Rezension: Die Unvollendete | Kate Atkinson

Freitag, 21. Februar 2014 3 Kommentare

Titel: Die Unvollendete
Autorin: Kate Atkinson
Verlag: Droemer Verlag
Originaltitel:  Life After Life
Aus dem Englischen übersetzt von:
Anette Grube
Genre: Belletristik, Roman
Erscheinungsdatum:  02. September 2013
Ausstattung:  592 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN13: 978-3-426-19981-7



Klappentext:

Was wäre, wenn man sein Leben wieder und wieder leben könnte, bis man schließlich alles perfekt gemacht hätte? Wäre man dann ein glücklicher Mensch? Ursula Todd ist eine für ihre Zeit ganz besondere Frau: unabhängig, modern, realistisch. Mit Humor begegnet sie nicht nur ihrer skurrilen Familie, sondern auch den seltsamen Ereignissen in ihrem Leben. Wie jeder erlebt sie Situationen, in denen sie sich fragt: Was wäre wenn? Was wäre geschehen, wenn sich ihre Teenagerliebe erfüllt hätte? Was wäre geschehen, wenn sie studiert hätte? Oder was wäre aus ihr geworden, wenn sie nicht in England, sondern in einem anderen Land aufgewachsen wäre? Wäre ihr Leben schrecklicher oder besser verlaufen? Doch anders als anderen Menschen bleibt es für Ursula nicht bei diesen Fragen. Ihr ist es gegeben, ihr Leben immer wieder zu korrigieren und damit jeden Fehler zu beseitigen. Dennoch erlebt sie Verlust, Verrat, Krieg und Tod. Was also soll diese Gabe? Ist es überhaupt möglich, sein Leben fehlerlos zu leben?

"Sie empfand eine Art Rausch, einen Nervenkitzel nahezu, als sie in die bodenlose Luft geschleudert wurde, und dann nichts. Es wurde dunkel." - Seite 76

Meine Gedanken zu dem Buch: 

Ursula die Hauptprotagonistin wird als nachdenkliche, kluge und ab und an ungeschickte Tochter einer reichen englischen Familie im Zeitfenster von 1910-1945 dargestellt. Der Klappentext zum Buch hat meine Neugier geweckt: "Was wäre, wenn man sein Leben wieder und wieder leben könnte…" Eine durchaus spannende und interessante Frage. Die Autorin schildert in diesem Roman das Leben von Ursula, die genau diese Möglichkeit besitzt, sich jedoch durch ihr Ungeschick ziemlich häufig in unfallreiche bzw. ungünstige Situationen bringt, die ihren Tod zur Folge haben. Nicht immer durch eigenverschulden. Denn zu Beginn der Geschichte, stirbt Ursula das erste Mal bereits bei ihrer Geburt. Immer wieder wird man als Leser im ersten Drittel nach jedem Sterben, an den Anfang geschickt. Die Autorin erweitert mit jedem Sterben die Geschichte um weitere Ereignisse und Charaktere. 

Trotz Einstiegsschwierigkeiten, begann ich von Kapitel zu Kapitel immer mehr Gefallen an diesem Buch zu finden. Außergewöhnlich und anders. Ursula schildert das Leben in ihrer und von ihrer skurrilen Familie. Die Charaktere sind buntgemischt, zeitgemäß der Geschichte angepasst und frischen jedes neue Kapitel durch außergewöhnliche, teils traurige und geschichtsträchtige Ereignisse auf. Es vergeht nahezu kein Kapitel, in dem man nicht über Ursula´s Einfallsreichtum, um ihr weiteres Ableben zu verhindern, schmunzeln muss. Ebenso schafft der Schreibstil der Autorin die Richtige Mischung sich der Trauer und gleichzeitigen Komik der Geschichte anzunehmen. Trotz zahlreicher Charaktere, Handlungsorten und verschiedenen Jahren, in denen die Geschichte spielt, verliert man nicht den Überblick, da man durch den stetigen erneuten „Beginn“ der Geschichte sozusagen einen erneuten Rückblick und eine grobe Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse erhält. 

Kurios, philosophisch angehaucht mit einem wunderbaren Schreibstil, der einen in längst vergangene Zeiten katapultiert und dennoch im hier und jetzt stattfindet, weil man sich von Kapitel zu Kapitel bereits auf einen weiteren unachtsamen Fehler einstellt, um erneut beginnen zu können. 

"Liebe Bridget, eine Bande Räuber ist im Dorf. Kannst du bitte bei Clarence´Mutter bleiben? Zur Sicherheit fügte sie hinzu: Und ich habe Kopfweh, klopf also nicht. Sie unterschrieb mit Mrs. Todd."
- Seite 119

Kurz & gut - mein persönliches Fazit: 

Trotz anfänglicher Verwirrungen ein gelungenes und spannendes Werk. Geschichtlich angehaucht und eine gute Mischung aus Humor, Trauer und Tragödien. Allerdings ein wahrer Wälzer, der dem Leser im ersten Drittel Durchhaltevermögen und Geduld abverlangt, welches aber definitiv belohnt wird. 

© Rezension: 2014, Aygen


Über die Autorin:
Kate Atkinson, 1951 in Dundee geboren, studierte Literaturwissenschaft und arbeitete zunächst in der Sozialbetreuung und als Lehrerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Für ihren ersten Roman „Familienalbum“ wurde sie mit dem renommierten Whitbread First Novel Award ausgezeichnet. Mittlerweile stehen ihre Bücher regelmäßig auf den Bestsellerlisten in England und den USA. Mit ihrem letzten Roman „Das vergessene Kind“ zählte sie zu den Preisträgern des Deutschen Krimipreises 2012. Kate Atkinson lebt in Edinburgh.

Kommentare:

  1. Mir hat "Die Unvollendete" auch gut gefallen, aber ich fand es zwischendurch auch ein bisschen zäh. Durchhaltevermögen braucht man auf jeden Fall. Aber die Idee ist super und die Umsetzung war auch gut gelungen.

    LG

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    1. Hallo Sarah, anfänglich war ich auch verwirrt und dachte immer "oh nein, es wird dunkel" :-) aber dann hat es mich wirklich gepackt.

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  2. Chärätä, Aygen.

    "Vollkommenheit beehrt das Leben nur in Träumen über Schönheit. Wach, legt es interessiert die Stolperfallen in die Linie unserer Schritte."
    (Florance Ippdit)

    Das Leben hat viel mit vergossener Milch zu tun, auch wenn der Mensch sich häufig wünscht Dinge ungeschehen zu machen. Zumindest anders. Die Philosophie spricht gerne von der Ilusion, endet aller Leben doch mit dem Nichts. Allerdings bleibt den Einzelnen auch die Perspektive vom halb gefüllten Glas: Es ist und bleibt u n s e r Leben.

    Ich schätze Geschichten, die das Phantastische zitieren, um etwas über die Möglichkeiten der Existenz aufzeigen zu können. Good story!

    bonté

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