Rezension: Bis es dunkel wird

Mittwoch, 10. April 2013 0 Kommentare

Bis es dunkel wird

Autor: Kevin Brooks
Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
Aus dem Englischen übersetzt von: Uwe-Michael Gutzschhahn
Genre: Krimi
Erscheinungsdatum: April 2013
Ausstattung: Taschenbuch, 400 Seiten
ISBN13: 978-3-423-21431-5

Rezension zu Band 1 "Schlafende Geister" --> KLICK


Ein kleiner Einblick

Privatdetektiv John Craine fühlt sich nach seinem letzten Fall völlig ausgebrannt und beschließt, sich für einen Urlaub zurückzuziehen und einfach mal die Stadt zu verlassen. Er reist nach Hale Island und Bucht in da Hotel ein, dass er als Kind auf den Familienreisen schon immer mit seinen Eltern bewohnt hat. Mittlerweile ist es schon etwas heruntergekommen, aber dies stört John nicht, passt es doch gerade so hervorragend zu seiner schlechten Stimmung. Ganz ohne Hintergedanken ist er natürlich nicht nach Hale Island gereist: Er hat herausgefunden, dass die die ehemalige Geliebte seines verstorbenen Vaters, Serina Mayo, hier lebt - und dass sie eine mittlerweile neunzehnjährigen Tochter namens Robyn hat. John vermutet, dass sie seine Halbschwester sein muss und genau dies möchte er herausfinden.
John stellt schnell fest, dass Robyn ein Junkie ist. Da er selbst seit dem Tod seiner Frau immer wieder zu Drogen greift, kennt er die ganzen Symptome nur all zu gut.

"Hohläugig und ausgemergelt, die gefärbten blonden Haare Stumpf und brüchig, ihre Schönheit genauso herb wie die ihrer Mutter...
Sie war ein Junkie.
Sie sah aus wie ein Junkie, sie ging wie ein Junkie."
Seite 13

Er beobachtet sie und bemerkt dabei auch die zwielichten Gestalten, mit denen sie sich trifft. Dann entdeckt er bei einem Spazierganz am Strand in einem alten Bunker die Leiche eines jungen Mädchens. Als die Polizei eintrifft, ist die Leiche plötzlich verschwunden! Wie kann das sein? Alkohol und Drogen zermartern ihn gerade, aber solche Halluzinationen kann er nicht gehabt haben. Er zweifelt keine Minute daran, diese Leiche gesehen zu haben und beginnt, auf eigene Faust nachzuforschen...

Meine Gedanken zu dem Buch:

Den Namen Kevin Brooks verbinden viele Leser sicher sofort mit der Jugendliteratur, denn dies war und ist über Jahre hinweg seine "Königsdisziplin". Innerhalb von sieben Jahren wurde Kevin Brooks fünfmal für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert - zweimal hat er diese Auszeichnung auch erhalten. Im Jahr 2006 für ›Lucas‹ und dann im Jahr 2009 für ›The Road of the Dead‹. Seit 2011 schreibt Brooks nun auch Bücher für Erwachsene. Den Privatdetektiv John Craine durften wir 2012 in "Schlafende Geister" kennenlernen - nun ist er zurück und begeistert uns wieder in "Bis es dunkel wird". Wir treffen hier wieder auf den Privatdetektiv, aber es sei gesagt, dass man dieses Buch auch durchaus alleinstehend lesen kann. Brooks hat es verstanden, gekonnt informative Rückblenden einzubauen, die einem die nötigen Vorkenntnisse zur Person selbst liefern.

John Craine ist in seiner Charakteristik einfach bemerkenswert authentisch dargestellt. Er ist im Kopf noch sehr mit seinem alten Fall beschäftigt und er schafft es einfach nicht, seine Trauer und seinen Frust über den schmerzlichen Verlust seiner Frau Stacy zu überwinden, die vor sie zehn Jahren grausam ermordet wurde. Obwohl schon einige Zeit ins Land gezogen sind, ist sie ihm immer noch so präsent und es scheint ihm fast den Verstand zu rauben. Er redet mit ihr (oder umgekehrt) und diese Dialoge können wir als Leser verfolgen. Sie offenbaren und ein Blick auf seinen inneren Schmerz und seinem Wunsch, ihr und dem noch ungeborenen Kind wieder nahe zu sein.  Alkohol und Drogen beherrschen momentan sein Leben und er sorgt dafür, niemals zu nüchtern zu werden.

Allerdings muss er feststellen, dass ihn dies sehr in seiner Arbeit als Privatdetektiv einschränkt und dass sich seine Widersacher genau das zunutze machen. Halluzination oder Realität? Manchmal ist sich Craine in der Tat unsicher ...Wem kann er Vertrauen, wem besser nicht? Wer steckt alles in dieser Sache mit drin, die angeblich nie stattgefunden hat?

Was soll ich über den Schreibstil sagen? Wer schon einmal ein Buch von Kevin Brooks gelesen hat, der weiß, dass dieser Autor es beherrscht, Spannung aufzubauen, mit wenigen Worten etwas faszinierendes zu schaffen, dass einen geradezu ans Buch fesselt und nicht mehr loslassen mag. Aus der Sicht von Craine in der ich-Perspektive geschrieben, bekommt man viel Einblick in dessen chaotische Gedankenwelt und leidet automatisch mit ihm. Aber seine etwas raue Art und sein ganzes Auftreten lassen im Kopf des Lesers den typischen Privatdetektiven entstehen - dunkel, mürrisch und verschroben, mit Zigarette im Mundwinkel. Craine verkörpert den typischen Privatdetektiven schlechthin!

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

Ich muss gestehen: Kevin Brooks hat mich gepackt! Ich habe diesen Krimi um den Privatdetektiven John Craine von der ersten bis zur letzten Seite in vollen Zügen genossen. Ein Krimi, dessen düstere, vergangene Stimmung der Thematik gerecht wird und dem es auch definitiv nicht an Spannung mangelt - ich habe das Buch direkt an einem Stück gelesen, weil ich es nicht aus der Hand legen wollte!

© Rezension: Alexandra Zylenas

[alexandra]

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