Rezension {Antje} - Immer wieder das Meer

Samstag, 18. Mai 2013 0 Kommentare


Immer wieder das Meer

Autorin:
Nataša Dragnić

Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur
Erscheinungsdatum: 2. Auflage 04/2013
Ausstattung:  Hardcover, 368 Seiten
ISBN13: 978-3421045829
Preis Printausgabe: €  19,99 [D]
Preis eBook: €  15,99 [D]

Leseprobe: KLICK 
Website: KLICK

Über das Buch

Die Leichtigkeit, die das Covermotiv suggeriert, findet man im Buch nicht wieder. Auch mit ihrem zweiten Roman präsentiert die Autorin kein Buch für nebenbei, sondern eines, in dem eine ganze Bandbreite an Gefühlen angesprochen wird. Dafür muss sie noch nicht einmal spektakuläre Handlungssequenzen bemühen. Vielmehr legt sie ihren LeserInnen einen Roman vor, in dem das Leben beschrieben wird.

Dragnić rollt dabei die Geschichte quasi vom Ende her auf. Als LeserIn begleitet man über mehrere Jahre hinweg eine Familie. Handlungen, die sich über mehrere Jahre hinweg ziehen, beinhalten oft Zeitsprünge, die etwas Konzentration erfordern. Dies gilt auch für Dragnićs aktuellen Roman.

In dem verlieben sich drei sehr verschiedene Schwestern in ein und denselben Mann. Alle drei gehen eine Beziehung mit ihm ein, eine von ihnen heiratet ihn. Der Roman beginnt mit der Hochzeit, ist jedoch  gespickt mit Rückblenden auf das Leben der drei Schwestern. Neben eifersuchtsbedingten Querelen bleiben zahlreiche familiäre Schicksalsschläge nicht aus. Krankheit und Alter spielen eine Rolle und machen deutlich, dass es um mehr als problematische partnerschaftliche Beziehungen geht. Die Familie schweißt alle zusammen, egal was geschieht.

Das Buch hat eine sehr schwermütige Grundstimmung, geht es doch in weiten Teilen nicht nur um die Sehnsucht und Suche nach der großen Liebe und darum, dass bestehende Gefühle nicht gelebt werden dürfen oder sukzessive ersticken. Dragnić lässt ihren Figuren nicht nur herbe Enttäuschungen erleben, sondern zudem einige Schicksalsschläge einstecken. Verluste sind omnipräsent. Das fällt besonders auf, weil bestimmte Figuren aufgrund der Zeitsprünge und Perspektivwechsel quasi zwei Mal gehen. Letzteres kann bisweilen für Verwirrung sorgen.

Obwohl ich nicht wirklich den Finger darauf legen kann, wirkt die Darstellung durchweg aller Charaktere nicht immer authentisch auf mich. Zu wenig nachvollziehbar erscheint mir manches Mal ihr Handeln. Vielleicht liegt es daran, dass ihnen insgesamt zu viel widerfährt? Hinzu kommt, dass besonders Allesandro bei mir aufgrund seines Verhaltens nicht mit Sympathie punkten konnte. Sieht man von seiner Begeisterung für die Kunst und ihre Geschichte ab, wirkt er unscheinbar, eher leidenschaftslos und zu passiv. Wirklich nachempfinden, was genau ihn so anziehend für alle drei Frauen macht, konnte ich nicht. Und dennoch: Authentizität, Passivität und Sympathie hin oder her - lebendig wirkten trotzdem alle Figuren und auch wenn es manchmal fast zu viel Drama ist, kann man weitestgehend mit ihnen leiden und fühlen.

Was ich sehr gelungen fand, war die innere Zerrissenheit der Schwestern. Diese wird durch den Schreibstil der Autorin, der in weiten Teilen von kurzen Sätzen geprägt ist, sehr deutlich.

Doch obwohl die Autorin auf gelungene Art ein breites Spektrum an Gefühlen transportiert, birgt der Roman einige Längen, die durch aus Perspektivwechseln und Zeitsprüngen resultierenden Wiederholungen entstehen. Diese Längen wiederum werden nur teilweise durch die Zeitformen aufgefangen, die die Autorin für ihren Roman gewählt hat. Ein Teil der Geschichte wird in der Gegenwart von der Schwester erzählt, die Allesandro gleich eingangs heiratet, die Rückblenden in der Vergangenheit und aus verschiedenen Perspektiven. Das hat immer wieder dafür gesorgt, dass ich an der Geschichte drangeblieben bin.


Fazit
Obwohl einiges fast zu geballt wirkt, wirkt die Geschichte insgesamt nicht aus der Luft gegriffen. Ein Roman über Familie, Glück, Kompromisse und Liebe, aber auch über Egoismus, Verzweiflung, Verrat, Wut und Trauer. Leise, unaufgeregt, bewegend, nachdenklich machend. Insgesamt möchte ich vier von fünf Punkten dafür vergeben. 
 © Rezension, 2013 Antje Jürgens (AJ)

Über die Autorin:

Nataša Dragnić, geboren 1965 in Kroatien, studierte Germanistik und Romanistik. Sie arbeitete als Reiseleiterin, absolvierte eine Diplomatenausbildung, war als Lehrerin tätig. Seit 1994 lebt sie in Erlangen und arbeitet als freiberufliche Sprach- und Literaturdozentin, Dolmetscherin und Übersetzerin. Daneben betätigt sie sich als Autorin und Schauspielerin. Ihr Debütroman Jeder Tag, jede Stunde wurde vom Publikum begeistert aufgenommen.

Bisherige Veröffentlichungen Deutsche Verlags Anstalt:
- 2011: Jeder Tag, jede Stunde (gebundene Ausgabe/EBook)
- 2013: Immer wieder das Meer (gebundene Ausgabe/EBook)

Bisherige Veröffentlichungen btb:
- 2012: Jeder Tag, jede Stunde (Taschenbuch)

Bisherige Veröffentlichungen Der Audio Verlag (d.a.v.)
- 2011: Jeder Tag, jede Stunde (Hörbuch)



Quellen:
Vita Autorin + Coverbild: © DVA, mit freundlicher Genehmigung des Verlages und © Autorenseite Nataša Dragnić  

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