Rezension {Aygen} | Cry Baby - Scharfe Schnitte | Gillian Flynn

Freitag, 28. Februar 2014 4 Kommentare



"In dem etwa dreißig Zentimeter breiten Spalt zwischen dem Eisenwarenladen und dem Schönheitssalon klemmte ein kleiner Körper, die Beine zum Gehweg gestreckt." - Seite 42

Ein Blick in den Klappentext: 

 
Babydoll steht auf ihrem Bein. Petticoat auf ihrer linken Hüfte. Böse findet sich ganz in der Nähe. Girl prangt über ihrem Herzen, schädlich ist ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß verschwinden. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Dabei findet sie die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch. 







Meine Gedanken zu dem Buch: 

Wie beschreibe ich dieses Buch am besten ohne zu viel zu verraten? Es ist eine Art Thriller, der weniger blutig ist aber definitiv auf die Psyche geht. Die demütige und schmerzerfüllte Protagonistin Camille Preaker, aufgewachsen in einem wohlhabenden Elternhaus in einer Kleinstadt. Die Familie Preaker wirkt auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich, angesichts der Tatsache, dass die Schwester von Camille bereits sehr jung verstorben ist. Jedoch wird im Laufe der Geschichte klar, dass Camille und der Verlauf ihres Lebens stark unter der Vergangenheit und den Ereignissen in ihrer Familie gelitten haben. Ihr vernarbter Körper, vollgeritzt mit Worten wie böse, schädlich und verschwinden sind nur Auszüge aus dem Klappentext und lassen nur einen Hauch Einblick in die Geschichte zu.
"Ich schneide mich nämlich. Ich schnipsle, schlitze, ritze, steche. Ich bin ein Sonderfall."
- Seite 83
Camille Preaker ist inzwischen Erwachsen und Journalistin. Sie wird von ihrem Chef in ihre alte Heimat geschickt, um die STORY über zwei verschwundene Mädchen zu schreiben. Zu Beginn ist noch unklar, was sich für Abgründe auftun und der Fokus der Geschichte eigentlich nicht auf den vermissten Mädchen liegt, sondern auch die Vergangenheit von Camille und ihrer verstorbenen Schwester zu Tage bringt. Die bösartige Mutter, die für Jedermann in diesem Ort, als wohlhabende, großzügige und hilfreiche Frau dargestellt wird, hat eine ausgeprägte und teils unmenschliche Seite, welche sie sehr gerne im Kreise ihrer eigenen Kinder auslebt. Die jüngere und frühreife Schwester Amma durchlebt eine Art Entwicklung vom Biest zum hilfebedürftigen kleinen Mädchen. Die Autorin schildert besonders gelungen die Charaktere der Protagonistin Camille und Amma. Amma wird als kleines, besitzergreifendes, bestimmenden und berechnendes Miststück dargestellt. Mit der Zeit entfaltet sich ihr Charakter immer mehr und die Fassade bröckelt, so das ein zerbrechliches, kleines Wesen zum Vorschein kommt, das die Hilfe der großen Schwester sucht und benötigt. Camille ist eine faszinierende und gleichzeitig traurige Person, die einen durch ihre Gedankengänge in den Bann zieht.
Die Entwicklung und der Spannungsaufbau ist der Autorin sehr gelungen und trotz ausfallendem blutigen Intermezzo, was ich als Leserin zu Beginn erwartet habe, ausgeblieben. Die Story entwickelt sich dennoch so spannungsgeladen, dass man es nicht aus der Hand legen kann. Der ungeahnte Verlauf der Geschichte hat mich fasziniert und wie im Buch angegeben wird, werden wohl alle Bücher der Autorin verfilmt. Natürlich bin ich auf die Umsetzung dieses Buches sehr gespannt und frage mich, ob Camille meiner Vorstellung entspricht. Ein absolut empfehlenswertes Buch. Nach diesem Roman werde ich sicher bald auch Gone Girl lesen.
"Es heißt, Blau sei die Farbe der Traurigkeit, daher auch Blues, doch für mcih sind Depressionen uringelb. Ein müdes, verwaschenes Meer aus Pisse." - Seite 87

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

"Gone Girl" steht noch ungelesen im Regal und "Cry Baby" war eher ein Spontankauf. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Ein wahrer Pageturner, der mich ab der ersten Seite gefesselt hat. Camille ist ein wunderbar beschriebener Charakter. Demütig und so schmerzerfüllt, dass man das Gefühl hat, sie beschützen zu wollen. Eine absolute Leseempfehlung und ein Roman der besonderen Art.
© Rezension: 2014, Aygen (AE)

 

Cry Baby – Scharfe Schnitte von Gillian Flynn, erschienen im S. Fischer SCHERZ Verlag GmbH
Genre: Roman
Ausstattung:  336 Seiten, Hardcover
ISBN13: 978-3-651-01164-9
Preis Printausgabe: 12,99€  [D]*
Preis eBook: 10,99€  [D]*
*Preis zum Zeitpunkt der Rezension





Quelle Coverbild:© Website S. Fischer Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Buch Zitate: © by Gillian Flynn

Kommentare:

  1. Grüß Dich, Aygen.
    Vermutlich gehört der Verlust des menschlichen Urvertrauens in die Eltern zu den prägensten Verletzungen des innersten Ichs. Ein Teufelskreis, der jedes kulturelle Fundament zerrüttet. Seitenblicke in die Geschichte genügen, um die Beispiele aufzuzeigen, in denen "zur Härte erzogene" Kinder Gewalt & Krieg selber beförderten.

    Im Roman springen wieder einmal Abgründe auf, die dem Mantra der "heilen amerikanischen Familie" nicht entsprechen wollen. Wobei das Dogma einer "heilen Familie" ein globales ist - jede Gesellschaft, Ideologie, Religion ist bereit etwas konträr anderes darunter zu verstehen. Schriftstellerische Auseinandersetzungen mit den Themen sind hier regelmäßig notwendig, denke ich.
    Schlußendlich ist unser Handeln und Denken ein Abdruck für die Generationen. Immerhin schlagen wir uns schon zu lange, für die Machtgelüste anderer, die Schädel ein.

    Zum letzten Zitat noch...

    "Blau ist die Trauer der Melancholie. Respektvoll den verletzten Gefühlen gegenüber, aber auch trostvoll dem Kommenden offen."
    (Florance Ippdit)

    bonté

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  2. Also wenn dieser Roman mal ein wenig mehr Geschwindigkeit in der Story hat als "Gone Girl", dann klingt er durchaus lesenswert. Der erste Roman von G. Flynn war so langweilig, dass ich nicht über Seite 200 hinausgekommen bin... gähn...
    Mal schauen, ob ich der Autorin noch eine Chance gebe...

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    1. Ernsthaft? Seltsam viele haben "Gone Girl" gelobt und alle ihre Bücher sollen auch verfilmt werden. Ich bin auf "Gone Girl" wirklich gespannt, vorallem weil die Meinungen so weit auseinander gehen. "Cry Baby" fand ich ganz und garnicht langatmig. Testengel ich hoffe "Cry Baby" kann Dich fesseln:-)

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  3. Gillian Flynn beherrscht schon eher die leisen Töne und wer Action bevorzugt, der wird sich nicht so ganz für ihre Bücher begeistern können. Ich mochte alle ihre Bücher und da sie sich schon im Kern ähneln, glaube ich, dass Dir auch ihre anderen Bücher Spaß machen werden, wenn Dir "Cry Baby" schon gut gefallen hat.

    LG Gabi

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