Fallen #1 | Carl Hoever

Donnerstag, 28. Mai 2015 0 Kommentare

[Klappentext] Ein erfolgreicher Ghostwriter steigt aus. Sein Leben als Privatier in Dubai endet in einem arabischen Gefängnis. Wieder frei, verliert er nicht nur seine Identität sondern auch seinen Halt. Eine waghalsige Suche nach den Gründen bringt ihn über Malaysia in die Fänge des Deutschen Geheimdienstes. Wer steckt hinter der Verschwörung? Worauf ist er gestoßen? Noch dazu ohne, dass er es weiß..."Fallen #1" ist der Auftakt zu Carl Hoevers Fortsetzungsroman.  [© Text und Cover: frankly books]

[wb] Anton von der Bleeke lebt in einem mondänen Appartement in Dubai das Leben eines Mannes, der keine finanziellen Sorgen hat. Existentielle Sorgen stellen sich hingegen ein, als er überwältigt und in ein örtliches Gefängnis verfrachtet wird. Als er nach Tagen zermürbender Ungewißheit einem unbekannten Wohltäter seine Freiheit verdankt, beschließt er, die Ursachen zu erforschen.
Dies wäre ein vielversprechender Plot, der sein Spannungspotential einerseits aus der Fallhöhe des Protagonisten und andererseits aus dem Grund seines Schicksals bezieht. Von intimem Eifersuchtsdrama bis zur internationalen Verschwörung wäre sehr viel Spielraum für die Kreativität des Autors. Was den Leser schließlich noch die Zeit vergessen und die Anzahl der im Buch verbleibenden Seiten dahinschmelzen ließe, ist eine Hauptfigur, mit der mitzufiebern sich lohnt und zumindest eine Ahnung, wohin die Geschichte steuert.

Beides bleibt der Autor schuldig.

Ohne den Grund dafür zu kennen, im Gefängnis eines Landes zu enden, mit dessen Sprache und Kultur man nicht vertraut ist, das ist wahrlich keine Wunschvorstellung. Zwar schildert der Autor die Entindividualisierung, die furchtbaren hygienischen Zustände, die Hackordnung unter den Gefangenen, Anton scheinen diese Zustände jedoch kaum zu berühren. Zwar leidet er kurzzeitig unter Übelkeit, von Angst, Beklemmung, Panik, verzweifeltem Hoffen oder Resignation ist jedoch nichts zu verspüren. Seine Gefühlsarmut wirkt geradezu unrealistisch, die erwartete Läuterung einer Figur, deren Dekadenz zuvor an Patrick Bateman in "American Psycho" erinnerte, bleibt aus.
Als er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Kuala Lumpur ein deutsches Rucksacktouristenpärchen für seine Nachforschungen engagiert, fällt vor allem die Aggressivität ins Auge, mit der er die beiden behandelt. All seine Frustration projiziert er auf die beiden, schreckt auch nicht davor zurück, sie in einer ausweglosen Situation im Stich zu lassen ... ein Verhalten, das gewiß nicht dazu beiträgt, die Sympathie des Lesers für ihn zu steigern.

Der Misanthropie der Hauptfigur wird so viel Raum gewidmet, daß die Entwicklung der eigentlichen Geschichte nur sehr schwerfällig voranschreitet und erst durch den Auftritt eines deutschen Geheimdienstes am Schluß an Fahrt gewinnt. Dies mag noch rechtzeitig erfolgen, um der Geschichte als Cliffhanger für den folgenden Teil zu dienen, um der Geschichte an Substanz zu vermitteln, ist dies definitiv zu spät.

Auch der Einstieg in den Roman ist nicht ganz unproblematisch. Der Autor brilliert in der Vermittlung realistischer Eindrücke der arabischen Reißbrettmetropole Dubai sowohl aus dem 34. Stock als auch auf Straßenniveau, doch irritiert die Vermischung der Tempusformen. Der häufige Wechsel zwischen Präsens und Perfekt gerade zu Beginn wirkt wie das nervöse Suchen mit der Erzählkamera nach der idealen Einstellung zwischen Weitwinkel und Nahaufnahme.

Der naturalistische Stil erinnert eher an eine Reportage, denn an einen Thriller und kostet viel an Spannung. Der Hauptfigur derart unsympathische Züge zu verleihen, ist außerdem eine fragwürdige Entscheidung des Autors.

© Rezension, 2015 Wolfgang Brandner



ISBN-13: 978-3-945857-12-0
Erschienen am: 27.03.2015


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