Rezension {Alexandra} - In Ewigkeit, Amen

Sonntag, 13. Januar 2013 0 Kommentare

In Ewigkeit, Amen
Von: Susanne Hanika

Verlag: Pendo Verlag (Piper Verlag GmbH )
Genre: Kriminalroman, Dialekt
Erscheinungsdatum: 1. Februar 2010
Ausstattung: Hardcover mit Schutzumschlag, 283 Seiten
auch als Taschenbuch verfügbar)
ISBN13: 978-3-86612-259-8
Preis: € 18,95 [D]

Taschenbuch: KLICK
Leseprobe: KLICK




Inhalt:
Beschaulich geht es zu im kleinen erzkatholisch bayrischen Dörfchen ..., wo ein jeder jeden kennt und der Metzger schon fast eine angesehene Persönlichkeit ist - wo doch sein Laden quasi die Zentrale für den allerneusten und brandheissesten Klatsch und Tratsch im Ort ist. Gut, seine Wiener sind fad und die Kirch' geht er auch ned, der Metzger, aber was soll's.
Doch mit der Beschaulichkeit ist es schnell dahin, als Lisa Wild mit ihrer Großmutter plötzlich neben der Leiche des Dorforganisten Wanninger steht. Der greißliche Wanninger, der greißliche...
Da wird dieser ausgerechnet in der Kirche ermordet und wer findet ihn? Natürlich die Oma! Ist ja auch ned die erste Leich', mit der die Wilds zu tun haben.
"Denn wie sollte man das nun wieder der Polizei erklären. Ausgerechnet unsere Weihwasserflasche, direkt neben der Leiche. Das ist doch verdächtig ohne Ende."
Seite 21
Lisa sieht einen großen Berg Probleme auf sich zurollen. Denn ihr Freund ist kein geringerer als der Kommissar Max, und Leichenfunde stärken nun mal nicht unbedingt die Beziehung, wenn man dazu auch gerade kein passendes Alibi vorzuweisen hat.
Und da der Max nun mal von auswärts kommt, dummerweise auch noch evangelisch ist und sich so gar nicht mit den dörflichen Gepflogenheiten auskennt, beschließt Lisa, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und nach dem Mörder Ausschau zu halten.
Ganz schön verzwickt, das Ganze. Und ehe sie sich versieht, begibt sie sich in große Gefahr ...

Handlung & Charaktere:
Susanne Hanika hat mit "In Ewigkeit, Amen" einen sehr humorvollen, amüsanten Dialekt-Krimi erschaffen, der einen wirklich immer wieder zum lachen bringt.
Etwas Probleme mag der Beginn des Buches bereiten. Hier driftet Lisa in ihrer Erzählung oftmals in die Vergangenheit ab und es fällt ab und an nicht leicht, ihr so schnell zu folgen. Es erscheint etwas verwirrend. Aber hier sollte man sich nicht so sehr aus dem Konzept bringen lassen. Eine passende Erklärung folgt im späteren Teil und man sieht klarer.
Die Hauptprotagonistin Lisa Wild, die bei ihrer Oma - genannt Wawa - lebt, erscheint so natürlich frisch, das es eine Freude ist, ihr durch das kleine bayrische Dörfchen zu folgen. Erzählt wird die Geschichte aus Lisa's Sicht ("ich"-Persepktive), und genau dies gibt dem Roman die nötige Würze. Ihre Gedanken kommen frei von der Leber weg, sind witzig, frech und sie besitzt zudem eine gehörige Portion Ironie, was immer wieder für Schmunzler während des Lesens sorgt.
Von Beruf ist Lisa ja eigentlich Journalistin und sie schreibt für die hiesige Lokalzeitung, aber wie es halt so läuft im Leben - sie rasselt da urplötzlich in eine verzwickte Geschichte. Ausgerechnet ihre Großmutter muss eine Leiche in der Kirche finden. Dummerweise ist es auch nicht die erste Leiche, mit der die Wilds zu tun haben und von daher ist das Getuschel und Getratsche im Dörfchen groß. Lisa hatte die Erlebnisse mit der damaligen Leiche geistig vollkommen verdrängt (immerhin war dies ja auch schon 12 Jahre her...), doch nun drängt alles ganz langsam wieder an die Oberfläche. Gibt es hier vielleicht Zusammenhänge? Waren sie doch beide immerhin Orgelorganisten...
Es gibt kein Alibi für sie oder ihre Oma und ehe sie sich versieht, sind die Wilds die Hauptverdächtigen. Das kann Lisa nicht einfach so auf sich sitzen lassen und so ermittelt sie halt auf ihre ganz eigene Weise und man möchte sich da manchmal einfach kugeln vor Lachen :-)
Lisa erscheint sehr sympathisch und man muss sie einfach mögen.
Einerseits versucht sie ja, diesem Urbayrischen, extrem Christlichen etwas zu entfliehen und bricht die strengen "Regeln", wie zum Beispiel kein Sex vor der Ehe, kein Freund, der die SPD wählt und der erst recht kein Lutheraner ist.
"Ich hatte der Großmutter auch noch nicht gestanden, dass der Max evangelisch ist. Das war noch schlimmer, als SPD zu wählen. Das war der religiöse Super-GAU, ihre Enkelin mit einem Lutherischen."
Seite 34
Aber immer wieder merkt man halt auch ihr an, dass sie in diesem kleinen Dörfchen aufgewachsen ist und diverse Traditionen ungefragt angenommen hat. So stellt sie sich halt auch gerne mal zum Dorftratsch in die Apotheke oder zum Metzger - denn spätestens hier erfährt man quasi alles, wer was wann wo gesagt oder getan hat.
Die Dialoge zwischen den Dorfbewohnern werden oftmals im Dialekt wiedergegeben, was aber sehr passend ist und auch für den Nicht-Bayern lesbar und nachvollziehbar ist. Und wenn's halt dann doch mal arg ist, hat die Lisa auch eine Übersetzung parat, denn ihr Max ist ja auch Ortsfremd und oftmals mit den Gepflogenheiten und mit der Sprache schlichtweg überfordert.
"Da hab i ma denkt, etzt, etzt sag i's eam amal."
Max sah mich verständnislos an.
"Jetzt sagt sie es ihm einmal", übersetzte ich.
Seite 44
Ihr Verhältnis zur Oma, bei der sie aufgewachsen ist, ist einfach herzlich und sehr, sehr witzig. Die Oma erscheint sehr skurril, teils verwirrt - doch in den wichtigen Momenten sieht sie völlig klar und liefert den ein oder anderen entscheidenden Hinweis. Oft raubt sie der Lisa fast den letzten Nerv und doch passen die beiden einfach prächtig zusammen.
Das Dorfleben selbst mag vielleicht auf den ersten Blick etwas überzogen erscheinen, aber wenn man genauer darüber nachdenkt oder womöglich selbst in so einem kleinen Dörfchen aufgewachsen ist, der weiß, dass in allem Dargestellten doch viel Wahrheit dahintersteckt.


Mein persönliches Fazit :
Zugegebenermaßen hatte auch ich meine Probleme zu Beginn. Ich konnte erst nicht so recht in die Geschichte finden, da ich etwas verwirrt über die Vorgänge war. Ich war sogar kurzfristig der Meinung, ich würde einen zweiten Band lesen und hätte etwas verpasst. So legte ich das Buch eine Weile beiseite und begann nochmals zu einem anderen Zeitpunkt. Und dies bereue ich keine Minute.
Nun war meine Stimmung besser für dieses Buch, ich konnte mich viel besser darauf einlassen und habe mich einfach nur köstlich amüsiert. Ein großer Lesespass mit einer absolut liebenswerten, amüsanten und ironisch-frechen Protagonistin, die mich für eine Weile mit in das kleine urig-bayrische Dörfchen nahm und mich zum Lachen brachte.
Ihre etwas unkonventionelle Art, als Hobby-Ermittlerin aufzutreten, ist einfach herrlich erfrischend.
Eine uriges und doch auch auf seine ganz spezielle Weise charmantes Dörfchen, dass man so wohl nicht nur im tiefsten Bayern, sondern überall in ganz Deutschland finden kann.
Ich denke, hier werden viele das Buch zuschlagen und sagen: "ja, ja, so ein Dörfchen, das kenn´ ich auch!"
Mittlerweile sind schon zwei weitere Folgebände erschienen und ich möchte nun wirklich wissen, wie es mit Lisa Wild weitergeht, welche Erlebnisse nun auf sie warten.

© Rezension: Alexandra 


Über die Autorin:
Susanne Hanika wurde 1969 in Regensburg geboren, wo sie auch heute mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt.
Nach dem Studium von Biologie und Chemie promovierte sie in der Verhaltenspsychologie und arbeitet als Wissenschaftlerin im Zoologischen Institut der Universität ihrer Heimatstadt. "In Ewigkeit, Amen" ist ihr erster Roman.





Quelle Vita Autorin + Coverbild:
© Piper Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Piper Verlages und der Autorin Susanne Hanika
Buch Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Susanne Hanika

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