eBook-Rezension {Alexandra} - Die Elefanten meines Bruders

Mittwoch, 1. Mai 2013 0 Kommentare


Die Elefanten meines Bruders
Autor: Helmut Pöll

Verlag: Selfpublishing
Genre: Roman
Erscheinungsdatum: 24.12.2012
Ausstattung: ca 194 Seiten / eBook
ASIN: B009SAHULK
Preis eBook: € 2,99 [D]

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Ein Roman über ADHS und einen Zirkusbesuch, der nie stattgefunden hat.

Aus dem Klappentext des Buches:
Billy Hoffmann ist elf und findet es doof, dass zwischen seinem Vor- und Nachnamen kein „Tiee“ steht wie bei einem Amerikaner. „Tiee“ stünde für Trevor oder Timothy, was ziemlich cool wäre. Sein größter Wunsch ist es, mit seinem großen Bruder Phillipp in den Zirkus zu den Elefanten zu gehen. Das kann er aber nicht, weil der Bruder am Vorabend der Vorstellung überfahren wird.Mit seinen elf Jahren leidet er an ADHS. Aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitätssyndrom. „Das habe ich aber gar nicht“, sagt er. „Ich habe nur viel Energie“. Deshalb rennt er auch zwanzigmal um die Säule vor der Tiefgarageneinfahrt, bis seine Mutter das Auto geholt hat - und muß zwanzigmal in anderer Richtung zurückrennen, bevor er einsteigen kann.
Die Welt der Erwachsenen erlebt er als willkürlich und zutiefst verstörend. Auf keinen Fall erstrebenswert.
Erwachsene haben ja oft Migräne. Das kommt, wenn das Hirn nicht mehr so leistungsfähig ist wie bei einem Kind. Dann warten die Erwachsenen auf schlechtes Wetter und bekommen Migräne.
Von Beruf will er später mal Spaziergänger werden, vielleicht auch Raumkreuzerkommandant. Sein Rüstzeug für den Umgang mit der Realität bezieht Billy haupsächlich aus Filmen. Er ist eine wandelnde Filmdatenbank und antwortet auf Fragen, wenn möglich, mit Filmzitaten seiner Helden. Das gibt ihm Sicherheit. Aber so verschwimmen Fiktion und Wirklichkeit immer mehr miteinander.

Meine Gedanken zu dem Buch:

Der Autor Helmut Pöll hat mit mit dieser Geschichte "die Elefanten meines Bruders" ein Werk erschaffen, dass ein Tür öffnet in die Welt eines Jungen, der unter ADHS leidet, der hochgradig hyperaktiv ist. Billy Hoffmann ist 11 Jahre alt, wird bald 12 und hat so einiges zu verarbeiten. Sein Bruder, der vor fünf Jahren bei einem Unfall ums Leben kam, ist in seinen Gedanken meist zentraler Mittelpunkt. Er vermisst ihn sehr und sein letztes Andenken an seinen Bruder hütet er wie einen Schatz. Dieses Andenken ist wie eine letzte Türe zu Patrick, die er nicht schließen möchte und auch nicht schließen kann.
Billy selbst sieht sich nicht krank, wie seine Eltern und auch seine Psychologin glauben, er hat einfach nur zu viel Energie, die er verarbeiten muss.
Der junge Billy erzählt in diesem Buch seine eigene Geschichte und lässt uns teilhaben an seinem Leben, gewährt uns Einblicke in seinen Alltag, in seine Probleme, in seine schönen Momente und wir erfahren, was er mag, was er nicht so gerne mag und was in regelrecht in Rage bringt. Billy ist sehr lebenslustig, neugierig und aufgeweckt und sehr "Naseweis" und durch seine immer wieder sehr ironische Art würzt er seine Geschichte mit einer grossen Portion Humor.
Die Sprache ist der eines elfjährigen Jungen sehr angepasst, umgangssprachlich und immer mal wieder lapidar und der Stil spiegelt einfach grandios seine Unruhe, seine Hektik wider. Oft sind die Sätze kurz, wie abgehackt und auch der Inhalt ist immer wieder sprunghaft, so wie auch Billys Gedanken. Wenn sein "Fusionsreaktor" in den roten Bereich gerät, überträgt sich das durch diesen Schreibstil geradezu auf den Leser und man kann sich in etwa vorstellen, was in Billys Kopf gerade vor sich geht. Ich selbst habe in der Tat auch immer wieder Herzklopfen bekommen, sprich: ich habe regelrecht mitgefiebert mit Billy und ich konnte so manches Mal nachvollziehen, wenn er mit seinem "Todesstern auf Raumpatroullie" gehen musste, sprich: durch die Wohnung Rasen musste, bis die überschüssige Energie abgebaut war und er wieder zur Ruhe kam.
"Manchmal habe ich Ideen, die ich nicht mehr aus meinem Kopf bringe. Ich sage mir dann, denke nicht an XY, aber dann denke ich extra an XY und dann drehe ich total durch und muss eine Stunde mit dem Todesstern durch die Wohnung rasen."
eBook Pos. 982
Seine Gedanken sind immer wieder gestochen scharf und er treibt seine Eltern, seine Lehrer und auch seine erste Psychologin gerne in die Enge mit seinen vielen Fragen. Dabei will er doch einfach immer nur klare Antworten. er kann die Erwachsenen in vielen Dingen nicht verstehen - das "Drumherumreden" gehört für ihn da definitiv mit dazu.
Es ist ein faszinierendes Leseerlebnis, seinen Gedankengängen zu folgen, denn auf seine ganz persönliche Art ist er sehr, sehr intelligent. Er "schlaumeiert" auch sehr gerne, was ihm in seinem Umfeld immer wieder Minuspunkte einfährt.
Aber alte schwarz-Weiss-Filme wie Miss Marple, Pistazieneis und seine liebe Freundin Mona können ihn immer wieder besänftigen.
"Bunte Filme regen mich oft auf. Vor allem wenn sie schnell geschnitten sind. Dann werde ich zappelig, muss von meinem Stuhl aufspringen und renne wie irre in meinem Zimmer herum, bis meine Mutter hereinschießt und den Fernseher abstellt."
eBook Pos 122
In dieser Geschichte werden gleich zwei ernste Themen verarbeitet - zum einen der Umgang mit dem Verlust seinen Bruders, zum anderen das Leben mit ADHS. Und doch schafft es Herr Pöll, dies dem Leser mit einer faszinierenden Leichtigkeit zu vermitteln, dass man zwar permanent darüber nachdenkt und auch mit Billy mitfühlt, aber trotzdem nicht so schwer mit der Thematik belastet wird. Und dies gefällt mir besonders gut. Ich bin eingeladen, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, mir meine Gedanken dazu zu machen und evtl. auch mit anderen über das Gelesene zu diskutieren - aber es erdrückt mich nicht, wie es Geschichten dieser Art gerne mal tun. Ich hatte nach Beenden des Buches noch lange Billys Geschichte im Kopf. Es hallt noch lange nach, aber eben auch die lustigen Momente, die schönen Momente in seinem Leben.


Kurz & gut - mein persönliches Fazit

"Die Elefanten meines Bruders" hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen, ich habe Billy und auch seine Freundin Mona sofort in mein Herz geschlossen.
Ein wirklich grandioses Werk, dass nicht mit Spannungsmomenten trumpfen muss, sondern dass mich einfach ein Lebensjahr lang an Billys doch sehr energiegeladenen Leben teilhaben ließ. So authentisch, so ernst und auch immer wieder auf subtile Weise sehr gesellschaftskritisch - und doch mit einem sehr liebenswerten Humor gewürzt, wurde dieses Werk für mich zu einem echten Leseereignis. Mich hat Billys Geschichte nicht mehr losgelassen, daher von mir eine ganz klare Leseempfehlung!
© Rezension: Alexandra Zylenas


Über den Autor:
Helmut Pöll wurde 1964 in Moosburg an der Isar geboren. Nach einer Ausbildung zum Tageszeitungsredakteur arbeitete er als Softwareentwickler und IT Consultant. Helmut Pöll lebt in München.
© http://www.dieelefantenmeinesbruders.de/bio

Klappentext, Vita Autor + Coverbild:
© Helmut Pöll mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pöll.
© Mariana Wolfschoon (Cover)
Buch Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Helmut Pöll

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