was viel Einblick in ihre sehr durcheinander geratene Gefühlswelt und in ihre Gedanken zulässt. Im zweiten Strang wird der Leser Zeuge der bösartigen Machenschaften der Stiefmutter Bella. Diese Kapitel werden aus der Erzähler-Perspektive dargestellt und von Bella wird nur in der 3.ten Form gesprochen. Besonders hervorzuheben ist hier der bewusste Stimmungwechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen, der sich augenblicklich auf den Leser überträgt. Wenn "Die Frau" ihren Spiegel befragt oder ihren bösen Gedanken nachhängt, wird automatisch auch die Lesestimmung düsterer und es stehlen sich Bilder einer düsteren Kammer in den Kopf, aus der nur der Spiegel ein helles Leuchten abgibt, wenn er sagt:

"Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, 
aber Schneewittchen über den Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als Ihr."

Die einzelnen Charaktere sind sehr schön und liebevoll herausgearbeitet. Sarah, ein eher etwas ruhigeres, aber doch offenes Mädchen, entdeckt mit ihren siebzehn Jahren die aufregende Gefühlswelt der Liebe, die auch - dem Alter entsprechend - noch etwas sprunghaft ist. Sehr schön ist aber auch, dass sie sehr engagiert ist. Dass sie nicht nur an ihre eigenen Vorteile denkt, sondern auch schonmal ein teuer bezahltes Casting sausen lässt, um ihren eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Bella hingegen kommt beim Leser genau so an wie beabsichtigt: Böse, hinterhältig, egoistisch - schlichtweg falsch. Schon nach wenigen Seiten ist die Sympathie für sie beim Gefrierpunkt angelangt.
Die "Zwerge" sind ein Kapitel für sich, sehr amüsant und doch auch sehr liebevoll in ihrer Charakteristik dargestellt, treffen hier sieben Jungs aus den unterschiedlichsten Bereichen mit den unterschiedlichsten Charakteren zusammen. Vom Teilzeit-Veggie-Koch, über den angesagten DJ, dem Esoteriker, dem Versicherungsmakler, dem germaistikstudierenden Bücherwurm, dem kühl-arroganten Texter bis hin zum Schauspieler ... hier treffen Welten aufeinander, die aber wunderbar miteinander harmonieren. Mehr möchte ich dazu aber auch nicht verraten, damit der Lesespaß erhalten bleibt.
Und keine Sorge: Die vielen Namen der Zwerge sind zum immer wieder schnellen Nachschlagen gleich auf den ersten zwei Seiten aufgegliedert - zusammen mit den wichtigsten Charaktereigenschaften. So geht beim Lesen wirklich nichts verloren und man muss sich nicht den kopf zerbrechen, wei man sich denn nur die ganzen Namen behalten soll.

Mein Fazit:

Eine wirklich gelungene und bezaubernde Neuauflage des Schneewittchen-Märchens - umgesetzt in unsere heutige Zeit. Ich habe dieses Buch zweimal gelesen und zweimal konnte es mich begeistern und zum Lachen bringen. Ein schöner Jugendroman, der auch bei den Erwachsenen schöne Erinnerungen wachruft. Ein Jugendroman, der genau wie sein "Märchen-Vorgänger"  seine Leser darauf aufmerksam machen möchte, dass Neid - egal in welcher Form - zu nichts führt außer dazu, dass dieser innerlich zerfrisst und zuletzt nur Hass hervorruft. Neid zerstört die eigene Schönheit von innen.
Ich habe das Lesen dieses Buches sehr genossen und mich über einige unbeschwerte Lesestunden mit Sarah und den Zwergen-  vor allem mit dem herzigen JamieTim gefreut! Ihr wollt wissen, wer JamieTim ist? Lest das Buch, es lohnt sich :)

Rezension: Alexandra Zylenas


Rezension {Alexandra} - König Arsch. Mein Leben als Kunde - der ganz normale Wahnsinn

Samstag, 21. April 2012 2 Kommentare

Autor:  Martin Wehrle
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungstermin: 9. April 2012
Ausstattung: Paperback, Klappenbroschur, 256 Seiten, mit zahlreichen s/w-Illustrationen
ISBN: 978-3-453-60219-9
Preis: € 12,99 [D]

auch als eBook erhältlich


Wohin geht der Kunde? Vor die Hunde!
Von unfähigen Verkäufern, absurden Öffnungszeiten und einer Bahn, die ihre Kunden überfährt

Klappentext:
Willkommen in der Servicewüste: Wo mal ein Fahrkartenschalter stand, rütteln wir vergeblich am Ticketautomaten, das Reisebüro um die Ecke ist ins Internet umgezogen und im Supermarkt reicht die Schlange bis zum Hinterausgang – denn nur eine von drei Kassen ist besetzt. Pointiert und entlarvend beschreibt Martin Wehrle, wie es um unsere Dienstleistungsgesellschaft steht. Er hat sich durch Hotlines gequält, ist von Verkäufern gefoltert worden und hat vor unpünktlichen Handwerkern kapituliert. Zum Aufregen komisch und mit der – immerhin – tröstenden Erkenntnis: Als Kunde bist du nie allein.

Inhalt & Beschreibung
Martin Wehrle ist ein Kunde wie wir alle. Er musste viele Tiefschläge und Enttäuschungen in unserer deutschen Servicewüste einstecken. Dienstleistungen, die den Kunden viel kosten, aber deren Leistung fehlen oder schlichtweg mangelhaft sind. Unfreundliche Berater & Verkäufer, absurde Organisation und Geschäftspolitik, horrende Preise und massive Verbraucher-Täuschungen als auch fast verbrecherische Kundenspionage brachten nun sein Fass an Geduld zum überlaufen. Und so nutzt Herr Wehrle seine einzige Macht - die Flucht nach vorne - und sagt offen seine Meinung als geschundener Kunde!
Und dies tut er nicht gerade zimperlich...
Auf sehr witzige und ironische Weise packt Martin Wehrle ein sehr brisantes Thema unserer Gesellschaft an und schreibt offen über seine Erfahrungen in der deutschen Servicewüste.
Einmal in die Hand genommen, und schon ist der Leser völlig ins Thema involviert. Denn ein jeder erkennt sich hier wieder. Bei vielen der geschilderten Situationen nickt man automatisch mit dem Kopf und denkt: "kenn´ ich nur zu gut!"
Ganz unbewusst werden dem Leser aber auch die Augen über Dinge und Machenschaften geöffnet, die sich im Hintergrund unserer täglich genutzten Dienstleistungen abspielen. Dinge, die Otto-Normal-Verbraucher in der Regel gar nicht recht beachtet, wie zum Beispiel der "Kunden-Karten-Krieg". Denn ehrlich: Wer hat sie nicht im Geldbeutel, die Sammlung an Rabatt-und Punktekarten? Aber was genau passiert hier eigentlich im Hintergrund? Martin Wehrle gewährt uns einen (erschreckenden) Einblick.

Als Karriere- und Gehaltscoach ist Herr Wehrle viel unterwegs und kann somit auch viel über das große Sorgenkind "Deutsche Bahn" berichten. Als Viel-Fahrer muss er hier wirklich auch viel einstecken: Von der unfreiwilligen Karriere zum "Schwarzfahrer", über massive Verspätungsproblematiken, Hygiene-Desastern bis hin zur fadenscheinigsten Ausredepolitik. Wie soll man denn bitte als Kunde der Deutschen Bahn reagieren, wenn man sein verlorenes Gepäck sucht und sich hilfesuchend an die Service-Zentrale wendet - nur um dann solch eine Aussage zu erhalten?  "Wir suchen nicht aktiv nach Gepäck".
Auch der Teller voller Lügen, den uns die Lesensmittelindustrie täglich füllt, liegt uns Kunden schwer im Magen, wenn man mal ein wenig hinter die Kulissen schaut.

Martin Wehrle durchleuchtet in diesem Buch den deutschen Service und nennt die Wüsten schonungslos bei Namen. Ob Hotels, Geschäfte, Supermärkte, Banken oder auch einzelne Personen - offen und ehrlich spricht er aus, was viele denken. Seine Versuche, sich in Form von Mails und Briefen zur Wehr zu setzen und Antworten zu bekommen, führen auch oft zur Verschlimmerung der Situation - auch hier bekommt der Leser einen Einblick, denn einige dieser Antworten sind in diesem Buch abgedruckt und sorgen für erneutes Kopfschütteln.

Im Anhang des Buches findet der Leser zudem ein ausführliches Quellenverzeichnis, denn nichts in diesem Buch ist aus der Luft gegriffen.
Zudem bietet das Buch eine 4-seitige Auflistung von Anschriften für Verbraucherzentralen aller deutschen Bundesländer!
Denn eines möchte Herr Wehrle bezwecken: Er möchte uns als Kunde wachrütteln! "Kundenpolitik statt Lobbyismus" - so lautet seine Devise.
Wir sollen vom sogenannten "Mäuschen-Kunden", der sich alles bieten lässt und alles schluckt, aufsteigen zum "mündigen Kunden", der für seine Interessen einsteht und kämpft. So zeigt er uns zuletzt auch Mittel und Wege auf, wie und mit welchen Möglichkeiten wir uns zur Wehr setzen können.

Mein Fazit:
Dieses Buch rüttelt auf angenehm witzige und ironische Weise wach! Trotz ernstem Thema bleibt der Lesespaß nicht auf der Strecke.
Mein Exemplar avancierte zum Vorlese-Exemplar. Ich amüsierte mich köstlich über Martin Wehrles Schreib- und Ausdrucksweise, dass mein Freund mich ständig fragend anblickte, wenn ich vor mich hinlachend auf dem Sofa saß. Kurzerhand las ich ihm dieses Buch vor und auch er ist begeistert.
Gerade im Lebesmittelbereich interessiere und informiere ich mich schon eine Weile und kann daher Herrn Wehrles Aufruf nur unterstützen!
Meine uneingeschränkte Leseempfehlung für "König Arsch.Mein Leben als Kunde - der ganz normale Wahnsinn"
Ein "Daumen hoch" für gute und angenehm zu lesende Umsetzung und für ausführliche Hintergrund-Recherche!

© Rezension: Alexandra Zylenas (az)


Über den Autor 
Martin Wehrle ist im Hauptberuf, was wir alle sind: ein geschundener Kunde. Nebenbei gilt er als „Deutschlands bekanntester Karriere- und Gehaltscoach“. Er schreibt u.a. für Die Zeit und Spiegel online. Seine Bücher wurden in neun Sprachen übersetzt und haben rund um den Globus begeisterte Leser gefunden. Zuletzt landete er mit Ich arbeite in einem Irrenhaus (Berlin, 2011) einen gefeierten Bestseller.
Quelle: Website Heyne Verlag
Bildmaterial:
© Martin Wehrle
 
Ihr möchtet mehr über Martin Wehrle erfahren?
Dann schaut doch in der Bücherkaffee-Interviewecke vorbei! Ich durfte Herrn Wehrle in einem Interview einige interessante Antworten auf meine Fragen entlocken!



was persönliches...

Montag, 16. April 2012 5 Kommentare

Ihr lieben Alle! 

Eine kurze Statusmeldung, damit ihr euch nicht wundert.
Ich hatte euch ja neue Rezensionen zum Wochenende versprochen - doch leider musste ich passen.

Eine fiese, heimtückische Migräne schlich sich von hinten an und plagt mich auch heute noch!

Aber eine Besserung ist in Sicht!
I´ll be back soon!  :-)

 Eure B_Jones




Rezension: Everlasting

Montag, 9. April 2012 8 Kommentare


EverlastingDer Mann, der aus der Zeit fiel

von Holly-Jane 
Aus dem Englsichen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Verlag: Rowohlt Verlag / Wunderlich
Genre: Science Fiction (Zeitreise)
Ausstattung Hardcover, 432 Seiten
Erscheinungsdatum: 09.03.2012

"Ein Leben ohne ihn ist wie ein falsches Leben in richtigen" 

Inhalt

Es ist das Jahr 2264. Vieles hat sich verändert, viele Katastrophen wie der Dark Winter oder die deutsche Pest sind überstanden. Der Mensch hat überlebt und sich neu erschaffen. Neue Erkenntnisse brachten einen großen Lebenswandel. Der Mensch wurde fortschrittlicher und pragmatischer und die "Liebe" als solches verlor an Bedeutung. Wie will man auch "ich liebe dich" sagen, wenn das Wort "ich" quasi nicht mehr existiert. Es wurde aus Gründen des Zusammenhaltes durch die 3. Person Singular ersetzt...

Der Historiker Finn Nordstrom, sechsunszwanzig Jahre jung, ist auf das Übersetzen der toten Sprache Deutsch spezialisiert. In Zeiten der BB´s (Brain Buttons) sind Dinge wie Bücher, Papier und Stifte fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Bücher, die den Dark Winter überstanden, werden von den Historikern übersetzt und dienen zum Studieren der alten Kultur und der alten Lebensgewohnheiten. Finn bekommt einen neuen Auftrag, der sehr verheißungsvoll klingt, denn es wurden in einer luft- und wasserdichten Box Tagebücher aus dem Jahre 2003 gefunden. Tagebücher gelten als äußerst wertvolle Informationsquelle für die Recherche des 21. Jahrhunderts. Umso erstaunter war er jedoch, als er das erste Tagebuch tatsächlich in den Händen hielt, den es stammte von einem 13-jährigen deutschen Mädchen!

Ein Tagebuch, dachte er. Ein pinkfarbenes Vinyltagebuch. Mit Herzchen. Und Smileys. Er seufzte.(Seite 50)


Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte: Dieses verspielte pinke Tagebuch wird sein komplettes Leben verändern! Denn zusammen mit seiner Freundin Rouge soll Finn parallel ein neues Reality-Game testen, dass den Spieler virtuell in die Welt des 21. Jahrhunderts versetzt, genau genommen, ins Berlin des 21. Jahrhunderts. Doch nach einiger Zeit beginnt er sich zu fragen: Was ist hier Spiel und was ist Realität? Warum begegnet er in diesem Spiel dem Mädchen Eliana aus dem Tagebuch? Warum findet er alles so vor, wie es in ihrem Tagebuch beschrieben steht? Und wenn das ein Spiel ist, warum übt Eliana eine solche Anziehung auf ihn aus? Welches Spiel wird hier tatsächlich mit ihm gespielt?

Handlung & Charaktere

Holly-Jane Rahlens hat mit diesem Science Fiction-Roman ein wahrlich fesselndes und auch berührendes Lese-Erlebnis erschaffen. Eine gehörige Portion Science Fiction gewürzt mit viel Liebe und Charme! Eine Zukunftsvision, wie man sie sich tatsächlich vorstellen könnte. Auch wurde die Zukunft erfreulicherweise nicht zu übertrieben oder gar schwarzmalerisch dargestellt, wie es öfters mal der Fall ist. Natürlich gibt es Roboter als Haushaltshilfen, Shuttles statt Autos und implantierte Chips, aber immerhin rauschen wir als Leser ja auch über 250 Jahre in die Zukunft. Aber die Zukunftsdarstellung findet in einem angenehmen und angemessenen Rahmen statt.

Zu Beginn tut man sich etwas schwer, in die Geschichte zu finden, da man mit vielen unbekannten Ausdrücken wie zum Beispiel den "BB" Brain Button konfrontiert wird. Auch die 3. Person Singular macht einem zuerst zu schaffen. Aber nach einigen weiteren Seiten wird man dann mehr als nur positiv überrascht. das Buch liest sich plötzlich so flüssig und auch die Ausdrücke und Beschreibungen werden irgendwie selbstverständlich. Der Leser wird "Zeitreise-ähnlich" mitten ins Geschehen katapultiert und man fühlt sich sofort als ein Teil der Geschichte. Das Thema Zeitreise wurde gut aufgegriffen und umgesetzt. Es macht Spaß, Finn in unsere heutige Zeit zu folgen, denn gerade weil er sich als Zeitreisender in unserer jetzigen zeit befindet, amüsiert man sich natürlich über die kleinen Problemchen und Tücken, die ihn hier erwarten. Für uns banale Tücken wie das richtige Kauen eines "Hubba Bubba´s" oder das richtige Auseinanderfalten einer Straßenkarte (ganz zu Schweigen vom richtigen Zusammenfalten...

Den Charakteren wurde unglaublich viel Charme und Individualität eingehaucht. Finn überzeugt durch seine angenehm ruhige und offene, sehr gefühlsbetonte Art. so dass man ihn nach nur wenigen Seiten einfach nur ins Herz schließen mochte. Eliana ist sehr temperamentvoll, neugierig, klug und natürlich sehr humorvoll, was wir schon ihren äußerst lebendigen Tagebucheinträgen entnehmen können. Anhand dieser Tagebucheinträge, die auch uns Lesern nicht vorenthalten bleiben, erlebt man das Erwachsenwerden eines pupertierenden Mädchens hin zur jungen Frau. Ihre Art zu Schreiben ändert sich, ihre Gefühle und Emotionen ändern sich - ja sogar ihre Schrift selbst ändert sich. Nur eines bleibt über alle Jahre bestehen, ihr bezauberndes Parfum "Everlasting". Ein Parfum, das einen immerwährenden Eindruck hinterlässt...."Everlasting" eben.

Wunderschön und sehr emotional wird die aufkeimende Liebe zwischen Finn und Eliana dargestellt. Eine Liebe, die über die Zeit an Reife gewinnt und den Leser in den Bann zieht. Denn für Finn beginnt hier eine Reise des Kennenlernens - das Kennelernen der tatsächlichen Liebe!

Fazit

Ein Science Fiction Roman, der unter die Haut geht! Ein Roman voller Emotionen und Liebe, aber auch voller Witz und Humor. Ein Roman über Zusammenhalt, über Freundschaft und über Vertrauen. Holly-Jane Rahlens hat es geschafft, genau die richtige Dosierung aller "Zutaten" zu finden. Ich war und bin immer noch restlos begeistert über das Gelesene und kann es hundertprozentig weiterempfehlen. Mich hat dieses Buch völlig in seinen Bann gezogen und ich war tatsächlich etwas traurig, als ich die letzte Seite zu Ende gelesen und das Buch zugeschlagen habe. Traurig darüber, dass es nun tatsächlich zu Ende sein soll!. Von mir gibt es - ohne zu zögern - ein Daumen hoch!



Rezension: Alexandra Zylenas

[alexandra]