Im Gespräch mit Autorin Susanna Ernst

Freitag, 30. November 2012 4 Kommentare

Zuerst natürlich einmal ein „Herzliches Willkommen“ und vielen Dank für Deinen Besuch im
Bücherkaffee und dass Du Dir Zeit nimmst, meine Fragen zu beantworten.
© Susanna Ernst

Gleich einmal eine neugierige Frage vorab: Mit welchem Getränk kann man Dir größere Freude bereiten? Kaffee oder Tee? Lieber gemütliches Straßencafe oder doch eher würzig-duftendes Teehaus?

Oh, auf jeden Fall mit einem heißen Tee. Ich weiß nicht, welche Synapsen in meinem Kopf fehlgepolt wurden, aber ich kann dem allgemein so hochgepriesenen Geruch von frischem Kaffee leider überhaupt nichts abgewinnen. Und dem Geschmack ... nun, noch weniger.
Tee hingegen trinke ich sehr gerne - besonders jetzt, in der kühleren Jahreshälfte.

Stell Dich doch bitte kurz den Lesern vor. Wer ist Susanna Ernst?

Hm, also Susanna ist ein freiheitsliebender, chaotischer Morgenmuffel, der noch an Romantik glaubt und es liebt eine Frau zu sein. Ich bin ein „Ganz oder gar nicht“-Mensch, konzentriere mich also nur auf wenige Dinge, verfolge die aber mit Elan, Ausdauer und Herzblut.
Ich bin stolze Mutter, glückliche Ehefrau, grundsätzlich positiv gestimmt und nur schwer aus der Ruhe zu bringen. Allerdings ist Geduld nicht unbedingt meine größte Stärke. Wenn ich etwas wirklich will, dann am liebsten auch sofort.
Außerdem bin ich das beste Beispiel dafür, dass nicht alle Frauen multitaskingfähig sind.
Und schusselig, oh ja, schusselig bin ich sehr. Suche andauernd meine Brille und würde vermutlich auch ständig mein Handy suchen ... hätte ich eines.

Wer oder was beeinflusste Dich in der Wahl deines Berufes als Autorin? Übst Du nebenher noch einen weiteren Beruf aus und wenn ja, welchen?

Das ist wirklich nicht so leicht zu beantworten, zumal ich mir zwar keinerlei Beeinflussung bewusst bin, es die aber mit Sicherheit gab.
Ich erinnere mich allerdings noch daran, als Mädchen - im Alter von etwa vierzehn, fünfzehn Jahren - die Bücher von Pearl S. Buck förmlich verschlungen zu haben. Schon damals bewunderte ich das Talent dieser Frau, den Leser so federleicht und mühelos „einzulullen“ und in eine vollkommen andere Zeit, fremde Länder und Kulturen zu entführen. Diesen ruhigen Schreibstil bewundere ich bis heute sehr, obwohl viele Leser ihn als zu langatmig empfinden.
Beim Schreiben versuche ich es nun ähnlich zu handhaben wie damals beim Lesen ihrer Bücher. Ich lasse mich einfach treiben - stressfrei und unaufgeregt – und schaue, wohin mich die Geschichte führt. Wenn die Charaktere stark sind und mit jeder Zeile lebendiger werden und die Story ausreichend Tiefe entwickelt, fühlt sich das Schreiben bisweilen tatsächlich eher wie Lesen für mich an. Dann weiß ich, dass es gut läuft.
Und ja, ich habe einen „Brotjob“, denn von der Schreiberei allein könnte ich noch nicht leben. Daher gehe ich vormittags meinem Beruf als Bankkauffrau nach und widme mich erst am Abend, wenn meine beiden Kinder im Bett sind, meinem „Herzjob“.

Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?

Diese absolute Freiheit des Geistes. In meinen Büchern beschäftige ich mich ja gerne mit Themen, an die ein Mensch entweder glauben kann oder nicht, die aber niemand mit Bestimmtheit weiß oder belegen kann. Seelenwanderung, der Ursprung von Autismus, Schicksalsbegebenheiten, Wiedergeburt – Themen wie diese und noch einige mehr. Ich liebe es, mir hierbei Situationen auszumalen und gewisse Fäden einfach mal zu Ende zu spinnen. Das ist einfach grandios und macht unheimlich viel Spaß. Die eigenen Gedanken zu entfesseln und losgelöst von aller Rationalität treiben zu lassen ... großartig!

Der Weg von einer Idee zum fertigen Manuskript: Wie sieht dein Schreib-Alltag aus bzw. wie gestaltest du das Schreiben? Skizzen und Notizen samt Post-it-Sammlung oder alles ordentlich mit System am PC? Hast Du eventuell auch schon Erfahrung mit Schreibblockaden machen müssen?

Nun, wie schon beschrieben, bin ich absolut kein Plan-Schreiber. Im Gegenteil: ich agiere eher wie ein Pitbull, um ehrlich zu sein. So beiße ich mich gerne mal an dem vagen Zipfel einer Idee fest und zerre dann beharrlich daran. So lange, bis Stück für Stück die gesamte daran hängende Geschichte zum Vorschein kommt.

In meinem Alltag sieht das so aus, dass mich eine bestimmte Situation (manchmal ist es ein Traum oder eine kleine Szene, die ich beobachte, bisweilen aber auch nur ein einziger Satz) besonders fasziniert und beschäftigt. Warum - das weiß ich anfangs oft selbst nicht so genau, aber bisher war es immer so, dass sich meine Plots auf diesen belanglos wirkenden Erlebnissen aufbauten. Ist die Grundidee der Story erst einmal gereift, wird der Drang zu schreiben schnell übergroß. Dann verfalle ich in meinen Tunnelblick, beantworte die Fragen meiner Kinder wahllos mit „Ja“ (ein paradiesischer Zustand, den die beiden übrigens schamlos ausnutzen) und kann es kaum noch abwarten, endlich in die Tastatur zu hauen.

Ich mache mir aber keine Notizen, zeichne meine Charaktere nicht vor, lege mir meine Plots nicht skizzenhaft zurecht. Nö! Kann ich nicht. :-) Schreibblockaden ... hm, nein, hatte ich Gott sei dank noch nicht. Allerdings fallen mir die einzelnen Passagen meiner Romane unterschiedlich schwer. Es ist dann eher so, dass ich zwar genau weiß, was jetzt kommen muss und wie ich es mir vorstelle, dass ich mich aber mit der Umsetzung sehr schwer tue. So etwas habe ich regelmäßig. Da hilft nur eins: Augen zu und durch!


Folgst Du bestimmten Ritualen im Schreib-Alltag? (z.B. eine Lieblingstasse, die IMMER neben dem PC stehen muss, etc.).

Hast Du einen fixen Tagesablauf mit bestimmten Zeiten, die für private Stunden beziehungsweise das Schreiben reserviert sind?


Zum Thema Rituale: Oh ja, die gibt es! Im Winter schreibe ich z.B. grundsätzlich auf meinem Lieblingsplatz auf der Couch, vor dem prasselnden Kamin. Dann steht auch immer eine Tasse Tee neben mir – welche, ist mir allerdings egal; nur auf den Inhalt kommt es an.

Mit den geregelten Schreibzeiten ist das recht simpel bei uns, denn durch meinen Alltag als zweifache Mutter mit Halbtagsjob bleiben mir ohnehin nur wenige Stunden am Tag zum Schreiben. Das sind zwangsläufig die am Abend, wenn die Kinder schon schlafen und mein Mann und ich uns über unseren Tag ausgetauscht haben. Wenn ich allerdings im „Schreibwahn“ bin, kann aus diesen paar geregelten Stunden am Abend auch mal locker eine durchwachte Nacht werden ... oder zwei Nächte ... oder drei.


Wie entstehen die Protagonisten Deines Buches?

Sind Deine Figuren immer rein fiktiv oder haben sie auch ab und an mit realen Personen in Deinem Leben zu tun?


Also, Matt und Amy aus „Deine Seele in mir“ sind einem Albtraum entsprungen, Ben und Sarah aus „Das Leben in meinem Sinn“ einer spontanen Idee, die ich auf einem örtlichen Stadtfest hatte. Aber ich kann eigentlich nicht behaupten, dass sie entstanden sind. Sie waren einfach da, bis ins letzte Detail präsent. Vielleicht schreibe ich mir deswegen auch nie etwas auf, weil diese Charaktere so „feststehend“ für mich sind, dass ich ihre Eigenschaften und Daten immer wieder abrufen kann. Eben wie bei einem guten Freund.
Die meisten Figuren sind durch und durch fiktiv, nur bei Randy und Alberta aus „Das Leben in meinem Sinn“ ist das anders. Diese beiden ausgefallenen Persönlichkeiten haben unleugbaren Realitätsbezug. Also Leute, aufgepasst: wer sich in meiner Nähe aufhält, läuft durchaus in Gefahr „verarbeitet“ zu werden.

Woran erkennst du, dass eine Idee es Wert ist, zu einem Roman ausgearbeitet zu werden?

Indem ich sie immer weiter durch meinen Kopf wälze und sie dabei stetig größer wird. Ähnlich einer kleinen Schneekugel, die man zwischen den Händen geformt hat und dann vor sich her durch den Pappschnee rollt. Mit jeder Umdrehung gewinnt sie deutlich an Masse und Umfang.
Wäre ihre Substanz jedoch aus Puderschnee, würde er nicht haften bleiben oder die Kugel sogar zerbröseln. Das Ganze würde schon bald keinen Spaß mehr machen und früher oder später gäbe man wohl genervt auf. Genauso verhält es sich auch mit einer zu schwachen Idee, die einfach nicht trägt: es macht keinen Spaß sich ihr ausgiebig zu widmen, weil sie nicht wächst und keine Eigendynamit entwickelt.
Ein guter Grundgedanke wird hingegen schnell so groß, dass er schon bald keinen ausreichenden Platz mehr in meinem Kopf findet. Dann wird es höchste Zeit zum Laptop zu greifen und mit dem Schreiben anzufangen.



Was bereitet dir mehr Schwierigkeiten? Der Anfang oder das Ende Deines Buches?


Das Ende, definitiv!
Die Anfänge stehen eigentlich immer. Auch im späteren Arbeitsablauf „hobele“ ich nur noch äußerst selten grobe Späne von diesen Passagen. Wenn überhaupt, dann wird eher noch ein wenig gefeilt oder poliert.
Die Enden eines Buches hingegen ... Puh, die schaffen mich oft wirklich. Besonders bei „Deine Seele in mir“ war das so. Den Ausgang dieser Geschichte hatte ich mir ganz anders ausgemalt. Dummerweise haben starke Charaktere nicht nur Vorteile, sondern eben auch einen sehr eigenen Kopf. Sie schlagen ihre Wege ein und halten sich dabei nur selten an meine Grundpfade.

Welchen Einfluss hast Du als Autorin auf den Buchtitel und auf die Covergestaltung Deines Buches?

Meine Buchtitel wurden bisher alle 1:1 vom Verlag übernommen, auf die Covergestaltung hingegen hatte ich keinen Einfluss. Anfangs war für „Deine Seele in mir“ ein von mir gemaltes Bild der beiden Protagonisten im Gespräch, wurde dann aber wieder verworfen.
Mir macht das nichts aus; ich mag das Cover des Buches sehr.

Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?

„Das Trapez“ von Marion Zimmer Bradley. Dieses Buch habe ich schon so oft gelesen.

Wenn Du in Dein eigenes Bücherregal schaust – welches Genre ist hier am meisten vertreten?

Uh, böse Mischung: Satire neben Belletristik, daneben Autobiographie, dann ein Klassiker der deutschen Literatur, einer der englischen, daneben eine Poesiesammlung, ein Politthriller, ein Jugendfantasy-Roman ... Öhm, soll ich weitermachen? Also, es ginge so weiter.
Nur Horror sucht man bei mir vergebens.

Wann und vor allem wo liest Du selbst am liebsten?

Ich lese grundsätzlich zwischen den einzelnen Bearbeitungsabschnitten meiner Bücher. Also: habe ich die Grundfassung einer Romanidee oder einer Kurzgeschichte verfasst, dann lese ich erst einmal das Werk eines anderen. Ebenso nach der Überarbeitung und bevor ich eine neue Idee verfolge.
Um meinen Kopf von meinen bisherigen Protagonisten zu reinigen und wieder frei zu kriegen, gibt es kein besseres Mittel als ein fremdes Buch.
Dann streife ich mir meinen bequemsten Pyjama über, mache es mir in meinem Bett so richtig gemütlich und tauche einfach ab. Immer wieder toll!

Mit welcher literarischen Figur würdest Du gerne einmal einen Tag verbringen?

Mit Benjamin Button.


Da ich selbst blogge, interessiert mich dies besonders: 

Dank der Social Networks ist der Kontakt zwischen Autorin und deren Fans viel intensiver geworden. Fluch oder Segen?
Wie stehst Du persönlich dazu? Wie hältst Du Kontakt zu Deinen Lesern?


Also, ich finde es ist ein Segen! Die Nähe zu meinen Lesern/Leserinnen ist mir unsagbar wichtig und ich hoffe wirklich, dass ich den Kontakt auch zukünftig so intensiv halten kann, wie das momentan der Fall ist. Ich freue mich immer über persönliche Eindrücke und Meinungen zu meinen Büchern. Darüber, die Menschen kennenzulernen, die meine Storys lesen, und mit ihnen zu chatten.
Allerdings muss ich schon aufpassen, dass das Schreiben nicht darunter leidet. Die Leserinnen, die ich bislang kennenlernen durfte und mit denen ich in Kontakt stehe, zeigen aber wirklich alle Verständnis dafür, dass ich mitunter tagelang abtauche und nicht online bin. Sie wissen, dass mich dann wiedermal das Schreibfieber gepackt hat.


Dein eBook „Deine Seele in mir“ ist sehr erfolgreich und wird von den Lesern sehr gelobt – hier sprechen die vielen, vielen positiven Rezensionen für sich.

Gib doch bitte unseren Lesern eine kurze Zusammenfassung, um was es in diesem Buch handelt. Mit welchem Thema beschäftigt sich das Buch?


„Deine Seele in mir“ handelt von einer großen Liebe, die bereits ganz zart und unschuldig, im Kindesalter der beiden Protagonisten Amy und Matt beginnt. Die zwei sind unzertrennlich, bis sie eines Tages durch ein Gewaltverbrechen auseinandergerissen werden. Unwiderruflich, denn Amy stirbt und Matt überlebt schwer traumatisiert.
Viele Jahre später, als erwachsener Mann, begegnet er der Autistin Julie, die zwar vollkommen abgeschottet in ihrer eigenen Welt lebt, ihm jedoch undefinierbar vertraut vorkommt. Er beginnt, ihrem Geheimnis, das er von Anfang an wittert, auf den Grund zu gehen und erfährt dabei Unglaubliches. Ein großes Thema des Buches ist der Autismus und natürlich steht die LIEBE ganz im Vordergrund. Ein weiteres Hauptthema lässt sich vom Titel ableiten; allerdings möchte ich hier nicht zu viel vorwegnehmen.

Möchtest Du mit dieser Geschichte dem Leser etwas Besonderes mit auf den Weg geben? Eine bestimmte, für Dich ganz wichtige Botschaft?

Hm, das wird jetzt schwierig. Also, ohne zu viel des Plots vorweg nehmen zu wollen: ich erinnere mich daran, in einer sehr kritischen Rezension gelesen zu haben, ich würde mit diesem Buch quasi eine beliebig oft verwendbare Freikarte fürs Leben und Sterben unterstellen. Das wäre sehr gefährlich, denn - so die Meinung der Rezensentin - das Leben verliere doch schließlich an Wert, würde man die Theorie der Wiedergeburt zugrunde legen. Ich habe lange darüber nachgedacht, empfinde das aber keineswegs so, ganz im Gegenteil! Denn es ist doch unser Bewusstsein, das unser Leben zu etwas Besonderem, etwas Außergewöhnlichen macht, nicht wahr?
Und ich liebe mein Leben, die Menschen und diese Welt. Ich empfinde es als beinahe unfassbares Privileg, genau zu dieser Zeit an genau diesem Ort geboren zu sein und als Verpflichtung, gut und wertschätzend mit diesem Privileg umzugehen. Ganz egal, was mich nach meinem Tod erwartet. Das ist keine religiöse Botschaft, sondern eher eine Lebenseinstellung. Und die habe ich versucht auch auf meine beiden Protagonisten zu übertragen. Ich hoffe, sie konnten ein wenig davon vermitteln.


„Deine Seele in mir“, das bisher ausschließlich als eBook verfügbar war, wird es nun ab dem 3. Dezember auch als Taschenbuch geben. Freust du dich sehr darüber? Das Medium eBook ist durchaus eine feine Sache, aber ist es als Autorin nicht auch toll, sein Werk auf Papier gedruckt einmal richtig in der Hand zu halten?

Was glaubst Du, wie wird es sich anfühlen, wenn Du nach dem 3. Dezember einen Buchladen betrittst und Dein Werk zum ersten Mal im Regal stehen siehst?


Oh, ich freue mich ganz ungemein darüber, endlich mein eigenes Buch in den Händen halten zu dürfen. Der Duft der frischen Druckerschwärze, das Gefühl des feinen Papiers zwischen den Fingerspitzen... Ja, nach über zwei Jahren Entstehungsgeschichte will ich es nun endlich sehen, fühlen und riechen, mein Buch. Das gebe ich gerne offen zu.
Ich weiß nicht wie es sein wird, es das erste Mal in einem Regal stehen zu sehen. Bestimmt eigenartig ... vor allem jedoch sehr, sehr schön.
Aber weißt du, was ich mir noch seltsamer vorstelle? In ein paar Jahren über den Flohmarkt zu wandern, es dort in einer Wühlkiste zu entdecken, mich vorsichtig nach dem Preis zu erkundigen und dann zu hören: „Das? Ach, das können Sie für einen Euro haben.“


Du hast auch noch ein zweites eBook veröffentlicht: „Das Leben in meinem Sinn“

Um was geht es in diesem Roman? Was erwartet den Leser?


In „Das Leben in meinem Sinn“ geht es um zwei Schauspieler, die berühmte Sarah Pace und Ben Todd, der weitaus weniger bekannt und erfahren ist. Die beiden begegnen sich bei den Dreharbeiten einer gemeinsamen Serie und verlieben sich bald schon ineinander. Klingt simpel, ist aber nicht so. Denn Sarah ist verlobt und hat eine kleine Tochter. Und Ben ... nun, Ben ist ohnehin ein Kapitel für sich. Ihn plagen ein traumatisches Verlusterlebnis und Ängste, die aus seiner bewegten Kindheit herrühren.

Ihr lest es schon: ja, es ist wieder eine Liebesgeschichte. Und wieder eine besondere (wie ich mir einrede) - allein schon, weil jemand/etwas sehr Spezielles bei dieser Lovestory seine Finger im Spiel hat. Wer das ist? Tja, das müsst ihr schon selbst herausfinden.

An welchem neuen Buchprojekt arbeitest du gerade? Auf was dürfen wir und als nächstes freuen? Kannst Du den Lesern schon etwas vorab verraten?

Ich arbeite derzeit an der Fortsetzung von „Deine Seele in mir“. Vorab verraten kann ich davon leider nichts, denn das würde das Ende des ersten Buches preisgeben.

Aber ich kann verraten, dass ich ursprünglich nicht geplant hatte eine Fortsetzung zu schreiben. Diesen Stein haben erst die Leser ins Rollen gebracht. Viele schrieben „Planst du eine Fortsetzung?“, die meisten aber – und das überzeugte mich schließlich – fragten einfach: „Wann kommt die Fortsetzung?“



Was macht Susanna Ernst, wenn sie gerade nicht hinter dem Schreibtisch sitzt?


Kinder in der Gegend herumchauffieren, Klarinette spielen, basteln, Portraits malen, spazieren gehen, Zeit mit meiner Familie verbringen, ins Kino oder Theater gehen, mit meinen Kindern kuscheln, meinen aktuellen Lieblingssong in einer Endlosschleife hören, lesen und ja, ab und zu auch singen.



Was ist das Verrückteste oder Lustigste, was Du je erlebt hast?


Das Verrückteste war die Begegnung mit meinem Mann. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass man sich so schnell so tief verlieben kann.

Hm, und das Lustigste?
Gut, rückblickend war das auch ziemlich fies, aber vor etlichen Jahren – ich hatte gerade meine erste Berufsausbildung als Zahntechnikerin absolviert und arbeitete noch in meinem Ausbildungsbetrieb – kam unsere damalige Auszubildende komplett verbrannt ins Labor. Die Arme hatte zum ersten Mal ein Sonnenstudio besucht und die Kraft der Sonnenbänke dabei komplett unterschätzt. Sie konnte kaum noch lächeln, geschweige denn reden, so verbrannt war ihre Haut.

Jedenfalls diskutierten meine Kollegin und ich über die damals neue Show „Wer wird Millionär“ (Ja, so alt bin ich schon!)
Ich erzählte fassungslos von einem Kandidaten, der seinen 50:50-Joker für die Frage „Was ist ein anderer Begriff für ein Scheinmedikament?“ verwendet hatte. Obwohl also nur noch zwei Antworten verblieben waren – die da „a) Placebo“ und „c) Plazenta“ lauteten – hatte der Mann ewig lange überlegt ... und sich schließlich falsch, für „c) Plazenta“, entschieden.

In diesem Moment kam die besagte Auszubildende in den Raum und fragte mühevoll, unter sichtbaren Schmerzen: „Plazenta? Was ist denn Plazenta?“
Meine Kollegin und ich warfen uns einen kurzen diabolischen Blick zu – mehr war zwischen uns nie nötig – und erzählten der Auszubildenden dann, dass Plazenta quasi ein Wunderheilmittel gegen Verbrennungen sei. Nun, es dauerte nicht lange, da hatten wir sie so weit. Sie verließ das Labor in Richtung Apotheke und stürmte knappe fünf Minuten später wieder herein: „Ihr seid so fiiiiiieees!“
Jepp, sie hatte tatsächlich nach einer Tube Plazenta gefragt. Und jepp, wir sind bis heute befreundet.

Wer oder was macht Dich besonders glücklich?
Meine Kinder und mein Mann. Besonders meine kleine Tochter hat eine Art zu lachen, die dermaßen ansteckend ist, dass ich mich ihr nicht entziehen kann.

Und mein siebenjähriger Sohn kann unfassbar süß sein, wenn er mir z.B. Orangensaft in seine Sesamstraße-Tasse einschenkt und dann mit verständiger Miene sagt: „Mama, trink mal was. Du trinkst viel zu wenig.“

… und was stimmt Dich eher nachdenklich?

Ignoranz und Sturheit. Nichts ist schwieriger zu handhaben, als jemand, der kompromisslos stur und uneinsichtig ist.

Verrätst Du uns Dein ganz persönliches Rezept für gute Laune?

Jeder Tag beinhaltet die Chance, der beste deines Lebens zu werden. Also, sei bereit!

[trennlinie]


Wer mehr über die Autorin erfahren möchte, kann dies unter folgenden Links tun:
  • Webite der Autorin: KLICK
  • Verlag Droemer Knaur: Susanna Ernst auf dem roten Teppich: KLICK 


© Interview, 2012 Alexandra Zylenas
[alexandra]

Blogtour zu "Deine Seele in mir" von Susanna Ernst

Dienstag, 27. November 2012 2 Kommentare

VORANKÜNDIGUNG 
zur Blogtour - am 30.11.2012 geht es los!



 Endlich ist es soweit:
„Deine Seele in mir“ von Susanna Ernst
erscheint am 3. Dezember als Taschenbuch!!!

Susanna Ernst und wir finden: das ist ein Grund zum Feiern!
Und wie könnte man besser feiern, als mit einem richtig tollen Gewinnspiel?



Die Preise:

Der 1. Preis ist ein Fan-Paket, bestehend aus einem von Susanna Ernst signiertem Exemplar des Taschenbuches, einer Tasse und einem Mousepad. Zusätzlich gibt es noch ein Lesezeichen und eine Autogrammkarte von Susanna Ernst.

Der 2. Preis ist ein Fan-Paket, bestehend aus einem von Susanna Ernst signiertem Exemplar des Taschenbuches und einem Notizbuch. Zusätzlich gibt es noch ein Lesezeichen und eine Autogrammkarte von Susanna Ernst.

Der 3. Preis ist ein von Susanna Ernst signiertes Exemplar des Taschenbuches, ein Lesezeichen und eine Autogrammkarte von Susanna Ernst.

Der 4. – 6. Preis ist jeweils ein eBook „Deine Seele in mir“.



Die Blogtour und die Tourdaten:
Fünf Tage lang erfahrt ihr jeden Tag etwas Anderes, Neues und Spannendes über die Autorin und über das Buch „Deine Seele in mir“ auf den folgenden Blogs:


Was genau euch an den jeweiligen Tagen erwartet, verraten wir noch nicht. Lasst euch einfach überraschen! Aber wir versprechen: es wird interessant und spannend!
Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt dann am 06.12.

So funktioniert es:
In jedem Blogbeitrag gibt es während der Tour ein oder zwei Wörter, die in Rot geschrieben sind. Diese Wörter müsst ihr finden, euch merken und am Ende der Tour zu einem Satz zusammensetzen. Wenn ihr diesen Satz vollständig zusammengefügt habt, schreibt ihr eine Email mit dem Betreff „Deine Seele“ an mail@buchplaudereien.de

Einsendeschluss ist am Mittwoch, den 05.12.2012 um 23.59 h!

Die Preise verlosen wir dann unter den richtigen Einsendungen.
Noch Fragen? Nein? 
Dann wünschen wir euch ab dem 30.11.2012 viel Spaß auf der Tour und natürlich viel Glück!


Rezension: Das bisschen Kuchen - (K)ein Diät-Roman

Montag, 26. November 2012 2 Kommentare

Das bisschen Kuchen
(K)ein Diät-Roman
Von: Ellen Berg

Verlag: Aufbau Verlag
Genre: Unterhaltung, Frauen, Humor
Erscheinungsdatum: 1. Auflage 2012
Ausstattung: Broschur, 285 Seiten
ISBN13: 978-3€-7466-2827-1


Inhalt:
Eigentlich ist Niki ganz zufrieden mit sich und ihrem Leben, denkt sie, als sie an ihrem Hochzeitstag mit der Kreditkarte ihres Mannes Wolfgang zum einkaufen geht. Ein Mann, der sie liebt, so wie sie ist. Gut, sie ist mag etwas zu dick sein, aber Wolfgang scheint das nicht zu stören. Und die Verkäuferin in der Boutique, das "Klappergestell" hat halt einfach keine Ahnung von gutem Essen. Einen sündigen Café-Besuch später wird Niki jedoch mit Tatsache konfrontiert, dass der Schein trügt. Denn wer läuft da Hand in Hand mit einer Schönheit in Kleidergröße 34? Niemand anders als ihr Gatte Wolfgang - und er küsst diese Frau auch noch! Niki fällt aus allen Wolken und flüchtet ins "traute Heim", wo sie zum ersten Mal seit länger Zeit auf eine Waage steigt. 98 kg, wie konnte das nur passieren? Hier muss dringend was passieren. Spontan bucht sie sich mit Wolfgangs Kreditkarte in ein Fastenhotel in der Schweiz ein und sitzt schon kurz darauf im Flieger. Glaubersalz zum Frühstück, ständige Schlemmergedanken, Sporteinheiten bis zum Umfallen und ein äußerst begnadeter Shiatsu-Masseur bringen Niki fast um den Verstand. Aber die Fasten-Klinik hält auch einige freudige Überraschungen für Niki bereit. Sollte Fasten womöglich der neue Sex sein?

"Fasten ist der neue Sex, dachte sie. Mehr davon!" Seite 176

Handlung & Charaktere:
Ellen Berg befasst sich in ihrem Roman "das bisschen Kuchen" mit den alltäglichen Problemen und Sorgen von Übergewichtigen, die sich zum Ziel gesetzt haben, endlich abzunehmen. Niki wird von ihrem Ehemann hintergangen und Grund dafür ist eine hübsche Frau, die zweimal in die Hosen von Niki passen würde. Niki hat sich über die 25 gemeinsamen Ehejahre sehr gehen lassen und ihrem Laster Essen immer wieder nachgegeben. Essen ist ihr Lebensinhalt. Mit Essen hat sie ihren unbewussten Frust "gekillt". Und sie glaubt die ganze Zeit, dass Wolfgang (der im Gegensatz schlank und sportlich daher kommt) ihr immer zur Seite stehen wird, egal wie sehr sie zunimmt. Gegessen wurde nicht mehr in Maßen, sondern in Massen.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Niki in der dritten Person.Wer Bücher von Ellen Berg kennt, weiß, dass die Autorin nicht mit spritzigem, bissigem Humor spart und ihre Bücher mit einer gewaltigen Portion Ironie würzt. Auch ist klar, dass ihre Bücher auf jeden Fall humorvoll aufzufassen sind und für entspannte Lesemomente mit vielen Lachern sorgen sollen.

Zu Beginn ist das auch bei diesem Roman der Fall und ich amüsierte mich über den zum Teil recht bissigen Humor der Protagonistin, bis ... Ja, bis sie dann tatsächlich in diesem Fastenhotel in der Schweiz eintrifft. Ich muss gestehen, ab diesem Moment habe ich den Lesespass am Buch zum Teil verloren, weil es einfach zu viel des Guten wurde. Hier häuften sich nun in zu großem Maße die Klischees - angefangen von der "Puffmutter", die etwas vulgäre ( und für meinen Teil sehr abstoßende) Wallküre Walburga über die graumäusige Servicedame, dem verbitterten, spindeldürren Chefarzt Dr. Mannheimer bis hin zum muskelbepackten Sportlehrer. Aber kopfschüttelnd ließ mich zuletzt tatsächlich der Shiatsu-Masseur Mario zurück, der meines Erachtens den negativsten Eindruck hinterließ. Ein großer, etwas dürr geratener Bursche, der die Kurgäste - einschliesslich Niki - durch seine sehr speziellen "Wurzeltschakka-Künste" zu orgasmischen Höhepunkten bringt, ihnen den Sex wieder näher bringt? Das war für mich dann doch eindeutig zu viel des Guten. Der Verlauf der Geschichte entwickelt sich leider sehr unglaubhaft. Auch wenn es ein humorvoller, nicht ernst gemeinter Roman ist, sollten doch die Geschehnisse nicht zu sehr abdriften, wie sie es in diesem Fall tun. Immer wieder gab es Momente, in denen ich dachte, jetzt bekommt die Grundgeschichte wieder Fahrt. Zum Beispiel ist das Aufleben der innigen Freundschaft zwischen den Frauen ein schöner Ansatz oder auch noch das vorsichtige Aufkeimen der Gefühle für den Kurgast Leo.

"Man sollte für das kämpfen, was man liebt" [...] "Aber man kann nicht darum kämpfen, geliebt zu werden." Seite 160

Aber leider überwiegen zuletzt die klischeelastigen Szenen. Alleine das Monstermenü, dass Niki ohne das Zutun der anderen in etwa einer Stunde zubereitet haben soll ...
Der plötzlich aggressiv auftretende Ehemann. Walburga, die "mal eben" nach Deutschland fliegt, um mit ihren Puff-Türstehern diesem Ehemann einen nicht sehr freundlich gesinnten Besuch abzustatten. Auch das Ende des Romans reiht sich in dieses Muster mit ein und konnte mir leider kein Lachen mehr entlocken.Die Charaktere werden einfach zu klischeehaft, zu oberflächlich dargestellt, und die Geschichte wird doch sehr seicht und büßt seinen Humor dadurch zuletzt ein.

Mein persönliches Fazit :
Ellen Berg's Roman "Das bisschen Kuchen" beginnt humorvoll und lässt spaßiges Lesevergnügen vermuten. Leider wurde ich nach dem ersten Drittel der Geschichte eines Besseren belehrt und konnte mich nicht mehr so recht begeistern. Die Ansätze für ein schönes Lesevergnügen waren definitiv gegeben, aber zuletzt wurden einfach zu viele Klischees in die Geschichte verpackt, die mich ab und an nur kopfschüttelnd zurückließen.
Ich habe lange über die Bewertung dieses Buches nachgedacht und werde natürlich mit einberechnen, dass es meinen ganz persönlichen Lesegeschmack nicht getroffen hat. Aber mich konnte es einfach auch im Aufbau nicht recht überzeugen und es ist immer wieder überzogen. Ich kann hierfür nicht mehr als drei Punkte vergeben

 © Rezension: Alexandra

[alexandra]

Rezension - 80 Days. Die Farbe der Lust

Samstag, 24. November 2012 1 Kommentar

80 Days. Die Farbe der Lust
Von: Vina Jackson

Verlag: Carl's books, Bertelsmann Verlag
Originaltitel: Eighty Days Yellow
Aus dem Englischen übersetzt von: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Barbara Steckhan, Thomas Wollermann
Genre: Erotik
Empfohlenes Alter: ab 18 Jahre
Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2012
Ausstattung: Paperback, Klappenbroschur, 400 Seiten
ISBN13: 978-3-570-58522-1
Preis: € 12.99 [D]





Klappentext des Buches:
Frustriert von einer unbefriedigenden Beziehung findet die leidenschaftliche Violinistin Summer Erfüllung in der Musik. Sie spielt nachmittags in der Londoner U-Bahn auf ihrer ramponierten Violine Vivaldi. Als ihre Geige sich nicht mehr reparieren lässt, bekommt sie von Dominik, einem Uniprofessor mit ausschweifenden Fantasien, ein erstaunliches Angebot: Er möchte ihr eine wertvolle Violine schenken, wenn sie ihm ein privates Konzert gibt. Also spielt sie für ihn in der Krypta einer Kirche – doch muss sie dabei nackt sein, während Dominik den anderen Musikern die Augen verbunden hat. Summer spürt, wie sehr Dominik sie anzieht und in ihr bisher unbekannte Saiten zum Schwingen bringt: Sie beginnt eine intensive erotische Liaison mit ihm, in der sie ihre lange verleugnete dunkle Seite ausleben kann. Doch hat eine alles verschlingende Beziehung ohne Tabus Bestand? Berauschend, verführerisch, aufreizend kühn, ist »80 Days – Die Farbe der Lust«, eine Liebesgeschichte, die den Leser atemlos zurücklässt, mit dem Wunsch, so bald wie möglich mehr zu lesen.
Im Augenblick konnte Summer sich gar nicht vorstellen, eine feinere Geige in Händen zu halten, waren doch bei dieser hier Gewicht, Ausbalancierung und Körper einfach perfekt.
"Spiel für mich", forderte Dominik.
Summer ließ Charlottes Mantel auf den Boden gleiten...
Seite 108

Handlung & Charaktere:
Das Autorenduo, dass unter dem Pseudonym Vina Jackson auftritt, hat mit "80 Days. Die Farbe der Lust" einen energiegeladenen, vor Erotik knisternden Auftakt zu einer mehrteiligen Erotikreihe vorgelegt. Diese Lektüre ist im SM-Bereich angesiedelt, nimmt die Fetisch-Szene gekonnt unter die Lupe und sorgt für prickelndes, knisterndes Lesevergnügen.
    Anzumerken sei hier aber besonders, dass es sich hierbei nicht - wie oft fälschlicherweise vermutet - hauptsächlich um eine Liebesgeschichte, ein Liebesmärchen handelt, wie es bei einer anderen, sehr bekannten Trilogie der Fall ist. Gerne werden hier Vergleiche zu SoG gezogen (ja selbst sogar auf der Buchklappe selbst), die ich persönlich nicht so recht nachvollziehen kann. 80 Days gehört definitiv zur reinen Erotik, hier ist die zarte Liebesgeschichte eher ein dezenter Hintergrund. Dem Leser wird ein freizügiger Einblick in die Welt der Fetisch gewährt, das manchmal vielleicht anregend, manchmal aber auch sehr ungewöhnlich und auch immer mal wieder abschreckend wirkt. Über das Autorenduo erfährt man nicht sehr viel, aber im Buch findet man einen Hinweis darauf, dass der weibliche Part dieses Duos eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene sei. Diesen Satz habe ich vorab gelesen und war sehr dankbar dafür. Denn so konnte ich doch davon ausgehen, dass hier nicht Erfundenes wiedergegeben wird, sondern aus tatsächlicher Erfahrung geschriebene wird. Denn wie gesagt, manche der sexuellen Praktiken wirken etwas abschreckend, der Einblick in die diversen SM-Salons oder Clubs mag dem Leser aufs Gemüt schlagen und man überlegt mehr als einmal: "Kann Mann / Frau sich wirklich auf solche Dinge einlassen? Ist das tatsächlich mit der eigenen Würde vereinbar?" Aber sexuelle Neigungen sind ja bekanntlich vielfältig und ein jeder sollte das tun, was er /sie für richtig hält. Ich für mich muss es nicht gutheißen, es muss mir nicht gefallen - aber in Form einer fiktiven Geschichte wie diese konnte auch ich einige Wissenslücken füllen und mich mal wieder von der Vielfältigkeit dieser Welt überraschen lassen :)
Zudem weist diese Geschichte auch die Schattenseiten des BDSM auf. Denn was Summer in New York widerfährt, kann man nur als "aus dem Ruder gelaufen" bezeichnen. Sie hat auf ihrer Suche den Halt verloren, hat sich vollkommen in der Szene verloren und lässt sich zu den unglaublichsten Dingen verleiten. Sie hat die falschen Bekanntschaften geschlossen, die falschen Türen geöffnet und somit einen Schritt zu weit in eine Welt gemacht, für die sie so nicht bereit war. Sie kennt ihre Grenzen nicht und muss lernen, diese zu erkennen und sich an diese zu halten. Vielleicht ist in der Tat Dominik der Richtige, der ihr diese Grenzen aufzeigen kann?
   Aber dem Leser wird durch diese Geschehnisse aufgezeigt, dass man sich schnell in einer Vorstellung verlieren kann, dass man auch - oder gerade - in diesen Bereichen nie die Zügel aus der Hand geben sollte.
Der Schreibstil des Buches ist in der Tat sehr angenehm und erscheint - zumindest in der ersten Hälfte nicht übertrieben vulgär oder pornohaft, wie man vielleicht vermuten möchte.   
   Natürlich sind die Sex-Szenen teilweise sehr, sehr ausführlich beschrieben, mit einem ausgeprägten Hang zur ordinären Ausdrucksweise, aber da muss man natürlich auf dem Teppich bleiben und wissen, dass man hier ja auch ein Buch aus dem Erotik-Genre liest. Und doch hatte ich nicht das Gefühl, ein "Schmuddelbuch" in der Hand zu halten.
Die Geschichte verfügt etwa bis zur Mitte hin über eine gewisse Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die dieses Buch in gewissem Sinne zu einem Page-Turner macht. Danach nimmt das Tempo der Geschehnisse zu und mir persönlich ging es nun einfach etwas zu schnell. Hier bekam ich ein wenig das Gefühl, dass noch viel Thema verpackt werden muss und es führte zuletzt dazu, dass ich mich doch mit den Geschehnissen überfordert fühlte.

Die Hauptcharaktere Summer und Dominik sind sehr ansprechend gestaltet, wobei auch hier wieder auf typische Klischees zurückgegriffen wird. Junges Mädchen mit besonderer Ausstrahlung, besonderem Aussehen. Summer ist sehr blasshäutig - Dominik schwärmt immer von dieser edlen Blässe - und ihre wilden roten Locken symbolisieren gleichzeitig ihren wilden, ungezügelten Charakter.
Im Gegenzug dazu Dominik - reich, geheimnisvoll, unnahbar und sehr gut anzusehen, angesehener Universitätsprofessor.
    Aber trotz der Klischees sprechen die Charaktere mich an, sind schön ausgearbeitet. Beide sind quasi auf der Suche ihrer eigenen sexuellen Bestimmung. Summer verspürt einen devoten Hang, aber ab und an gibt es Momente, in denen sie die "Dom" in sich glaubt, zu spüren. ihre Lust auf Neues wurde geweckt, sie möchte Erfahrungen sammeln, sich in unbekannte Gebiete vorwagen.
Dominik strahlt den Dom aus, aber er passt nicht in die typische Schublade. Für ihn muss alles stimmen - der richtige Moment, die richtige Frau, die richtige Stimmung. Das Besondere reizt ihn. Auch er ist noch auf der Suche nach dem sexuellen Nonplusultra. Und er glaubt, dies in Summer gefunden zu haben. Hat er das tatsächlich? Hier dürfen wir definitiv darauf gespannt sein, was die Folgebände für uns bereithalten.
    Summers Geigenspiel verleiht diesem Roman etwas Besonderes, haucht der Geschichte etwas Edles ein und nimmt dem Buch etwas an Schärfe. Allein schon das Geigenspiel in der Krypta ist ein Ereignis für sich, dass vollkommen die Phantasie des Lesers beeinflusst und ankurbelt. Man kann fast die Musik hören, kann das erotische Knistern spüren, dass die Krypta erfüllt.

Eine Anmerkung möchte ich mir noch erlauben: die erotische Lektüre ist oftmals unter Beschuss der harten Kritik. "Wie kann man darüber schreiben?", heißt es. Und das sind doch nur "Hausfrauen-Pornos", nur um ein Beispiel zu nennen. Aber da frage ich mich: warum sollte man nicht über Sex schreiben? Das Thriller-Genre ist auch ein sehr beliebtes Genre. Aber wenn ich sehe, wie oft hier ganz selbstverständlich über bestialische Morde, verstümmelte Leichen und sonstige derbe Verbrechen geschrieben wird, wundere ich mich, wie dies oftmals kommentarlos hingenommen wird. Dies wird als normal betrachtet. Fast keiner regt sich auf, egal wie arg das Blut aus der Geschichte trieft. Aber warum löst das Thema Sex - das natürlichlichste der Welt - immer wieder solche Kontroversen aus?
"Ja, das versprach spannend zu werden... Gewagt und aufregend, aber ..."
Seite 94

Mein persönliches Fazit :
Vina Jackson hat mit "80 Days. Die Farbe der Lust" einen hocherotischen, knisternden Auftakt zu einer neuen Erotik-Reihe im BDSM-Bereich geschaffen. Mir persönlich hat der Aufbau der Geschichte sehr gut gefallen. Ich habe etwa die Hälfte des Buches am Stück gelesen, es lag mir als guter Page-Turner in der Hand. Dann zog das Tempo zu sehr an, die Geschichte wurde extremer. Ich habe mich mit der zweiten Hälfte des Buches etwas überfordert gefühlt und muss dafür auch einen Punkt Abzug geben. Hier wurde meines Erachtens zu viel verarbeitet. Das Tempo ist zu schnell, ich hatte das Gefühl, kaum zum Luft holen zu kommen. Dennoch möchte ich die Thematik aus den oben genannten Gründen nicht verurteilen.
Alles in allem aber ist 80 Days ein guter Erotik-Roman, der Anhängern dieses Genres Lesevergnügen bereiten wird.


© Rezension: Alexandra


Über die Autorin Vina Jackson:
Vina Jackson ist ein Pseudonym hinter dem sich zwei etablierte Autoren verbergen, die bei diesem Buch zum ersten Mal zusammenarbeiten. Er ist ein bekannter Lektor, Radiojournalist, Kolumnist, der bereits neun Romane veröffentlicht hat und eine große Sammlung von Erotika besitzt. Sie hat ebenfalls bereits Bücher geschrieben, arbeitet im Finanzsektor und ist eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene.





Quelle Vita Autorin + Coverbild:
Website © Bertelsmann Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Bertelsmann Verlages.
Buch Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Vina Jackson 


schönes Wochenende ...

Freitag, 23. November 2012 2 Kommentare



Das Wochenende ist in Sicht! 
Geniesst die Zeit und lasst es euch gut gehen. 
Mit welchem Buch werdet ihr euch denn dieses Wochenende aufs Sofa kuscheln ???


Euer Bücherkaffee-Team 
Alexandra & Aygen


Rezension: Ein Flüstern in der Nacht

Mittwoch, 21. November 2012 1 Kommentar




"Eines Tages werde ich fliegen.
Ich werde dahingleiten
Über dem Lärm, den Schüssen und dem Tod. Es gibt einen Ort,
Und ich werde ihn finden." (Seite 215 , aus Miris Tagebuch)


Ein Flüstern in der Nacht
Von: Moya Simons

Verlag: cbj Verlag
Originaltitel: Let Me Whisper You My Story
Aus dem Englischen übersetzt von: Anne Braun
Genre: Jugendbuch, Gesellschaft, Geschichte
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2012, Deutsche Erstausgabe
Ausstattung: Gebundenes Buch, 304 Seiten
ISBN13: 978-3-570-15331-4


Ein kurzer Einblick

Rachel wächst zusammen mit ihrer sieben Jahre älteren Schwester Miri in einer behüteten Familie auf, in einem ordentlichen Haus in Leipzig mit Vorgarten. Ihr Vater ist Arzt und die Familie ist geachtet in der Nachbarschaft. Doch als der Krieg voranschreitet, ändert sich plötzlich alles - denn Juden werden nach und nach alle Rechte aberkannt. Im November 1941, Rachel ist gerade sieben Jahre alt, müssen auch sie ihr Haus Räumen und in ein "Judenhaus" umziehen. Eine schrecklich lange Zeit voller Hunger, Frust und Kummer bricht an und Rachel kann nicht recht verstehen, warum dies alles passiert. Sie versteckt sich immer häufige im Wandschrank, zieht sich zurück und blendet alles aus. Doch dann steht im Jahr 1943 plötzlich die Gestapo vor der Türe und alle Hausbewohner werden deportiert. Ihr Vater versteckt sie im Schrank unter der Spüle.

"Rachel, mach dich ganz klein! Versteck dich im Schrank unter der Spüle. Und egal was du hörst, ob Rufe oder Schreie - du darfst keinen Mucks von dir geben. Kein Wort, verstanden? Das ist ganz, ganz wichtig. Es geht um dein Leben" Seite 98

Rachel bleibt alleine zurück. Alles was ihr von der Familie bleibt, ist "der längste Schal der Welt" und das Tagebuch ihrer Schwester. Und sie schweigt, gibt kein Wort mehr von sich, zu niemandem. Wo soll sie hin? was soll sie nun nur machen? Wird sie ihre Familie jemals wiedersehen?

Meine Gedanken zu dem Buch

Die australische Autorin Moya Simons schreibt in dem Jugendbuch "Ein Flüstern in der Nacht" über den deutschen Holocaust, über die Deportierung der Juden. Sie bewegte das Thema sehr, denn in ihrer eigenen Jugend verbrachte sie viel Zeit mit sechs Kindern, die während des Krieges nach Australien flohen oder später von Familien adoptiert wurden. Die Berichte der Kinder animierte sie dazu, ein Buch darüber zu schreiben. Und so entstand dieses Werk, dass mich wirklich sehr traurig machte, zum Teil ein sehr beklemmendes Gefühl auslöste. Ein Werk, dass mir sehr nahe ging und mein Herz berührt hat. Die Geschichte, die unbewusst etwas an "Anne Frank" erinnert, wird aus der Sicht der damals fünf-jährigen Rachel erzählt. Wir erleben mit ihr zusammen die Wirren des Krieges, wir blicken mit ihr zusammen aus Kinderaugen auf die Entwicklung des Krieges. Wir werden mit ihr zusammen älter und begreifen mit ihr die grausame Wahrheit des damaligen Alltages. Der Tag, an dem sie ihre Familie verlor, die komplett deportiert wurde, ändert ihr Leben nochmals von Grund auf. Nur der "längsten Schal der Welt" - ein Schal, in dem ihre Mutter die Geschichte der Familie verstrickte - und Miris Tagebuch sind ihr geblieben. Und natürlich die eindringlichen Worte ihres Vaters.

"Ich muss mucksmäuschenstill sein." 

Und so beschließt Rachel, genau dies zu tun. Sie redet nicht mehr, mit niemandem. Auch nicht mit der deutschen Familie, die sie aufnimmt und versteckt. Sie beschließt, erst wieder zu reden, wenn ihr Vater ihr die Erlaubnis dazu gibt. Rachel ist in ihrer Charakteristik sehr gelungen dargestellt. Sie erlebt Grausames in den Kriegsjahren und findet trotzdem für sich einen Weg, dies alles zu verkraften und zu verarbeiten. Sie wächst zu einer jungen Frau heran und mit ihr wächst eine unglaubliche innere Stärke. Ihr eigens errichteter Schutzwall gibt ihr die Möglichkeit, jeden Tag von neuem zu bestehen. Aber es soll lange dauern, bis sie sich von diesem Schutzwall lösen kann, den sie auch noch lange nach dem Krieg aufrecht erhält.

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob dieses Jugendbuch tatsächlich schon für Kinder ab 10 Jahren geeignet ist - und ich finde, das ist es in der Tat. Moya Simons hat einen Weg gefunden, den Kindern auf erzählerische Weise die Zeit des Holocausts etwas nahe zu bringen, ohne die lesenden Kinder zu sehr zu sehr zu schockieren. Und doch wird nichts schön geredet oder gar verharmlost, wie man vermuten könnte. Aber ich denke, gerade weil es aus Rachels Sicht erzählt wird, können sich Leser besser mit dem Geschehen identifizieren. Die Autorin schafft es, die Grausamkeit, die Ungerechtigkeit und Dramatik der damaligen Zeit auf der subtile Weise an den Leser heranzutragen. Zudem gibt es auch immer wieder Momente, in denen Rachel auch die guten Seiten, die Menschen präsentiert, die eben einfach menschlich sind. So wie der Soldat, der sie entscheidenden Moment einfach "übersieht" und ihr somit die Weichen für eine Zukunft stellt. Oder auch die deutsche Familie, die sie aufnimmt. Natürlich leidet die Familie, vor allem der Sohn, unter dem Druck der ständigen Angst, bei ihrer Tat entdeckt zu werden. Aber trotzdem schützen sie Rachel. Auf ihrem weiteren Weg nach dem Krieg begegnen ihr immer wieder gute Menschen. Und so stellt sich auch ein Kontrast zu den Grausamkeiten dar. Ein Kontrast, der aufzeigen soll, dass nicht nur sie Unmenschlichkeit existierte, sondern dass überall - wenn auch im Kleinen - das Gute weiterhin existierte. Dass es immer Menschen gab, die sich gegen Hitler Machtregime stellten und die ihr Leben riskierten, um andere zu retten.

Sehr informativ ist zudem der Anhang des Buches, eine 12-seitige zeitliche Chronologie des Krieges. Gerade für die ganz jungen Leser, denen selbstverständlicherweise schon Altersbedingt der Bezug fehlt, ist diese Zusammenstellung sehr sinnvoll, damit sie sich einen Überblick über die Geschehnisse verschaffen können - und sich so noch mehr mit der kleinen Rachel identifizieren können. Sehr berührend finde ich zudem die Ausschnitte aus Miris Tagebuch. Gedichte und Gedanken der älteren Schwester sind hier zu finden, die einem bis tief ins Herz gehen...

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

"Ein Flüstern in der Nacht" ist gemäß dem Nachwort der Autorin Moya Simons eine Mischung aus Fiktion und Tatsachen. Viele Erzählungen und persönliche Erfahrungen ehemaliger Flüchtlinge, die den Holocaust überlebten, wurden in dieses Buch mit aufgenommen, wurden ein Teil der Geschichte. Eine Geschichte, die aufrüttelt. Eine Geschichte, die mich tief bis ins Innerste bewegte, traurig stimmte und die mich schlichtweg mitleiden ließ. Eine Geschichte, die mir aber auch zeigte, dass Eigenschaften wie Liebe, Mut, Gerechtigkeitssinn, Tapferkeit und Hilfsbereitschaft auch zu dieser dunklen Zeit unserer Geschichte nicht vollkommen ausgelöscht wurden, sondern in vielen Menschen weiterlebte. Ein Buch, dass durchaus für junge Leser geeignet ist und ich auch wirklich empfehlen kann für Kinder, die sich an dieses Thema herantasten möchten. Aber nicht nur für Kinder, sondern für alle Altersstufen ist dieses Buch in meinen Augen eine absolute Leseempfehlung!

© Rezension: Alexandra



Mit der freundlichen Genehmigung des cbj Verlages dürfen wir euch das vom Verlag geführte, überaus interessante Interview mit der Autorin Moya Simons hier passend zur Rezension präsentieren: 




1. Liebe Moya Simons, Sie sind eine international erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin. Könnten Sie sich Ihren deutschen Lesern kurz vorstellen?

Ich wurde 1942 in Moree, einer winzigen Kleinstadt im Norden des australischen Bundestaats New South Wales, geboren. Meine Eltern wanderten 1937 nach Australien aus. Später verließ meine Familie Moree, zog nach Sydney und ließ sich in Bondi, in Strandnähe, nieder. 
Als Kind war ich lesehungrig, aber auch sehr abenteuerlustig: Ich kletterte auf Bäume und sprang vom obersten Ast, um herauszufinden, ob ich fliegen könnte. Ich liebte es zu lesen und spielte mit meinen Freunden Bücher, die wir aus der Bücherei ausgeliehen hatten, nach – selbstverständlich nach unseren ganz eigenen Drehbüchern. Wir sorgten mit diesen Vorstellungen bei unseren Familien stets für Unterhaltung.
Ich war also in gewissem Sinne schon als Kind eine kleine Autorin: Die Art und Weise, wie ich dachte und versuchte, gewöhnliche Ereignisse in ungewöhnliche zu verwandeln, hatte stets etwas von einer Schriftstellerin.

2. Warum haben Sie sich als Autorin für das Kinder- und Jugendbuchgenre entschieden?

Das ist eine knifflige Frage. Ich fühle mich Kindern schon immer besonders verbunden, auch weil ich – ungeachtet meines eigentlichen Alters – manchmal glaube, dass ich im Geiste 12 Jahre alt geblieben bin. An Kindern schätze ich es sehr, dass sie oft so ehrlich ihre Meinung sagen, neugierig sind und die Fähigkeit besitzen, die komische Seite des Lebens zu sehen. All dies sind Eigenschaften, die wir als Erwachsene oft verloren haben. 
Für mich fühlt es sich also einfach natürlicher an, für ein jüngeres Publikum zu schreiben.

3. "Ein Flüstern in der Nacht" wird im Oktober 2012 in Deutschland erscheinen. In gewisser Weise ist Ihr erster historischer Roman ein sehr "deutsches" Buch. Was hat Sie dazu veranlasst, über das Dritte Reich und die Shoah zu schreiben? 

Als ich noch zur Schule ging, waren mindestens sechs Kinder aus meiner Klasse Holocaust-Überlebende. Sie waren entweder mit ihren Eltern nach Australien gekommen oder sind – aufgrund des Schicksals ihrer Familien – adoptiert worden.
Ein Großteil von ihnen hatte das Dritte Reich überlebt, indem sie sich vor den Nazis versteckten. Oft saßen wir beisammen und sie erzählten mir ihre Geschichten, während ich versuchte, auch nur ansatzweise zu verstehen, was sie durchgemacht haben mussten. Für mich – die nur ihre eigene, friedliche Kindheit kannte – war es sehr schwierig, sich diese furchtbare Zeit auch nur vorzustellen.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass diese frühen Erfahrungen, diese Gespräche mit meinen traumatisierten Klassenkameraden, zum Entstehen dieses Romans beitrugen. Denn auch als Erwachsene habe ich diese Kinder nie vergessen und bis zum heutigen Tage habe ich Freunde, die Überlebende des Holocaust sind und sich vor den Nazis verstecken oder sogar die Erfahrung der Konzentrationslager (vor allem Bergen-Belsen) machen mussten.

4. Sie selbst leben in Australien, Schauplatz von "Ein Flüstern in der Nacht" ist aber hauptsächlich Europa. Wie verfuhren Sie bei der Recherche für Ihr – in historischer Hinsicht – erstaunlich akkurates und aufschlussreiches Kinderbuch?

Mein Forschungsaufwand war gewaltig. Natürlich benutzt man das Internet und greift auf die einschlägige Fachliteratur zurück. Ich gehöre aber außerdem einer jüdischen Organisation mit dem Namen B’nai B’rith an, die Überlebende dazu ermutigt, in australische Schulen zu gehen und davon zu erzählen, wie sie während des Zweiten Weltkriegs von mutigen Menschen gerettet wurden. Erklärtes Ziel dieser Organisation ist es, Kindern durch diese Überlebensberichte Zivilcourage zu vermitteln. 
Ich denke, dass mir die auf Band aufgenommenen Gespräche mit den Überlebenden selbst mehr geholfen haben, als die "klassischen" Forschungsmethoden bzw. der Rückgriff auf die Historiografie. 
Vor der Publikation meines Romans ließ ich „Ein Flüstern in der Nacht“ allerdings noch einmal durch Dr. Michael Abrahams-Sprod vom Hebräischen Lehrstuhl für Biblische und Jüdische Studien in Sydney überprüfen. Dieser namhafte Experte im Bereich der Deutsch-Jüdischen Geschichte und der Holocaust-Studien trug maßgeblich zur historischen Faktentreue meines Romans bei. Ich bin ihm für seine Unterstützung unendlich dankbar.

5. "Ein Flüstern in der Nacht" wird aus der Perspektive eines jüdischen Mädchens, Rachel Schwarz, erzählt. Warum haben Sie diese Perspektive bzw. diese Hauptfigur gewählt? 

Eine mir nahestehende Freundin aus Australien, Eve Thassum, verlor ihre Mutter – und beinahe ihr eigenes Leben – im Konzentrationslager in Belsen. Sie war zu Kriegsende so jung, dass sie heute nur wenige Erinnerungen aus dieser Zeit hat. Eve überlebte in Belsen, weil ein Wächter dort die kleinen Waisenkinder täglich heimlich mit frischer Milch versorgte. 
Mein Roman ist ihrer Mutter gewidmet und gibt dieser in gewisser Weise das Begräbnis, das ihr im KZ verweigert wurde. Daher habe ich auch Eves Nachnamen, Schwarz, für meine Familie verwendet und die Stadt, in der sie damals lebte, Leipzig, als Wohnort gewählt.
Natürlich kamen auch die Erzählungen anderer Überlebender ins Spiel.
Ich musste also die Rachel des Romans erfinden, aber sie basiert größtenteils auf den individuellen Einzelschicksalen der Überlebenden, die ich angehört habe. Fälle, in denen Kinder aufgrund der schrecklichen Bedingungen ihrer „Verstecke“ nicht mehr sprechen oder hören konnten, sind mir persönlich bekannt. Solche Erlebnisse beeinflussen die seelische und psychische Verfassung enorm. Rachels Geschichte ist auch diesen jüdischen Kindern gewidmet, die keine eigene Stimme mehr haben.

6. Die junge Rachel Schwarz erinnert mich stellenweise an Anne Frank, eine der bekanntesten Opfer des Holocaust. Hat Sie "Das Tagebuch der Anne Frank" beeinflusst?

Ich denke, dass das Schicksal von jedem Kind, das sich vor den Nazis verstecken musste, unweigerlich mit dem Anne Franks verglichen werden wird. Es gab jedoch so viele andere Kinder, die während des Dritten Reiches im Verborgenen leben mussten. Ich hielt es für wichtig, dass auch ihre Geschichten erzählt werden und die Zivilcourage derer anerkannt wird, die sie durch ihr mutiges Handeln retteten.

7. Anne Frank stirbt im Konzentrationslager, Rachel Schwarz, ihr Vater und ihre Schwester überleben dagegen. Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Roman mit so vielen Überlebenden anzufüllen? 

Dass es in "Ein Flüstern in der Nacht" sehr viele verfolgte Juden gibt, die die Nazi-Zeit überleben, ist korrekt. Aber das war eine bewusste Entscheidung meinerseits.
Ich wollte zeigen, dass es – trotz Nazi-Propaganda und Antisemitismus – auch solche Menschen gab, die unheimlich viel aufs Spiel setzten, um jüdischen Familien zu helfen. Ich glaube, dass dies für Kinder eine wichtige Lektion ist: Zu lernen, dass es wert ist, ein hohes Risiko einzugehen, wenn es darum geht für Gerechtigkeit und moralische Werte einzustehen. Für mich ist es auch wichtig, dass diese wenigen, aber bewundernswerten Menschen, die Juden halfen, Anerkennung finden.
Dennoch möchte ich daran erinnern, dass ein Großteil der entfernteren Verwandten Rachels sowie ihre geliebte Mutter sterben. Beim Schreiben eines Kinderbuchs trägt man ja auch eine gewisse moralische Verantwortung: Ich denke, nur wenn man bei Erzählungen über diese schreckliche Zeit immer wieder kleine „glückliche“ Momente aufflackern lässt, gibt man den Kindern Hoffnung.

8. "Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch" … so lautet ein berühmtes Zitat des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno.
Diese Aussage wird seit den 1960ern in Deutschland immer wieder debattiert – meist im Zusammenhang mit der Frage, wie man den Holocaust darstellen kann, ohne den Völkermord zu verharmlosen. Was ist Ihre Antwort auf Adorno?

Um die Bedeutung des Holocausts zu verstehen, muss man sich – metaphorisch gesprochen – an einen sehr düsteren Ort begeben. Es handelt sich um eine hoffnungslose Gegend und man darf diese Schreckenslandschaft nicht trivialisieren oder schönreden. Es ist öde dort, freudlos und ohne Licht. 
Ein Kinderbuchautor, der über diese Zeit zu schreiben versucht, muss die jungen Leser auf eine Reise in die Dunkelheit mitnehmen. Aber in dieser Dunkelheit gab es auch immer wieder kleine Lichtblicke. Das Licht derjenigen, die Widerstand leisteten, muss anerkannt werden. Es ist dabei illusorisch, davon auszugehen, dass diese Menschen eine leuchtende Fackel darstellten – dazu war die Dunkelheit zu schwarz und düster. 
Aber wenn man eine ausreichende Menge dieser Lichtblicke zusammensetzt, werden sie einen Heiligenschein bilden, in dem man Göttliches erkennen kann. Daran glaube ich von ganzem Herzen. Und darum hat "Ein Flüstern in der Nacht" auch ein hoffnungsvolles Ende, das das Leben und die Erneuerung zelebriert.

Rezension {Aygen} - Der letzte Engel

Dienstag, 20. November 2012 2 Kommentare


Der letzte Engel
von Zoran Drvenkar

Verlag: cbj Verlag
Alter: ab 14 Jahre
Genre: Jugendbuch, Fantasythriller
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2012
Ausstattung: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 432 Seiten
ISBN13: 978-3-570-15459-5
Preis: 16,99€ [D]

Leseprobe: KLICK
Buchtrailer: KLICK




Inhalt:

Der 16-jährige Markus „Motte“ beschließt, das Wochenende allein zu Hause zu verbringen und an seinem Referat zu arbeiten. Alles läuft wie gewünscht, bis ihn eine eMail erreicht.


 Sorry für die schlechte Nachricht
Aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein
Wir wollten nur, dass du das weißt
Du bist nicht allein
Sei mutig und stark (Zitat Seite 19)

Motte glaubt an einen Streich seiner Freunde und beschließt, die ganze Sache nicht weiter ernst zu nehmen. Schnell merkt er jedoch, dass ihm das keine Ruhe lässt und nimmt sich fest vor nicht einzuschlafen. Wider erwarten überkommt ihn die Müdigkeit und Motte schläft ein. Dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

Die Erkenntnis traf mich mit voller Wucht. Ich drückte mir eine Hand aufs Herz,
Nichts.
Ich suchte meinen Puls,
              Nichts. (Klappentext)

Handlung & Charaktere:
Dem Autor ist es gelungen, Gegenwart und Vergangenheit gut zu verbinden, indem er geschichtliche Ereignisse, die zu dieser Verfolgungsjagd von Motte führen, gut umzusetzen. Er beschreibt mehrere Gruppen und Personen. Die Bruderschaft von 1820, die dabei sind, ihr Ziel zu erreichen und sämtliche Engel auf dieser Erde auszulöschen um somit das Ende der Menschheit herbeizuführen, sowie Mona, das unscheinbar wirkende 10jährige Mädchen, mit der besonderen Fähigkeit, durch Berührung Erinnerungen hervorzurufen. Die verschiedenen Handlungsorte erscheinen anfänglich erst verwirrend aber setzen sich von Kapitel zu Kapitel zusammen und lassen den Leser immer tiefer in die Geschichte eintauchen. Man reist vom irischen Land nach Edinburgh und findet sich dann in Berlin. Die Mischung aus Fantasy und Realität gibt diesem Buch das besondere Etwas. Die Charaktere sind nicht nur durch ihre Namensgebung besonders gewählt, sondern auch durch ihre Beschreibung und ihr Auftreten. Man lernt selbst im schlechtesten Wesen dieser Geschichte eine weiche, sensible und verletzliche Seite kennen. Besonders gelungen sind die Passagen, in denen Zoran Drvenkar den Protagonisten Motto beschreibt, wie er sich selber beobachtet. Seinen leblosen Körper, auf dem Bett liegend. Seinen Vater, der ihn versucht zu wecken und Motto, wie er erstaunt über die zwei Flügel ist, die sich auf seinem Rücken befinden. Gänsehautfaktor garantiert. Eine rasanter und magischer Roman, mit dem richtigen Maß an Fantasie. Bestimmt hätte es Mona in dem Moment geholfen, wenn sie gewusst hätte, dass Vergangenheit ein Gewebe der Zeit ist, das sich aus Erinnerungen zusammensetzt.

  Bestimmt hätte es Mona in dem Moment geholfen, wenn sie gewusst hätte, 
dass Vergangenheit ein Gewebe der Zeit ist, das sich aus Erinnerungen zusammensetzt. 
(Zitat Seite 43)


Mein persönliches Fazit:
Ich habe bereits „Sorry“ und „Du“ von Zoran Drvenkar gelesen und beide haben mir sehr gut gefallen. Deshalb war ich auch so gespannt auf „Der letzte Engel“. Es ist etwas ganz anderes, mystisch, surreal und packend. Der Klappentext klingt ja schon sehr einladend, aber was mich wirklich gereizt hat, war die ausführliche Leseprobe, die ich vorab schon lesen konnte und natürlich das Video mit dem Kurzinterview des Autors. Er beschreibt ja bereits in diesem Interview, dass es zwar um Engel geht, aber nichts mit Religion zu tun hat und ich finde, er hat es sehr gut umgesetzt. Die Assoziation des Engels ist eben in unseren Köpfen fest verankert und da ist es nicht einfach, umzuschalten und wirklich an etwas anderes als einen göttlichen Boten zu denken. Zoran Drvenkar hat etwas Neues geschaffen und mich von diesem Gedanken gelöst und mich mitreisen lassen. Zwischen Berlin und Edinburgh auf der Flucht vor der Bruderschaft, erlebt der Leser hier eine Mischung aus Geschichte, Märchen, Fantasy, Thriller und auch den ein oder anderen stillen Moment, der Gänsehaut auslöst.



© Rezension: Aygen

Über den Autor:


© by Corinna Bernburg

Zoran Drvenkar wurde 1967 in Kroatien geboren und zog als Dreijähriger mit seinen Eltern nach Berlin. Seit über 20 Jahren arbeitet er als freier Schriftsteller. Zoran schreibt Romane, Gedichte und Theaterstücke über Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Er wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und lebt heute in einer alten Kornmühle in der Nähe von Berlin.





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Hörbuch: KLICK






Quelle Vita Autor + Coverbild:
Website © cbj Verlag, mit freundlicher Genehmigung des cbj Verlages und des Autors
Foto Autor:
© by Corinna Bernburg, by Zoran Drvenkar
Buch-Zitate:
Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat. 
© by Zoran Drvenkar