Rezension || Weibersommer | Heike Wanner

Dienstag, 20. Januar 2015 0 Kommentare

„Ich dachte, es gibt keine Unterlagen von unserer Großmutter Marie“, wunderte sich Anne. „Das hat Horst jedenfalls immer erzählt. Alles sei bei der Flucht aus Masuren verlorengegangen.“ „Offensichtlich hat er nicht die Wahrheit gesagt.“, murmelte Lou. „Ich möchte wissen, warum“ „Vielleicht sind wir schlauer, wenn wir die Briefe gelesen haben.“ ~ Seite 130


Die drei Cousinen Lisa-Marie, Marie-Luise und Anne-Marie haben nicht viel gemeinsam − nur den Namen Marie, den sie von ihrer geliebten Großmutter bekommen haben. Doch als sie einen Bauernhof im Allgäu erben, machen sich die drei Frauen in einem alten VW-Käfer auf den Weg. Enthusiastisch tauschen sie ihre Stöckelschuhe gegen Gummistiefel und merken bald: Ein Bauernhof macht noch keine drei Freundinnen. Erst ein kleines Bündel Briefe, die von einer außergewöhnlichen Liebe erzählen, zeigt den drei Maries, wie schön so eine „Familienbande“ sein kann, und offenbart ein streng gehütetes Familiengeheimnis.

Heike Wanner arbeitet als Angestellte bei einer Fluggesellschaft und lebt in der Nähe von Wiesbaden. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.
(Quelle Text und Cover: Ullstein verlag) 


Zu welcher Jahreszeit man diesen Roman auch liest, er wärmt das Herz.
In dem Roman geht es um drei Frauen die nach dem Tod ihres Onkels dessen Hof und Tiere im Allgäu versorgen wollen während ihre Mütter einen Kuraufenthalt in Bad Rappenau haben. Allerdings haben die drei Frauen absolut keine Ahnung von der Landwirtschaft. Es verspricht also interessant zu werden.
Ein dünner Strahl Milch tropfte auf Annes Gummistiefel. „Ich kann melken!“, rief Anne begeistert und klatschte Mette-Marit schwungvoll auf das Hinterteil. Doch leider hatte die Kuh kein Verständnis für Annes Freude. Im Gegenteil – sie erschrak so heftig, dass sie mit ihren Beinen ausschlug und Anne vom Hocker ins Stroh stieß. ~ Seite 81
Anne(-Marie), Lou (Marie-Luise) und Lisa-Marie können unterschiedlicher nicht sein. Die eine ist unglücklich in ihrer Ehe, die andere lebt für ihre Arbeit und den Luxus und die dritte im Bunde führt einen kleinen Buchladen der dem Konkurrenzdruck zum Opfer fallen zu droht. Eines haben die drei Frauen aber gemeinsam, sie tragen alle den Zweitnamen Marie – benannt nach ihrer Großmutter.

Ein Roman der von Familienzusammenhalt erzählt, von Freundschaft, Probleme und Sorgen des Alltags, der Liebe und einer zauberhaften … magischen Spurensuche nach einem gut gehüteten Familiengeheimnis. Und einem jungen Mann der gleich am ersten Tag wie zufällig auftaucht und bleibt. Diesen Jo umgibt ein Geheimnis, dass er selbst um sich macht. Er spricht nicht gerne von sich und keiner weiß eigentlich woher er kommt und wer er wirklich ist. Er scheint nur zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. Annes Tochter Mia taucht im Laufe der Geschichte ebenfalls auf dem Hof auf und es entwickelt sich zwischen ihr und Jo ein zartes Band. Jedoch bleibt da immer noch das Geheimnis um Jo. Welches Geheimnis hat er?
Sie kicherte, atmete einmal tief durch und war kurz darauf eingeschlafen. „Ich finde das garnicht komisch“, flüsterte Jo und vergrub sein Gesicht in Mias Haaren. Ich habe mich auch in dich verliebt, setzt er in Gedanken hinzu. Nicht nur ein bisschen, sondern ziemlich gründlich. Und das brachte seine Pläne gehörig durcheinander. ~ Seite 206
Aber zurück zum Buch an sich. Denn von der Geschichte möchte ich Euch nicht noch mehr vorweg nehmen. Das Cover wird dem Inhalt irgendwie nicht ganz gerecht. Sicher geht es darum, dass die Frauen sich anfangs noch aus Pflichtgefühl in regelmäßigen Abständen zum Kaffee treffen. Doch das Herzliche des Romanes, das Familiäre, der Bauernhof, der Mittelpunkt der Geschichte ist und die Neugier auf die Spurensuche in der Vergangenheit des Onkels vermiss ich in diesem Cover. Eine Tasse mit erntefrischen knackigen Kirschen ist zwar ansprechend und auch die Kirschblüten an sich mag ich sehr gerne, das Gewisse fehlt jedoch. Man kann es schlecht beschreiben. Dieses Buch war ein Geschenk und im Laden wäre es mir sicher durch die sogenannten Lappen gegangen. Schade, würde ich jetzt sagen, denn die Geschichte ist wahrlich zauberhaft. 

Der Schreibstil ist recht flüssig, humorvoll und doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit versehen. Man mag das Buch nicht aus der Hand legen. Schon der Aufbau des Romans ist spannend und man taucht immer mehr ein in das alltägliche Leben der Frauen und ist neugierig auf die Spurensuche in die Vergangenheit des Onkels.
Lest den Roman und macht euch auf in dieses Lesevergnügen. Die Landschaft des Allgäus ist förmlich greifbar und sehr gut beschrieben. Ein charmant geschriebener Roman der fesselt und mit Humor und Ernst zeigt wie wichtig doch die Familie ist. 
Ein Roman der unter die Haut geht.
Der Mensch kann sich ändern, wenn er nur will und den nötigen Rückhalt in der Familie hat.

© Rezension: 2015, Susa
FB: Susas Leseecke


Weibersommer – Heike Wanner – Ullstein Verlag

15. Februar 2013 / Taschenbuch / 352 Seiten
ISBN 13: 9783548284712

Kaufen: Print / eBook 




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