Rezension: Es wird keine Helden geben | Anna Seidl

Donnerstag, 6. Februar 2014 0 Kommentare



„Man kann die Angst riechen. Man kann nach ihr greifen. Er ist unter uns. Wir können sie hören, die Schüsse. Sie sind laut. Viel zu laut." [Seite 9]



Titel: Es wird keine Helden geben
Autorin: Anna Seidl
Verlag: Oetinger Verlag
Genre:  Jugendbuch
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
Erscheinungsdatum: Januar 2014
Ausstattung:  256 Seiten
ISBN13: 978 3 7891 4746 3



Ein völlig normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausenklingeln fällt der erste Schuss. Die fünfzehnjährige Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin Joanne auf das Jungenklo. Als sie sich aus ihrem Versteck herauswagt, findet sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden liegen. Doch für Tobi kommt jede Hilfe zu spät, und Miriam verliert an diesem Tag nicht nur ihr bislang so unbeschwertes Leben…

Handlung und Charaktere

Miriam ist beliebt, hat Freundinnen und einen tollen Freund. Tobi. Sie wohnt allein mit ihrem Vater, denn die Mutter hat sie vor Jahren verlassen, um die Welt zu bereisen. Da ihr Vater viel arbeiten muss, kümmern sich auch ihre Großeltern gut um Miriam. Ein wohlbehütetes Leben also, welches man durchaus als normal bezeichnen kann.

Aber eben jenes normale Leben wird von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Auf grausame Weise förmlich aus den Angeln gehoben. Von einem Mitschüler namens Matias Staudt, der mit einer Waffe in der Hand durch die Schule zieht und scheinbar wahllos seine Mitschüler erschießt.Bis er selbst ein Ende findet, weil ein SEK die Schule stürmt und ihn ebenfalls in erzwungener Notwehr tötet, bevor noch mehr Kinder sterben müssen.

Auch Tobi ist tot und Miriam, die selbst mit einem Streifschuss und Trauma davon kommt, bleibt allein zurück. Ihre Eltern und Großeltern tun ihr bestes, um sie ins Leben zurückzuholen, doch das Trauma und der erlittene Verlust wiegt schwer. Miriam erscheint es unmöglich, jemals wieder an die Tage vor dem Amoklauf anknüpfen zu können und stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, als Überlebende überhaupt weiterleben zu wollen.

Mein persönliches Fazit

Ich bin schon ein bisschen beeindruckt, dass man mit sechzehn Jahren dazu in der Lage ist, eine solche Geschichte zu verfassen oder zumindest die Idee zu einem solchen Buch zu entwickeln. Immerhin behandelt dieses Buch ein Thema, das immer wieder große Wellen in den Medien schlägt. Anna Seidl findet zuweilen Worte, die einen nicht nur nachdenklich machen, sondern auch auf eine Achterbahn der eigenen Gefühle schicken. Hut ab vor so viel Mut zu so einem Debüt. Es ist für Jugendliche auf jeden Fall gut zu lesen und eventuell eine Empfehlung als Lektüre zur Trauerbewältigung wert. Das Leben geht ja wirklich immer weiter, auch wenn es uns zuweilen unmöglich erscheint, das so nüchtern zu betrachten.

„Überall im Leben versuchen wir, perfekt zu sein. In der Schule, in der Familie, bei der Arbeit, im Alltag. Immer muss alles so laufen wie geplant. Wenn wir aber akzeptieren, dass nicht alles so laufen muss wie geplant, eröffnen sich neue Wege. Wir sollten nicht zu viel planen, sondern einfach leben. Wir haben Träume. Und oft verschieben wir sie auf später. Wir vergessen, dass später vielleicht zu spät ist. Zu Leben ist eigentlich so einfach. Wir machen es selbst so kompliziert." [ Zitat Seite 200 ]

Das Thema Mobbing von Außenseitern an der Schule unter Kindern und Jugendlichen, welches nun mal wiederholt tragischer Hauptgrund des Amoklaufs gewesen zu sein scheint, kommt in seiner Ernsthaftigkeit und dramatischen Tragweite allerdings viel zu kurz und wird zuweilen von der Erzählerin Miriam als nicht so schlimm heruntergespielt, was mich persönlich beim Lesen immer wieder auf die Palme gebracht und Miriam mir nicht so recht sympathisch gemacht hat. Sie bereut nicht wirklich, dass auch sie eine derjenigen war, die den Täter in die Verzweiflung getrieben haben, sondern bemitleidet sich eher selbst und die Tatsache, dass sie nun nicht mit ihrem Freund Tobi alt werden kann.

Ich hätte mir diesbezüglich etwas mehr Hintergrundgeschichte zur Tat an sich gewünscht, die in dem Buch als Erinnerungssequenzen angeboten werden. Vielleicht hätte mich das Buch dann noch mehr bewegt und aufgerüttelt. So empfinde ich die Geschichte nach Abschluss der Lektüre dann doch als zu oberflächlich und einseitig behandelt. Für all diejenigen, die dann doch eine etwas mehr tiefgründige Literatur zu dem Thema möchten, empfehle ich „19 Minuten" von Jodi Picoult oder „Wir müssen über Kevin reden" von Lionel Shriver

© Rezension: 2014, Juliane

Über die Autorin

Anna Seidl, 1995 in Freising/Bayern geboren, dachte sich schon als Schulkind eigene Geschichten aus. Heute ist sie freie Autorin und lebt mit ihrer Familie und zwei Katzen in der Nähe von Frankfurt. "Es wird keine Helden geben" ist ihr erster Roman.


Quelle Vita Autorin + Coverbild:
© Website Oetinger Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Buch Zitate: Die Seitenangaben befinden sich unter dem jeweiligen Zitat.
© by Anna Seidl

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