Hellwach | Hillary Smith

Donnerstag, 21. Mai 2015 0 Kommentare

Fühlst du manchmal diese Lust, Sterne umarmen zu wollen?

[Klappentext] Das Leben meiner Eltern ist so strahlend, als wäre es gar nicht echt. Es hat eine klinisch saubere Frische wie Schnittblumen, eingeschweißt in Zellophan. Mir wird schwindelig davon. Seit dem Tod meiner Schwester weiß ich, Leben ist Chaos. Es fühlt sich an, als würde mein Leben gerade in mehrere völlig verschiedene Realitäten aufsplittern, die eigentlich gar nicht nebeneinander bestehen können. Es gibt die eine Version, wo der Klavierwettbewerb das Wichtigste auf der ganzen Welt ist und ich ehrlich und gehorsam bin. Und dann gibt’s die Version, in der die Erwartungen meiner Familie irgendwie völlig bizarr und unwichtig sind. Ich schlinge die Arme um die Knie, weine und lache und suche nach meinem iPod, damit ich die passende Musik dabeihabe. Ich bin hellwach, von innen beleuchtet, und begreife, dass das Universum mir heute Nacht einen Einblick schenken will – einen Einblick in etwas Großes. Und ich habe Angst, dass sich diese Tür zu etwas Wunderschönem vielleicht schließt und nie wieder öffnet, wenn ich die Chance jetzt nicht nutze... [© Text und Bild Fischer FJB]

[sg] Zuerst einmal ist dies kein Feel-Good-Roman. Schon beim Lesen des Klappentextes zweifle ich an dem "Feel-Good".
Und behalte recht.

Das Buch ist lesend wie Spurt durch eine schnelle Sprache der Autorin.
Ich mag diesen Stil und wie die Protagonistin Kiri mit ihren 17 Jahren erzählt, schon so viel weiß und eine geradezu ungewöhnlich große Gedankentiefe hat.
Ab und zu schleichen sich sogar poetische Zeilen ein, die sehr schön sind, manchmal nachdenklich machen.

Aber Kiri hat ihre Schwester Sukey verloren und ihr Leben gerät noch einmal durcheinander, als ein älterer Mann sich bei ihr meldet und sie bittet, die Sachen ihrer Schwester, die vor 5 Jahren starb abzuholen. Kiri war mit Sukey sehr verbunden. Nun tauchen Fragen auf. Kannte der Mann ihrer Schwester? Warum hielten ihre Eltern alles so im Verborgenen? Sie geht dem nach.

Mich berührt sehr, wie Kiri kämpft und merklich sehr allein ist. Viel Schmerz, Trauer und Verzweiflung ist in dem Buch zu lesen. Sie leidet an Psychosen und Depression und findet keine gute Lösung dafür. Kiri verfällt den Drogen, kifft jeden Tag und es scheint, als wolle sie ihre traurigen Gefühle abtöten, einfach mit Drogen fortspülen. Ihre Eltern vergnügen sich lieber auf einer Reise und geben nach außen immer die Bilderbucheltern. Ein heile Welt, die genau betrachtet nur Trümmer hat. Selbst den Tod Sukeys kehren sie unter den Tisch.
In Skunk findet Kiri dann endlich später einen Verbündeten und erfährt Halt, den sie zum Beispiel durch ihre Eltern nie erfahren hatte.

Ein Buch, das schonungslos ist und aufzeigt, welche Folgen es haben kann, wenn Kinder fern von Liebe und Geborgenheit sind. Außerdem zeigt es die Seiten psychischer Erkrankungen, die für viele noch so unverständlich sind, aber leider eben auchTatsache sind und vom wegschauen ist keinem Menschen geholfen. Sicher ist die Altersangabe ab 14 Jahren aber durch den großen Drogenkonsum nicht ganz so gut, wie ich persönlich empfinde und sollte höher gesetzt werden.


Wirklich kein Feel-Good-Roman, sondern sehr tiefsinnig, nachdenklich, aufwühlend und so wahnsinnig sprühend, lebensecht geschrieben. In dem Roman wird hingesehen, wo andere wegsehen. Gut so.

© Rezension: 2015, Sanni Gedankenlabyrintherin



Hellwach - Hillary Smith - Fischer Verlag FJB

Erscheinung: April 2015
Gebunden: 368 Seiten. ISBN: 978-3841421579
Buch kaufen: Print / eBook






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