Rezension || Berlin City Girls – Verbotene Nächte | Janne Palmer

Donnerstag, 26. Februar 2015 4 Kommentare


"Ein Jugendroman rundum eine Berliner WG, der eine spannende und emotionale Handlung verspricht, insgesamt aber deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt!"

Berlin. Eine Freundschaft. Eine Leidenschaft.
Sechzig Bewerber auf ein WG-Zimmer, angesagte Clubs, immer irgendwo Dreharbeiten, Demos und Hundekacke. Schlaflose Nächte, zu viele Partys und strange Mitbewohner: Das ist Berlin! Hier spielt die Geschichte von Anouk, die sich Hals über Kopf in Joël verliebt. Das Dumme ist nur: Er ist der Freund ihrer besten Freundin. Ein absolutes Tabu. Doch was tun, wenn man die Finger nicht voneinander lassen kann?
(© Text- & Bildmaterial: Fischer KJB Verlage




Sowohl das Cover als auch der Klappentext versprechen eine spannende und emotionsgeladene Geschichte rund um Liebe und Freundschaft. An und für sich also ein Plot, der jede Menge Potenzial besitzt. Leider schafft es die Autorin nur ansatzweise dieses Potenzial auch zu nutzen. 

Der Schreibstil ist äußerst locker und angenehm, so dass man nur so über die Seiten fliegt und das gesamte Buch wie nichts wegliest. Der Stil passt somit wunderbar zur Zielgruppe der Jugendlichen ab 14 Jahren. Geschildert wird die Geschichte in der dritten Person, was eine große Distanz zwischen dem Leser und den Figuren aufkommen lässt, die eine wirkliche Bindung unmöglich machen und auch der Authentizität der gesamten Handlung schaden.

Protagonistin Anouk ist 20 Jahre alt und glaubt nicht wirklich an die große Liebe. Vielmehr genießt sie ihr Leben in vollen Zügen und Männer haben darin nur maximal eine Nacht lang Platz. Ein Verhalten, das ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Leider bin ich im Laufe der gesamten Geschichte nicht wirklich dahinter gekommen, warum Anouk sich so gegenüber einer Beziehung sperrt. Sie scheint keinen wirklich an sich heran zu lassen, bis auch ihre beste Freundin Francisca. Doch dann verliebt sie sich doch: in den Freund ihrer besten Freundin, Joel. Auch hier bin ich nicht so ganz schlau aus Anouk geworden. Wieso ausgerechnet jetzt? Hat sie nicht vor 5 Jahren Francisca den Vortritt gelassen? Was ist zwischen ihr und Joel passiert? Fragen über Fragen, mit denen man sich als Leser die ganze Zeit beschäftigt, die aber nie geklärt werden. Leider, denn so bleibt Anouk weiter undurchsichtig und oberflächlich gezeichnet. Mit den übrigen Figuren des Buches – Francisca, Joel und Pauline – ist dies nicht viel anders. Hier wäre eindeutig mehr Tiefgang nötig gewesen, um die Zusammenhänge und auch die Beweggründe für das Handeln der Figuren besser verstehen zu können. Insgesamt ist es hier einzig und allein Anouks Geschichte und die übrigen Figuren sind und bleiben nettes Beiwerk, mehr nicht. Es ist schade, denn hier vergibt die Autorin sehr viel Potenzial, das der Geschichte an sich innewohnt.

Auch hatte ich das Gefühl, dass die gesamte Geschichte nur anerzählt war, da viel zu viele Details und Hintergrundinfos einfach fehlten und noch so viel offen blieb. Vielmehr plätscherte alles so dahin und ehe man sich versah, war das Buch zu Ende, doch längst nicht alles gesagt. Ein wirkliches Wehrmutstropfen, wenn man bedenkt, wie spannend und romantisch die Handlung hätte werden können.

Die angesprochene Erotik kam in meinen Augen auch nicht wirklich auf. Sicherlich gab es einige intime Szenen zwischen den Figuren, doch auch diese wirkten eingebaut und aufgesetzt – ohne viel Gefühl wurden sie integriert. Das machte das Gesamtkonzept Erotik einfach nur unglaubwürdig. Dennoch sind die erotischen Szenen teilweise mit einer Wortwahl geschrieben, die für mich nicht zur Zielgruppe der 14-jährigen Jugendlichen passt. Daher sollte das Buch eher erst ab 16 Jahren gelesen werden.



Insgesamt ist Janne Palmer mit „Berlin City Girls. Verbotene Nächte" ein eher durchwachsener Auftakt zu einer neuen Reihe gelungen. Leider kann auch der lockere und gut lesbare Stil der Autorin nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte wie auch die Charakter eher oberflächlich bleiben und es der Handlung an jeglichem Tiefgang mangelt. Potenzial hatte die Grundidee in jedem Fall und gerade das macht es so schade, dass die Autorin meines Erachtens leider nicht gelungen ist, dieses auch ausreichend zu nutzen. Sehr schade!

© Rezension: 2015, Sandra
FB: Sunny liest




Berlin City Girls. Verbotene Nächte - Janne Palmer - Fischer KJB

11. Dezember 2014/ Taschenbuch/ 208 Seiten
ISBN: 978-3-596-81250-9
Kaufen: Print / eBook



Kommentare:

  1. Die Story scheint ziemlich klischeemäßig. Und... so, wie du es beschreibst, ist sie auch noch unschön umgsetztt.....

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  2. Ja, vom Grundsatz her lebt die Story wirklich von Klischees. Ich hatte gehofft, dass die Autorin das Thema mal auf eine andere Art und Weise angeht und umsetzt. Doch ich wurde enttäuscht. Und ja, die Umsetzung war auch eher mittelmäßig. Du bringst es also auf den Punkt. LG Sandra

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  3. Ich denke, viele Autoren haben Potential - es fehlen manchmal einfach Leute, die sagen: Bau die Story aus! Du hast Stärken und die solltest du nutzen! So ist meine Erfahrung.

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  4. Da gebe ich dir völlig recht. Mir tut es dann immer auch ein bisschen leid für die Autoren, zumal man ja weiß wie viel Energie in so einem Buch steckt.
    Das , was du so treffend beschreibst, passt genau zu der Autorin Janne Palmer. Der Schreibstil gefällt, nur die Umsetzung ihrer Ideen ist etwas schwach. Aber das ist ja nichts, woran sie nicht arbeiten könnte. Potenzial ist hier auf jeden Fall da. Hoffentlich helfen ihr die Rezensionen zum Buch dabei ihre Stärken auszubauen und die Schwachstellen zu beheben. Ich würde es mir für sie wünschen.
    LG Sandra

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