Rezension || Haus der Geister | John Boyne

Freitag, 23. Januar 2015 4 Kommentare

Nein Mister Boyne, woran es auch immer gelegen hat, mit diesem Buch haben sie mein Bücherherz wahrlich nicht erobern können. Und neindieses wird keine gute Bewertung, sondern mein erster richtiger Verriss eines Werkes.
Aber der Reihe nach


England 1867. Die junge Eliza Caine fährt in die englische Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace freudig begrüßt. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass außer den beiden Kindern niemand in dem alten viktorianischen Anwesen lebt – bis sie erkennen muss, dass sie dennoch nicht alleine sind. Etwas verfolgt sie und trachtet ihnen nach dem Leben. Eliza muss längst begrabene, tödliche Geheimnisse enträtseln, wenn sie nicht selbst den düsteren Mauern von Gaudlin Hall zum Opfer fallen will.

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde. »Haus der Geister« ist sein zehnter Roman. (Text & Coverbild: © Website Piper Verlag)

Gleich zu Beginn des Buches ist mir sie sehr schlichte Denkweise der Protagonistin aufgefallen welche sich aber leider auch im Schreibstil wiederfindet. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob der Autor diese simple Erzählform mit Absicht gewählt hat, um in der Ich-Perspektive dem Leser die Schlichtheit von Eliza näher zu bringen. Allerdings ist sie immerhin Lehrerin und macht an vielen anderen Stellen deutlich, dass sie durchaus einer anderen Ausdrucksweise mächtig ist. Trotzdem überwiegen dann wieder die Momente wo ich fast laut ausrufe:  "Mädchen, sei doch nicht so naiv!".
Wenn ich dem Buch etwas zugestehen muss, dann ist es die Tatsache, dass ich noch nie beim Lesen so körperlich aktiv gewesen bin. Neben der Vielzahl an Ausrufen gab es nämlich auch immer wieder Momente, wo das allein nicht reichte und sich meine Hand durch eine ruckartige Bewegung mit meiner Stirn bekannt machte. Fast jede Handlung wird erklärt, entschuldigt oder durch die Protagonistin gedeutet!
Ich kann wirklich nicht glauben, dass so ein anerkannter Autor das wirklich geschrieben hat. Ich habe allergrößten Respekt vor jedem, der Texte verfasst, aber hier drängt sich mir immer wieder der Gedanke auf, dass da der Text eines "Nachwuchsautors" genommen und einfach unter bekanntem Namen veröffentlicht wurde. Spannung ist bei mir nie richtig aufgekommen, vieles war vorhersehbar und letztlich plätscherte die Story so dahin. 
Dazu kommen dann noch in nicht geringer Zahl Sätze, die widersprüchlich und unlogisch sind, was für einige vielleicht sehr übertrieben wirkt, mir aber bei so einer Anzahl den Lesespaß nimmt. Ich fühlte mich hier schon fast als Leser beleidigt.
 "...,aber nicht bösartiges Kind, das am Vormittag mächtig überdreht und am Nachmittag ungeheuer träge war. (Ich führte das auf das Frühstück zurück, das Sie in der Schule serviert bekam. Ich vermutete, dass die Mahlzeiten sich ungünstig auf ihre Stimmung auswirkten.)" Zitat S.220
Wenn eine Lehrerin so ein Verhalten auf das Essen zurückführt, fehlen mir echt die Worte. Vielleicht liegt es ja eher am einschläfernden Unterricht?!
Nur ein paar Seiten später ist sie dann selber wohl von der Mahlzeit erschöpft, als sie noch 10 Seiten vorher in einem Tagtraum ihre Hochzeit mit einem Anwalt begeht, dann auf Seite 226 bei einem Aufeinandertreffen mit ihm errötet - "...aus unerfindlichen Gründen leicht..."! Ja, ist mir auch schleierhaft, warum man beim Anblick einer angebeteten Person errötet…okay es war nur leicht ...

 

Lang, sehr lang ist es her, dass ich mich über ein Buch so geärgert habe. Ich glaube in diesem Fall auch nicht, dass es nur an meiner Stimmung oder daran lag, dass ich das Buch zum falschen Zeitpunkt gelesen habe. Im Gegenteil, eigentlich passt so eine Schauergeschichte für mich perfekt in die Winterzeit. Da aber - bis auf an einer Stelle ganz zum Ende - sich bei mir nicht annähernd ein Gänsehautfeeling eingestellt hat, wurde auch diese Erwartung bitter enttäuscht. Viel größer ist aber meine Enttäuschung, dass ich mich persönlich vom Autor nicht ernst genommen gefühlt habe als Leser. Vielleicht hat er das mit dieser Geschichte ja auch nicht so ernst genommen, anders kann ich mir die oben beschriebenen Ausrutscher nicht erklären. Sogar wenn die Story für sehr junge Leser gedacht sein sollte, kann ich da einiges nicht verzeihen.
Es ist mein erstes Buch von John Boyne gewesen und ich hoffe sehr, dass seine anderen Werke, insbesondere „Der Junge im gestreiften Pyjama" deutlich besser sind. Allerdings werde ich mit einem weiteren Werk von ihm wohl erstmal warten.

© Rezension: 2015, Christian Köhne



Haus der Geister, John Boyne, erschienen im Piper Verlag

06. Oktober 2014 / Klappenbroschur / 336 Seiten
ISBN 13: 978-3-492-06004-2
Kaufen: Print / eBook



Kommentare:

  1. TrollMutti Vicky23. Januar 2015 um 19:57

    Danke für die emotionale Rezension! Nun ist das Buch endgültig von meiner Wunschliste verschwunden. Zwar habe ich schon einige negative Beiträge gelesen, aber dieses hier zeigt genau die Punkte auf, die ich bei einem Buch nicht verzeihen kann. Danke für meine gerettete Lesezeit und Verschonen des Geldbeutels.

    Liebe Grüße
    Vicky
    http://trollmuttis-buecherwelt.blogspot.de

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  2. Christian, du hast meinen SuB von einem Buch befreit! Danke!


    Ich hatte das Buch jetzt einige Zeit vorgemerkt, aber ich war mir einfach nicht sicher, ob ich es auch lesen will. Jetzt weiß ich es definitiv: NEIN!


    Auch mich hat Boyne mit "Der Junge im gestreiften Pyjama" (nach all den Jahren noch immer eines meiner absoluten Lieblingsbücher) total überzeugt. Aber dann las ich drei weitere Bücher von ihm und fand die nur durchschnittlich (allerdings hier eher an der unteren Grenze von drei Sternen anzusiedeln). Von daher war ich mir unsicher, ob ich ein weiteres Buch von ihm lesen soll.
    Mittlerweile glaube ich ja, "Der Junge ..." war so eine Art One-Hit-Boyne-Number ;-).


    Danke für die Rezension! Toll geschrieben, hat Spaß gemacht, sie zu lesen! (Wenn ich jetzt gemein und egoistisch wäre, würde ich dir mehr "schlechte" Bücher wünschen. Ha, ha!)


    Liebe Grüße, Iris

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  3. Hallo liebe Vicky :-)
    schön, dass dir meine Rezension bei deiner Kaufentscheidung geholfen hat. Viel lieber wäre es mir natürlich gewesen, ich hätte Dir Emotionen der Begeisterung beschreiben können, aber in diesem Fall gab es in meinen Augen nicht einen Grund dafür.

    Danke für deine Rückmeldung und
    Liebe Grüße
    Chris

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  4. Meine liebe Iris!

    Du schliesst meine Gedanken zu Mister Boyne wirklich perfekt ab...auch mir hat sich irgendwie der Verdacht aufgedrückt, dass es sich beim Pyjama vielleicht um einen einmaligen Treffer handeln könnte. Anders kann ich mir so einen Leistungsabfall wirklich nicht erklären!

    Dein Wunsch ist doch nicht egoistisch! xD Ich nehme ihn als Ansporn, meine folgenden Rezis von großartigen Büchern ähnlich unterhaltsam zu verfassen! ;-)

    Ganz lieben Dank für deine tolle Rückmeldung und auch auf diesem Weg noch einmal Gute Besserung <3

    Liebe Grüße,
    Chris

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