Rezension {Ati} - Ich liebe dich, aber nicht heute

Montag, 27. Mai 2013 1 Kommentar


Ich liebe dich, aber nicht heute
Autorin: Gaby Hauptmann

Verlag: Piper Taschenbuch Verlag
Genre: Belletristik, Frauenroman
Erscheinungsdatum: 04/2013
Ausstattung:  320 Seiten
ISBN13: 978-3-492-30313-2
Preis Printausgabe: € 9,99 [D]
Preis eBook: € 8,49 [D]

Leseprobe: KLICK
Website: KLICK 
Gedanken zum Buch:

Das Cover mit seinem roten Herzen und der Notiz vor hellblauem Hintergrund animierte mich dazu, Gaby Hauptmanns im April bei Piper erschienenen Roman Ich liebe dich, aber nicht heute auf meine Leseliste zu setzen. Ich machte mir nicht einmal die Mühe, die Inhaltsangabe zu lesen, weil ich mich an entspannend-leichte und spaßige Lesestunden früherer Hauptmann-Romane erinnerte.

Sobald sich die Gelegenheit ergab, machte ich mich erwartungsvoll ans Lesen, denn auch die zu diesem Zeitpunkt doch noch in Angriff genommene Inhaltsangabe auf der Buchrückseite, las sich gut. Die ist, im Gegensatz zu zahlreichen anderen Büchern und ihren Inhaltsangaben, übrigens sehr treffend gewählt und gibt die Grundidee des Romans gut wieder.

Bereits nach den ersten paar Seiten kam mir unwillkürlich die Redewendung in den Sinn „wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis“. Genau das macht im übertragenen Sinn Liane, die weibliche Hauptfigur, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.

Sie ist gut aussehend, beruflich erfolgreich, privat ein gern gesehener Gast bei Freunden. Doch weil ihr in ihrer Beziehung mit Marius ein wenig das Kribbeln abhandengekommen ist, beschließt sie etwas dagegen zu unternehmen. Setzt sie dabei auf mehr Spontanität? Herzerweichende Romantik? Einen anregenden Liebesurlaub? Überrascht sie ihn mit Reizwäsche? Denkt sie sich Rollenspielchen aus? Nein, Lianes Idee dazu gestaltet sich anders, obwohl Hauptmann ihre weibliche Hauptfigur durchaus recht klar beschriebene Sex-Abenteuer erleben lässt. Allerdings mit anderen. Denn sie und Marius sollen eine Zeit lang getrennte Wege gehen, andere Partner suchen, sich verlieben und sich gegenseitig davon berichten. Wirklich betrügen können sie sich so nicht. Allerdings besteht natürlich grundsätzlich die Gefahr, dass derjenige, der sich verliebt, gar nicht in die alte Beziehung zurück will, doch die Option verdrängt Liane erfolgreich.

Im zweiten Erzählstrang gerät Liane durch einen dummen Zufall ins Visier skrupelloser Verbrecher, die nicht einmal vor Mord zurückschrecken. Doch keine Angst, die Autorin hat nicht das Genre gewechselt. Der Fokus liegt eindeutig auf Lianes Versuch, Prickeln in ihr  Leben zu bekommen.
Bedauerlicherweise kam weder beim einen noch beim anderen Erzählstrang Spannung oder wirklicher Lesespaß auf. Nicht einmal die erwähnten Sex-Abenteuer sind so prickelnd beschrieben, dass sie zum schnelleren Umblättern animieren. Insgesamt erscheint der gesamte Roman zu distanziert. Wirkliche Gefühle konnte ich weder bei Liane noch bei Marius, der rasch auf Lianes Plan eingeht, entdecken. Er lässt sich zwar angesichts ihres überraschenden Verhaltens etwas einfallen, allerdings bekommt man davon erst gegen Ende des Romanes etwas mit. Sein Plan hat durchaus Potenzial. Allerdings verpufft genau dieses angesichts der Abgeklärtheit von Liane und ihm.

Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass Liane nicht völlig aus der Luft gegriffen wirkt. Auch ihre Idee dürften reale Paare schon vorgelebt haben. Greifbarer macht das Hauptmanns Hauptfigur nicht.

Zu den übrigen Beteiligten ist zu sagen, dass sie eher unscheinbar bleiben, sind sie doch allenfalls schmückendes Beiwerk für Lianes Egotrip. Sie werden auf ihre Plätze verwiesen und/oder wieder hervorgeholt, sobald es Liane in den Kram passt. Emotionen kann man durch die Art der Beschreibung als LeserIn nicht miterleben und bleibt außen vor. Ich weiß zwar, dass die Hauptfigur vom Bodensee nach England, von dort ganz spontan nach Italien und zurück an den See, kurz nach Ibiza und wieder zurück an den See flattert, doch mitgerissen hat sie mich nicht. Zu trocken gestaltete sich in diesem Zusammenhang teils auch die Beschreibung der Handlungsorte. Und der zweite Erzählstrang wirkt im Hinblick auf Lianes Verhalten schlicht unglaubwürdig. Angesichts der Vorkommnisse sollte man davon ausgehen, dass sie in Panik gerät oder zumindest recht große Angst verspürt. Doch bei Liane hält so etwas gerade mal so lange vor, bis sie sich daran erinnert, dass sie doch etwas erleben möchte. Ihre amourösen Abenteuer scheinen nicht nur wichtiger als ihre Beziehung, bestehende Freundschaften oder auch ihre Arbeit zu sein. Auch ihr Leben an sich nimmt keinen allzu großen Stellenwert ein.

Die Intention hinter der Aktion (Leben in eine etwas abgeflachte Beziehung zu bringen) erscheint verwaschen. Hauptmanns Beschreibungen lassen Liane wie jemanden wirken, der nichts mit sich anzufangen weiß. Angst hat etwas zu verpassen, ohne wirklich verzweifelt darüber zu sein. Und allein angesichts der Retourkutsche von Marius sollte man annehmen, dass es da mehr zu schreiben gäbe. Allerdings beschreibt die Autorin neben einem Segelausflug gleich anfangs so einiges wesentlich ausführlicher, als besagte Retourkutsche und das damit verbundene klärende Gespräch zwischen Liane und ihrem Partner, bevor sie das Ende rosarot angehaucht ausklingen lässt.

Fazit:

Lebendige, spritzige Dialoge könnten die eine oder andere Länge übertünchen, doch die sucht man meist vergeblich. Öfter findet man zähe Überlegungen, Plattitüden und  pseudo-philosophische Schwafeleien. Ein Buch, in dem sich blasse Charaktere in der seicht vor sich hinplätschernden Handlung eher treiben lassen als agieren. Irgendwie hatte ich meine anderen Hauptmann-Romane unterhaltsamer und peppiger in Erinnerung. Gerade die interessanteren Passagen werden in "Ich liebe dich, aber nicht heute" zu oberflächlich abgehandelt, sodass der Roman keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlässt.



© Rezension: 2013 Ati Jürgens
 Gastrezensentin im Bücherkaffee

Über die Autorin:
Gaby Hauptmann, geboren 1957 in Trossingen, lebt als freie Journalistin und Autorin in Allensbach am Bodensee. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, eroberten die Bestsellerlisten und wurden teilweise verfilmt. Sie verfasst Frauenromane, Kinder- und Jugendbücher.

Bisherige Veröffentlichungen:
1994:    Alexa – die Amazone
1995:    Suche impotenten Mann fürs Leben
1996:    Nur ein toter Mann ist ein guter Mann
1997:    Die Lüge im Bett, München
1998:    Eine Handvoll Männlichkeit
1999:    Die Meute der Erben
2000:    Frauenhand auf Männerpo und andere Geschichten
              Ein Liebhaber zuviel ist noch zuwenig
2001:    Mehr davon
2002:    Fünf-Sterne-Kerle inklusive
2003:    Rocky der Racker (Gaby und Karin Hauptmann)
2004:    Hengstparade
2005:    Yachtfieber
              Kaya frei und stark - Kaya schießt quer
              Kaya frei und stark - Kaya will nach vorn
              Kaya frei und stark - Kaya bleibt cool
              Kaya frei und stark - Kaya ist happy
2006:    Ran an den Mann
              Kaya frei und stark - Kaya will mehr
2007:    Liebesspiel. Vier Stories über Frauen, die wissen, was sie wollen
              Nicht schon wieder al dente
              Kaya frei und stark - Kaya hat Geburtstag
2008:    Kaya frei und stark - Kaya gibt alles
2009:    Rückflug zu verschenken
              Das Glück mit den Männern und andere Geschichten (2009)
              Kaya frei und stark - Kaya schwört Rache
2010:    Ticket ins Paradies
              Wo die Engel Weihnachten feiern
              Kaya frei und stark - Kaya rettet Fohlen
2011:    Hängepartie
2012:    Liebesnöter
2013:    Ich liebe dich, aber nicht heute

Quelle Vita Autorin + Coverbild: © Piper, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Quelle Bibliografie: © Wikipedia
Autorenseite Gaby Hauptmann

1 Kommentar:

  1. Hahnebüchen und unrealistisch, unterhaltsam aber sehr platt, klischeehafte Protagonisten,die schöne Mittvierzigerin die sich von Wein und Früchten ernährt, die muskulösen, reichen Männer, das geldgeile Blondinchen, spektakulärer Sex..... gähn, ... ein unrealistischer Kriminalfall und kaum wirkliche Handlung. Hätte mir rein vom Cover her mehr erwartet.

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