Kindeswohl | Ian McEwan

Donnerstag, 9. Juli 2015 0 Kommentare

[Klappentext] Fiona Maye ist eine angesehene Richterin am High Court in London, bekannt für ihre Gewissenhaftigkeit. Mit ihrem Mann Jack, einem Geschichtsprofessor, ist sie seit mehr als dreißig Jahren verheiratet – harmonisch, wenn auch in letzter Zeit vielleicht ein wenig distanziert. So fällt Fiona aus allen Wolken, als er ihr eröffnet, dass er ihren Segen für eine außereheliche Affäre will. Genau in diesem Moment wird ihr ein eiliger Fall vorgelegt: Ein 17-jähriger Junge, der an Leukämie leidet, benötigt dringend eine Bluttransfusion. Aber seine Familie – Zeugen Jehovas – lehnt das aus religiösen Gründen ab. Genauso wie er selbst. Doch ohne Transfusion wird er qualvoll sterben. Fiona bleiben für ihr Urteil weniger als 24 Stunden. Kann sie jetzt, inmitten ihres emotionalen Tumults, ihre kühle Professionalität bewahren? [© Text und Bild: Diogenes Verlag]


[mk] Ich hatte zunächst Bedenken: ein Roman über eine Richterin, kann das denn spannend sein? Ich bin in juristischen Dingen nicht bewandert, und gerade deshalb sind die Beschreibungen der Fälle für mich sehr interessant. Fiona Maye ist zuständig für Familienrecht und muss über Schicksale anderer bestimmen. Ausgelöst vom Hass, der Gier und Gewalt der Eltern kommen dabei immer wieder die Kinder unter die Räder.

Nachdem es in ihrer Ehe anfängt zu kriseln, bekommt sie den Fall des Zeugen Jehovas auf den Tisch und ihr emotionaler Schutz beginnt zu bröckeln.

Ian McEwan schreibt gewohnt sprachlich virtuos. Es gelingt ihm, die normalerweise distanzierte und despotisch wirkende Richterin menschlich darzustellen. Trotz ihrer Berufs- und Lebenserfahrung ist sie nicht abgestumpft, weder privat noch beruflich.

Den Fall des Leukämiekranken 17-jährigen, aber auch die anderen Fälle, die beschrieben werden, würde ich nicht entscheiden wollen. Diese Einblicke in die Juristerei haben mich an das Buch gefesselt und bei mir Respekt vor den Richtern erzeugt, die diese Dinge im besten Sinne der Kinder und Jugendlichen beurteilen müssen.


Ein Buch mit einem interessanten Thema und einer sehr gut charakterisierten Hauptperson. Es hat mich zwar nicht restlos begeistert, dafür ist es vielleicht nicht spektakulär genug, Ian McEwan hat spürbar bewusst Wert auf eine sorgfältige Recherche gelegt. Gefesselt hat es mich aber. Und sprachlich ist es bemerkenswert gut.

© Rezension: 2015, Marcus Kufner




Aus dem Englischen von Werner Schmitz
9. Januar 2015 / Hardcover / 224 Seiten / ISBN: 9783257069167

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