Rezension: Liebe auf den letzten Blick

Montag, 10. September 2012 2 Kommentare


Liebe auf den letzten Blick
Von Lilli Beck

Verlag: Aufbau Verlag
Genre: Roman, Belletristik, Frauen
Erscheinungsdatum : 1. Auflage August 2012
Ausstattung: Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN13: 978 3 7466 2796 0

Inhalt

Mathilde, Irma, Amelie und Gustl - alle vier sind sie um die 60 Jahre alt und eine eingeschweisste Truppe, die schon sehr lange miteinander befreundet ist. Als das Seniorenheim-Thema auch auf sie bedrohlich zurollt, setzen sie ihr langgeplantes Vorhaben in die Tat um und gründen eine Oldie-WG. Die 5-Zimmer-Wohnung in der Nachtigallstrasse mit zwei Bädern, Terrasse und Garten hat es den Vieren angetan, und Mathilde - ganz ehemalige Chefbuchhalterin- rechnet aus, dass die Clique gemeinsam die Kosten dafür bewältigen kann.
Doch kaum sind 7 Tage ins WG-Land gezogen, kommt es zum ersten großen Trubel. Irma möchte ausziehen, und zwischen Amelie und Gustl bahnt sich auch was an! Mathilde stolpert von einer Hitzewallung in die nächste und sucht händeringend nach neuen Mitbewohnern, um die WG am Leben zu erhalten.
Aber die größten Hitzewallungen löst ausgerechnet der etwa 10 Jahre jüngere Fred in ihr aus, den sie zufällig beim Kauf ihrer wöchentlichen Ration Portwein und Pralinés kennenlernt. Nur zu schade, dass dieser schon ein Auge auf eine andere, wesentlich jüngere Frau geworfen zu haben scheint ...

"Es ist ein unwiderstehliches Lächeln, das ein heftiges Ziehen in meiner Magengegend auslöst, unmittelbar gefolgt von einer Hitzewallung. Was für ein Mann [...]"Seite 91

Handlung & Charaktere :
Lilli Beck zeigt auf äußerst unterhaltsame und manchmal auch wirklich liebenswert-schrullige Weise auf, dass das Altern wahrlich nicht nur Negatives birgt, sondern durchaus auch viele, viele schönen Seiten hat. Und vor allem: dass auch Gefühle, Liebe und ganz viel Herzklopfen jenseits der 60 noch das Leben versüßen können -wenn man es denn nur zulässt.

Die Idee der Oldie-WG ist so simpel wie genial und man fragt sich unwillkürlich: Warum gibt es tatsächlich nicht mehr solcher toller WG's, die doch eine wahrlich wunderbare Alternative zum Seniorenwohnheim darstellt.Der Schreibstil dieses humorvollen Romans ist -ganz typisch für Lilli Beck - leicht und spritzig und sehr angenehm zu lesen.Erzählt wird die Geschichte rund um das turbulente Quartett aus Sicht von der akkuraten und gründlichen Mathilde in der Form des "ich"-Erzählers.Mathilde - sie ist das Bindeglied der Clique, sie hält das Zahnrad der WG am Laufen - denn Sie hat den Überblick und auch die Weitsicht. Ihre zum Teil sehr selbstironische Sichtweise auf die Dinge und auf das Geschehen lösen auch immer wieder herzliche Lacher während des Lesens aus.
Ohne Mathilde wäre die WG wohl schon früh zum Scheitern verurteilt gewesen. Dies zeigt aber auch wieder sehr schön auf, wie toll sich unterschiedlichste Charaktere bei einem gemeinsamen Projekt unterstützen und ergänzen können.

Amelie, die esoterische Naive
Irma, die chaotische Kreative
Gustl, der liebevolle Ruhepol
Und ich, die akkurate Rationale"


Was der einen Mitbewohnerin zum Beispiel an finanziellem Geschick fehlt, kann die andere wunderbar ausgleichen und kontrollieren. Der nächste kann toll kochen und trägt so seinen - nicht ganz unerheblichen - Teil bei. Und die nächste sorgt vielleicht einfach nur durch ihre immerwährende gute Laune und Spiritualität für eine ganz besondere Stimmung ( und mit dem ein oder anderen Joint auch für viele Lacher ;-) )
Schon aufgegriffen und verarbeitet wurde auch das Thema "Generationen", denn nach einer Weile verändert sich die WG ja von einer reinen Oldie-WG zur Generationen-WG, und es macht Freude zu lesen, wie schön auch solch ein Wohngemeinschaft funktionieren könnte. Natürlich kommen auch Liebe und Gefühle in Lilli Becks Roman nicht zu kurz - alle machen hier ganz neue Erfahrungen. Aber zubleiben Zeit wirkt dies. Kitschig oder gar "schnulzig" ( wie es bei Chick-Lit ganz gerne mal der Fall ist ), sondern auch in diesem Bereich überragt die heiter-lebenslustige Atmosphäre, die sich durch das Buch zieht.

Mein persönliches Fazit:

Lilli Beck hat es wieder einmal geschafft: Sie hat mich erneut auf einfache, leicht- lockere Weise bestens unterhalten. Dieses Buch zählte zu meiner diesjährigen Sommerurlaubslektüre und war dafür geradezu perfekt geeignet. Ich amüsierte mich königlich und hätte allzu gerne einmal einen Abend am gemeinschaftlichen Tisch Platz genommen und dem ganzen Spass gelauscht :)
Nachdem die Autorin schon in "Chili &Schokolade" bestens ihr Talent bewiesen hat, einen Frauenroman mit einer Protagonistin der älteren Generation zu schreiben , ist ihr dies in " Liebe auf den letzten Blick" erneut prächtig gelungen. Vor allem das "Zusammenraufen" der WG-Mitbewohner, die ja alle ihre speziellen Eigenheiten haben und das Zusammenleben der Generationen gefällt mir gut. Ein humorvoller, leichter Frauenroman, der für gute und entspannte Leselaune sorgt!

(c) Rezension, Alexandra (az)

[alexandra]

Kommentare:

  1. Ein weiteres Mal eine beschwingt einladende Rezension. Danke dafür!

    Sonnige Grüße!

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  2. Die Autorin bedankt sich ganz herzlich für diese liebevolle Rezension ;-)))

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