Rezension: Couchgeflüster

Dienstag, 29. Mai 2012 0 Kommentare


Couchgeflüster
von Mira Becker

Verlag: rororo
Genre: Belletristik, Unterhaltung
Ausstatttung: Taschenbuch, 304 Seiten
Erscheinungstermin: 01.07.2010
ISBN: 978-3-499-25386-7
auch als eBook erhältlich


Inhalt

Die sonst so lebenslustige Yogalehrerin Nelly steht mit ihren 29 Jahren nun vor einer kleinen Krise, die ihr etwas zu schaffen macht: Ihrem mit Herzblut geführten Yogastudio laufen die Kunden davon - aber warum? Liegt es etwa doch an diesem unpersönlichen neuen Fitness-Studio, dass im gleichen Ortsteil eröffnet hat?

Finanziell sieht es daher auch alles andere als rosig aus, die Miete für Wohnung und Studio ist im Rückstand, der Kühlschrank gähnend leer und die ungeöffnete Post sieht verdächtig nach weiteren Rechnungen aus. Welch Glück hat die verträumte Nelly, eine so bodenständige Freundin wie Britta zu haben, die sie kurzerhand bei sich aufnimmt. Als ihr dann plötzlich Ben - der Traumman schlechthin - über den Weg läuft, glaubt sie, wenigstens in Sachen Liebe Erfolg zu haben - doch leider erinnert sich Ben bei ihrer nächsten Begegnung nicht mehr an sie! Wie kann das sein? Sie waren doch zusammen essen!

Das Rätsel löst sich, als Ben plötzlich in der renommierten Psychologiepraxis ihrer Mutter erscheint und sie sich dort wieder über den Weg laufen. Nelly erfährt, dass Ben unter einer retrograden Amnesie leidet und sich daher an die letzte Woche nicht erinnern kann.
Nelly packt die Gelegenheit am Schopf und gibt sich spontan als ihre Mutter Ella Nitsche aus - mit äußerst chaotischen Folgen...

Handlung & Charaktere:

Mira Becker hat mit "Couchgeflüster" einen locker-flockig und leichten Unterhaltungsroman erschaffen, der bestens geeignet ist für unbeschwerte, entspannte Lesestunden. Fließend leicht geschrieben und angenehm zu lesen - eine perfekte Urlaubs-Strand-Lektüre, die immer wieder für Schmunzler sorgt. 

Denn schon die Protagonistin Nelly ist ein echtes Unikat. Mit ihren 29 Jahren ist sie so verträumt und naiv wie eine sechzehnjährige, die rosarote Brille trägt sie beinahe dauerhaft und in ihrem Kopf spucken allerlei "krause" Gedanken - so kraus, wie auch ihr lockiger, widerspenstiger Haarschopf ist. Bodenständigkeit ist ein wahres Fremdwort für Nelly, sie lebt lieber von einem Tag in den nächsten. Und wenn es zu chaotisch um sie herum wird, dann ist es eben wieder dringend Zeit für einen Kopfstand. Man könnte Nelly auch als das personifizierte Chaos bezeichnen. Ein trotzdem sehr liebenswertes Chaos :)

Ihre beste Freundin Britta hingegen ist bodenständig, beruflich erfolgreich und sehr realitätsnah. Ohne ihre klugen Ratschläge und beherzten Unterstützungen wäre Nelly an mancher Situation wohl zuletzt verzweifelt.
Nelly Mutter Ella Nitsche wird meines Erachtens etwas zu klischeehaft dargestellt. Die unnahbare, akkurate, ja beinahe perfekte Psychologin - in allen Beziehungen das krasse Gegenstück zu ihrer Tochter Nelly. Zudem erscheint sie sehr unsympathisch und auch oberflächlich und sie scheint auch nicht so den rechten Draht zu ihren Kindern zu haben.

Die Art und Weise, wie Nelly letzten Endes die Sache in die Hand nimmt und versucht, Ben zu heilen und seinen Erinnerungen wieder auf die Sprünge zu helfen, gestaltet sich - natürlich, wie könnte es anders sein - sehr chaotisch und kurzzeitig auch sehr verwirrend. Ständig kommen neue Faktoren hinzu, was schon bei der fremden Frau anfängt, die vorgibt, Bens Verlobte zu sein...

Mein persönliches Fazit:

Meines Erachtens ist es ein Roman, der super geeignet ist für den nächsten Urlaub, denn man kann das Buch in einem Rutsch durchlesen und dabei entspannen.
Tiefgang sollte man hier nicht erwarten - dafür viele, viele schöne "rosarote" Momente voller Liebe, Romantik, Eifersucht. etwas Kitsch und ganz, ganz viel Chaos.
In der Lösung des Ganzen wurde jedoch meiner Meinung nach eine Spur zu dick aufgetragen. Aber ich sehe bewusst darüber hinweg, da dieses Buch trotzdem für viele Lacher und amüsante Lesestunden gesorgt hat und werde das Buch schlichtweg als das bewerten, was es ist: Eine locker, leichte, lustige Frühlingslektüre.

(c) Rezension, Alexandra

[alexandra]

Rezension: Finding Sky, Die Macht der Seelen 1

Sonntag, 27. Mai 2012 2 Kommentare



Verlag: dtv Hardcover
Übersetzung: Aus dem Englischen von Michaela Kolodziejcok
Ausstattung: Hardcover, 464 Seiten
Veröffentlichung: 1. Auflage, Mai 2012 Deutsche Erstausgabe
Alter: Ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-423-76047-8


Zwei Seelen - für immer verbunden, doch in höchster Gefahr!

Inhalt:

Sky hat in ihrer Kindheit schreckliche Dinge erlebt; mit sechs Jahren wurde sie auf einem Rastplatz ausgesetzt und - geprägt von den Erlebnissen - hat sie vieles, sogar ihren eigenen Namen vergessen. Es dauerte ganze vier Jahre, bis sie wieder das Reden anfing. Im Alter von 10 Jahren wurde sie schließlich von einem Künstler-Ehepaar adoptiert, die ihr auch den Namen "Sky" gaben (ohne dabei jedoch wirklich an den Nachnamen "Bright" zu denken...) 

Als Sky 16 wird, zieht sie mit ihren Adoptiveltern für ein Jahr von England nach Colorado in den USA. An der Wrickenridge High erwartet Sky viel Neues, und sie findet trotz ihrer Schüchternheit schnell eine gute Freundin - "Obi"-Tina steht ihr immer mit Rat und Tat zur Seite. Aber da gibt es auch einen Jungen, der eine gewisse Anziehung auf Sky ausübt. Ausgerechnet der Schul-Rowdy und Mädchenschwarm Zed Benedict geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Allerdings scheint dies nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen, so ruppig, wie er sich ihr gegenüber verhält. 
Bis Sky plötzlich eines Tages seine Stimme in Ihrem Kopf hört. Hat sie geträumt?  Aber warum ist Zed plötzlich wie ausgewechselt und so besorgt um sie? Er scheint überhaupt nicht mehr von ihrer Seite zu weichen. Als Zed ihr mitteilt, sie sei - genau wie er - ein Savant und zudem noch sein Seelenspiegel, versteht Sky die Welt nicht mehr. Eine Welt, die für sie plötzlich sehr gefährlich wird ...

Handlung & Charaktere:

Joss Stirling hat mit dem Jugendroman "Finding Sky" eine schöne Mischung aus leichter Fantasy und Teenagerromanze zusammengestellt, die genau der Alters-Zielgruppe entspricht. Die richtigen Themen, die das jugendliche Leserherz höher schlagen lassen - aber dabei kann das Buch sehr gut als All-Ager durchgehen. Man sollte sich jedoch immer vor Augen halten, dass es eben ein Jugendbuch ist. 

Das Buch sorgt für Entspannung pur, man kann sich fallen lassen und einfach die Leichtigkeit der Geschichte genießen. Dementsprechend finde ich den Schreibstil sehr passend. Locker-flockig und sehr flüssig geschrieben und mit einer großen Portion Humor durchzogen, wird der Leser sofort in den Bann der Geschichte gezogen. Auch die Fantasy-Elemente des Buches überzeugen. Nicht zu dick aufgetragen und doch ist der paranormale Touch vorhanden. Das Thema "Savant" und die dazugehörigen Elemente wie Telepathie, das "Sehen" von Ereignissen, das "Bewegen von Gegenständen" ist sehr schön und ansprechend ausgearbeitet, vor allem die Darstellung des "Seelenspiegels" ist sehr gut gelungen. Es fließt sozusagen in das normale Leben mit ein und ist nicht das beherrschende Element des Buches. Denn gleichzeitig findet hier eine wunderschön dargestellte zarte Jugendromanze statt, die den Leser einfach berühren muss. 
Die Geschichte wird aus der Sicht der 16-jährigen Sky Bright erzählt, was dem Leser eine Menge Einblick in ihre doch sehr durcheinandergeratene Gefühlswelt zulässt. Trotz der vielen negativen Erfahrungen, die sie in ihrem jungen Leben machen musste, hat sie sich einen gehörigen Teil Humor und Ironie beibehalten können. Diese Eigenschaften, gepaart mit ihrer Schüchternheit und ihrer Sensibilität, machen sie zu einer sehr liebenswürdigen Protagonistin. Man möchte sie manchmal einfach nur drücken. 

Zed stellt den coolen Schul-Rowdy und Mädchenschwarm dar und versucht, sich so etwas von allem zu distanzieren. Später erfährt der Leser auch, warum das so ist. Denn in Wahrheit ist Zed eher liebevoll, fürsorglich und sehr hilfsbereit.  Etwas abrupt erscheint hier seine plötzliche Wandlung, die praktisch mit dem Umblättern einer Seite kam. Dies ging vielleicht etwas zu schnell und überfordert den Leser kurzfristig, auch wenn sich die Ursache dessen recht schnell aufklärt. 

Die Romanze zwischen Sky und Zed, das vorsichtige Herantasten an die jugendliche Liebe und die dazugehörigen Gefühle ist sehr berührend und harmonisch. Es zaubert immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht.  Auch schön gelungen sind Sky´s Zweifel an der ganzen "Savant-Sache" Das sie nicht einfach hinnimmt, was man ihr so plötzlich vor die Füße wirft, sondern dass sie versucht, erst einmal realistisch zu bleiben und nicht gleich alles Hals über Kopf glaubt, was ihr Zed und später auch die ganze Familie Benedict erzählt. sie tastet sich langsam an die Sache heran.
Ein kleiner Wehrmutstropfen hinterlässt die Darstellung der Geschehnisse in Vegas. Hier wird alles zu hektisch, und man hat das Gefühl, die zeit wird knapp und das Thema muss nun schnell, schnell beendet werden. Hier hätte ich mir eine etwas schönere Ausarbeitung gewünscht.

Mein persönliches Fazit:

Ein sehr gelungener Jugend-Fantasyroman mit einer bezaubernden Teenie-Romanze und einer äußerst humorvollen Protagonistin. Einige Leser kritisieren den fehlenden Tiefgang - aber ganz ehrlich: Man sollte das Buch als solches betrachten, dass es ganz schlicht und einfach ist: Ein Jugendbuch, dass für entspannte Lesestunden sorgen soll. Ich denke, dass Jugendliche neben dem großen Berg an Hausaufgaben und Lernmaterial mit solch einem schönen Buch ganz wundervoll entspannen und vom Schul-Alltag abschalten können - und sich nicht auch noch hier zusätzlich mit schwerer Literatur abplagen müssen.  Denn brauchen wir das nicht alle mal - einfach ein Buch zum Entspannen und Abschalten? 

© Rezension, Alexandra



Zur Autorin Joss Stirling 

Joss Stirling studierte Anglistik in Cambridge und war schon immer von der Vorstellung fasziniert, dass es im Leben mehr gibt, als man mit bloßem Auge sehen kann. Um für den Roman ›Finding Sky‹ zu recherchieren, unternahm sie eine ausgedehnte USA-Reise von den Rocky Mountains bis nach Las Vegas.  Ein paar Fotos ihrer Reise, die sie zu dieser Story inspiriert haben, findest du auf ihrer (englischsprachigen) Website www.jossstirling.com
Auf Twitter postet Joss Stirling übrigens regelmäßig Neuigkeiten unter twitter.com/#!/jossstirling.

[alexandra]

Vorstellung - tolle Buch-Accessoires

Freitag, 25. Mai 2012 8 Kommentare

Buch-Accessoires

Ich hatte das große Glück, zwei wirklich tolle Frauen kennenzulernen, die nicht nur tolle Buch-Rezensionen bloggen bzw. vloggen, sondern zudem ganz wunderbare Accessoires zaubern!
Bei beiden habe ich nun Buch-Accessoires geordert und bin rundum begeistert - und möchte euch das natürlich nicht vorenthalten!



Von der lieben Ela von Ela´s Schmuckkästchen habe ich drei individuell gefertige Schmucklesezeichen erhalten.

Und die liebe Karin von der Chaos Fabrik nähte mir eine individuelle Buchtasche mit dem Stoff meiner Träume - denn wie ihr ja wisst: ich liebe Schafe! :)




Nachdem ich diese schönen Werke immer wieder bei anderen bewundert hatte, habe ich beschlossen: Ich möchte auch welche! Da ichj ja sehr auch rot/orange/braun - Töne stehe (Herbstmensch eben...), war die Farbfrage schnell geklärt. Die liebe Ela schickte mir dann einige Bilder, auf der ich mir ihr Sortiment in Ruhe anschauen konnte - und dann selbst wählen konnte, aus welchen Elementen  meine Lesezeichen bestehen sollen. Ein toller Service, denn so konnte ich ganz nach meinem Geschmack gestalten. 


Lesezeichen rot-weiß mit Blüte
Und hier ist das Ergebniss,von dem ich vollkommen begeistert bin.
Die Lesezeichen haben während der Zeit, in der ich sie nicht benutze, einen Platz im Bücherregal bekommen - denn sie sind so schön, dass man sie nicht einfach nur unbenutzt zur Seite legen kann!

Aber seht selbst ... 
Mein Bücherregal wird zum Schmuckregal :)


Lesezeichen rose-weiß mit Schlüssel-Anhäger





Ich  werde bestimmt demnächst wieder bei Ela bestellen!! :) 
Übrigens: Ela fertig auch ganz bezaubernden Schmuck! Schaut doch mal im Shop vorbei - es lohnt sich! 






Die Chaos Fabrik von Karin habe ich über Facebook kennengelernt und verfolge seitdem immer wieder gespannt ihre neuesten Näh-Kreationen - denn die Ergebnisse sind einfach wirklich bezaubernd!
Aus tollen und qualitativ hochwertigen Stoffen zaubert sie wunderschöne und nützliche Büchertaschen - und das ganze natürlich auch individuell nach Wunsch! 

Chaos Fabrik by Karin
Ich habe schon bei anderen diese Büchertasche gesehen, auch individuell verfeinert mit "Bucheulen" und Ähnlichem - aber mir hatte es ganz speziell dieser tolle "Schaf-Stoff" angetan! 

Ich liebe Schafe - und so war ich sofort verliebt in diesen schafigen Stoff - 
hier passte alles, das Muster, die Farbkombination .... einfach toll!

Ich musste unbedingt eine solche Büchertasche haben - und gestern traf sie
nun bei mir ein! 



Die Buchtasche "Schaf"

Ganz große Freude !!!
Die Tasche entsprach ganz genau meinen Vorstellungen und der Stoff fühlt sich sehr angenehm an.
Die Verarbeitung ist super und die Schafe ... was soll ich sagen? Sooooo süß! <3
 
Buchtasche von Innen

Buchtasche mit "herzigem" Inhalt :)


 ... und weil ich von Karin´s Arbeit so begeistert bin, habe ich auch gleich eine Umhängetasche geordert. 
Auf diese freue ich mich natürlich nun RIESIG und werde euch auch darüber ganz sicher berichten :)

schaut doch mal auf Facebook in der Chaos Fabrik vorbei - es lohnt sich! 

Rezension {Alexandra} - Brockhaus perspektiv - Not für die Welt

Dienstag, 22. Mai 2012 0 Kommentare


aus der Reihe Brockhaus perspektiv



Genre: Sachbuch
Ausstattung: 304 Seiten, Flexocover
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-577-07771-2
Preis: 24,95 € (D)

-> Buch bestellen

»Brockhaus perspektiv« ist eine neuartige Buch-Edition aus dem Hause Brockhaus. Sie vermittelt tiefe Einblicke, öffnet den Blick für Zusammenhänge und präsentiert die Entwicklungrichtungen und Perspektiven. Dieser innovative Sachbuchansatz vermittelt Wissen in einer neuen Dimension.


16 renommierte Fachautoren liefern in diesem Sachbuch kontroverse Sichtweisen und verblüffende Denkanstöße zu einem der bisantesten Themen unserer Zeit:
Wie können wir die stetig wachsende Weltbevölkerung ernähren? 

Der Klappentext:
"Im Zeitalter der Globalisierung hängt alles mit allem zusammen – das gilt ganz besonders für das Thema Ernährung. Mangel und Überfluss gehen Hand in Hand: Millionen Menschen leiden Hunger. Trotzdem werden dringend benötigte Nahrungsmittel zu Biotreibstoff verarbeitet oder in der Viehzucht eingesetzt. Unterdessen kämpft die Bevölkerung der Industrienationen mit Übergewicht und ernährungsbedingten Krankheiten. Riesige Mengen an Lebensmitteln landen ungenützt im Müll. Auch unsere Rolle als Verbraucher müssen wir hinterfragen: Wie können wir dazu beitragen, dass Ressourcen besser genutzt und Erträge gerechter verteilt werden?"

Das Buch und sein Inhalt:

Das Buch ist unterteilt in 3 Themen-Schwerpunkte:
  1. Wie kommt der Hunger in die Welt? (Die globale Ernährungsituation, Gentechnik, Landwirtschaftspolitik,  Spaniens Wintergarten unter Plastik)
  2. Profit auf Kosten der Umwelt (Verfügbarkeit, Fairtrade, globale Erwärmung, Überfischung, Rinderparadies, Sojarepublik Argentinien)
  3. Massenhaft billig - massenhaft krank? (Industrial Food, Westliche Ernährung, alternative Ernährungkonzepte, Ernährung von morgen, globale und lokale Lösungsansätze)
Das Buch beginnt mit einen Vorwort der Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Frau Renate Künast.
Schon ihr eindringliches Vorwort stimmt den Leser nachdenklich und bereitet ihn auf eine interessante, erschreckende und sehr lehrreiche Reise ins Thema "Welternährung" vor.
Ein Zitat aus dem Vorwort möchte ich gerne anbringen:
Während sich eine Milliarde Menschen täglich fragen müssen: "Essen wir heute?" und akut von Hunger bedroht sind, ist uns in den reichen Industrieländern schon manchmal die Frage lästig: "Was sollen wir denn heute mal essen?"
Ich hatte mich bei "Blogg dein Buch" für dieses Buch beworben, da mich das Thema "Ernährung" schon eine ganze Weile bewusster interessiert und ich mir gerne noch mehr Informationen dazu gewünscht habe - und ich wurde nicht enttäuscht.
Wer Brockhaus kennt, der weiß: Hier erwartet den Leser Qualität - optisch als auch inhaltlich. Das Buch ist schon äußerlich sehr ansprechend gestaltet und liegt trotz der Schwere auch sehr gut in der Hand. Durch das Flexocover kann man auch gut blättern und lesen.
Der Inhalt ist sehr gut durchstrukturiert und auch durch Grafiken, Tabellen und Infokästen angenehm aufgelockert. Viel Bildmaterial unterstützt das lesen und macht auch die Thematik bewusster. Großzügig gestaltete Info-Fenster fassen in den jeweiligen Kapiteln themenbezogen zusammen oder dienen als zusätzliche Erklärung. Tabellen und Diagramme verdeutlichen das Gelesene und führen so noch direkter die Problematiken vor Auge.
Einziger Wehmutstropfen bei der Gestaltung: Ich empfand es teils als störend, wenn der Text von der Grafik unterbrochen wird. Ich möchte gerne den Abschnitt zu Ende lesen und dann die Grafik betrachten.
Die einzelnen Kapitel selbst werden jeweils von verschiedenen Autoren, Professoren, Wissenschaftlern und Journalisten geschrieben. Die Autoren im Überblick findet ihr am Ende der Rezension. Der Inhalt selbst ist auf verständliche Weise geschrieben und auch für den Laien in speziellen Themen sehr leicht zu verstehen. Das fängt schon bei den grundlegenden Informationen an. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Entwicklungs-, Industrie- und Schwellenland? Zwischen Hungerkrise und Hungerkatastrophe? Warum belastet unser hoher Fleischkonsum so sehr die Umwelt? Die Schwerpunkte werden genau beschrieben. So erfährt man zum Beispiel auch, was sich eigentlich genau hinter den Begriff "Fairtrade" verbirgt, was es mit der kleinen Sojabohne auf sich hat, die unsere Kulturpflanzen wie Mais und Weizen immer mehr verdrängt. Uns werden bewusst die Augen geöffnet im Bezug auf unseren eigenen Lebensmittelkonsum, unsere Gewohnheiten, unseren Wunsch nach ständiger Verfügbarkeit - völlig unabhängig von der Jahreszeit. Wir nehmen, ohne zu hinterfragen, wahnsinnige Transportwege für unser Obst und Gemüse, für unser Fleisch und Fisch auf uns. Besser gesagt: Wir denken gar nicht erst daran, denn die Ware liegt ja einfach da im nächsten Supermarkt. WIE sie dahin kommt und welche Umweltverschmutzung alleine durch den Transportweg entstanden ist, nehmen wir gar nicht mehr wahr.
Wir essen, ohne groß darüber nachzudenken. Kaufen, was uns die Werbung anpreist und verfallen den Lockstoffen aller Art. Aber Gedanken machen wir uns wenig. (manche auch gar nicht...). Jeder bekommt mit, wie die Zahl der Erkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, Herzerkrankungen etc. bedrohlich steigen - und zwar in allen westlichen Ländern, aber da wir nun mal gerne Essen und Schlemmen, verschließen wir gerne die Augen davor, warum das so sein könnte, was so falsch ist an unseren Essgewohnheiten.

Das Buch "Not für die Welt" öffnet Augen, rüttelt wach und fordert zum Nachdenken auf - aber bietet dem Leser auch Perspektiven und Möglichkeiten.
Auch Vegetarismus und alternative Ernährungskonzepte werden als großes Thema in dem Buch aufgegriffen und erklärt.
Wer sich einmal in Ruhe die Mühe macht, über die Thematik "Welternährung" nachzudenken und dabei feststellt, welchen Einfluss JEDER EINZELNE darauf hat oder haben kann, der kauft künftig um einiges bewusster ein, geht lange nicht mehr so verschwenderisch mit Essen um und wirft nicht mehr so unnötig viel Essen in die Tonne.
Ich habe schon vor einiger Zeit meine persönliche Umstellung in Sachen Ernährung und vor allem in Sachen Kaufverhalten in Angriff genommen und bin immer noch dabei - ein langsamer Prozess, der immer mehr an Reife gewinnt. Und ich kann daher jedem nur ans Herz legen: Es lohnt sich - in vielfacher Hinsicht!
Ich kann dieses Buch wirklich JEDEM uneingeschränkt empfehlen.
Denn hier geht es in erster Linie darum, ein besseres Verständnis für unsere heutige Ernährungsituation zu bekommen. Wir sollten aufwachen und nicht alles, was uns heutzutage an Essen (und an essensähnlichen Produkten)  geboten wird, für selbstverständlich betrachten.
Wir sollten uns wirklich mehr Mühe machen, nicht einfach die Augen zu verschließen - die Hungersnöte dieser Welt verschwinden davon nicht - und wenn wir auf die Landkarte sehen, finden sie quasi nur "ums Eck" statt ...
"Mit dem Einkaufskorb machen WIR Politik, bestimmen, was in die Regale kommt und wie produziert wird."
Ein absolut gelungenes Sachbuch, dass mich in Aufmachung und Inhalt vollkommen überzeugt hat.

Ich danke der Wissensmedia GmbH / dem Brockhaus Verlag und "Blogg dein Buch" für die Bereitstellung dieses überaus gelungenen und interessanten Buches.


Rezensiert von Alexandra


Die Autoren im Überblick:
  • Dr. Hans-Ulrich Grimm (Autor »Die Ernährungslüge« und »Vom Verzehr wird abgeraten«)
  • Prof. Dr. Nina V. Fedoroff (Prof. für Genetik und Molekularbiologie)
  • Prof. Dr. Dr. Staffan Lindeberg (Prof. für Ernährungswissenschaften)
  • Dr. Rudolf Bunzel (Experte des Evangelischen Entwicklungsdienstes für ländliche Entwicklung)
  • Bärbel Dieckmann (seit 2008 Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe)
  • Dr. Ulrike Eberle (Expertin für nachhaltigen Konsum)
  • Dr. Markus Keller (Ernährungswissenschaftler und Autor, Leiter des Instituts f. alternative und nachhaltige Ernährung in Gießen)
  • Parviz Koohafkan ( Direktor bei der Welternährungsorganisation FAO)
  • Prof. Dr. Claus Leitzmann (Mitglied derDeutschen Gesellschaft für Ernährung)
  • Nicole nelißen (Südafrikakorrespondentin für diverse Publikationen)
  • Jürgen Paeger (Biologe, Seit 2002 selbstständiger Umweltberater und Autor)
  • Dr. Alexander Popp u. Dr. Hermann Lotze-Campen (Potsdam-Institut für Klimaforschungen)
  • Hanni Rützler (Ernährungswissenschaftlerin und Autorin)
  • Dr. Claudia Trentmann 
  • Jürgen Vogt (Journalist, Argentinienkorrespondent)
  • Reiner Wandler (Spanien- und Nordafrikakorrespondent)

Im Gespräch mit Autorin Heike Eva Schmidt

Sonntag, 20. Mai 2012 1 Kommentar

© Heike Eva Schmidt

Zuerst natürlich einmal ein "Herzliches Willkommen" und vielen Dank für Deinen Besuch im Bücherkaffee und dass Du Dir Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten. Gleich mal eine neugierige Frage vorab: Mit welchem Getränk kann man Dir größere Freude bereiten? Kaffee oder Tee? Lieber gemütliches Straßencafe oder doch eher würzig-duftendes Teehaus?
Morgens kann man mir mit einem starken Espresso nicht nur eine Freude machen – er erweckt mich überhaupt erst zum Leben! Ohne diese kleinen braunen Bohnen wäre ich verloren. Am Nachmittag aber genieße ich gerne einen herrlich duftenden Tee – allerdings dann keine Tasse, sondern eine ganze Kanne. Hier kann ich mich also tatsächlich nicht festlegen. 

Stell Dich doch bitte kurz den Lesern vor. Wer ist Heike Eva Schmidt? 
Ich wurde in Bamberg geboren, bin dort auch zur Schule gegangen und habe sogar noch in derselben Stadt studiert – Schulpsychologie. Danach bin ich allerdings nach München gezogen und habe dort als Journalistin gearbeitet, ehe ich im Jahr 2000 ein Stipendium an der Drehbuchwerkstatt bekommen habe. Nun lebe ich schon seit einigen Jahren in der bayerischen Stadt, allerdings etwas außerhalb, im Grünen. 

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und seit wann schreibst Du? 
Ich habe eigentlich schon immer gerne geschrieben. Meine erste Geschichte war eine Kurzgeschichte – im wahrsten Sinn des Wortes. Sie lautete nämlich: „Ein Ferd mus fersorgt werden.“ Man sehe es mir bitte nach: Da war ich fünf und meine schriftstellerischen Fähigkeiten noch nicht sehr ausgefeilt... 

Wer oder was beeinflusste Dich in der Wahl deines Berufes als Autorin? 
Mein eigener Traum, einmal Schriftstellerin zu werden. Den hatte ich tatsächlich schon als Kind. An dieser Stelle ist vielleicht auch mal ein dickes „Dankeschön“ an meine Eltern fällig, denn sie haben mich deswegen nie ausgelacht oder mir eingeredet, lieber etwas „Ordentliches“ zu lernen. Dass ich doch erst vor drei Jahren mit dem Schreiben von Romanen begonnen habe, war eher meiner eigenen Hasenfüßigkeit geschuldet. Ich dachte, ich bin nicht gut genug und habe mich lange nicht getraut, meine Manuskripte jemandem zu zeigen. 

Übst Du nebenher noch einen weiteren Beruf aus und wenn ja, welchen? 
Ich arbeite auch als Drehbuchautorin. Momentan für eine Serie des Bayerischen Fernsehens. Meine Drehbucharbeit ist für mich persönlich die ideale Ergänzung zum Romane-Schreiben. Ich denke gerne in Bildern und die Drehbucharbeit inspiriert mich und beeinflusst wahrscheinlich auch meine Schreibe bei den Büchern. 

Der Weg von einer Idee zum fertigen Manuskript: 
Wie sieht dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest du das Schreiben? 
Ich muss mich mit dem Verfassen meiner Bücher nach meinen Drehbuch-freien Zeiten richten. Seltsamerweise klappt es bei den Romanen mit dem konzentrierten Schreiben immer erst am Nachmittag. Versuche ich ausnahmsweise, mich wirklich früh am Morgen hinzusetzen, „kaue“ ich oft ewig an irgendwelchen Ideen oder Passagen herum. Das frustriert mich so, dass ich erst einmal Unmengen an Kaffee trinken, mit Freundinnen telefonieren oder die Wohnung putzen „muss“. Rückt der Zeiger der Uhr aber dann auf 15 Uhr, platzt plötzlich der Knoten und ich kann problemlos bis spät abends (meistens 21 oder 22 Uhr) durchtippen. Inzwischen akzeptiere ich diesen Rhythmus und nutze den Vormittag für Sachen, die mir Spaß machen oder irgendwelche Haushaltspflichten. 

Arbeitest du mit Skizzen und Notizen samt Post-it-Sammlung oder lieber ordentlich mit System am PC? 
Eine wilde Zettelsammlung habe ich zwar nicht, weil ich spontane Ideen in ein knallpinkfarbenes Notizbüchlein schreibe. Normalerweise habe ich zudem eine „Ideen-Sammlung“ für jeden Roman als Word-Dokument auf meinem PC abgelegt. Aber manchmal kommen mir natürlich auch Einfälle, wenn der Computer aus ist. Dann klebt schon mal das eine oder andere Post-It an meinem Bildschirm, damit ich nichts vergesse. 

Hast Du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen? 

Ja! Und zwar meistens, wenn es darum geht, dass meinen Hauptfiguren im Buch etwas „passiert“, also wenn sie etwas Schlimmes erleben oder ähnliches. Da schleiche ich manchmal ganz schön um den Computer herum und drücke mich davor, das zu schreiben, weil ich ihnen eigentlich nicht wehtun will. Aber andererseits wird sonst die Geschichte ja nicht spannend... Dass mir aber nichts mehr einfällt, ist zum Glück noch nie vorgekommen.

Folgst Du bestimmten Ritualen im Schreib-Alltag? (z.B. eine Lieblingstasse, die IMMER neben dem PC stehen muss, etc.) 
Ich habe eine schrecklich-schöne-kitschige Tasse, die ist rosa-hellblau mit Goldrand und zu allem Überfluss ist auf zwei Seiten ein kleiner Porzellanvogel drauf. Diese Tasse habe ich mir zur Feier meines ersten Buchvertrags gekauft. Seitdem ist sie mein „Schreib-Talisman“, der mich in eine andere Welt abtauchen lässt. Ich bilde mir ein, wenn ich daraus meinen Tee trinke, gibt mir das eine ganz besondere Inspiration. Zum Glück ist die Tasse kein Unikat – nicht auszudenken, wenn es mit dem Schreiben vorbei wäre, wenn sie mal kaputt ginge ...! 

Wie entstehen die Protagonisten Deines Buches?
Sind Deine Figuren immer rein fiktiv oder haben sie auch ab und an mit realen Personen in Deinem Leben zu tun? 
Das ist ganz unterschiedlich. Bei „Purpurmond“ waren die Figuren eher fiktiv, auch wenn Dorothea Flock ja 1630 tatsächlich gelebt hat. Doch ihr Charakter und auch der von meiner Hauptfigur Cat sowie die anderen Personen im Buch waren von ihrer Beschreibung und ihrer Art meine „Erfindung“. Allerdings entwickeln die Figuren tatsächlich im Lauf der Zeit auch eine eigene Persönlichkeit und manchmal einen eigenen Kopf. Das kann sehr produktiv sein, aber manchmal sind die auch ganz schön stur und ich muss wirklich über manche Sachen noch mal nachdenken, weil es bei der Figur auf einmal nicht mehr so gut funktioniert. Dafür kommen ganz neue Impulse. Bei meinem Thriller „Schlehenherz“ war es allerdings so, dass ich kurz nachdem ich begonnen hatte, das Buch zu schreiben, eine sehr gute Freundin durch eine Krankheit verlor. Aufgrund dieses Erlebnisses und der Trauer kam ein ganz neues Element in das Buch: Die Mails, die meine Protagonistin an ihre tote Freundin schreibt, um deren Tod irgendwie zu verstehen und zu verarbeiten. Diese „Briefe“ haben also einen sehr engen Bezug zu meinem Leben, daher ist das Buch auch zwei Menschen gewidmet, die mir immer noch jeden Tag fehlen: Meine Mutter und diese Freundin. 

Was bereitet dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches? 
Das Ende - definitiv! Ich habe mich über Monate, manchmal fast ein Jahr lang mit meinen Figuren beschäftigt, mich mit ihnen auseinandergesetzt und sie begleitet – und dann muss ich mich auf einmal von ihnen trennen, weil das Buch zuende geht. Um die letzten zehn Seiten drücke ich mich meistens ganz schön lange herum, einfach, weil ich so traurig bin, sie jetzt „in die Welt hinaus“ zu lassen!

Welchen Einfluss hast Du als Autorin auf den Buchtitel und auf die Covergestaltung Deines Buches? 
Ich habe bisher alle drei Buchtitel meiner Romane selbst „entworfen“, da haben die Verlage auch zweimal den ursprünglichen Titel beibehalten und einmal meinen Alternativ-Vorschlag genommen. Beim Cover allerdings werden Grafik- und Designprofis beauftragt. Da habe ich direkt also keinen Einfluss, aber zum Glück fand ich bislang alle Covergestaltungen toll. 

Welches gelesene Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken? 
Das sind mehrere Bücher. Zwei von Hermann Hesse: „Demian“ und „Unterm Rad“, die mich als Schülerin sehr beeindruckt haben. Ein Gedichtband der wundervollen Dichterin Else Lasker-Schüler. Ein Buch, das ich immer wieder lese, ist „Rot“ von Uwe Timm, weil es einfach ein wortgewaltig-wunderbares Buch über das Leben und den Tod ist. Und worüber ich mich immer wieder königlich amüsiere, ist die total abgedreht-skurrile Satire von William Kotzwinkle (der heißt tatsächlich so, ich schwöre es J) „Ein Bär will nach oben“. 

Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten? 
Englische Krimis, aber auch Gedichtbände z.B. von Rilke und – wie oben erwähnt – Else Lasker-Schüler. 

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen? 
Irgendwie fällt mir da niemand so recht ein. Ich würde nämlich viel lieber mal einen berühmten Maler wie Franz Marc treffen, deren Bilder ich sehr liebe und dessen Malkunst ich sehr bewundere. Weil ich selbst nicht malen kann, würde mich das viel mehr interessieren als eine literarische Figur. 

Buchmessen und Lesungen, vor allem LiveStream-Lesungen werden immer beliebter. Auf welcher Buchmesse werden wir Dich als Nächstes treffen können? Führst Du gerne Öffentlichkeitsarbeit / Lesungen oder ist das Lampenfieber groß? 
Ich habe ja bei der Leipziger Buchmesse im März gelesen und habe mehrere Lesungen in Bibliotheken, an Schulen oder in Buchläden. Ob ich in Frankfurt sein werde, weiß ich noch nicht, aber am 8.6. bin ich beim Literaturfest Meißen und lese dort aus „Purpurmond“. Mir persönlich machen Lesungen und der direkte Kontakt mit interessierten Bücherwürmern sehr viel Spaß. Das kommt vielleicht auch daher, weil ich früher als Journalistin gearbeitet und unter anderem Radiomoderationen gemacht habe. Da ist die „Sprechhemmung“ schon mal nicht so groß. Und wenn ich merke, den Leuten gefällt es, vorgelesen zu bekommen, bin ich auch happy und lege mich dafür gerne ins Zeug! 

Da ich selbst blogge, interessiert mich dies besonders:
Dank der Social Networks ist der Kontakt zwischen Autorin und deren Fans viel intensiver geworden. Fluch oder Segen? Wie stehst Du persönlich dazu? 
Ich finde, die Social Networks sind eine tolle Möglichkeit, mit den Fans in persönlichen Kontakt zu treten. Ich versuche auch meistens, mich auf den Blog-Websites für eine besonders nette Rezension persönlich durch einen Kommentar oder eine Mail o.ä. zu bedanken. Weil ich es einfach schön finde, wie viel Zeit und Mühe sich die Blogger machen, sich mit (m)einem Buch auseinander zu setzen! Das berührt mich oft wirklich sehr und ich freue mich natürlich auch darüber. Auch kritische Stimmen nehme ich ernst und überlege, an welcher Kritik was dran ist und ob ich das beim nächsten Buch besser machen kann. Gerade, wenn Kritikpunkte häufiger genannt werden, sollte ein Autor ja wirklich mal drüber nachdenken und das vielleicht auch als Anstoß nehmen, ohne sich allerdings „verbiegen“ zu lassen, denn jeder hat einfach seinen eigenen (Schreib)-Stil.

Andererseits – und da bin ich wirklich froh, dass ich das persönlich noch nicht erlebt habe – bietet das Internet natürlich auch eine Plattform für unfaires Verhalten. Durch die Möglichkeit, anonym zu bleiben, nutzen manche User das aus, „so richtig vom Leder zu ziehen“ und andere zu beleidigen. Das ist wiederum der Nachteil an diesen Social Networks. Aber wie gesagt: Bei den Bücherblogs habe ich so etwas noch nicht erlebt und das finde ich wirklich ganz toll, wie freundlich und respektvoll die Bücherfans dort mit den Autoren und untereinander umgehen. 

Dein Jugendroman „Purpurmond“ erzielt große Erfolge, was man schon an den vielen sehr guten Rezensionen und Meinungen dazu sieht. Ein Jugend-Fantasyroman, der trotz seiner etwas beklemmenden Thematik sehr amüsant und ansprechend umgesetzt ist. 
Was inspirierte dich dazu, für einen Jugendroman das Thema Hexenverbrennung aufzugreifen? 
Das war irgendwie fast ein bisschen wie „Zauberei“. Meine Literaturagentin meinte nämlich zu mir, dass Vampire inzwischen „out“ seien. Ich fragte ganz spontan „Und Hexen, kann ich was über Hexen schreiben?“ Da ich ja aus Bamberg stamme, war ich natürlich mit der Geschichte der Stadt und der nicht gerade rühmlichen Vergangenheit zur Zeit der Hexenverfolgungen vertraut. Und da kommen wir schon zu Deiner nächsten Frage: 

Hat erst das Schreiben dieses Buches dich dazu bewegt, dich mit der Bamberger Vergangenheit auseinander zu setzten? Oder ist die Hexenverbrennung und die Geschichte rund um das Bamberger Drudenhaus ein Thema, dass dich schon vorher interessierte, da du ja selbst in Bamberg lebst? 
Ich hatte mich bereits während meiner Schulzeit in zwei Referaten mit dem Thema Hexenverfolgung und Hexenprozesse auseinandergesetzt. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben, wie viel Schlimmes in dieser schönen Stadt mit Menschen passiert ist, die einfach „anders“ waren und dachten. Da Bamberg im 2. Weltkrieg kaum zerstört wurde, sieht man ja noch sehr viele alte Gebäude aus dieser Zeit im Stadtbild. Die Vergangenheit ist in Bamberg also immer (noch) präsent – und daher kam auch die Idee, durch Cats Zeitreise einen Bogen von der Gegenwart in die Vergangenheit zu schlagen. Außerdem hat man ja manchmal, wenn man solche grausamen geschichtlichen Fakten liest, spontan den Wunsch, durch die Zeit reisen und helfen zu können. Im Roman tut Cat das ja tatsächlich. 
Einen Teil der Bamberger Geschichte in diesem Buch hast du abgeändert oder auch Elemente hinzugefügt – aber die Geschichte um Dorothea Flock beruht auf Tatsachen. Dorothea existierte wirklich, aber leider blieb ihr im wahren Leben das Happy End versagt. Sie wurde tatsächlich als letzte „Hexe“ in Bamberg hingerichtet. 
Erzähle uns etwas über deine Empfindungen, als du ihren Charakter, ihre Persönlichkeit hast aufleben lassen. Ist es nicht unglaublich schwierig, über diese realen Geschehnisse zu schreiben? 

Für mich war es wirklich sehr bedrückend, die wahre Geschichte von Dorothea Flock zu lesen. Ihre Familie hatte nach ihrer Verhaftung mehrere Gnadengesuche eingereicht – vergeblich. Die junge Frau war sogar schwanger und durfte trotzdem nicht auf Gnade hoffen. Sie hat ihr Kind im Drudenhaus zur Welt gebracht – ein paar Tage später wurde sie hingerichtet. Ich muss gestehen, dass ich da mit Tränen in den Augen in der Bibliothek der Universität Bamberg saß. Deswegen hat sie in meinem Buch ja auch ein richtiges Happy End bekommen, wenn auch nur fiktiv. 

Du hast eine gelungene Verbindung zwischen der Moderne und der Vergangenheit geschaffen. Was bereitete dir mehr Schwierigkeiten? Über die Vergangenheit aus Dorothea´s Sicht zu schreiben oder sich in die Gefühls- und Gedankenwelt der 17-jährigen, modernen Cat einzufinden? 
Mich in Cat einzufinden, war insofern nicht allzu schwer, weil ich in ihrem Alter selbst ein „Experte für Fettnäpfchen“ war und mir mit meinem losen Mundwerk auch oft Ärger eingehandelt hatte. Trotzdem konnte ich mich auch in Dorothea gut einfühlen, denn sie ist ja, obwohl sie in einer streng reglementierten Welt (und Zeit) lebte, ein „Freigeist“. Sie will keinen Mann heiraten, den sie nicht liebt und sie verdient ihr eigenes Geld – keine Selbstverständlichkeit für ein Mädchen in der damaligen Zeit. 

Am 1. Mai diesen Jahres ist ein weiterer Roman von dir im Handel erscheinen: „Amerika liegt im Osten“ – ebenfalls ein Jugendroman, in dem du eine ernste, nachdenklich stimmende Thematik aufgreifst. 
Ich selbst habe das Buch schon auf meinem Wunschzettel und bin sehr gespannt. Bitte erzähle meinen Lesern etwas über dieses Buch. 
In „Amerika liegt im Osten“ geht es um die 17-jährige Motte, die in ihren Mitschüler Lukas, genannt Laser, verliebt ist. Und obwohl der eine Schlägerei mit einem ausländischen Klassenkameraden anfängt, verpetzt ihn Motte nicht – ebenso wenig wie die anderen Schüler. Denn Laser ist cool, er ist der Star an der Schule. Und – er beginnt, sich für Motte zu interessieren. Motte ist verknallt und zwar so arg, dass sie Laser nach Amerika folgen will, wo der die Ferien bei seinem Vater verbringt. Dafür braucht sie aber Geld – und der Einzige, der ihr etwas geben kann, ist ihr Urgroßvater, den Motte schon immer spießig und kalt fand. Dessen Bedingung ist aber, dass Motte mit ihm und der demenzkranken Urgroßmutter nach Tschechien fährt. Dort hat die alte Frau ihre Kindheit und Jugend verbracht und der Urgroßvater hofft, dass dadurch der verlorene Teil ihrer Erinnerungen wieder kommt. Doch in Tschechien wartet ein altes Familiengeheimnis und Motte erkennt nach dieser Reise, dass „Nicht-Erinnern-Können“ und „Vergessen-Wollen“ zwei verschiedene Dinge sind und nicht nur das Thema in der Generation ihrer Urgroßeltern. Sie erkennt, wie destruktiv falsche Loyalität ist und findet den Mut, das Richtige zu tun.

„Amerika“ ist dadurch natürlich ein etwas ernsteres Thema geworden, aber auch zwischen Motte und ihren Urgroßeltern gibt es rührend-komische Situationen. Das Buch soll nicht mit „erhobenem Zeigefinger“ winken und auch wenn Motte anfangs etwas „sperrig“ und eigensinnig rüberkommt, ist sie doch hoffentlich jemand, der den Lesern im Lauf der Geschichte auch ans Herz wachsen wird. 

Und an welchem neuen Buchprojekt arbeitest du gerade? Auf was dürfen wir und als nächstes freuen? Kannst und magst Du den Lesern schon etwas vorab verraten? 
Ich werde im Frühjahr 2013 meinen neuen Jugendthriller veröffentlichen und im darauffolgenden Herbst erscheint mein neuer Fantasyroman. Abgesehen davon existieren noch ein, zwei, drei neue Ideen, aber erstmal muss ich meine bestehenden Buchverträge erfüllen ... 

Was macht Heike Eva Schmidt, wenn sie/er gerade nicht hinter dem Schreibtisch sitzt? 
Yoga für den vom Schreiben verspannten Rücken! Ansonsten bin ich am liebsten draußen in der Natur unterwegs, egal zu welcher Jahreszeit: Auf dem Pferderücken oder beim Wandern oder im Winter beim Langlaufen in den Bergen. Und die Krönung ist dann ein schöner Kaffee mit 
Apfelstrudel oder einem der vielen selbstgebackenen Kuchen auf einer der vielen Almhütten! 

Was ist das Verrückteste oder Lustigste, was Du je erlebt hast? 
Ich war mal auf einer Mottoparty eingeladen, deren Thema „Himmel und Hölle“ war. Meine Freundin war blond, also ging sie als Engel und ich mit meinen rötlichen Haaren war der Teufel. Der „Engel“ trug nicht nur selbstgebastelte Flügel, sondern auch einen Heiligenschein aus Pappe, der mit Draht am Kopf befestigt war. Ich hatte mir die Augen schwarz und die Lippen knallrot geschminkt, rotschwarze Pfeifenreiniger, die zu Blitzen gebogen waren, in den Haaren und einen Dreizack dabei. So fuhren wir also im Auto zu der Party – und kamen prompt in eine Polizeikontrolle. Mitten im Sommer, also weit und breit keine Faschingsveranstaltung, mit der man sich hätte rechtfertigen können. Die Gesichter der zwei Polizisten hätte ich am liebsten fotografiert, als sie sich zum Autofenster beugten und den „Leibhaftigen“ am Steuer sitzen sahen, daneben einen hold lächelnden Engel, deren Heiligenschein fast ans Autodach stieß... Zum Glück haben die Beamten es mit Humor genommen und da wir auf dem Hinweg zur Party waren, war selbst der Satan (noch) nüchtern... 

Wer oder was macht Dich besonders glücklich? 
Menschen, die mir am Herzen liegen: Mein Lebensgefährte, meine Freundinnen, mein Vater, der extra zu meiner allerersten Lesung nach Leipzig gereist ist und mich dort überrascht hat. Mein Pflegepferd, das wiehert, wenn es mich sieht, der rote Kater in unserem Reitstall, der immer so laut schnurrt, wenn man ihn auf den Arm nimmt. Aber ich kann auch völlig unvermittelt glücklich sein, wenn ich vor einer Tasse richtig guten Cappuccinos in einem Straßencafé sitze (Zeit! Sonne! Espresso!), beim Blick, den man hat, wenn man bei einer Wanderung den Gipfel erreicht hat, oder wenn es im Sommer das erste Mal nach frischgemähtem Gras riecht ... herrlich! Da hüpft dann so ein „Happyness-Funke“ vom Magen direkt in mein Herz und lässt mich gaaaanz breit grinsen! 

Verrätst Du uns Dein ganz persönliches Rezept für gute Laune? 
Irgendetwas tun oder ansehen, was einen zum Lachen bringt. Das kann bei Youtube ein Videoclip sein, eine absurde Filmszene... Oder man erinnert sich an einen Tag, an dem man richtig Spaß mit Freunden hatte, am besten an einen Augenblick, in dem man miteinander hemmungslos albern war. Das zaubert sofort ein Lächeln aufs Gesicht und das Gute-Laune-Barometer schnellt nach oben! 

Vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch im Bücherkaffee und für das nette Interview. Ich hoffe und wünsche es mir, dass wir noch viel von Dir hören bzw. lesen werden!
ICH habe zu danken, dass ich das Bücherkaffee besuchen und ein bisschen über mich und meine Bücher erzählen durfte! Noch ganz viel Lesevergnügen und allen „Leseratten“ weiterhin viel tolles, lustiges, ernstes und spannendes Lese“futter“! 
Viele Grüße schickt Heike Eva Schmidt


Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann dies unter folgenden Links tun:

[alexandra]

Rezension {Alexandra} - Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Samstag, 19. Mai 2012 2 Kommentare

von Rachel Joyce


Übersetzung: Aus dem Englischen von Maria Andreas
Genre: Roman, Gegenwartsliteratur
Ausstattung: 378 Seiten, Hardcover
Erscheinungsdatum:16. Mai 2012
ISBN: 978-3-8105-1079-2
Preis: 18,99 € (D)

Weitere Ausgaben:  Hörbuch / eBook 



»Ich bin auf dem Weg. Du musst nur durchhalten.
Ich werde dich retten, du wirst schon sehen. Ich werde laufen, und du wirst leben.«
Inhalt:
Der pensionierte Harold Fry ist zutiefst erschüttert, als einer eines morgens einen Abschiedsbrief seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie Hennessy erhält. Queenie leidet an Krebs und verbringt ihre restlichen Tage in einem Hospitz in Berwick-upon-Tweed.
Harold macht sich auf zum nächsten Briefkasten, um einen Brief für sie einzuwerfen. Ihm fallen nicht viele Worte ein, aber er möchte sich trotzdem gerne von ihr verabschieden. Aber er läuft am ersten Briefkasten vorbei, am zweiten auch ... beim dritten Briefkasten reift eine vage Idee in seinem Kopf. Eine junge Angestellte in der Tankstelle bringt zuletzt den Stein ins Rollen, denn ihre an Harold gerichteten Worte berühren ihn tief:
"Man muss glauben. Meine ich jedenfalls. Es geht gar nicht um Medizin und das ganze Zeug. Man muss daran glauben, dass der Mensch wieder gesund werden kann. Unser Geist ist viel größer, als wir begreifen. Wenn wir fest an etwas glauben, können wir alles schaffen." (Seite 23)
Und so steckt Harold seinen Brief wieder tief in die Jackentasche zurück und läuft los. Er macht sich auf den Fußweg quer durch England bis hin zu Queenie in Berwick-upon-Tweed. Denn aufgrund er Worte des jungen Mädchens ist er davon überzeugt: So lange er läuft, wird Queenie leben!
Über 1000 km in 87 Tagen legt er zurück. Der Weg wird zur Pilgerreise für Queenie - aber auch für Harold selbst, der sich selbst und auch sein Leben wieder findet....

Handlung & Charaktere:
Rachel Joyce legt mit "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" einen außergewöhnlichen und vor allem emotional tief berührenden Roman vor, der Seinesgleichen sucht und der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite auf eine sehr gefühlvolle Art und Weise fesselt.
Harolds Pilgerreise wird zur Pilgerreise des Lesers, jeden Kilometer geht man in Gedanken mit Harold, teilt sein Leid mit ihm und genießt die schönen Momente und Augenblicke mit ihm. Man taucht regelrecht in die Geschichte ein und wird ein Teil dessen.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Schöne Beschreibungen der Natur und bildreiche Umschreibungen der Geschehnisse sorgen für angenehmes Lesen, denn die Thematik wird dadurch sehr aufgelockert bzw. abgerundet.
Der Roman ist aus der Sicht des Erzählers geschrieben und ist von zwei Handlungssträngen durchzogen. Der erste Handlungsstrang dreht sich um den Rentner Harold Fry. Wir erfahren viel über sein Leben, das leider von vielen Schattenseiten geprägt ist. Viele schmerzliche Erfahrungen, die bis in seine Kindheit zurück reichen, belasten Harold nun im Alter mehr denn je - denn er hat sie nie verarbeitet. Dafür ist er viel zu sehr britisch-zurückhaltend erzogen worden und redselig in Hinsicht auf seine eigenen Gefühle ist er gleich dreimal nicht. Die richtigen Worte wollen ihm nie so recht einfallen, was auch sein Familienleben nicht einfach macht. Zu viel Unausgesprochenes, zu viel Unerledigtes und zu wenig Nähe und Emotionen treiben Keile in die Familie. Zu seinem Sohn Davis, der schon in früher Kindheit ein Grübler und Denker war, findet er keinen Bezug, er kann nicht recht in die Vaterrolle schlüpfen. Und seine Frau Maureen zieht sich von ihm zurück, sie entfremden. Und Harold scheint diese Entwicklung auch einfach akzeptiert zu haben. Bis zu seinem Fußmarsch ...
Der zweite Handlungsstrang handelt von eben jener Ehefrau Maureen. Sie erweckt zu Beginn einen recht unsympathischen Eindruck, der aber von ihrer Verbitterung, ihrer Verzweiflung und ihrem Kummer her rührt. Auch sie hat vieles verdrängt, was nun über sie hereinbricht und das nun verarbeitet werden will - aber es öffnet ihr auch die Augen und sie beginnt seit langem mal wieder, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und plötzlich erscheint sie auch viel sympathischer.
Von Queenie erfahren wir nur auch Harolds Gedanken. Eine Frau, die "ihren Mann gestanden" hat. Zu jenen Zeiten einen Job in der Männerwelt einer Brauerei zu haben, braucht viel Stärke, Zuversicht und Tapferkeit. Sie hat ihren Job letzten Endes für Harold geopfert, was auch ein großer Freundschaftsbeweis war. Erst der Krebs hat sie in die Knie gezwungen, den Männern konnte sie immer trotzen.
Auf Harolds Pilgerreise wird uns aber auch der ständige Lauf der Menschheit vor Augen geführt.
Einer beginnt etwas ... andere "bekommen Wind" von der Sache und schließen sich an - und eine neue Gemeinschaft entsteht. Eine Gemeinschaft, zusammengewürfelt aus den unterschiedlichsten Charakteren. Was wiederum zur Folge hat, dass es Unstimmigkeiten, Streiterein und Meinungsverschiedenheiten gibt. Splittergruppen werden gegründet und Machtgierige versuchen, das Zepter an sich zu reißen und einige bleiben einfach zurück. Willkommen Politik - selbst auf Harolds Pilgerreise ist sie zu finden.
Ein Kapitel, dass mich erschüttert hat. Die "Vermarktung" von Harold, das Einmischen der anderen in seine Reise...das Einmischen von Menschen, die gar nicht recht wussten, um was es überhaupt geht. Viele fanden vielleicht ihr eigenes, persönliches Seelenheil, aber sie raubten Harold seine Kräfte.
Ganz anders die Menschen, denen Harold zufällig begegnete, wie zum Beispiel die Ärztin, bei der Harold übernachten durfte oder der Fremde, der ihm seine Geschichte im Bahnhofs-Café erzählte - und natürlich das junge Mädchen von der Tankstelle. Diese Menschen bereicherten und beeinflussten Harold auf positive Weise.

Mein Fazit: 
Harold Fry´s Pilgerreise hat mich emotional tief berührt! In Gedanken bin ich mitgelaufen, habe mitgelitten, mitgetrauert - aber auch mitgelacht.
Ein ergreifendes Buch über Glauben und Hoffnung, über Freundschaft und Liebe, über Vergebung und über Selbstfindung. Ein Buch mit Tiefgang, ohne zu schwer zu werden.
Eine absolute Leseempfehlung! "Daumen hoch"


Rezensiert von Alexandra


Zur Autorin Rachel Joyce:

Rachel Joyce

 Rachel Joyce weiß, wie man Menschen mit Worten ganz direkt berührt. Die Autorin hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. ›Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‹ ist ihr erster Roman. Er erscheint in über 30 Ländern auf der ganzen Welt. Rachel Joyce lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in 
 Gloucestershire auf dem Land.


Quelle Text + Bild: website Fischer Verlag, Foto: Fatimah Namdar

Harcover-Buch      Hörbuch              Kindle eBook

Rezension: Zum Teufel mit Barbie

Donnerstag, 17. Mai 2012 3 Kommentare

Von Sylvia M. Dölger 

Genre: Jugendroman
Verlag: Satzweiss (25. November 2011)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Format: Kindle Edition / eBook
(auch als epub verfügbar)
Dateigröße: 567 KB (geschätzt: 156 Seiten)
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 156 Seiten
Sprache: Deutsch

Inhalt:
Die adoptiere Halb-Thailänderin Sue ist mit ihrer momentanen Situation recht unzufrieden: Sie steht kurz vor ihrem 18.ten Geburtstag und alles verändert sich um sie herum.  In der neuen Berufsschule findet sie keinen rechten Anschluss und ist eher eine Außenseiterin, ihre beste Freundin hat nun einen neuen Freundeskreis und entfremdet sich von Sue und zu allem Überfluss liegen ihr ihre Eltern ständig auf der Tasche, mit Ihnen zusammen eine Reise nach Bangkok zu unternehmen. Dort soll sie ihre leibliche Mutter und ihre wahren Wurzeln kennen lernen. Zu hause am ihrem PC blüht sie aber auf; als "Manga_girl" macht sie die virtuelle Welt unsicher, sammelt zahlreiche Freude und Fans in den verschiedensten Social Networks und chattet die halbe Nacht.
Aber dann muss Sue bitter erfahren, wie leichtsinnig sie war - denn nicht jeder in dieser virtuellen, scheinbar sorgenlosen Welt ist das, was er vorgibt zu sein. Plötzlich befindet sie sich in großer Gefahr.
Leicht panisch beschließt Sue, einfach abzuhauen, erst einmal alles hinter sich zu lassen. Der billigste Flug, den sie erwischen kann, bringt sie ... ausgerechnet nach Bangkok!
Sue´s Flucht entwickelt sich zu einer aufregenden Reise.

Handlung & Charaktere:
Sylvia M. Dölger hat mit diesem eBook "zum Teufel mit Barbie" einen sehr ansprechenden Roman über das Erwachsenwerden erschaffen. Sie zeigt anhand von Sue auf, wie schwierig dieser Weg manchmal sein kann und schnell man sich dabei auf die falschen Menschen verlassen kann, weil man den einfacheren Weg wählte.
Gleich mehrere, für junge Menschen sehr relevante Themen werden von ihr gekonnt verarbeitet - Adoption, virtuelle Welt und Selbstfindung.  Die Umsetzung erfolgte auf eine angenehme und sehr leichte Weise, so dass der Roman trotz der thematischen Brisanz nie wirklich zur "Schweren Kost" wurde - aber trotzdem zum Nachdenken anregte.
Erzählt wir die Geschichte aus der Sicht der 17-jährigen Sue, was sehr viel Einblick in die jugendliche Gefühls- und Gedankenwelt zulässt. Daher erwartet den Leser auch zu Beginn ein sehr umgangssprachlicher Schreibstil. Es ist einfach ihre jugendliche Art, nichts verschönert, genau so geschrieben, wie sie denkt.
Auf Ihrer Reise in Bangkok, die gleichzeitig auch ihre Reise zur Selbstfindung wurde, ändert sich ihre Ausdrucksweise und man merkt daran, dass sie durch ihre Erfahrungen an Reife gewinnt.

Zu Beginn erscheint sie sehr trotzig, etwas aufmüpfig und auch leicht stur und eigensinnig. Sie fühlt sich von ihrer Freundin versetzt und im Stich gelassen. Kann es noch nicht recht akzeptieren, dass sich alle weiter entwickeln auf dem Wege des Erwachsen werdens und sich somit auch verändern. Von ihren Eltern fühlt sie sich unter Druck gesetzt. Sie hat kein Bedürfnis, ihre leibliche Mutter kennen zu lernen. Zumindest sagt sie das. Unbewusst hat sie vielleicht auch einfach Angst davor.  Sue fühlt sich bei ihren Adoptiveltern wohl - es sind IHRE Eltern, von ihnen wurde sie großgezogen. Dieses Thema wurde sehr gut aufgegriffen und umgesetzt - Ihre Gedanken und Gefühle sind schön dargestellt, vor allem später, als sie ihrer leiblichen Mutter tatsächlich gegenüber steht.

Ein anderes großes Thema, das Syliva Dölger in dem Buch aufgegriffen hat, ist das leider sehr oft vorkommende, leichtsinnige Verhalten im Umgang mit dem Internet im Allgemeinen und den Social Networks im Speziellen. Zu schnell verliert man den Bezug zum wahren Leben, vor allem, wenn man da gerade enttäuscht wurde oder auch gestresst ist., vielleicht auch nicht wirklich beliebt ist. In der Anonymität des Netzes findet jeder seinen Platz, aber oftmals stecken hinter den "Freunden" böse Überraschungen, die nicht selten gefährlich enden. So auch in Sue´s Fall. Sie hat sich von Jimmy´s schönen Worten einlullen lassen, weil sie ihre Seele gut getan haben. Und so hat sie gar nicht weiter nachgedacht und tappte direkt in die Falle.

Die Thailand-Reise gestaltet sich als sehr turbulent, aber Sue gewinnt dadurch einiges an Lebenserfahrung. Die Begebenheiten des Landes im Bezug auf junge Frauen ist sehr sensibel dargestellt und regt zum Nachdenken an.
Die Beschreibung des Umfeldes ist sehr gut gelungen, so dass man das Gefühl hat, man befindet sich an der Seite von Sue in Bangkok.

Mein Fazit:
"Zum Teufel mit Barbie" ist ein sehr gelungener Jugend-Roman, der trotz der Kürze (etwa 156 Seiten / eBook) sehr komplex gestaltet ist. Das eBook ist leicht und angenehm zu lesen und ich habe es gleich an einem Stück durchgelesen. Die Themen sind ausführlich und gut dargestellt und schön miteinander verbunden.
Mir hat das eBook sehr zugesagt und finde es wirklich sehr empfehlenswert.
Empfehlenswert nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Speziell Eltern, die gerne einmal hinter die Fassade eines jungen Mädchens auf dem Weg zur Frau blicken möchten.

© Rezension, Alexandra

Rezension: Die dritte Stunde nach Mitternacht

Montag, 14. Mai 2012 1 Kommentar

von Bodil El Jørgensen

Übersetzung: Aus dem Dänischen von Sigrid C. Engeler
Erscheinungtermin: 17.02.2012 
Ausstattung: Gebunden, 176 Seiten
Alter: ab 11 Jahren
ISBN: 978-3-522-18289-8
Preis: 9,95 € (D)

Aus als eBook erhältlich 





Inhalt: 
Die 11-jährige Halbkoreanerin Esmeralda - von allen Esme genannt - liebt es, für die Schülerzeitung zu schreiben. Sie möchte später einmal eine angesehene und berühmte Journalistin werden und die Schülerzeitung ist ihr größtes Hobby. Unterstützt wird sie hier von ihrem besten Freund und Cousin Igor. Praktischerweise wohnen sie beide auch im gleichen Haus im Möwenweg in der dänischen Kleinstadt Arhus.

Als sie auf dem Heimweg von der Schule eine Sporttasche mit einem Kostüm und einer Anleitung für ein Rollenspiel finden, ahnen sie noch nichts Böses und machen sich auf die Suche nach dem Besitzer. Dieser ist jedoch über den Fund gar nicht sehr erfreut und möchte seine Tasche nicht zurück nehmen. Esme und Igor wundern sich sehr. Hier scheint doch etwas nicht zu stimmen! Neugierig, wie Esme ist, fängt sie an, der Rollenspieler-Gruppe hinterher zu spionieren und macht eine besorgniserregende Entdeckung.
"Schibal!" (Das ist koreanisch und bedeutet "verflixt und zugenäht") - diese Rollenspieler sind in Wahrheit nämlich gar nicht so harmlos, wie sie vorgeben! Aber was führen sie im Schilde? Was passiert da immer zur dritten Stunde nach Mitternacht in Arhus? Was planen die als Zauberer, Zwerg und Dieb verkleideten Rollenspieler? Diebstahl? Einbruch? oder gar etwas viel schlimmeres???

Esme wittert einen spektakulären Artikel für ihre Schülerzeitung und schleicht sie sich mutig Nacht für Nacht aus dem Haus, um den Rollenspielern auf die Schliche zu kommen. Als Esme dann eines Nachts Zeugin der Entführung einer Millionärstochter wird, wird es brenzelig für sie - aber was ein Glück, dass sie auf Igor zählen kann!

Handlung & Charaktere
Die Autorin Bodil El Jørgensen hat mit dieser neuen Kinderbuch-Reihe um die mutige Esme und den stillen "Nerd" Igor ein bezaubernden und spannenden Kinder-Krimi vorgelegt. Der detektivische Spürsinn der Kinder erinnert etwas an die "???", aber die Geschichte um die beiden kleinen Hobby-Journalisten auf der Jagd nach einem spektakulären neuen Zeitungsartikel hat trotzdem etwas ganz Eigenes und Begeisterndes - mit einem Hauch dänischem Charakter.

Der Schreibstil ist sehr locker-leicht und völlig Altersgerecht. Dies gilt auch für die Darstellung der Thematik. Die empfohlene Altersangabe von 11 Jahren empfinde ich als sehr angemessen. Die Geschichte wird aus Sicht der kleinen Esme erzählt, was natürlich für viele Schmunzler sorgt, denn der Leser darf so an ihren Gedanken teilhaben .. und die sind manchmal schon sehr "bizzar", wie Esme selbst immer gerne wieder sagt. Die Wörter "Schibal" und "bizzar" gehören momentan zu ihren am  liebsten verwendeten Ausdrücken und Bezeichnungen. Solche Dinge schnappt sich die Neunmalkluge und für ihr Alter unglaublich intelligente Esme in der Zeitung auf, die sie - natürlich - täglich liest, meist sogar noch vor ihrem Vater. Früh übt sich ja schließlich und von den großen Journalisten kann sie ja nur lernen!

Esme ist wissbegierig,sehr klug, wahnsinnig neugierig und auch äußerst mutig. Zudem hat sie ein großes Herz, was sie im Umgang mit ihrem jüngeren Bruder Kalle immer wieder beweist. Igor dagegen ist ein kleiner "Nerd", der am liebsten die ganze Zeit vor seinem Computer sitzen möchte. Ruhig, nachdenklich und ständig verfroren - eigentlich der typische "Stubenhocker", wenn Esme ihn nur lassen würde. Aber die beiden ergänzen sich einfach herrlich! Esme spornt Igor zu immer neuen Taten an und im Gegenzug holt Igor Esme in aller Ruhe wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn ihr Enthusiasmus mal wieder überhand nimmt.

Die Geschichte ist sehr spannend und auch nicht komplett vorhersehbar. Es kommen immer wieder neue und überraschende Aspekte hinzu und so entwickelt sich der Fall vom verschwundenen Kaninchen bis hin zur entführten Millionärstochter. Eine gehörige Portion Nervenkitzel wird den jungen Lesern geboten und Langeweile kommt bestimmt nicht auf.

Mein Fazit:
Eine tolle neue Kinder-Krimi-Reihe, die den detektivischen Spürsinn in den kleinen Lesern weckt und Lust auf Abenteuer macht. Auch ich habe immer wieder schmunzeln müssen über die beiden wirklich liebevoll gestalteten Charaktere Esme und Igor.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und den neuen Fall für Esme und Igor : "Nie Nacht der verschwundenen Kinder", denn am Ende dieses Buches fand ich eine 12-seitige Leseprobe vor die ich natürlich sofort gelesen und für gut befunden habe.
Auf jeden Fall eine tolle Leseempfehlung für kleine Abenteurer und Hobby-Detektive!


Rezension: Alexandra Zylenas


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