Rezension || Kaffeeklatsch mit Goldfisch | Martha Sophie Marcus

Mittwoch, 29. April 2015 4 Kommentare

Ein lebendiger, lebensfroher Roman über das Leben und darüber, wie schnell unsere Probleme unwichtig werden können und man erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben…

[Klappentext] Antonia, 42, besitzt eine Apotheke im hübschen Jeetzeburg an der Elbe. Sie liebt ihre Arbeit, ihre beiden Töchter und ihren Mann Monty. Und doch plagt sie die Midlife-Crisis: Das Privatleben kommt zu kurz, die pubertierenden Töchter nerven, und Monty scheint jegliches erotische Interesse an ihr verloren zu haben. Als der Fluss über die Ufer tritt und halb Jeetzeburg unter Wasser setzt, zögert Antonia dennoch nicht lang. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Helen, der Stammkundin Petra und ihrer Angestellten Carolin hilft sie beherzt der betagten Frau Lilienthal, deren geliebtes Haus bedroht ist. Und plötzlich erscheinen ihre eigenen Probleme in einem ganz anderen Licht ... (© Text- & Bildmaterial: Goldmann Verlag)
[sk] Ich muss gestehen, dass ich bei diesem Buch zunächst etwas skeptisch war, ob es mir wirklich gefallen könnte. Das Cover selbst hat mich so gar nicht angesprochen, ebenso wenig wie der Titel. Erst der Klappentext war es, der mich doch sehr neugierig auf das Buch und die Geschichte hinter Cover und Titel gemacht hat. Und nun muss ich eingestehen – ich habe es nicht bereut…

Die Autorin verpackt das doch eher ernsthafte Grundthema Hochwasser auf eine locker-leichte und auch humorvolle Art und Weise und nimmt so diesem dramatischen Hintergrund seine einschüchternde Wirkung, liefert aber gleichzeitig einen fabelhaften Background für die Zusammenführung der fünf Frauen. Einzeln erscheinen ihnen ihre Probleme unüberwindbar, doch in dieser brenzligen Situation müssen sie erkennen, was wirklich im Leben zählt und lassen alles andere bedeutungslos wirken.

Untermauert wird dies noch durch die abwechselnden Perspektiven. Denn so lernt der Leser die Frauen sehr schnell, sehr gut kennen. Mir waren die Figuren allesamt von Beginn an sympathisch, vor allem deshalb, weil ihre Probleme und ihr Leben so real und auch so nah an unserem eigenen Leben waren. Sicherlich konnte man nicht alle Reaktionen der Frauen nachvollziehen, doch kann man nie mit Bestimmtheit sagen, wie man selbst in ihrer Situation gehandelt hätte.

Mich hat beeindruckt, wie die Frauen sich der zunächst ausweglosen Situation gestellt, sich gegenseitig unterstützt und auch zugehört haben. Das gab allen von ihnen Halt, den Halt den eigentlich jede von ihnen zuvor in ihrem Leben auf irgendeine Weise vermisst hatte. Schade ist eigentlich nur, dass es für solche Erkenntnisse meist ein negatives oder dramatisches Schlüsselereignis braucht. Wir sollten uns vielmehr auf die kleinen Dinge des Lebens besinnen, und zwar jene, die unser Leben besonders machen – Freundschaft, Liebe und unsere Träume.

 

Nach anfänglicher Skepsis hat mich das Buch von der ersten bis zur letzten Weise begeistert, weil es mich auf wunderbar leichte und fabelhafte Weise unterhalten hat, sodass ich das Lesen einfach nur genießen konnte. Doch trotz dieser Leichtigkeit hat es mich auch nachdenklich gemacht – nachdenklich über mein eigenes Leben und darüber, was wirklich zählt. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich allen Grund habe, rundum glücklich zu sein!

© Rezension: 2015, Sandra Krause

 
Kaffeeklatsch mit Goldfisch - Martha Sophie Marcus - Goldmann Verlag
16. Februar 2015/ Taschenbuch/ 304 Seiten
ISBN: 9783442481057



Kommentare:

  1. Vielen lieben Dank für diese Rezension. Dieses Buch stand schon auf meiner Wunschliste, aber ich werde dieses wieder entfernen. Die Begründung liegt genau darin, dass mir alles zu verwirrt erscheint und da du am Ende betonst, das die emotionale Brücke zur überlebenden Tochter nicht aufgebaut wird. Ich liebe Emotionen und schon recht, wenn es um Kinder geht. Daher rudere ich zurück und kaufe mir ein Buch, von dem ich weiß, dass es mir passt oder ein ganz anderes, von dem ich noch nichts gehört habe. Vielen lieben Dank noch mal an Wolfgang Brandner. (y)

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  2. Liebe Silvia,
    danke für Deine motivierenden Worte, das weiß ich sehr zu schätzen.
    Immerhin kann das Ergebnis einer Buchempfehlung ja auch sein, daß man beschließt, es NICHT zu lesen.

    Die Geschichte an sich habe ich spannend empfunden, da es wie so oft um ein Geheimnis geht, das das zarte Geflecht einer Familie zum Zerreißen belastet. Allein, die überlebende Tochter - wer das nun tatsächlich ist, wird nicht verraten :) - wirkte für mich als Leser distanziert, kühl, ja geradezu eisig, um den Titel aufzugreifen. Wenn das für Dich entscheidend ist, rate ich zu Sophie McKenzie, dann bleiben wir gleich in England. Und, wenn ich schon etwas andeuten darf, was demnächst hier im Bücherkaffee zu finden sein wird, das schwedische Duo Grebe/Träff kann mich in emotionaler Hinsicht ebenfalls überzeugen.


    Liebe Grüße und viel Spaß beim Schmökern und Stöbern!

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  3. Liebe Sanni,



    dieses Buch liegt seit, glaube letzter Woche, auch bei mir. Nina hatte mich darauf aufmerksam gemacht und ich habe es mir sofort gekauft. Nun lese ich deine Rezension und kann es kaum noch erwarten, in diese Geschichte einzutauchen. Ich lese, seit ich als Kind das Tagebuch von Anne Frank las, viel zum Thema Holocaust. Als Person beeindruckt mich z.B. auch Eva Mozes Kor sehr, eine bemerkenswerte Dame.


    Danke für diese schöne und gefühlvolle Rezension :)


    Liebe Grüße und einen schönen Abend ♥
    Sandra

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  4. Sanni Bücherwurm18. Mai 2015 um 14:05

    Liebe Sandra, ich danke dir für deine Wort und empfehle dir auch "Der Klang der Hoffnung von Suzy Zail. Ich wünsch dir sehr viel Spaß beim Lesen und freue mich, wenn du schreibst, wie das Buch für dich war. Eva Mozes Kor ist nahezu bewundernswert. Sie konnte vergeben, was viele nicht vergeben können, da die Taten so unendlich gegen die Menschlich waren. Ich habe viel über und von ihr gelesen. Mich beeindruckt auch Margot Friedlander, die immer noch unterwegs ist und auch viel Arbeit gegen das Vergessen leistet. Gut, dass es Bücher gibt, die auch nicht vergessen lassen.

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