Rezension - 80 Days. Die Farbe der Lust

Samstag, 24. November 2012 1 Kommentar

80 Days. Die Farbe der Lust
Von: Vina Jackson

Verlag: Carl's books, Bertelsmann Verlag
Originaltitel: Eighty Days Yellow
Aus dem Englischen übersetzt von: Gerlinde Schermer-Rauwolf, Barbara Steckhan, Thomas Wollermann
Genre: Erotik
Empfohlenes Alter: ab 18 Jahre
Erscheinungsdatum: 22. Oktober 2012
Ausstattung: Paperback, Klappenbroschur, 400 Seiten
ISBN13: 978-3-570-58522-1
Preis: € 12.99 [D]





Klappentext des Buches:
Frustriert von einer unbefriedigenden Beziehung findet die leidenschaftliche Violinistin Summer Erfüllung in der Musik. Sie spielt nachmittags in der Londoner U-Bahn auf ihrer ramponierten Violine Vivaldi. Als ihre Geige sich nicht mehr reparieren lässt, bekommt sie von Dominik, einem Uniprofessor mit ausschweifenden Fantasien, ein erstaunliches Angebot: Er möchte ihr eine wertvolle Violine schenken, wenn sie ihm ein privates Konzert gibt. Also spielt sie für ihn in der Krypta einer Kirche – doch muss sie dabei nackt sein, während Dominik den anderen Musikern die Augen verbunden hat. Summer spürt, wie sehr Dominik sie anzieht und in ihr bisher unbekannte Saiten zum Schwingen bringt: Sie beginnt eine intensive erotische Liaison mit ihm, in der sie ihre lange verleugnete dunkle Seite ausleben kann. Doch hat eine alles verschlingende Beziehung ohne Tabus Bestand? Berauschend, verführerisch, aufreizend kühn, ist »80 Days – Die Farbe der Lust«, eine Liebesgeschichte, die den Leser atemlos zurücklässt, mit dem Wunsch, so bald wie möglich mehr zu lesen.
Im Augenblick konnte Summer sich gar nicht vorstellen, eine feinere Geige in Händen zu halten, waren doch bei dieser hier Gewicht, Ausbalancierung und Körper einfach perfekt.
"Spiel für mich", forderte Dominik.
Summer ließ Charlottes Mantel auf den Boden gleiten...
Seite 108

Handlung & Charaktere:
Das Autorenduo, dass unter dem Pseudonym Vina Jackson auftritt, hat mit "80 Days. Die Farbe der Lust" einen energiegeladenen, vor Erotik knisternden Auftakt zu einer mehrteiligen Erotikreihe vorgelegt. Diese Lektüre ist im SM-Bereich angesiedelt, nimmt die Fetisch-Szene gekonnt unter die Lupe und sorgt für prickelndes, knisterndes Lesevergnügen.
    Anzumerken sei hier aber besonders, dass es sich hierbei nicht - wie oft fälschlicherweise vermutet - hauptsächlich um eine Liebesgeschichte, ein Liebesmärchen handelt, wie es bei einer anderen, sehr bekannten Trilogie der Fall ist. Gerne werden hier Vergleiche zu SoG gezogen (ja selbst sogar auf der Buchklappe selbst), die ich persönlich nicht so recht nachvollziehen kann. 80 Days gehört definitiv zur reinen Erotik, hier ist die zarte Liebesgeschichte eher ein dezenter Hintergrund. Dem Leser wird ein freizügiger Einblick in die Welt der Fetisch gewährt, das manchmal vielleicht anregend, manchmal aber auch sehr ungewöhnlich und auch immer mal wieder abschreckend wirkt. Über das Autorenduo erfährt man nicht sehr viel, aber im Buch findet man einen Hinweis darauf, dass der weibliche Part dieses Duos eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene sei. Diesen Satz habe ich vorab gelesen und war sehr dankbar dafür. Denn so konnte ich doch davon ausgehen, dass hier nicht Erfundenes wiedergegeben wird, sondern aus tatsächlicher Erfahrung geschriebene wird. Denn wie gesagt, manche der sexuellen Praktiken wirken etwas abschreckend, der Einblick in die diversen SM-Salons oder Clubs mag dem Leser aufs Gemüt schlagen und man überlegt mehr als einmal: "Kann Mann / Frau sich wirklich auf solche Dinge einlassen? Ist das tatsächlich mit der eigenen Würde vereinbar?" Aber sexuelle Neigungen sind ja bekanntlich vielfältig und ein jeder sollte das tun, was er /sie für richtig hält. Ich für mich muss es nicht gutheißen, es muss mir nicht gefallen - aber in Form einer fiktiven Geschichte wie diese konnte auch ich einige Wissenslücken füllen und mich mal wieder von der Vielfältigkeit dieser Welt überraschen lassen :)
Zudem weist diese Geschichte auch die Schattenseiten des BDSM auf. Denn was Summer in New York widerfährt, kann man nur als "aus dem Ruder gelaufen" bezeichnen. Sie hat auf ihrer Suche den Halt verloren, hat sich vollkommen in der Szene verloren und lässt sich zu den unglaublichsten Dingen verleiten. Sie hat die falschen Bekanntschaften geschlossen, die falschen Türen geöffnet und somit einen Schritt zu weit in eine Welt gemacht, für die sie so nicht bereit war. Sie kennt ihre Grenzen nicht und muss lernen, diese zu erkennen und sich an diese zu halten. Vielleicht ist in der Tat Dominik der Richtige, der ihr diese Grenzen aufzeigen kann?
   Aber dem Leser wird durch diese Geschehnisse aufgezeigt, dass man sich schnell in einer Vorstellung verlieren kann, dass man auch - oder gerade - in diesen Bereichen nie die Zügel aus der Hand geben sollte.
Der Schreibstil des Buches ist in der Tat sehr angenehm und erscheint - zumindest in der ersten Hälfte nicht übertrieben vulgär oder pornohaft, wie man vielleicht vermuten möchte.   
   Natürlich sind die Sex-Szenen teilweise sehr, sehr ausführlich beschrieben, mit einem ausgeprägten Hang zur ordinären Ausdrucksweise, aber da muss man natürlich auf dem Teppich bleiben und wissen, dass man hier ja auch ein Buch aus dem Erotik-Genre liest. Und doch hatte ich nicht das Gefühl, ein "Schmuddelbuch" in der Hand zu halten.
Die Geschichte verfügt etwa bis zur Mitte hin über eine gewisse Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die dieses Buch in gewissem Sinne zu einem Page-Turner macht. Danach nimmt das Tempo der Geschehnisse zu und mir persönlich ging es nun einfach etwas zu schnell. Hier bekam ich ein wenig das Gefühl, dass noch viel Thema verpackt werden muss und es führte zuletzt dazu, dass ich mich doch mit den Geschehnissen überfordert fühlte.

Die Hauptcharaktere Summer und Dominik sind sehr ansprechend gestaltet, wobei auch hier wieder auf typische Klischees zurückgegriffen wird. Junges Mädchen mit besonderer Ausstrahlung, besonderem Aussehen. Summer ist sehr blasshäutig - Dominik schwärmt immer von dieser edlen Blässe - und ihre wilden roten Locken symbolisieren gleichzeitig ihren wilden, ungezügelten Charakter.
Im Gegenzug dazu Dominik - reich, geheimnisvoll, unnahbar und sehr gut anzusehen, angesehener Universitätsprofessor.
    Aber trotz der Klischees sprechen die Charaktere mich an, sind schön ausgearbeitet. Beide sind quasi auf der Suche ihrer eigenen sexuellen Bestimmung. Summer verspürt einen devoten Hang, aber ab und an gibt es Momente, in denen sie die "Dom" in sich glaubt, zu spüren. ihre Lust auf Neues wurde geweckt, sie möchte Erfahrungen sammeln, sich in unbekannte Gebiete vorwagen.
Dominik strahlt den Dom aus, aber er passt nicht in die typische Schublade. Für ihn muss alles stimmen - der richtige Moment, die richtige Frau, die richtige Stimmung. Das Besondere reizt ihn. Auch er ist noch auf der Suche nach dem sexuellen Nonplusultra. Und er glaubt, dies in Summer gefunden zu haben. Hat er das tatsächlich? Hier dürfen wir definitiv darauf gespannt sein, was die Folgebände für uns bereithalten.
    Summers Geigenspiel verleiht diesem Roman etwas Besonderes, haucht der Geschichte etwas Edles ein und nimmt dem Buch etwas an Schärfe. Allein schon das Geigenspiel in der Krypta ist ein Ereignis für sich, dass vollkommen die Phantasie des Lesers beeinflusst und ankurbelt. Man kann fast die Musik hören, kann das erotische Knistern spüren, dass die Krypta erfüllt.

Eine Anmerkung möchte ich mir noch erlauben: die erotische Lektüre ist oftmals unter Beschuss der harten Kritik. "Wie kann man darüber schreiben?", heißt es. Und das sind doch nur "Hausfrauen-Pornos", nur um ein Beispiel zu nennen. Aber da frage ich mich: warum sollte man nicht über Sex schreiben? Das Thriller-Genre ist auch ein sehr beliebtes Genre. Aber wenn ich sehe, wie oft hier ganz selbstverständlich über bestialische Morde, verstümmelte Leichen und sonstige derbe Verbrechen geschrieben wird, wundere ich mich, wie dies oftmals kommentarlos hingenommen wird. Dies wird als normal betrachtet. Fast keiner regt sich auf, egal wie arg das Blut aus der Geschichte trieft. Aber warum löst das Thema Sex - das natürlichlichste der Welt - immer wieder solche Kontroversen aus?
"Ja, das versprach spannend zu werden... Gewagt und aufregend, aber ..."
Seite 94

Mein persönliches Fazit :
Vina Jackson hat mit "80 Days. Die Farbe der Lust" einen hocherotischen, knisternden Auftakt zu einer neuen Erotik-Reihe im BDSM-Bereich geschaffen. Mir persönlich hat der Aufbau der Geschichte sehr gut gefallen. Ich habe etwa die Hälfte des Buches am Stück gelesen, es lag mir als guter Page-Turner in der Hand. Dann zog das Tempo zu sehr an, die Geschichte wurde extremer. Ich habe mich mit der zweiten Hälfte des Buches etwas überfordert gefühlt und muss dafür auch einen Punkt Abzug geben. Hier wurde meines Erachtens zu viel verarbeitet. Das Tempo ist zu schnell, ich hatte das Gefühl, kaum zum Luft holen zu kommen. Dennoch möchte ich die Thematik aus den oben genannten Gründen nicht verurteilen.
Alles in allem aber ist 80 Days ein guter Erotik-Roman, der Anhängern dieses Genres Lesevergnügen bereiten wird.


© Rezension: Alexandra


Über die Autorin Vina Jackson:
Vina Jackson ist ein Pseudonym hinter dem sich zwei etablierte Autoren verbergen, die bei diesem Buch zum ersten Mal zusammenarbeiten. Er ist ein bekannter Lektor, Radiojournalist, Kolumnist, der bereits neun Romane veröffentlicht hat und eine große Sammlung von Erotika besitzt. Sie hat ebenfalls bereits Bücher geschrieben, arbeitet im Finanzsektor und ist eine feste Größe in der Londoner Fetisch-Szene.





Quelle Vita Autorin + Coverbild:
Website © Bertelsmann Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Bertelsmann Verlages.
Buch Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Vina Jackson 


1 Kommentar:

  1. Hallo Alexandra,

    Ich habe das Buch auch gelesen und musste an sehr vielen Stellen deiner Rezension völlig zustimmend nicken, so dass mir nur zu sagen bleibt: tolle Rezension!

    warum es völlig normal ist über "Thrillerthemen" wie Mord , Totschlag und weitere Gräueltaten zu reden, Sex bzw. Erotik aber häufig noch Tabu ist, verstehe ich auch nicht so ganz. Vermutlich haben sich mit dieser Frage aber schon genügend Psychologen beschäftigt :)

    Liebe Grüße,
    Jai

    AntwortenLöschen

Wir freuen uns, wenn ihr unsere Beiträge kommentiert, denn dadurch wird dieser Blog lebendig! Bitte habt Verständnis, dass Beiträge vorab geprüft werden, um Spam zu verhindern. Daher kann es einen Moment dauern, bis Kommentare sichtbar werden. Lieben Dank.