Rezension: Eine Tat wie diese von Amy Efaw

Sonntag, 1. April 2012 3 Kommentare



von Amy Efaw

Übersetzung:  Anja Malich
Ausstattung: Klappenbroschur, 416 Seiten
Alter: ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-31081-1
Preis: € (D) 12,90€ (A) 13,30 / sFr 18,90

auch als eBook






"Ich habe nichts davon gewusst, das schwöre ich. Ich wusste wirklich nicht, dass ich schwanger bin."
"Wann, Devon? Wann wusstest du nicht, dass du schwanger bist?"
"Zu keiner Zeit! Nie!" (aus dem Klappentext)

Inhalt:
Die fünfzehn-jährige Devon "Sky" Davenport ist zielstrebig, ruhig und schulisch wie auch sportlich sehr begabt. Das Lernen fällt ihr leicht und ihre Zeugnisse sind entsprechend gut. Sie spielt leidenschaftlich Fußball und hat als Torwärtin der Mannschaft alles unter Kontrolle. Devon hat alles im Griff, wie es scheint. Doch dieser Schein trügt...

Denn als morgens in der Mülltonne des Wohnhauses ein neugeborenes Baby in einem Müllsack gefunden wird, gerät für Devon alles aus den Fugen. 
Ihre Mutter und die Polizei finden Devon in apathischem Zustand auf dem Sofa vor. Und ihre Jogginghose ist blutgetränkt....
Devon wird wegen Mordversuch an ihrem eigenen Kind angeklagt. In der Untersuchungshaft beginnt für sie eine schmerzliche Zeit des Erinnerns. Hat sie - Devon - das wirklich getan? Hat sie ES wirklich umbringen wollen?
Warum kann sie sich nicht erinnern...?

Handlung & Charaktere:
Amy Efaw hat es geschafft, mit diesem Jugendroman ein brisantes Thema gekonnt zu verpacken und damit den Leser auf einfühlsame Weise zu konfrontieren. 
Ein Thema, das aufwühlt und gleichermaßen schockiert. Zu oft liest man in den Nachrichten von solchen und ähnlichen Verbrechen an Neugeborenen und entwickelt naturgemäß sofort eine äußerst negative Einstellung der Mutter gegenüber. "Wie kann sie so etwas Schreckliches tun!??!", fragt man sich und man möchte die Frau sofort hinter Gittern wissen.


Aber was hat die Mutter tatsächlich zu dieser Tat bewogen? Was geht im Kopf dieser Frau vor, dass sie nicht vor solch einer Entscheidung zurückschreckt.? 
Amy Efaw, selbst Mutter von fünf Kindern, befasste sich lange Zeit mit dieser Thematik, die auch heute in Zeiten der frühen Aufklärung so präsent wie eh und je ist. Zu ihren Recherchen ist ein Nachwort im Buch zu finden, dass einen sehr nachdenklich und traurig stimmt. "In den USA wird nahezu täglich ein Baby im Müll entsorgt und 45% der Kindstötungen durch Eltern finden in den ersten 24 Stunden nach der Geburt statt." - und das zu Zeiten der "Save Haven Laws" und anonymen Babyklappen. 
Mit "Einer Tat wie diese" versucht die Autorin, das "Warum" eine solchen Tat darzulegen. 

Der Schreibstil ist sehr leicht zu lesen und dem Thema angepasst recht nüchtern. Einzig Devons Gedanken und Gefühle werden hervorgehoben und lösen beim lesen eine Welle von Emotionen aus. Einfühlsam, aber auch sehr realistisch, gewährt die Autorin dem Leser Einblick in die Natur des "Verdrängens". Denn das genau passierte mit Devon: Sie verdrängte. Für sie gab es keine Schwangerschaft, sie hatte auch keinen Sex. Denn sie ist ja nicht wie ihre Mutter.....
Sie wollte es nicht wahrhaben - also fand es auch nicht statt. 
Umso größer dann der Schock der Geburt! Man kann es sich als Leser kaum vorstellen, wie unfassbar dieser Moment für sie gewesen sein muss. Ein Moment, in dem sie mit ihren fünfzehn Jahren komplett alleine war.

Und man beginnt - bis zu einem gewissen Grad - zu verstehen und lernt, das Geschehene aus einen völlig anderen Blickwinken zu betrachten.  Aus einem vorurteilsfreien Blickwinkel. 
Die Tat an sich wird aber trotzdem in keinster Weise heruntergespielt, nur weist dieses Buch einen Weg auf, die Gründe zu verstehen. Angst, Verzweiflung, Verlust der Kontrolle  und Scham - in gewissen Portionen kann man diese Gefühle verkraften und verarbeiten. Aber was, wenn alles mit voller Wucht über einen hereinbricht? 
Der Leser begleitet Devon durch ihre Zeit im Jugendgefängnis und erlebt ihr "Wiedererwachen" mit, ihren Weg zurück in die Realität, in der sie mit allen knallharten Fakten des Verbrechens konfrontiert wird und Ihr persönliches Eingestehen der Tatsache. Devon muss mit dieser Schuld leben und die Strafe für ihre Tat akzeptieren. 

Fazit:
Ein brisanter Jugendroman, der mich emotional sehr mitgerissen hat. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Ein Roman, der aber auch eine Hilfe sein kann, der wachrüttelt, der 
sagen will: " Vertraut euch jemandem an! Ihr müsst das nicht mit euch alleine ausmachen!"  

Ich persönlich werde noch sehr lange über das Gelesene nachdenken. Meinen allergrößten Respekt an die Autorin, die es geschafft hat, dieses brisante Thema auf so berührende und nachhaltige Weise in einem Jugendroman zu verarbeiten! 

 (c)Rezension, Alexandra Zylenas 




Zur Autorin Amy Efaw
Amy Efaw, geboren 1967 in Chicago, ist Absolventin der West Point Militärakademie. Nach ihrer Zeit in der Armee arbeitete sie als freie Journalistin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Denver, Colorado. Amy Efaw hat bisher zwei Romane für junge Erwachsene geschrieben, weitere Bücher werden folgen.
Quelle: Website Carlsen Verlag
Bild: © Michelle Pesce





Kommentare:

  1. Erfreulich zu sehen, dass jemand das Buch ähnlich empfand wie ich! Eine sehr schöne Rezi!

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    1. Danke dir, Fabella

      Das Buch hat mich sehr berührt, ja. Und ich habe versucht, vorurteilsfrei und objektiv zu lesen. Und die Autorin hat es mir durch ihre gute Schreibweise sehr erleichtert :-)
      Ein tolles Buch, wenn man das so sagen kann. Toll umgesetzt

      Liebe Grüße, B_Jones

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  2. Ich selber bin erst 13, und wenn man sich vorstellt, dass sie fast im gleichen Alter so früh schon, dies erleben muss, nimmt einen das wirklich mit.

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