Rezension: Stolperherz | Britta Sabbag

Dienstag, 11. März 2014 0 Kommentare

Mutig ist nicht der, der keine Ängste hat, sondern der, der sich ihnen stellt.

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Sanny kann ihr Glück kaum fassen: Ausgerechnet Greg, der coole Bassist der Schulband Crystal, lädt sie ein, bei der letzten Probe vor den Sommerferien dabei zu sein. Doch es kommt noch besser: Die Jungs fragen sie, ob sie Lust hat, die Band auf ihrer Tour zu begleiten. Bisher war Sanny immer nur das unscheinbare Mädchen mit dem Stolperherzen, so genannt, weil sie mit einem Herzfehler geboren wurde. Doch Sanny zögert nicht lange – tischt ihrer Mutter kurzerhand eine Lüge auf und steht am nächsten Morgen pünktlich am Treffpunkt. Und einmal unterwegs beginnt für Sanny die aufregendste Zeit ihres Lebens ...

Meine Gedanken zu dem Buch:

Britta Sabbag hat es geschafft, mich wieder um einige Jährchen zurück in die gute Teenagerzeit zu katapultieren. Tatsächlich habe ich während des Lesens oft an alte Abenteuer und Erfahrungen zurückgedacht, die man so mit 15/16 erlebte. An die eigene erste Liebe, die eigenen Gedanken und schon fast philosophisch angehauchten Gespräche, die man mit Freundinnen führte, immer mit dem Ziel, die Welt zu verändern.

Die Protagonistin Sunny wird in ihrer Charakteristik eher ernsthaft dargestellt, mit einem starken Drang zur Selbstironie. Dadurch wirkt sie sehr erwachsen. Ich finde Sunnys Ernsthaftigkeit aber nicht unbedingt weit hergeholt oder gar unrealistisch, denn in der Tat machen sich viele junge Erwachsene Gedanken über alles mögliche, suchen ernste Gespräche und Diskussionen mit Freunden. Natürlich versucht auch ein jeder, seinen Platz und dementsprechend Anerkennung zu finden und so wird oft ein bisschen (oder auch gerne mal ein  bisschen  mehr) Oberflächlichkeit an den Tag gelegt. Ein normaler Prozess auf dem Weg zum eigenen Ich. Sunny schämt sich zum Beispiel des Öfteren für ihren Nachbarn "Flocke", der recht `uncool` auftritt und für peinliche Momente sorgt. Dennoch steht sie zu ihm, wenn es darauf ankommt. Sie glaubt an ihn. Sie lässt die Oberflächlichkeit nicht siegen.

Ich habe einige Meinungen gelesen, dass dem ganzen etwas die Tiefgründigkeit fehlen würde, und dafür doch etwas zu viel Klischee aufgefahren wird. Darüber habe ich mir meine Gedanken gemacht und ich komme zu dem Schluss, dass ich persönlich dies nicht so bestätigen kann.
Wenn man einfach mal die Alterszielgruppe dieses literarischen Roadtrips beachtet, wird man merken, dass die Geschichte schon für Leser ab 12 Jahren gedacht ist. Ich versuche immer, soweit mir das als Erwachsene möglich ist, mich in dieses Alter hinein zu versetzen und überlege, was ich zu dieser Zeit gerne gelesen habe und was mir wichtig war. Wie muss ein Roman geschrieben sein, damit er zwölfjährige LeserInnen fesseln kann? Ganz ehrlich - ein paar Klischees dürfen da schon sein.

Britta greift unter anderem das Thema Krankheit auf. Sunny hat mit einem chronischen Herzproblem zu kämpfen, leidet unter einem `Stolperherz`. Meiner Meinung nach hat sie dies schön eingebracht, ohne die junge Leserzielgruppe zu bedrücken oder zu verschrecken, aber dennoch zum Nachdenken anzuregen. Hätte sie hier weiter in die Thematik eingegriffen, hätte es für einen eher glücklich stimmenden Roadtrip-Roman sicher zu belastend gewirkt. Dennoch stupst sie darauf hin, sich nicht von seiner Krankheit das Leben bestimmen zu lassen, aber trotzdem immer auf sich aufzupassen. Dass man gewisse Dinge akzeptieren muss, sich aber damit arrangieren und sein Leben leben kann.

Das andere große Thema ist `Mut` und was Mut bedeutet. Sunny selbst ist zurückgezogen, schüchtern und will um keinen Preis auffallen. Aber ihr bietet sich eine grandiose Chance, die sie spontan ergreift (was auch schon großen Mut bedarf). Sie nimmt ihr von der Mutter allzu behütetes Leben in die Hand und folgt ihrer Intuition. Unbewusst stellt sie sich der Frage, was Mut bedeutet. Ihr begegnen auf ihrer außergewöhnlichen Reise viele Arten von Mut. Es sind die kleinen Dinge, die das Leben verändern, es lebenswert machen.

Mut bedeutet, man selbst zu sein, zu sich selbst zu stehen - immer und wahrhaftig!

Kurz & gut - mein persönliches Fazit

Ein rasanter Teeny-Roadtrip, der amüsant und zugleich berührend ist und für "Herzklopfen" sorgt. Bandmusik, erste Liebe und VW-Bus laden ein zu einer großen Abenteuerreise auf der Suche danach, was "Mut" eigentlich wirklich bedeutet. Unterhaltsam und mutmachend, perfekt für die Alterszielgruppe abgestimmt.

© Rezension: 2014, Alexandra Zylenas



Stolperherz von Britta Sabbag, erschienen im Bastei Lübbe / Boje Verlag

Jugendroman, ab ca. 12 Jahren
HC, 207 Seiten, ISBN13: 978-3-414-82381-6

[alexandra]

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