Rezension || Untreue | Paulo Coelho

Dienstag, 27. Januar 2015 3 Kommentare

›Ich will dir treu sein und dich ewig lieben. In guten wie in schlechten Zeiten. Bis dass der Tod uns scheidet.‹ Wenn es nur so einfach wäre! Linda hat alles, doch das Entscheidende fehlt. Hat sie den Mut, die Frage nach der Leidenschaft zu stellen? Denn zu einer großen Liebe ist man ein Leben lang unterwegs.  


Jung, attraktiv, erfolgreich – und todunglücklich. Linda versteht sich selbst nicht mehr. Müde und lustlos schleppt sie sich durch ihr Leben. Dabei hat sie vieles, was es zum Glücklichsein braucht: eine gesicherte Existenz, einen wunderbaren Ehemann, süße Kinder, einen spannenden Beruf. Doch sie spürt keine Begeisterung, und es fällt ihr immer schwerer, Fröhlichkeit vorzutäuschen. Sie beginnt von einem anderen Leben zu träumen. Durch die Begegnung mit einem alten Jugendfreund gerät Linda in einen Strudel der Leidenschaft, der sie alles riskieren und in die Abgründe ihrer Seele blicken lässt. Muss man manchmal untreu sein, um sich selbst wieder treu zu werden?

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro. Alle seine Romane, insbesondere ›Der Alchimist‹, ›Veronika beschließt zu sterben‹, ›Elf Minuten‹ und zuletzt ›Die Schriften von Accra‹, sind Weltbestseller, wurden in 80 Sprachen übersetzt und erreichten eine bisherige Weltauflage von über 175 Millionen Exemplaren. Seine Reflexionen und die Themen seiner Bücher regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen. (Text und Cover: Diogenes Verlag)

Der Roman beginnt damit, dass eine äußerst gut gestellte Frau namens Linda ihr Leben beschreibt. Sie ist Journalistin bei einer Tageszeitung mit einer hohen Auflage. Ein Leben, dass eigentlich mit Ihrem Mann und zwei Söhnen rundum perfekt klingt. Doch jeden Morgen, wenn sie aufwacht würde sie die Augen am liebsten wieder schließen.

Es scheint nach außen hin das hinreißende und glänzende Leben zu sein. Doch im Inneren ist die Frau zerrissen und quält sich. Eine Depression überschattet sie. Ihr Mann kümmert sich weiter um sie und doch bricht Linda aus.
Sie lernt andere Menschen kennen, nimmt Drogen, fällt richtig in Exzesse. Doch es ist beim Lesen zu spüren, dass es mehr um sie geht als um ihr Leben mit der Familie. Doch sie macht ihr nun gelebtes Drama noch enger und neben den Exzessen geht sie nun auch fremd.
Für sich entdeckt sie dadurch auch vieles und reflektiert, erkennt. 

Es sind viele Seeleneinblicke einer jungen Frau, die an dem allem was sie hat, doch gescheitert ist. Selbst ihre Stadt in Genf wird als trist und nicht erfüllend bezeichnet. Lesend ist auf vielen Seiten eine Depression zu spüren. Es ist aber keineswegs erdrückend. Eher lese ich weiter, da ich wissen möchte wo der eingeschlagene so andere Weg die Frau hinführt.

Erleichtert bin ich dann, als Linda rückblickend alles betrachtet und sie mit ihrem Mann bei einem Essen mit anderen sitzt. Ein Gespräch kommt in Gang und lässt Linda nachdenklich werden. Auch Sex spielt eine entschiedene Rolle. Was bleibt nach Jahren der Ehe auf der Strecke? Ist es das komplette Ausleben von allem oder doch die Treue, die Halt gibt. Freiheit und Verbundenheit? Geht dies zusammen? All diese Fragen, die wir uns oft in Beziehungen stellen werden beantwortet. Bringen Nachdenklichkeit. 

Ein Buch, das alle Bereiche einer Ehe beleuchtet. Nichts wird ausgelassen. In jeden noch so kleinen Winkel wird hineingeschaut. So kommt es dazu, dass man selbst die eigene Beziehung betrachtet und entweder aufatmet oder die Schatten, die oft unter den teuren Teppich gekehrt werden erkennt.
Manches müssen wir durchleben, um weiterzukommen. Sicher oft mit seelischen Schmerz verbunden, aber am Ende können wir wie Linda sagen: "Vorangekommen" Genau, dieses auch durch eine schwierige Zeit hindurchgehen lässt uns weiterlaufen. 

Es ist wichtig uns zu lieben und einfach lernen zu lieben. Liebe einfach auszuhalten. 


Ein sehr spannendes Buch. Moralvorwürfe sind leider immer leicht - das perfekte Leben ist eben aber oft nicht perfekt und es ist wichtig genau hinzusehen, warum manche Menschen ausbrechen. Ein sehr guter und realistischer Roman, den ich sehr gern las, da er viel Gedankentiefe hat und weil er zeigt, dass Depressionen oftmals viele Wege gehen.

© Rezension: 2015, Sanni
Gedankenlabyrintherin


Untreue - Paulo Coelho - Diogenes Verlag


Erscheinung: Oktober 2014
ISBN: 978-3-257-06908-2
Format:  Roman, Hardcover Leinen, 320 Seiten
Kaufen: Print / eBook / Hörbuch



Kommentare:

  1. Martinas Buchwelten27. Januar 2015 um 20:09

    Hallo Sanni!
    Das ist die erste positive Rezi zu diesem Buch! Ich hatte es bei Veröffentlichung im Auge, aber dann las ich nur negative Rezensionen dazu.
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Ich schätze Paulo Coelho ja sehr und schleiche schon lange um dieses Buch herum. Die Rezension hat mich darin bestärkt, dass mir das das Buch wirklich gefallen könnte. Vielen Dank!

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  3. Und es werden mehr und mehr ;-)

    Auf jeden Fall gebe ich meine signierten Schätzchen nicht mehr her!

    Was Autoren angeht, so hat Herr King ein ganzes, eigenes Regal (auch bei mir sind da Bücher aus den 80er Jahren z.B. drunter, mitgeschleppt, mehrfach gelesen, geliebt...), Herr Koontz, Frau Reichs, Frau Slaughter, Herr Nasaw, Herr Fitzek, Frau Thiesler, um nur einige zu nennen. Meine Harry-Potters sind auch ein Heiligtum, daneben steht die Splitterherz-Trilogie von Frau Belitz, die mich auch definitiv nicht verlassen wird!

    Aus meiner Kindheit ist da ein dicker Band Nesthäkchen zu nennen, die Karl-May-Bände, die ich von meinem Bruder "geerbt" hab, aus den 60er Jahren...

    Und es kommen wirklich immer mehr dazu. Manche Reihen fang ich erst später an, mir überhaupt anzusehen. Manchmal geht mir ein gewisser Hype ein wenig auf die Nerven, da brauch ich dann länger, bis ich wirklich Lust verspüre, mich daran zu wagen ;-)

    Es ist schon recht voll in meinen Regalen, aber ich habe keine Sorge, dass das bis zu meinem Lebensende noch mal so viel wird ;-) Und ich liebe es, mitten drin zu sitzen und manchmal einfach die Blicke schweifen zu lassen und glücklich vor mich hinzulächeln :)

    Liebste Grüße
    Bine

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