Rezension {Aygen} - Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt

Sonntag, 9. Dezember 2012 2 Kommentare

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt
von Pierre Szalowski

Verlag: C. Bertelsmann Verlag München
Originaltitel: Mais quést-ce que tu fais là, tout seul?
Aus dem Französischen übersetzt von Nathalie Lemmens
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2012
Ausstattung:gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
288 Seiten
ISBN13: 978-3-570-10156-8
Preis: 16,99 € [D]

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Die schlimmsten Schmerzen sind auch immer die stillsten. Zitat Seite 45

Inhalt:
Eishockeyprofi Ladouce wird aufgrund seiner Eskapaden aus der Mannschaft in Montreal verbannt und nach Winnipeg versetzt. Nach sieben Jahren wird er zurück nach Montreal in seine alte Mannschaft zurück geordert und glaubt, noch einmal seiner Karriere so den nötigen Schub zu geben. Von sich überzeugter als je zuvor, kehrt ein selbstverliebter und selbstbewusster Ladouce, nach Jahren zurück, in dem Glauben, dass alle ihn mit offenen Armen empfangen werden. Als er an Weihnachten in der alten Heimat auftaucht, stellt er ziemlich schnell fest, wie er ersetzt wurde. Sein Status ist nicht mehr derselbe. Er ist nicht mehr der Sportler, mit Fanscharen. Er ist nur durch sein negatives Verhalten in Erinnerung geblieben und seine Fans und die einstigen Freunde lassen ihn spüren, wie sehr sein Verhalten damals alles zerstört hat und was er eigentlich verloren hat.

Nicht weinen. Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt. Zitat Seite 47

Handlung & Charaktere:
Der Autor Pierre Szalowski hat hier ein wundervolles Werk vollbracht. Seine Wortwahl und die Schaffung einer besonderen Atmosphäre sind ihm gelungen. Das leerstehende Luxushotel Saint- Régis vermittelt trotz mangelnder Gäste ein Geborgenheitsgefühl. Man spürt den Schutz, die Wärme und diese Vertrautheit. Trotz trauriger Ereignisse, die sich ergeben und auch die Hasstriaden und bissigen Bemerkungen gegenüber Ladouce, schafft der Autor immer wieder durch Situationskomik, diese Momente aufzulockern, ohne dem Leser den Sinn für das wirklich Wichtige zu rauben. Der Protagonist wird anfänglich sehr selbstbewusst dargestellt, doch schnell merkt man, wie einsam er wirklich ist, wie ihm von Seite zu Seite, die Wirklichkeit und auch seine eigene Person immer wieder vor Augen geführt wird. Jeder hält ihm einen Spiegel vor und er muss feststellen, dass der einstige Glanz schon lange verblasst ist. Zurück bleibt ein Mann, der seine besten Jahre mit Alkohol und wilden Partynächten so übertrieben hat, dass die großen Schlagzeilen schon lange nicht ihm gelten und die letzten Artikel lediglich seinen Absturz und seine Eskapaden zeigen. Er stellt fest, dass ehemalige Mannschaftskollegen und Freunde, lange vorher die Reißleine gezogen haben und ihr wahres Glück gefunden haben. Ladouce wird einerseits Einsam, ja sogar passagenweise jugendlich, kindlich naiv dargestellt, wenn er so vor dem Fernseher sitzend David Copperfield verfolgt oder gar sich wie ein schmollendes Kind verhält, das nicht das gewünschte Spielzeug erhält und andererseits als prolliger Starhockeyspieler, der komplett an Selbstüberschätzung leidet. Diese charakteristische Darstellung des Protagonistin macht ihn besonders. Er ist äußerlich erscheinend ein richtiger „Kerl“, der eigentlich nach Geborgenheit und Wärme sucht und feststellt, wie wertvoll einst die Freunde und die Familie waren und welche Bedeutung dieser Sport wirklich für ihn hatte. Als er Ladouce, den 7 jährigen Sohne eines Zimmermädchens im Hotel kennenlernt, beginnt er, über all die vergangen Jahre nachzudenken. Nicht nur an die rauschenden Nächte, sondern auch an den Ladouce, der er war, bevor der Ruhm ihm den Sinn geraubt hat.

Mein persönliches Fazit:
Das ist mein erster Roman vom Autor und ich muss sagen, der Titel hat mich schon angesprochen, weil er eben außergewöhnlich klingt. Aber was mich wirklich dazu bewegt hat, dieses Buch auch wirklich lesen zu wollen, war der Klappentext. Ein Profi Eishockeyspieler, der skandalös und wild gelebt hat und so ziemlich alles aufs Spiel gesetzt hat. Seinen Ruhm, sein Ansehen, das Vertrauen seiner Fans und auch den Glauben seines Vaters in seine sportlichen Fähigkeiten. Wie so oft spielt das Leben eben anders als man denkt und man kann am höchsten Punkt seines Lebens mit einem Mal alles verlieren was einem wichtig war. Dieses Buch zeigt den Kampf um den inneren Schweinehund und den langen Weg eines Sportlers auf der Reise zu sich selbst und der Wiederherstellung seines einstigen Ruhms. "Geld verdirbt den Charakter", das wird hier deutlich. Der Abstieg im Leben geht schneller als man denkt und man sollte stets im Umgang mit Anderen den Respekt voreinander wahren, egal wie weit man oben steht, um nicht sich selbst zu verlieren und vielleicht sogar, das wichtigste das uns halt gibt. Die Freunde und die Familie. Ein wahrer Pageturner, der mich überrascht hat. Ich werde mir definitiv noch „Bei Kälte ändern die Fische ihre Bahnen“ zulegen und lesen, da der Titel außergewöhnlich klingt und der Schreibstil des Autors mich begeistert hat, bin ich jetzt schon gespannt.
       
                                                               

© Rezension: Aygen


Über die Autorin: 
Pierre Szalowski lebt in Montreal und arbeitete als Pressefotograf, Journalist, Grafiker und Film- und Fernsehproduzent. Sein Romandebüt „Bei Kälte ändern die Fische ihre Bahnen“ (C.Bertelsmann 2010) erhielt den renommierten Grand Prix de la Relève littéraire Archambault und wurde in 10 Sprachen übersetzt.Mit „Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt“ knüpft er an diesen Erfolg an.

 


Quelle Vita Autorin + Coverbild:

Website © C.Bertelsmann Verlag, München, mit freundlicher Genehmigung des C.Bertelsmann Verlag, München und des Autors

Buch-Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat. 

© by Pierre Szalowski und C. Berteilsmann Verlag, München

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezi. Der Titel hat auch mich schon ein paar Mal überlegen lassen, das Buch auf die Wunschliste zu setzen. Jetzt bin ich überzeugt, danke!

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    1. Danke Fabella, kann das Buch nur empfehlen. Hat mir sehr gut gefallen.

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