Rezension: Die Große Wildnis | Piers Torday

Dienstag, 3. Dezember 2013 0 Kommentare





Träume sind unsere Geschichten – unsere Erinnerung an die Tiere, die vor uns gelebt haben. Unsere Träume werden von Tier zu Tier weitergegeben, seit unsere Ahnen dieses Land zum ersten Mal betraten. Unter diesen Träumen gibt es einen besonderen, den wir uns seit Urzeiten immer wieder erzählen.

Titel: Die Große Wildnis (Band 1)
Autor: Piers Torday
Verlag: cbj (Verlagsgruppe Random House)

Originaltitel: The last Wild
Aus dem Englischen übersetzt von: Petra Koob-Pawis
Genre: Abenteuerroman (Kinder- und Jugendroman)
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
Erscheinungsdatum: 18. November 2013
Ausstattung: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 384 Seiten
ISBN13: 978-3570157961


Ein kleiner Einblick:

Kester Jaynes ist fast 13 und lebt im Mentorium, einer Anstalt für verhaltensauffällige Kinder weit weg von seiner Heimatstadt Premia und mitten in der Quarantänezone. Er weiß nicht aus welchem Grund er dort leben muss und es gibt auch nur zwei Möglichkeiten diesen Ort zu verlassen, als ehrbarer Bürger oder über die Klippen. Geleitet wird das Mentorium von einem Unternehmen das sich Facto nennt. Der Inhaber und auch Besitzer der ganzen Insel ist Selwyn Stone, er schickt seine Keuler und Sculdiss aus um die noch übrig gebliebenen Tiere aufzuspüren und sie zu beseitigen. Auch sammelt Sculdiss die Aussätzigen ein und bringt sie nach Premia. Nur in Premia gestattet Selwyn Stone den Menschen zu leben. Um die Stadt liegt die Quarantänezone und dahinter nichts mehr. So glaubt es auch Kester und fügt sich seinem Schicksal. Seit die rote Pest ausgebrochen ist, dürfen sich die Menschen keinem Tier nähern. Denn sie könnten sich anstecken. Nur Ungeziefer hat man am Leben gelassen, da es sich scheinbar nicht anstecken kann. Daher ist es auch nicht mehr möglich sich von Fleisch zu ernähren. Als Nahrung gibt es für die Menschen in Premia und die Kinder im Mentorium nur eine Art rosa Pampe mit den verschiedensten Geschmäckern. Sie nennt sich Formula und wurde speziell entwickelt. Mal schmeckt es nach Pommes und Hühnchen und mal nach Eier und Schinken.

Vor Kesters Zimmer sitzt ein Aufseher der meistens schläft. Das dieser schläft, ist nicht weiter schlimm, denn Kesters Zimmer ist verriegelt und eine Flucht daher unmöglich. Die anderen Kinder nennen Kester Dumpfkarotto (stumm=dumm + rote Haare) oder auch scherzhaft Plaudertasche. Das hat leider seinen Grund, den Kester spricht nicht, er kann es nicht, kein Laut verlässt seine Kehle. Dies war nicht immer so. Damals vor sechs Jahren, als seine Mam noch lebte, damals sprach er noch. Sein Vater ist ein anerkannter Wissenschaftler, aber auch ihn hat Kester seit nunmehr sechs Jahren nicht gesehen. Warum er im Mentorium leben muss, warum er seinen Dad nicht sehen kann und warum der Umgang selbst mit Insekten und Ungeziefer nicht erlaubt ist, dass alles kann er nicht so recht verstehen.

Zu den Mittagszeiten holt sich Kester sein Essen und verzieht sich meist in eine Ecke des Hofes wo er seine Ruhe vor den Hämen der anderen Kinder hat.
Wieder einmal kommt ein Insekt aus einem Abfluss gekrochen und Kester teilt sein Formula mit ihm. So kommt es auch das Kester eines Tages ein flüstern, ja eine tiefe raue Stimme vernimmt. Der Kakerlak, dieses Insekt spricht zu ihm. Er sagt, Hilfe. Stimmt das oder bildet Kester es sich nur ein. Er ist verwirrt. Die Aufseher bemerken, dass Kester sich mit Ungeziefer beschäftigt und schleppen ihn zum Doktor des Mentoriums. Auch dort glaubt Kester seinen Verstand zu verlieren. Eine Spinne nähert sich ihm und spricht auch zu ihm. Wenig später wird er auf sein Zimmer gebracht. Er hat Arrest und darf es für sieben lange Tage nicht verlassen. Das ist nun also die Strafe, weil er sich mit einem Ungeziefer beschäftigte. Kester sehnt sich nach seinem zu Hause. Nach seiner verstorbenen Mam Laura und auch nach seinem Dad. 

Am letzten Abend der Isolation geschieht plötzlich etwas. Er träumt und wird durch ein lautes klopfen und krachen wach. Die Scheibe seiner Glaswand ist teilweise zerbrochen und die Scherben liegen in seinem Zimmer verstreut. Kester vernimmt ein tapp und dann noch ein tapp. Dann bemerkt er die nassen Federhiebe um sich herum und sieht an die hundert Tauben in seinem Zimmer. Nach all der langen Zeit im Mentorium formen sich erstmals wieder Wörter in Kesters Kopf. Er kann die Tauben verstehen, sie sprechen zu ihm. Die Tauben berichten Kester, dass er schon bald aus dem Mentorium befreit wird und wenig später verschwinden sie wieder durch die Glaswand. Mit Hilfe der Kakerlaken gelingt Kester die Flucht und er kann das Wetter außerhalb spüren und die Freiheit riechen

Es gelingt ihm mit dem Anführer der Kakerlaken, dem General und den Tauben zu fliehen und zu fliegen. Ja, sie fliegen mit Kester außerhalb der Quarantänezone. Zu gerne würde ihn seine Reise zu seinem Dad führen, doch dies ist eine andere Richtung. Im Ring des Waldes angekommen wird Kester sehr schnell bewusst, dass es sehr wohl noch Leben außerhalb der Quarantänezone gibt. Nach und nach tauchen dort immer mehr Tiere auf. Eines, das sich selbst die große Wildnis nennt spricht zu Kester. Es ist ein prächtiger Hirsch, der letzte seiner Art. Die Tiere im Ring des Waldes haben keinerlei Anzeichen der roten Pest. Keine typischen roten Augen und auch sonst keine Symptome. Sie scheinen gesund. Noch. Und sie setzen all ihre Hoffnung in Kester. Er soll das Heilmittel finden, das Heilmittel gegen die rote Pest. Kester fühl sich nicht im Stande den Tieren zu helfen, doch er will sein bestes versuchen und die Tiere zu seinem Vater führen. Schließlich war der einmal ein sehr guter Tierarzt bevor er für das Facto-Unternehmen arbeitete. Der Hirsch spricht von einer großen Gabe die Kester hat und es wird die Zeit kommen wo Kester alles erklärt wird. Dies wird in den alten Träumen erzählt

Selbst wenn du nur einige wenige von uns retten kannst, musst du es tun. Du hast keine andere Wahl. Wir wissen das du ein Held bist. Wann siehst du das endlich ein und fängst an, dich auch wie einer zu benehmen? Seite 221

Gemeinsam mit dem Hirsch, dem kleinen Wolfsjungen und einem Mädchen namens Polly, welches er auf seiner Reise trifft, beginnt ein großes, überlebenswichtiges aber auch gefährliches Abenteuer. Werden sie Kesters Vater finden, werden sie das ersehnte Heilmittel bekommen und wie gefährlich wird es für die Tiere in Prima?

Meine Gedanken zum Buch:

Ein spannendes Kinder- und Jugendbuch. Gerade zum Ende des Bandes wurde es noch einmal so richtig kribbelig und spannend. Das typische Gefühl bei einem Mehrteiler – wie geht es denn nun weiter. Die Geschichte baut sich Bild für Bild auf und ist sehr detailnahe beschrieben. Das Cover ist schlicht gehalten. Eine Silhouette vor einem blauen Hintergrund, dem Himmel. Die große Wildnis, der prächtige Hirsch und auf seinem Rücken sitzt Kester. Als würden sie ihrem großen Abenteuer entgegen sehen. Auch der kleine Wolf und die dusselige Weiße Taube dürfen nicht auf dem Cover fehlen. Die Geschichte ist aus der Sicht von Kester geschrieben. Er erzählt hautnah von seinem Leben im Mentorium und seinem Abenteuer welches er mit den Tieren erlebt. Auch kleine Rückblenden und viele Dialoge mit den anderen Protagonisten, welche in diesem Fall Tiere sind, finden sich in dieser Geschichte. Die Weiße Taube brachte mich des Öfteren zum Schmunzeln. 

Als ich mir das Kinn abwische, hüpfen zwei graue Tauben auf meinen Schoß. *Wir haben etwas zu essen für dich gesucht, Kester.* Sie lassen Zweige voller Beeren und Nüsse aus ihren Schnäbeln in meine Hände fallen. Ehe ich sie richtig in Augenschein nehmen kann, hat Weiße Taube schon einen Zweig mit den saftigsten Beeren weggeschnappt. *Kester, du hast uns etwas zu essen besorgt!* Seite 123

Kurz & gut – mein persönliches Fazit:

Ein tiefgründiges und emotionales Buch. Es zeigt auf, dass es sich lohnt zu kämpfen, sich auf andere verlassen zu können, über sich hinauszuwachsen und seine Stärken nutzen zu können, für eine große, wichtige und gute Sache - dem Leben. Viele Hinweise in der Geschichte fügen sich zum Ende hin zusammen und lösen sich somit auf. Dennoch bleibt der Weitergang Kesters Abenteuers offen und man darf auf die Fortsetzung gespannt sein. Es ist sehr aufregend und interessant wie der Autor mit der Unwissenheit Kesters spielt. Kester bezeichnet ein Tier als ein Wiesel und wird sofort vom General berichtigt, dass dies ein Dachs sei. Aber woher sollte Kester alle Tiere beim Namen kennen. Es ist wirklich einzigartig und hi und da humorvoll. Ich habe mich einige Male dabei ertappt, wie ich an Doctor Dolittle dachte. Nicht an die Filme mit Eddie Murphy. Nein, an den Film von 1967. Einige von Euch kennen ihn sicher noch. http://www.amazon.de/dp/B005CFXYHY Auch in diesem Film konnte sich ein Mensch mit den Tieren verständigen.

Ich lege Euch diese Geschichte von Kester und seinem Abenteuer mit der Großen Wildnis ans Herz. Es regt zum Nachdenken an und ist auf seine Weise ein zauberhaftes Buch mit einem Hauch Herzschmerz, einem Quäntchen Humor und einem großen Abenteuer. Ich konnte mir die Schauplätze, die Menschen und die Tiere sehr gut vorstellen und mit ihnen fühlen und leiden. Träumen wir nicht manchmal auch davon, mit den Tieren sprechen und sie verstehen zu können.

© Rezension: Susa Naschke



[susa]

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