Rezension: Der Tod fährt Audi | Kristian Bang Foss

Donnerstag, 24. April 2014 2 Kommentare


 Wir setzten uns an den Tisch, und Waldemar erzählte mir von seinen Krankheiten und Syndromen. Er war ein wandelndes Lexikon seltener und unschöner Leiden, ja, er hatte so viele Krankheiten, dass ich wohl ohne Weiteres einen Mord begangen hätte, um vor derlei verschont zu bleiben. Zitat Seite 20

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Der Werbetexter Asger wird nach einer grandios verpatzten Kampagne gefeuert und fühlt sich von der Welt betrogen. Als er einen Pflegejob bei einem Mann im Rollstuhl annehmen soll, will er sich am liebsten drücken. Aber dann freunden sich Asger und der todkranke Waldemar an. Mit gnadenlosem Zynismus und viel schwarzem Humor betrachten sie ihr tristes Dasein. Bis Waldemar Asger zu einer verrückten Reise von Dänemark bis nach Marokko überredet, wo es einen Wunderheiler geben soll.
Die Fahrt mit einem schrottreifen VW-Bus durch ganz Europa wird zu einem unvergesslichen Erlebnis voller skurriler Begegnungen und ungeahnter Hürden. Und was hat es mit dem mysteriösen Audi auf sich, der an den unterschiedlichsten Orten der Reise immer wieder auftaucht? Der Tod fährt Audi ist ein herrlich unterhaltsamer, tragikomischer Roman über eine einzigartige Freundschaft und die Abenteuer, die das Leben bis zuletzt bereithält.

"Ein weiteres typisches Kennzeichen von Stentofte waren die Brände: mindestens einmal im Monat ging irgendetwas in Flammen auf, seien es Müllcontainer, Autos oder schlimmstenfalls Gebäude. Das Freizeitheim war schon vor Langem abgefackelt worden, zurückgeblieben war nur eine Brandstätte." ~ Zitat Seite 46

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die Covergestaltung ist ansprechend und der Titel erweckt auf jeden Fall die gewünschte Aufmerksamkeit. Dem Klappentext folgend erwartet man einen aufregenden, spannenden und auch humoristischen Roman. Der Schreibstil ist zu Beginn fesselnd und auch der Einstieg erklärend und ermöglicht somit dem Leser auch einen kleinen Überblick über die Hauptprotagonisten Asger und Waldemar. Wie gesagt, zu Beginn schafft der Autor eine gewisse Übersicht und einen kleinen Einblick in das Leben beider Männer und somit auch in den Verlauf bzw. das Kennenlernen der Beiden, trotz unterschiedlicher sozialer Schichten und Stadtteilen. Die Geschichte spielt zum Größtenteils in Stentofte, ein Viertel außerhalb der Stadt in Dänemark. Es wird eher als ein Ghetto beschrieben, abgewrackte Wohnviertel, kriminelle Jugendliche, Armut und auch die Umgangsarten innerhalb der Gemeinde werden sehr anschaulich beschrieben.  A

sger ist eigentlich Werbetexter und verliert aufgrund eines Fehlverhaltens nicht nur seinen Job, sondern auch seine Partnerin und das Stiefkind und in diesem Zusammenhang auch seine Wohnung. Ab da rutscht er dann auch ab, verlottert und seine Lebensverhältnisse verändern sich negativ. Er verliert den Zugang zur Gesellschaft, bis er die Stelle als Pfleger bei Waldemar bekommt. Waldemar ist todkrank und lebt in Stentofte. Es entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen beiden Männern. 

Der Schreibstil des Autors ist ansprechend, jedoch stellenweise zu langatmig und leider werden die krankheitsbedingten schweren Situationen meines Erachtens zu detailliert beschrieben, so dass sie bei mir eher eine Abneigung hervorriefen. Auch die anfänglich komischen Situationen und Witze beider Männer flachen ab und man verliert als Leser etwas den Bezug zur Geschichte. Ein tragisch-komischer Roman, der zwar eine Story aufweist, jedoch im Laufe der Geschichte zu ausladend und abweichend der ursprünglich erwartenden Geschichte wird. Der Schluss ist erwartet tragisch, jedoch dann meiner Meinung nach doch zu flapsig und kurz formuliert. Etwas weniger von der langen und wirren Fahrt und dafür etwas mehr Tiefgang am Ende hätte für meinen Geschmack die Story noch retten können. 

"Aldi kennen alle, das ist einfach ein Laden, in dem man preiswert einkaufen kann, Stentoftes Netto dagegen ist etwas ganz anderes, ja, dieser Supermarkt ist der Inbegriff der Hoffnungslosigkeit: Die Bratwürste in den Kühltruhen bestehen aus einer grauen Masse aus Angst und Verzweiflung, die Wurst ist Elend in Schreiben, Die Kassiererin die vollkommene Verkörperung einer Selbstmordkandidatin." ~ Zitat Seite 26

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Vorab, es handelt sich hier ausschließlich um meine persönliche Meinung zu diesem Buch. Es gibt hier und da eben literarische Werke, die nicht jedermanns Geschmack treffen. Als ich den Klappentext las, dachte ich erst an eine alte bereits bekannte Geschichte von zwei Männern und ihrer besonderen Freundschaft. Die Thematik an sich sprach mich an, jedoch der Aufbau und Verlauf der Geschichte haben mich etwas enttäuscht. Vielleicht lag es auch einfach daran, das ich einfach mit den Protagonisten nicht warm wurde bzw. eher eine Antipathie entwickelte, was wohl auch auf die Verhaltensweisen der Beiden zurückzuführen ist. Schade, ein Buch das mich leider nicht erreicht hat. Es ist zwar ein trauriger Roadmovie - allerdings nicht wie ich mir einen klassischen Roadmovie vorstelle bzw. gewünscht hätte. Aber wie gesagt, das entspricht nur meiner Meinung und ich bin überzeugt, dass auch dieses Werk bei dem einen oder anderen Leser die gewünschte Stimmung und Euphorie ausgelöst hat.

© Rezension: 2014, Aygen Ekici 


Der Tod fährt Audi – Kristian Bang Foss – carl´s books
10. März 2014 / Klappenbroschur / 224 Seiten 
ISBN 13: 978-3-570-58529-0

Kommentare:

  1. Das ist mal ein genialer Name :)

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    1. Hallo Neni, meinst Du den Namen des Autors? Ja, der hat was :-) Bang-Foss klingt cool. :-)

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