Rezension {Sandra} | Strom | Hannah Dübgen

Dienstag, 15. Oktober 2013 0 Kommentare



Titel: Strom
Autorin: Hannah Dübgen
Verlag: dtv Verlag
Genre: Gegenwartsliteratur
Erscheinungsdatum: 01.08.2013
Ausstattung: Paperback, 272 Seiten
ISBN13: 9783423249720
Preis Printausgabe: 14,90 €  [D]
Preis eBook: 12,99 €  [D]

Leseprobe:
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Ein Roman, der klug, emotional und nachdenklich machend ist  - ein Roman über die Ströme des Lebens, die am Ende zu einer Einheit verschmelzen.

Zum Cover:

Das Cover ist äußerst schlicht in seiner Gestaltung. Beim Titel kommt man nicht umhin zunächst an den elektrischen Strom zu denken, doch weit gefehlt. Die vielen bunten Striche auf dem Cover des Buches ebenso wie der Titel verdeutlichen viel mehr die unterschiedlichen Ströme des Lebens, die zwar optisch eine Einheit bilden, doch nie vollständig miteinander verschmelzen. Ein wirklich gelungenes Cover, das erst auf den zweiten Blick und nach dem Lesen des Romans seine ganze Aussagekraft entfaltet.

Zum Inhalt:

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen vier Personen:  Ada in Berlin, die mit ihrer Freundin Judith einen Dokumentarfilm gedreht hat. Doch Judith stirbt kurz nach der Fertigstellung des Films. Geschäftsmann Jason, der für eine japanische Investmentfirma arbeitet und in Tokio den Kauf eines Traditionsunternehmens abwickeln soll. Pianistin Makiko, die nach Paris gezogen ist und in Europa Konzerte gibt. Als sie erfährt, dass sie ein Kind erwartet, ist sie schockiert. Und der brasilianische Zoologe Luiz, der mit seiner jüdischen Frau und seinen zwei Kindern in Tel Aviv lebt, sich dort aber nicht wohl fühlt, da er mit der politischen Situation in dem Land nicht zurechtkommt.

Meine Meinung:

Die Autorin hat es mit diesem Buch geschafft, mich von Anfang an in den Bann dieser Geschichte zu ziehen. Die Personen werden in kurzen Abschnitten abwechselnd dargestellt. Der Schreibstil ist dabei durch Flüchtigkeit, aber dennoch gepaart mit einer Emotionalität und Intensität, gekennzeichnet. Die Autorin hat ein gutes Gespür dafür, an welchen Stellen allgemeine Beschreibungen genügen und wann Detailschärfe erforderlich ist.
Jede Person, jede Lebensgeschichte berührt dabei auf gleich intensive Weise - sei es die Pianistin mit ihrer unbändigen Liebe zur Musik, die sich aber nicht mit einer Rolle als Mutter anfreunden kann oder auch Ada, die sich aufopferungsvoll um ihre im Sterben liegende Freundin kümmert oder aber der Geschäftsmann Jason, der sich nirgendwo wirklich zu Hause fühlt und keinen Zugang zu den Menschen in seiner Umgebung findet. Man lebt mit diesen Menschen und auch gewisser Weise in ihnen.
Ein weiterer positiver Punkt war, dass sich die Autorin nicht mit diesen Geschichten begnügt hat - nein - auf wunderbare Weise arbeitet sie aktuelle Ereignisse und Themen (Konflikt im Gaza, Globalisierung, politische und soziale Situation in Israel) in die Geschichte ein. Doch dabei klagt sie nicht an, sie beschreibt und analysiert so, dass sich der Leser immer noch seine eigene Meinung zu diesen Ereignissen bilden kann. Auch die japanische Kultur mit ihren Ansichten und Gepflogenheiten wird dem Leser im Roman näher gebracht.
Beim Lesen des Buches steht auch das Gefühl des Fremdseins im Mittelpunkt. Es wird deutlich bewusst, dass eine anfängliche Fremde zur Heimat werden kann. Doch auch das Gegenteil ist möglich, dass man sich in seiner neuen Heimat nie wirklich zu Hause fühlt.  Dies ist ein Gefühl, dass wahrscheinlich alle Menschen kennen. Heimat entsteht meist erst dann, wenn wir wirklich angekommen sind und liebe Menschen um uns herum haben - dann erst fühlen wir uns richtig wohl. Dieses Gefühl der Verbundenheit mit unserer unmittelbaren Umwelt ist eines der Grundpfeiler unseres Wohlbefindens - das wird hier einmal mehr klar.
Am meisten beeindruckt hat mich in diesem Buch das Ende. Es war fantastisch zu erleben, wie sich die einzelnen Lebensströme allmählich zu einem großen Strom vereint haben. Die Idee mit der Konzerthalle hat mir sehr gut gefallen - da zeigt sich mal wieder, Musik verbindet und vereint ;-) Die Zusammenhänge, die sich vorher nur so angedeutet haben, sind nun zu einer Einheit verschmolzen und auf einmal ergibt alles einen Sinn. Zuvor hatte man immer das Gefühl, jedes stünde mehr nur für sich allein - doch der Zusammenfluss der einzelnen Geschichten hat auch gezeigt, wie das Leben wirklich ist - eine Verbindung mehrerer Ströme. Denn ich glaube auch, dass wir auf irgendeine Weise alle miteinander verwoben sind, doch nicht immer wird uns das bewusst. Trotz dieser Verschmelzung der Lebensströme bleiben sich die Personen dennoch fremd - diese Gleichzeitigkeit von Nähe und Fremde ist einfach genial und auf erschütternde Weise allzu oft Realität.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

 
Insgesamt ein herrliches Buch, dass ich wirklich genossen habe - ein bewegender Roman über das Leben, die Gesellschaft und die Menschen in ihnen! Für mich sprachlich und thematisch absolut lesenswert!

© Rezension: 2013, Sandra von „Sunny liest"


Über die Autorin

Hannah Dübgen wurde 1977 geboren. Sie studierte Philosophie, Literatur- und Musikwissenschaft in Oxford, Paris und Berlin. Sie arbeitete für Theater und Oper, schrieb das Schauspiel ›Gegenlicht‹ und die Libretti für mehrere Opern, u.a. ›Matsukaze‹ in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Toshio Hosokawa. ›Strom‹ ist ihr erster Roman.
http://www.dtv.de/autoren/hannah_duebgen_16205.html


Quelle Vita Autorin + Coverbild:
© Website dtv Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

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