Rezension: Prost, Mathilda! Von Wolke sieben ab in den Vollrausch

Dienstag, 18. Dezember 2012 1 Kommentar


Dieses Buch zum Thema Alkoholabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen fordert auf „die Augen aufzumachen" und lässt Betroffene zu Wort kommen.


Prost, Mathilda! 
Von Wolke sieben ab in den Vollrausch
Von: Antje Szillat

Verlag: Edition zweihorn Verlag
Herausgeber: Diözesan-Caritasverband Köln
Genre: Erzählung, Klassenlektüre 5.-9. Schuljahr
Thema: Jugendalkoholismus, "Komasaufen"
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
Ausstattung: Taschenbuch, 144 Seiten
ISBN 13: 978-3-935265-35-5

Inhalt:

Die 14-jährige Mathilda kann ihr Glück kaum fassen. Sie ist bis über beide Ohren verliebt in Tom und fühlt sich wie auf Wolke 7. Vergessen ist der Familienstress und die ständig betrunkene Mutter, um die sie sich immer mehr Sorgen macht. Ihre Eltern leben in Scheidung und ihr Vater hat eine junge und hübsche neue Freundin, die Mathilde ein großer Dorn im Auge ist. Ihre Mutter ist resigniert und begräbt ihren Kummer in Rotwein. Und ihr Verhältnis zu ihrer Schwester ist auch eher schwierig. Doch die Stunden mit Tom lassen Mathilde dies alles für einen Moment vergessen.

"In Mathildas Bauch tanzten die Schmetterlinge Rock 'n' Roll. Ihre Beine bestanden nur noch aus Pudding, der in kürzester Zeit bestimmt einfach wegfließen würde. Sie küssten sich erneut und Mathilda dachte: Dieser Kuss darf niemals enden. Das mit uns darf niemals vorbei sein." Seite 36

Bis diese Rosa Seifenblase plötzlich platzt - den Tom macht aus heiterem Himmel Schluss mit ihr. Einfach so. Völlig unerwartet. Mathilde fällt in ein tiefes Loch. Der Kummer prasselt plötzlich von allen Seiten auf sie ein. Und in ihrer größten Verzweiflung geht sie einen Schritt zu weit. Sie betrinkt sich zum ersten Mal mit Mutters Rotwein. Und plötzlich ist die Welt gar nicht mehr so schlimm, der Wein lässt sie vergessen... Und wird ihr täglicher Begleiter. Mathildas Welt gerät völlig aus den Fugen und es kommt,wie es kommen muss: Sie landet mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Wie soll es nun weiter gehen? Mathilda muss sich entscheiden.

Handlung:

Antje Szillat hat mit diesem Roman "Prost, Mathilda!" erneut ein sehr ergreifendes, aber auch wachrüttelndes Werk für Jugendliche und Erwachsene erschaffen, die sich mit dem Thema Jugendprobleme, Jugendalkoholismus befassen möchten - oder eventuell auch müssen. Die Kinder- und Jugendbuchautorin ist sehr engagiert im Bereich der Lese - und Jugendförderung und möchte mit diesem Buch Aufmerksamkeit gewinnen für ein Thema, dass so beachtlich ist und doch meist unter den Tisch gekehrt wird. Ihre Bücher werden daher auch gerne für den Schulunterricht herangezogen.

Dieses Buch ist nicht dick und wirkt daher auch auf "Lesemuffel" nicht abschreckend. Der Schreibstil ist sehr leicht und flüssig zu lesen, bestens an die Alters-Zielgruppe angepasst. Durch die zusätzlich große Schrift und lockere Unterteilung lässt sich das Buch in kürzester Zeit lesen. Das junge Mädchen Mathilda ist in ihrer Charakteristik sehr authentisch dargestellt und die jungen Leser können sich sehr leicht mit ihr identifizieren. Denn Mathilda ist "das Mädchen von Nebenan", könnte quasi in jedem Nachbarhaus leben, ohne aufzufallen. Ein ganz normales 14-jährigen Mädchen eben. Und dies macht nicht nur sie, sondern auch die ganze Geschichte so authentisch. Denn wie Antje Szillat im Vorwort schon schrieb: diese Geschichte beruht auf konkreten Erfahrungen. Leider kommt es immer wieder, egal in welcher Stadt oder in welchen sozialen Umfeld , vor - und das leider nicht zu knapp. Durch das ganze Buch ziehen sich immer wieder Kästen mit Fallbeispielen, die den Leser sehr nachdenklich und auch immer wieder traurig stimmen. Auch im Nachwort findet man noch viele weitere Informationen und auch Statistiken zum Thema Jugendalkoholismus und Komasaufen.

Während des Lesen beschäftigt man sich fast unaufhörlich mit dem Gedanken, was in den Köpfen dieser Kinder vorgeht, dass sie schon in so jungen Jahren zur Flasche greifen. Was sie dazu veranlasst, welchen Kummer sie so ertränken müssen. Und man fragt sich unwillkürlich: warum musste es immer soweit kommen? Warum achtet das eigene Umfeld so wenig auf die Warnsignale und die stummen Hilferufe der Kinder? Sind wir so im Alltagsstress gefangen und abgestumpft, dass wir nicht mehr mitbekommen, wenn es den Kindern schlecht geht?

Gerade in Mathildas Fall fragt man sich immer wieder, wie die Eltern so in ihre eigenen Probleme versunken sein können, dass ihnen ihre Kinder völlig gleichgültig sind, dass sie nicht einmal mehr spüren, dass so viel im Argen ist. Für ein junges Mädchen gibt es in diesem Alter wohl nichts Schlimmeres als der erste Liebeskummer. Und wenn dazu noch die familiären Sorgen das kommen (die meist dann auch noch sehr massiv sind), dann wäre eigentlich Unterstützung und Hilfe von Nöten - und nicht eine Mutter, die mit dem Ausspruch "Prost, Mathilda!" schockiert. ...

Aber Mathildas Geschichte ist auch eine Geschichte voller Hoffnung und voller Mut. Eine Geschichte, die aufzeigt, dass es auch einen anderen Weg gibt, dass man an sich selbst glauben soll und sich niemals aufgeben soll. Es bringt nichts, vor den Problemen davonzulaufen, Probleme mit Alkohol zu betäuben. Niemand sollte seine Probleme, wenn sie so belastend sind, mit sich selbst ausmachen. Mathilda zeigt, dass nur Reden wirklich hilft. Das man einfach den Mut haben muss, darüber zu sprechen. Und wenn dies nicht in der eigenen Familie möglich ist, dann gibt es immer Stellen, an die man sich wenden kann und wo man ein offenes Ohr finden wird. 

Fazit:
Ein tolles Buch, dass aufrüttelt, das traurig stimmt, dass vor allem aber zum Nachdenken anregt und eine tolle Diskussionsgrundlage bietet.


© Rezension: Alexandra


Ein wichiger Zusatz:
Auf der letzten Seite des Buches werden einige wichtige Adressen und Ansprechpartner genannt, an die man sich vertrauensvoll wenden kann, wenn man selbst Probleme hat und Hilfe sucht.
Der schnellsten Weg zur Hilfe:
www.beratung-caritas.de - Schüler, Eltern oder Lehrer finden hier Antworten auf viele Fragen. Die online-Beratung ist anonym, kostenfrei und vertraulich!


 Über die Autorin:
Antje Szillat begann bereits mit acht Jahren, Geschichten zu schreiben. Von diesem Zeitpunkt an war es ihr größter Wunsch, Schriftstellerin zu werden. Doch zunächst schlug sie ganz andere berufliche Wege ein und begann erst nach der Geburt ihres ersten Sohnes damit, ihren Kindheitstraum wahr werden zu lassen.
Heute schreibt die gebürtige Hannoveranerin sehr erfolgreich Bücher für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Beim Schreiben liebt sie es vielseitig und schlüpft gerne in unterschiedliche Rollen, ist sich aber ganz sicher, ihr Genre gefunden zu haben. Antje Szillat ist verheiratet und hat mit ihrem Mann vier Kinder. Zu der lustigen "kleinen" Großfamilie gehören Pferde, Hunde, Kaninchen, Goldfische und natürlich viele, viele Bücher. Sie lebt und arbeitet vor den Toren ihrer Lieblingsstadt Hannover.

1 Kommentar:

  1. Mögen alle Sorgen
    wie tanzende Schneeflocken
    von dir abfallen und in der Winternacht verschwinden.
    Möge die Liebe wie ein helles Licht dein Herz erwärmen
    und ein kleines Freudenfeuer entfachen.
    Schöne Weihnachten - liebe Grüße Hanne

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