Rezension | Herbsttagebuch | Kerstin Hohlfeld

Freitag, 25. Januar 2013 0 Kommentare

Herbsttagebuch
Von: Kerstin Hohlfeld

Verlag: Gmeiner Verlag
Genre: Roman, Unterhaltung, Frauen
Erscheinungsdatum : 2012
Ausstattung: Taschenbuch, 344 Seiten
ISBN13: 978-3-8392-1292-9

"Auf Regen folgt immer Sonnenschein"


Inhalt:
Rosa Redlich kann ihr Glück kaum fassen. Nach dem verkorksten "Glückskeksommer" geht es steil bergauf. Sie hat in Basti einen tollen Freund gefunden, der nebenbei auch noch Arzt ist. Die Schneiderwerkstatt ist gerettet und floriert bestens und ihre Karriere als selbstständige Schneiderin läuft sehr gut an seit der Modenschau vor dem "Schraders". Die Schauspielerin Eva Andrees hat trotz der damaligen Panne wieder ein von Rosa geschneidertes Kleid präsentiert und ihre Freundin Vicki, die mittlerweile eine bekannte Bestsellerautorin geworden ist, heiratete sogar in einer ihrer Kreationen. Seither hält viel Prominenz vor der kleinen Weddinger Nähstube.
Doch Rosa wäre nicht Rosa, wenn einfach alles so mir nichts, dir nichts nach Plan laufen würde.
Rosa findet in der verstaubten Bibliothek in Vicky's Haus ein altes Tagebuch von Augusta von Liesen, einer Vorfahrin ihrer Freundin Vicki. Neugierig und romanisch wie sie nun mal ist, macht sie sich daran, die schwierige Kurrentschrift zu entziffern und taucht ab in eine Zeit vor genau 100 Jahren. Ihr wird bewusst, dass sie so einiges mit der ebenfalls sehr romantisch veranlagten Augusta gemeinsam hat und ehe sie sich versieht, sind derer beiden Leben plötzlich miteinander verbunden.
Als dann noch unverhofft der bekannte Regisseur Leopold Weidenhain in der Schneiderei steht und Rosa mitteilt, dass er sie für ein neues Musical als Kostümdesignerin anheuern möchte, wird für sie aus künstlerischer Sicht ein Traum wahr. Doch sie ahnt noch nicht, in welche chaotische Dreiecksgeschichte sie da gerade hineinschlittert...

"Ich koche aus zwei Töpfen, esse aus beiden und kann mich nicht entscheiden, welche Suppe mir besser schmeckt. Und ich habe die ganze Zeit Bauchschmerzen dabei!" Seite 203

Handlung & Charaktere:
In "Herbsttagebuch" gehen die turbulenten Erlebnisse der verträumten Rosa Redlich weiter, die man zuvor in "Glückskekssommer" kennen- und liebengelernt hatte. Auch mit diesem zweiten Teil ist der Autorin Kerstin Hohlfeld wieder ein bezaubernder Roman gelungen, der für alle Liebhaber der leicht-lockeren Literatur etwas zu bieten hat. Gefühlvoll, romantisch, spritzig, frech und sehr humorvoll geht es zu und es ist wieder eine wahre Freude, an der Seite von Rosa durch die Geschichte zu reisen. Wieder erlebt man aus ihrer Sicht die Geschehnisse, ist wieder hautnah dabei und ihre verträumte Gedankenwelt - in der es wie gewohnt sehr durcheinander zugeht - sorgt wieder für viele amüsante Lesemomente.

Rosa hat ein Talent dafür, von einem Chaos in das nächste zu schlittern, sie scheint diese Momente geradezu anzuziehen. Grade erst alles ins Lot gebracht, fangen schon die nächsten Turbulenzen an. Das Tagebuch der Augusta von Liesen passt genau in Rosas romantische Welt, sie fühlt sich davon natürlich sofort angezogen. Und selbst der Leser kann sich dieser Faszination nicht entziehen, denn diese von Rosa so mühsam übersetzen Tagebuch-Ausschnitte ziehen sich wunderschön durch das ganze Buch. Sie werden in einer handschriftähnlichen Schrift dargestellt und man versinkt ebenfalls in diese Welt von vor 100 Jahren. Ein gelungener Mix zwischen alt und neu, der wirklich Lesefreude bereitet.

Aber auch in diesem Teil möchte man Rosa gerne immer wieder schütteln und rütteln und ihr sagen, dass sie die Augen aufmachen soll, dass die ihr Glück quasi selbst immer von sich schubst. Sie handelt oft recht impulsiv, redet schneller als sie denken kann und verletzt dadurch oft ihre Freunde, auch wenn sie dies beim besten Willen nicht beabsichtigte. Ihre Freundin Vicky bezeichnet sie gerne als einen Schmetterling, der gerade dorthin fliegt, wo es ihm am besten gefällt. Und immer wieder passt dies sehr gut, auch wenn Rosa dies gerne abstreitet. Der berühmte und auch ich gut aussehende Regisseur entführt Rosa in eine gefühlte Märchenwelt, er verdreht ihr den Kopf und verführt sie.

"Oh Mann! So eine geniale Geschichte habe ich das letzte Mal gehört, als mir meine Mutter vor 20 Jahren Aschenputtel vorgelesen hat! Und jetzt passiert es mir!!! Ein Prinz kommt und führt mich hinweg." Seite 105

... Hinweg in die schillernde Welt des Musicals. Das gefällt ihr sehr gut und der eher pragmatische Basti steht da plötzlich im Hintergrund.
Doch auch wenn sie oft recht flatterhaft erscheint, hat Rosa doch das Herz am rechten Fleck, wenn es darauf ankommt. Dies beweist sie, als sie sich im richtigen Moment statt für ein pompöses Leben für ihre Freundin Vicky entscheidet, als diese ihre Hilfe braucht, und ihr tatkräftig zur Seite steht.

Wie auch schon im ersten Band findet man hier eine durch die Autorin wunderbar gestaltete Charakteristik der Protagonisten. Niemand wird nur oberflächlich dargestellt, alle bekommen ihre Aufmerksamkeit und dies macht die Geschichte, die wieder in Berlin spielt, so authentisch. Eine Geschichte, die gerade den Nachbarn eine Strasse weiter passieren könnte...

"Ich habe bestimmt nicht alles richtig gemacht in letzter Zeit.
Nee, wahrscheinlich habe ich wieder traumwandlerisch jede Menge Mist gebaut. Aber diesen Erfolg, den habe ich mir hart erarbeitet, gegen Widerstände, gegen Neid und Missgunst. Und darauf bin ich stolz." Seite 297

Mein persönliches Fazit :
Wieder hat mich die Autorin Kerstin Hohlfeld mit ihrem Fortsetzungsroman "Herbsttagebuch" völlig begeistert. Ein lockerer, wunderschöner Frauenroman, mit dem man sich gerne auf dem Sofa einkuschelt, der für tolle, entspannte Lesestunden sorgt. Ich hatte glücklicherweise beide Bände (Glückskekssommer und Herbsttagebuch) zur Hand und konnte so direkt ohne Unterbrechung weiterlesen. Ich habe beide Bücher zusammen in zwei Tagen verschlungen. Und dies spricht definitiv FÜR die schönen Bücher. 

© Rezension: Alexandra

 
Quelle Vita Autorin + Coverbild:
© Gmeiner Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Gmeiner Verlages und der Autorin Kerstin Hohlfeld.
Buch Zitate: Die Seiten- bzw. Positionsangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Kerstin Hohlfeld

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