Rezension {Alexandra} - Null-Null-Siebzig Operation Eaglehurst

Freitag, 6. April 2012 0 Kommentare

von Marlies Ferber

Genre: Kriminalroman Erscheinungsdatum: Februar 2012
Seiten: 272 Seiten
ISBN:978-3-423-21345-5
Preis: 9,95 [D] 10,30 [A]

Auch als eBook erhältlich



"Who is the cat, who is the mouse, beware of the trap and try to find out."
Inhalt: 
Eigentlich sollte sich der ehemalige "Secret Intelligence Service" (kurz SIS) Agent James Gerald mit seinen siebzig Jahren längst in seinem wohlverdienten Ruhestand befinden. Aber weit gefehlt.
Nachdem er erst einen merkwürdigen Brief mit einem Limerick darin von seinem guten Freund William im Briefkasten vorfindet und dann kurz darauf von dessen plötzlichem Tod im Alterheim erfährt, wird James stutzig. Denn was um Himmels willen machte William eigentlich im Altersheim?  Und warum schickt er ihm ein Limerick?

There was a young lady from Riga
Who smiled as she rode on a tiger
They returned from the ride
With the lady inside
And the smile on the face of the tiger.

Soll dieses Limerick vielleicht ein Geheimcode sein? War William in Gefahr? Wurde er womöglich ermordet? Laut Mrs White, die Heimleiterin, soll William einem plötzlichen Herzanfall zum Opfer gefallen sein, was ja auch wahrhaftig keine Seltenheit in einem Altersheim sei. Aber James kann und will diese Diagnose nicht glauben.
Kurzerhand quartiert sich James in  die "Seniorenresidenz Eaglehurst" in Hastings ein. Da er gerade nach einem Krankenhausaufenthalt etwas geschwächt ist, fällt seine Erscheinung auch nicht weiter auf. Dank seiner langjährigen Kollegin Sheila verfügt er auch über ein passendes Fortbewegungsmittel - einem in alter James Bond-Manier präpariertem Rollator.
Für James beginnt die "Operation Eaglehurst", denn für ihn ist sofort klar: In dieser Seniorenresidenz geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Denn auch der nächste Tote lässt nicht lange auf sich warten...

Handlung / Charaktere: 
Marlies Ferber hat mit Ihrem Debütroman "Null-Null-Siebzig - Operation Eaglehurst" einen wirklich unglaublich gelungenen Krimi vorgelegt, dem es an nichts mangelt. Ganz im britisch-trockenen Stil gehalten, ist dieses Werk eine gelungene Mischung aus alterndem James Bond mit einem Touch Miss Marple. Eine sehr angenehm zu lesende, lockere Schreibweise als auch äußerst liebevoll und charmant dargestellte Charaktere sorgen für anhaltenden Lesespaß bis zur letzten Seite. Eine gehörige Portion britischen Humor und spritzige, zum Teil ironische Dialoge bringen den Leser immer wieder zum Schmunzeln. An Spannung mangelt es dem Krimi auch in keinster Weise. Immer wieder überraschend, immer wieder neue Wendungen - das Ermittlungsfieber wird geweckt und man grübelt, recherchiert und rätselt während des Lesens automatisch mit. Ein Krimi, der ohne großes Blutvergießen auskommt und keine gewaltigen Schocker braucht und trotzdem vollkommen fasziniert. Bilder aus alten Miss Marple-Filmen wandern einem durch den Kopf, die Kulisse nun die Seniorenresidenz Eaglehurst.
Ein ungewöhnlicher, aber zugleich erfrischende Kulisse für diesen Krimi. Denn die zum Teil sehr skurrilen und schrulligen Bewohner von Eaglehurst sind unglaublich liebevoll dargestellt.
Der charmante Agent James (!) Gerald erinnert an einen alternden James Bond. Gelassen und locker, nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen, etwas zynisch, etwas ironisch, etwas machohaft - aber alles in ansprechendem Maße. Hat er doch gleich zu seinem ersten Tag in Eagehurst seinen neuen Spitznamen weg.
"Na, und dann meinte irgendjemand, dann wären Sie jetzt sozusagen 00 70. Verstehen Sie? 007 - 00 70!"
"Wirklich witzig" lächelte James. 
"Wie alt sind Sie eigentlich?", fragte Julius neugierig.  "Siebzig" ...
* Seite 87
James langjährige Kollegin Sheila tritt als starke, mutige, unbeirrbare und auch dickköpfige Begleitung auf und avanciert etwas zur detektivischen Miss Marple, was dem Buch zusätzlichen Charme verleiht. Sie weiß, wo es langgeht und verweist James auch gerne mal in seine Schranken.
Auch äußerst amüsant - dieSchwester Edith und Eleonora Hideous vom Eagelhurster Limerick-Club! Zwei Lady´s der Extraklasse, die eine schrullig, liebevoll, die andere robust, eher burschikos. Ein wahres Schwestern-Dreamteam, dass dem Buch Würze verleiht.
Aber auch die anderen Charaktere tragen ihr Übriges dazu bei. Angefangen bei der immer um guten Service bemühten Heimleitertin Mrs. White über den Hausarzt Dr. Goat, der alles und jeden mit deinen homöopathischen Globuli heilen möchte bis hin zum jungen Taxifahrer, der sich von den Ermittlungen anstecken lässt und sich auch nicht von einer Verfolgungfahrt erschrecken lässt.

Fazit:
Ein wunderbarer erfrischender, britisch-charmanter und humorvoller Krimi mit einem Schuss Agatha Christie und James Bond.  Absolut lesens-und empfehlenswert für alle Liebhaber des gepflegten Krimi´s.
Mich konnte das Buch rundum begeistern und sorgte somit für einige heitere Rätsel-Rate-Lesestunden.
Über eine Fortsetzung würde ich mich sehr freuen!

B_Jones


Zur Autorin Marlies Ferber:

Marlies Ferber wurde im Jahr von 'Man lebt nur zweimal' geboren, nicht weit entfernt vom Geburtsort von Ian Flemings James Bond, der bekanntermaßen in Wattenscheid das Licht der Welt erblickte. Marlies Ferber erhielt als Buchlektorin die Lizenz zum Töten von Schusterjungen und Hurenkindern. Die freie Autorin und Übersetzerin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Ruhrgebiet.

Quelle: © website dtv-Verlag
Bild: © Catherine Collin


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