Rezension {Alexandra} - Tante Martha Im Gepäck

Donnerstag, 13. September 2012 0 Kommentare


Tante Martha im Gepäck

Von: Ulrike Herwig

Verlag: Ullstein Verlag
Genre: Roman, Belletristik
Erscheinungsdatum : 1.Auflage Juli 2012
Ausstattung: Taschenbuch , 264 Seiten
ISBN13: 978 3 548 28458 3
Preis: € 9,99 [D]

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Nie wieder Urlaub ohne Tante Martha!
Inhalt:

Karen Thieme freut sich auf den bevorstehenden Urlaub in Schottland, den ihre Familie so dringend nötig hat. Das Auto ist gepackt und eigentlich steht nur noch ein schnelles "Tschüss" bei der schrulligen Tante Martha an und es kann losgehen. Aber Karin traut ihren Augen kaum, als sie 80-jährige Dame im Schotten-karierten Reisekostüm, bewaffnet mit Koffer und Regenschirm, im Gang stehen sieht. Denn Tante Martha möchte mit! Was zu erledigen habe sie in Schottland, behauptet sie. Und um ihrem Wunsch Ausdruck zu verleihen, droht sie Karin doch glatt mit Erbentzug. Da Familie Thieme finanziell auf dieses Erbe angewiesen ist, kann Karen nicht nein sagen - und Tante Martha macht es sich zwischen den Kindern auf dem Rücksitz bequem. Welch ein frustrierender Start in den Urlaub, mit einer senilen, schrulligen und womöglich sogar kranken Tante im Gepäck. Karen sieht schwere Zeiten auf sich zukommen, Arztbesuche, Medikamente, Nörgeleien ...
"Heilige Mutter Gottes, bewahre mich vor Hysterie, Wahnsinn und totalem finanziellen Ruin. Alles, was ich will, ist Urlaub machen, ein paar Wildlederstiefel kaufen und irgendwann mal ein Haus besitzen."
Seite 87
Um so überraschter ist sie, als sie feststellen muss, das genau das Gegenteil der Fall ist. Denn Tante Martha entpuppt sich als wahre Reisebereicherung. Sie scheint Schottland wie ihre Westentasche zu kennen (Zumindest besser als der unsägliche Reiseführer ihres Mannes ) und überhaupt ist rüstige Dame fit und total auf Zack, sogar Pokern (vorzugsweise mit Truckfahrern) kann sie prächtig!
Wie konnte sie sich so in ihrer Großtante irren???
Aber Martha hat noch mehr Überraschungen auf Lager ...


Handlung & Charaktere:

Ulrike Herweg hat mit "Tante Martha im Gepäck" einen sehr gelungenen leichten Urlaubs-Sommer-Roman erschaffen, der In seiner ganzen Aufmachung überzeugt.
Der Schreibstil ist sehr locker und angenehm zu lesen und verleitet dazu, das Buch gerade an einem Stück durchzulesen. Dazu trägt auch die schöne und beschreibende Sprache bei, denn mit dieser gelungenen Umgebungsbeschreibung packt einen direkt das Reisefieber und man würde am liebsten umgehend eine Schottlandreise planen und antreten. Auch den angenehmen Duft des schottischen Whiskeys kann man fast riechen.
Erzählt wird dieses besondere Reiseabenteuer aus Sicht von Karin in der dritten Person. Dies lasst natürlich einen großen Einblick in ihre Gedanken zu und man kommt so nicht umhin, Karin erst einmal als sehr unsympathisch einzustufen, was wohl durchaus gewollt ist (Sonst wäre der Roman sehr kurz...).
Trotz ihrer eigenen Sorgen (finanziell und auch beziehungstechnisch) erscheint Karin sehr ich-bezogen, leicht depressiv und ihren Mitmenschen gegenüber sehr oberflächlich. An ihrer Großtante lässt sie zuerst kein gutes Haar und ist quasi zu jeder Zeit nur genervt von ihr, empfindet sie als große Belastung. So ärgert sie sich darüber, dass sie Martha ab und an zum Arzt bringen muss und findet die Besuche in ihrer Wohnung schon beinahe unerträglich. Eine alte Frau, schon nahezu senil und der ständige Medikamentengeruch in der Wohnung! - so denkt sie und nimmt nicht einmal die Kinder auf einen Besuch mit. Sie selbst besucht die Tante auch nur des anstehenden Erbes wegen, denn dieses Geld kann die Familie gut gebrauchen.
Dass es auch mit ihre Ehemann Bernd gerade nicht so gut klappt, trägt nicht zu einer besseren Stimmung bei. So ist der Frust groß und Trost sucht sie in gedanklichen Schwärmereien über ihren gut aussehenden Kollegen Mike.
Auch die Art und Weise, wie sie im Auto abwertend über die Tante denkt und sie nur belächelt, erscheint alles andere als sympathisch.
Martha muss ihr quasi erst die Augen öffnen, damit sie sich endlich einmal Gedanken über sich, über ihre Tante und über natürlich ihre ganze Familie macht.
Martha seufzte. "Habt ihr mich je danach gefragt? Hat irgendeiner von euch sich je gefragt, wer ich war, bevor ich die verrückte Alte wurde?"
Seite 147
Tante Martha - eine so bezaubernde und ungewöhnliche Dame, die man eigentlich umgehend ins Herz schließen muss. Sie ist geheimnisvoll, voller Tatendrang, fit und agil und schreckt wirklich vor keinem Erlebnis zurück. Sei es Stoppen, pokern mit Truckfahrern oder das Fälschen von Nummernschildern. Sie hat die Zügel in der Hand und ihr macht so schnell keiner etwas vor. Und doch hat sie auch immer wieder einmal einen schwachen Moment, in dem sich ihr wahres Alter zeigt. Aber davon lässt sie sich in keiner Weise beirren
[...] "Wer eine nicht unbeträchtliche Zeit seines Lebens als Zauberassistentin durch das Land getingelt war, der schnappte eben eine Menge auf. Und wer ohne mit der Wimper zu zucken unter einer Kreissäge Platz nahm, der schluckte auch härtere Sachen als Eierlikör."
Seite 169
Sie weiß auch gar wohl, was ihre Familie von ihr denkt (oder gedacht hat), aber auch davon lässt sie sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Im Gegenteil: sie ist zuletzt der rettende Fels in der Familienbrandung.

Mein persönliches Fazit :

"Tante Martha im Gepäck" - dieser locker- leichte Roman befand sich auch in meinem Reisegepäck und war für mich eindeutig die perfekte Urlaubslektüre. Ich habe diese Reise mit Tante Martha in vollen Zügen genossen und habe das Buch an einen Stück durchgelesen, ja quasi verschlungen. Martha hatte ich sofort ins Herz geschlossen und ich wollte alles über sie wissen. Einfach ein absoluter Lesespass, geprägt von schöner Situationskomik, der mich mehr als einmal laut auflachen ließ, fehlte es der Geschichte aber auch nicht an der nötigen Portion Gefühl und (etwas robuster) Romantik. Auch die wundervolle Umgebungsbeschreibung zog mich vollkommen in seinen Bann, ich fühlte mich nach Schottland versetzt, konnte den Whiskey riechen, und die klare Luft fast spüren.
Ein toller Roman, der ins Reisegepäck gehört, aber ganz sicher auch kalte Tage auf dem Sofa unter der Kuscheldecke verschönert.


(c) Rezension: 2012, Alexandra Zylenas


Über die Autorin:

Ulrike Herwig, Jahrgang 1968, studierte Anglistik und Germanistik in Leipzig und London und arbeitete als Assistant Teacher in Wales und in Manchester. Nach dem Studium lebte sie zehn Jahre in London als Deutschlehrerin für Kinder und Erwachsene. Seit 2001 lebt sie mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Seattle, USA, und schreibt bereits an ihrem neuen Roman.

Quelle: Klappentext, Website Ullstein Verlag


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