Rezension: Drei Songs Später

Mittwoch, 6. März 2013 2 Kommentare


Drei Songs Später
Autorin: Lola Renn

Verlag: Bloomoon Verlag
Genre: Jugendbuch
Empfohlenes Alter: ab ca.14 Jahre
Erscheinungsdatum: 05. Februar 2013
Ausstattung: Gebunden, 160 Seiten
ISBN13: 978-3-7607-9913-1

Manchmal gehen Träume in Erfüllung – doch nie von selbst!

Ein junges Mädchen droht unterzugehen, zu ersticken: an den Anforderungen der Schule, ihres cholerischen Vaters und der Fügsamkeit ihrer Mutter. Doch dann nimmt sie all ihre Kraft zusammen und springt in ein selbstbestimmtes Leben – gegen alle Widerstände... (Aus der Buchbeschreibung)

Ein kleiner Einblick:

Die fünfzehnjährige Zeta ist am Boden zerstört. Alles scheint schief zu laufen. Ihr schulischen Leistungen sind schlecht und trotz vieler Nachhilfe ist keine Besserung in Sicht. Ihre Eltern - und ganz besonders ihr Vater - ist darüber nicht erfreut. Da ihr Vater sehr launisch ist, reagiert er auf die schlechten Noten sehr ungehalten. Vor allem, als Zeta und auch ihr Lehrer ihn bitten, sie auf eine tanzorientierte Schule gehen zu lassen. Denn das ist es, was Zeta möchte - Ballett tanzen. Doch dies kommt laut ihrem Vater leider überhaupt nicht in Frage.

Zudem scheinen die Probleme mit ihren Eltern langsam, aber sicher zu eskalieren. Alkohol beherrscht mittlerweile den Familienalltag und Ärger, Diskussionen und Schreierei gehören zur Tagesordnung. Zetas Mutter duckt sich und sieht weg. Als Zeta wieder mit dem Vater zusammenprallt, sieht sie keinen anderen Ausweg mehr und trifft eine schwerwiegende Entscheidung ...

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die Autorin Lola Renn hat mit "Drei Songs später" ihr Debüt vorgelegt, dass im neuen Jugendbuch-Verlag "bloomoon" ( ein Imprint des Verlages ars:Edition) erschienen ist. Gerade mal 160 Seiten hat dieses schmale Hardcover-Buch, aber diese relativ kurze Geschichte hat es gewaltig in sich. Die Autorin hat ein brisantes Thema aufgegriffen und sehr ansprechend verarbeitet. Kernpunkt in diesem Buch ist der Alkoholismus in Familien - leider ein dauerhaft aktuelles Thema, denn - oder auch gerade - in unserer schnelllebigen und hektischen Zeit tritt dies sehr oft auf. Manchmal ist es nur ein Elternteil, manchmal aber sogar beide, die dem Alkohol zugesagt haben und die Realität dabei völlig aus den Augen verlieren. Sehr dramatisch ist es dann natürlich, wenn Kinder vorhanden sind, die unter diesem Alkoholproblem der Eltern mit all seinen unschönen Folgen leiden müssen. Wie diese Folgen sich auf die Kinder auswirken, ist natürlich sehr unterschiedlich.

Es wird sehr viel in Dialog-Form geschrieben, dass man das Gefühl bekommt, mitten im Geschehen zu sein, mit den Personen an einem Tisch zu sitzen und deren Gespräche zu lauschen. "Drei Songs später" wird aus Sicht der 15-jährigen Zeta in der ich-Form erzählt, was uns Lesern natürlich einen tiefen Einblick in ihr Gefühlschaos, in ihr innerliches Leiden gibt. Zeta versucht, sich vollkommen abzuschotten und ist in sich gekehrt. Durch die spezielle, etwas emotionslose und kurz angebundene Schreibweise der Autorin wird dieser Eindruck von Zeta bewusst verstärkt. Sie lässt keine Emotionen an sich heran. Ihrer Freundin Sara vertraut sie sich natürlich oft an, aber auch dies erfolgt mehr als Bericht ihrerseits, nicht als Hilferuf. Erst ihr Lehrer und dann ihr Freund Micha, zu dem sie sich sehr hingezogen fühlt, können ihr mehr entlocken, bis sie sich ihnen schließlich vollkommen anvertraut. Auch Sara's Mutter ist ihr eine unglaublich große Hilfe, als es darauf ankommt. Von diesen Menschen lernt Zeta, dass es auch anders sein kann, dass sie diesen Zustand in ihrer Familie nicht hinnehmen muss. Und vor allem lernt sie die Liebe kennen.

Im ersten Moment mag man denken, dass dieses Buch doch sehr "herzlos" geschrieben ist, dass man sich mehr Emotionen gewünscht hätte - aber genau dieser gewählte Schreibstil gibt dem schweren Thema die nötige Würze, um sich ins Bewusstsein des Lesers zu arbeiten.

Traurig, brisant und in seiner Kürze doch voller Potential, die eigenen Augen zu öffnen und seine Mitmenschen, Freunde, Nachbarn wieder bewusster zu sehen - und zu helfen, wenn es darauf ankommt - Lola Renn's Botschaft kommt an.

Zur Aufmachung selbst muss ich sagen, dass ich es sehr schade finde, keinerlei weitere Informationen im Buch zu finden. Es gibt leider keine Autoren-Vita und vor allem kein Nachwort zur Recherche etc, was bei dieser Art von Thema natürlich sehr angebracht und wünschenswert gewesen wäre.

Kurz und gut - mein persönliches Fazit

Eine kurze, traurige und doch auch so hoffnungsvolle Geschichte des Alltags, die auch jungen, womöglich selbst betroffenen Lesern vermitteln soll, dass sie nicht alleine sind mit ihren Problemen, dass es immer jemanden gibt, der hilft - wenn man sich nur jemandem anvertraut, egal ob Nachbarn, Lehrer oder auch öffentliche Anlaufstellen und Telefon-Seelsorge. Hauptsache, man redet darüber! Ein bisschen Mut, der das Leben verändern kann. Schnörkellos, knapp und direkt ging mir Zetas Geschichte direkt ins Herz.

© Rezension: Alexandra Zylenas

Kommentare:

  1. Eine schöne Rezi die du da verfasst hast ♥
    Ein Buch mehr auf meiner Wunschliste. :-)

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  2. Toll geschriebene Rezension (wie immer ;-)).
    Das Buch bringt einen bestimmt zum Nachdenken.
    Werde es auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, es klingt wirklich gut.

    Liebe Grüße
    Vanessa

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