Rezension {Juliane} | Versunkene Gräber | Elisabeth Herrmann

Mittwoch, 29. Januar 2014 0 Kommentare


Titel: Versunkene Gräber
Reihe: Band 4 der Joachim Vernau-Reihe  
Verlag: Goldmann Verlag
Genre: Kriminalroman
Erscheinungsdatum: 16.Dezember 2013
Ausstattung: 448 Seiten, Klappenbroschur
ISBN13: 978-3-442-47995-5
Preis Printausgabe: 9,99 €  [D]
Preis eBook: 8,99€  [D]

Leseprobe: KLICK

 



Verschollene Briefe, ein alter Friedhof und ein grausamer Mord – Anwalt Vernau kommt einem düsteren Geheimnis auf die Spur.
Inhalt

Der Berliner Anwalt Joachim Vernau erhält eine schockierende Nachricht aus Polen: sein alter Freund Jazek steht unter Mordverdacht und beteuert seine Unschuld. Gleichzeitig verschwindet Vernaus Ex-Partnerin Marie-Louise spurlos, und es mehren sich die Hinweise, dass sie Jazek in der Mordnacht gesehen hat. Voller Sorge reist Vernau auf die andere Seite der deutsch-polnischen Grenze. Die erste Spur ist ein verfallener Friedhof. Etwas hat sich dort vor langer Zeit zugetragen, das ihn mitten in die Vergangenheit zieht – hinein in die dramatischen Ereignisse des Jahres 1945, als sich die Schicksale von Tätern und Opfern kreuzten und Entsetzliches geschah. Doch erst Generationen später steigt das Grauen noch einmal aus dem Grab, und wer sich ihm entgegen stellt, muss sterben.

Handlung & Charaktere

"Rosa, lieb Röslein mein, ich lebe. Ich lebe!" [Zitat Seite 9]

Alles beginnt mit einem Brief aus dem Jahr 1945. Der spät eingezogene Walther schreibt an sein geliebtes Röslein und träumt von einem Wiedersehen, nachdem die Wirren und Schrecklichkeiten des zweiten Weltkriegs sie unfreiwillig getrennt haben. Walther hat überlebt und versteckt sich auf seinem alten Weingut in Polen, auf dem niemand der deutschen Herrschaften geblieben ist. Geflüchtet. Vertrieben. Getötet von denen, die danach ins Land kamen, nachdem alles verloren war. Geblieben ist nur Magda, die Magd. Sie verspricht Walther, all seine Briefe zur Post zu schmuggeln und bekommt für diesen Gefallen immer ein kleines Stück der kostbaren Besitztümer, die Walther aus einem Versteck ausgegraben hat, damit sie auf dem Schwarzmarkt tauschen kann.
In der Handlung tauchen immer wieder Briefe auf und irgendwann wird klar,  dass Walther vergebens auf ein Wiedersehen mit Rose und den Kindern gehofft hat. Warum, das sei an dieser Stelle nicht verraten, denn es geht um Verrat, Misstrauen und Eifersucht. Gefühle, die einen Menschen dazu veranlassen können, zu Unrecht eine böse Tat zu begehen, die man noch Jahre später bitter bereut.

Irgendwann holt die Vergangenheit die Gegenwart immer ein.

Die Hauptrolle im Kriminalroman „Versunkene Gräber" hat zum vierten Mal der finanziell so gut wie abgebrannte Joachim Vernau aus Berlin inne, der die meisten Passagen im Buch in Ich-Form erzählt. Zum dritten Band gibt es einen zeitlichen Abstand in der Handlung, der dadurch klar wird, dass seine Ex-Partnerin  Marie-Louise Hoffmann, die ebenfalls eine Kanzlei in Berlin hatte, nicht mehr in ihren alten Büroräumen residiert. Vernau erfährt dies mehr durch einen Zufall, da ihn während des Mittagsmahls mit seinem neuen Partner eine polnische Anwältin aufsucht.

">>Sie sind Anwältin?<< Marquardt verschluckte sich.Sie schenkte ihm ein schnelles, ironisches Lächeln und reichte mir eine Karte." [Zitat Seite 21]

Zuzanna Makowska, alleinerziehende Mutter und Anwältin mit Adresse in Poznan, erkundigt sich nach dem Verbleib von Frau Hoffmann, die unter dringendem Tatverdacht steht, auf einem Friedhof in Janekpolana einen Mann erschlagen zu haben. Auf der Tatwaffe sind unter anderem ihre Fingerabdrücke und die des Mannes, der die polnische Anwältin damit beauftragt hat, Marie-Louise zu finden. Jazek Zielinski. Bastler, Handwerker, versierter Liebhaber von Frauen und nicht weniger abgebrannt als Vernau und Marie-Louise, die kurz darauf schwer verletzt und mit Gedächtnisverlust in einem polnischen Krankenhaus wieder auftaucht.
Vernau findet sie vor den Gesetzeshütern und flieht mit ihr gemeinsam zurück auf den Hof von Jazeks Vater, um als erstes herauszufinden, was in jener Nacht, in der Horst Schwerdtfeger ermordet wurde, wirklich geschah. Er ist völlig von der Unschuld Marie-Louises überzeugt und die Spur führt von Polen zurück in eine luxuriöse Seniorenresidenz in Berlin. Zu einer  Pflegerin namens Krystyna Nowak, die mehr Anteil am Leben der alten Herrschaften um sie herum nimmt als gut für sie ist. 
Das Drama nimmt seinen Lauf und sowohl Vernau als auch Zuzanna müssen feststellen, dass es in diesem Fall nicht nur darum geht, den richtigen Täter zu finden und die Unschuld der von ihnen gemochten Menschen zu beweisen. Nicht alles im Leben lässt sich in schwarz oder weiß, gut oder böse aufteilen. Es gibt jede Menge grau dazwischen und genau dort liegen die schlimmsten Geister in Form von Erinnerungen verborgen, denen man sich am liebsten niemals wieder gestellt hätte…

"Zuzanna sprang auf, um ihm zu helfen. Er stand da und starrte auf das, was zu seinen Füßen ausgebreitet lag. ... Dann tastete ihre Hand unter das Bett, weil dort, von der Überdecke fast verborgen, noch etwas lag. ... >> Das ist...das ist der letzte Brief...<<
[ Zitat Seite 355, Zitat leicht entspoilert]

Mein persönliches Fazit

Ein wirklich gut gestrickter Krimi um Verrat, Gier und die Sünden einer deutsch-polnischen Vergangenheit, der eine Menge toller Rezensionen bekommen hat. Ich kann mich den positiven Urteilen nur anschließen. Elisabeth Herrmann schreibt spannend und setzt ihre Höhepunkte im vierten Band der Joachim Vernau-Reihe so raffiniert, dass man am liebsten noch schneller lesen möchte, um zu erfahren, wie alles ausgehen wird. Außerdem gestaltet sie all ihre Charaktere so liebevoll, dass sich in einem beim Kennenlernen während des Lesens genau die richtigen Emotionen frei setzen. Egal, wie kurz der Auftritt auch sein mag. Die Covergestaltung passt perfekt zum Buch und gibt dem Ganzen nach Abschluss der Lektüre noch mal ein richtig stimmiges Gefühl.
Man muss die Vorgänger- Titel nicht kennen, um „Versunkene Gräber" zu verstehen. Wobei ich hier ehrlich sagen muss, dass es wahrscheinlich hilfreich ist, Figuren wie Vernau oder Marie-Louise schon einmal getroffen zu haben und über ihre gemeinsame Vergangenheit Bescheid zu wissen. So wird sicher alles noch griffiger und verständlicher. Ich möchte sogar sagen, spannender.

Die Vernau Reihe besteht aus folgenden Büchern:
01. Das Kindermädchen
(welches sogar mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle verfilmt wurde)

02. Die siebte Stunde
03. Die letzte Instanz
04. Versunkene Gräber

© Rezension: 2014 von Juliane (jb)



Über die Autorin:

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman "Das Kindermädchen" ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen- Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Quelle Vita Autorin + Coverbild:
© Website  Goldmann Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Buch Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Elisabeth Herrmann

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