Rezension { Sabeth } - Alle meine Wünsche

Sonntag, 17. März 2013 0 Kommentare



Alle meine Wünsche

Von Grégoire Delacourt
Originaltitel: La liste de mes envies; erschienen in Frankreich 2012
Übersetzung ins Deutsche: Claudia Steinitz
Roman aus Frankreich
Erscheinungsdatum in Deutschland: 12.09.2012
Ausstattung: Hardcover, 128 Seiten
ISBN-13: 978-3-455-40384-8
Preis: 15,99 €

Leseprobe: KLICK
Lottogewinn mit Folgen

Wie oft träumt man davon, doch wenigstens einmal im Leben den großen Coup zu landen und beim Lottospiel so richtig abzuräumen. Was man mit dem ganzen Geld machen würde… Diesen Traum haben viele Menschen, aber was geschieht, wenn ein Mensch im Lotto gewinnt, der eigentlich nie spielt und sich ein einziges Mal dazu überreden lässt und auch noch gewinnt. Davon handelt der Roman „Alle meine Wünsche" von Grégoire Delacourt.

Eine Frau, Jocelyne,  mittleren Alters, verheiratet und zwei Kinder, selbständig und Bloggerin. Diese Frau führt ein ganz normales Leben, bis sie von zwei jungen Frauen dazu überredet wird, Lotto zu spielen. Was niemand ahnt, dass Jocelyne den Hauptgewinn macht. Sie erzählt niemandem davon, denn sie weiß nicht so recht, was sie mit dem vielen Geld machen soll und vor allem möchte sie ihren Alltag behalten. Sie möchte nicht, dass Menschen die Freundschaft zu ihr suchen, weil sie hoffen, von dem großen Kuchen etwas abzubekommen.
Was einen Leser so richtig verblüffen lässt, ist die Situation der Frau, denn sie ist in ihrer Ehe nicht wirklich glücklich; dafür liebt sie aber ihren kleinen Laden – sie verkauft unter anderem Knöpfe – und sie liebt es um Rat gefragt zu werden. Sie hat sich eine eigene Bloggerseite eingerichtet, wo Menschen die Möglichkeit haben ganz konkret nach bestimmten Techniken in der Handarbeit zu fragen oder auch um Rat, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Diese Frau hat immer ein offenes Ohr für andere, gleichgültig wie ihre private Situation ausschaut. All das möchte sie auf keinen Fall aufgeben. Irgendwann ringt sie sich dazu durch, ihrem dementen Vater, der alles in 6 Minuten vergisst, von ihrem Gewinn zu erzählen. Er freut sich für seine Tochter, hat es aber im nächsten Augenblick wieder vergessen und nun nimmt das Schicksal seinen Lauf. Wird das viele Geld ihr Leben verändern oder schafft sie es, das alles beim Alten bleibt?

Schon die ersten Zeilen des Romans „Alle meine Wünsche" laden dazu ein, weiter zu lesen, denn man wird mit der Wahrheit konfrontiert, die da lautet „Man lügt sich immer an."[1] Nun kommt eine kleine Ausführung aus Sicht der Protagonistin, wann und wo sie sich anlügt und gerade Frauen können sich gut darin erkennen.
Zunächst steht im Mittelpunkt dieses Romans das Leben, Denken und fühlen der Hauptfigur und erst deutlich später kommt der Lottogewinn. Diese Reihenfolge ist ganz gut, denn so können Leser deutlich besser nachvollziehen, warum sich diese Frau mit diesem Gewinn so schwer tut.
Was zunächst wie ein Beziehungsroman daher kommt, und in dem Moment, wenn der Leser über diesen Gewinn erfährt, glaubt man, dass sich nun alles zum Guten wendet, aber was ist das Gute? – entpuppt sich als ein Buch mit grundsätzlichen Fragen und auch der Leser kommt ins Nachdenken über sich und grundsätzlich. Natürlich träumen viele Menschen vom großen Reichtum, aber wenn dieser Reichtum eintritt, kann man sich dann seiner Beziehungen noch sicher sein oder wird man nicht zu einer Gefangenen des Geldes?
„Denn wenn man Geld hat, wird man plötzlich geliebt."[2]
Der Schreibstil des Autors Grégoire Delacourt, der 1960 in Nordfrankreich geboren wurde, ist etwas ungewöhnlich, denn beispielsweise wird fast nie wörtliche Rede dementsprechend gekennzeichnet und man weiß häufig nicht, ob es sich um Gedankengänge handelt oder um einen reellen Dialog. Dies ist ein wenig verwirrend aber nach und nach durchschaut man, was Dialog und was innere Vorgänge sind.

Was mich wirklich zum Erstaunen gebracht hat, als ich mir den Klappentext anschaute und festgestellt habe, dass ein Mann diesen fein ausgearbeiteten Roman geschrieben hat. Grégoire Delacourt schreibt sehr einfühlsam und blickt tief in die Seele einer Frau. Das zeigt: Männer sollte man niemals unterschätzen.


© Rezension: Sabeth
Gastrezensentin im Bücherkaffee



Bildquelle: www.buchkatalog.de




[1] Vgl. Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche. Hoffmann und Campe 20123. Seite 7
[2] Vgl. Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche. Hoffmann und Campe 20123. Seite 44


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