Biografie: Die Frau, die Nein sagt | Malte Herwig

Mittwoch, 5. August 2015 0 Kommentare

Rebellin, Muse, Malerin - Francoise Gilot über ihr Leben mit und ohne Picasso

[Klappentext] Sie ist die einzige Frau, die Picasso verließ. Sie steht mit 93 Jahren jeden Tag in einem ihrer Ateliers in New York und Paris und sucht mit ihrer Malerei nach der Wahrheit. Und sie lacht ihr schallendstes Lachen, wenn sie erzählt, sie habe Picasso gekannt, während sie für ihn ein Rätsel blieb. Françoise Gilot, die Mutter von Paloma Picasso, ist eine lebende Legende, eine Malerin, die sich von Molekularbiologen besser verstanden fühlt als von der Kunstkritik und die nichts so sehr fürchtet wie einen langweiligen Gesprächspartner. In DIE FRAU, DIE NEIN SAGT öffnet die Malerin und Lebenskünstlerin dem renommierten Biografen Malte Herwig die Türen zu ihren Ateliers und vertraut ihm an, worauf es in der Malerei wie im Leben wirklich ankommt. [Text + Cover: Ankerherz Verlag]


>>Picasso tobte. Beladen mit Koffern, zwei Kindern und einer jungen Frau fuhr das Taxi vor der Villa La Galloise in Vallauris an. Bald war der Wagen nur noch eine Staubwolke auf der südfranzösischen Landstraße in Richtung Paris, und Picasso stampfte wütend zurück in das leere Haus. Sie hatte es tatsächlich getan, hatte Wort gehalten und war mit den beiden Kindern fortgefahren - seinen Kindern! - fortgefahren für immer<<

[sh] Schon die ersten Zeilen des Buches fesseln mich als wäre das Buch ein perfektes Bild an einer Wand, dass ich nie mehr abhängen möchte. Doch ich schließe noch einmal kurz das Buch und für einige Augenblicke schaue ich es an. Wissend, dass ich es dann für eine Zeit sicher nicht mehr oder nur schwer aus der Hand legen werde.

Ich hörte schon vorher von diesem Buch und war sehr gespannt. Allein das Cover ist sehr wundervoll. Ich lege kurz den Umschlag aus Papier ab und enthülle den Leineneinband. Darauf ist in Gold das Logo des Ankerherz Verlages. Ich streiche darüber. Wundervoll, wie gern halte ich solche hochwertig gedruckten Bücher in den Händen. Sie würden niemals Seiten verlieren und immer behalten sie ihre Schönheit. Auch nach vielen Jahren noch. Der Ankerherz Verlag ist also auch so schon ein Erlebnis für ewig Buchliebende wie mich. Auch innen ist der Einband voller Kunst. Ich bin jetzt schon beeindruckt und fasziniert.



Der Ankerverlag gibt Held/innen eine Stimme und diesmal ist es "Die Frau, die Nein sagt."
Die Kapitel sind in verschiedene nummerierte Lektionen geteilt…Tanz…Fehler…Liebe und viele andere.
Ich blicke in das Leben von Picasso und Françoise Gilot. Ich habe so viel über Picasso gelesen und gesehen und plötzlich scheint er ganz nah zu sein, der Mensch hinter dem so berühmten Maler, den jeder kennt. Es sind nicht nur feine Pinselstriche von zwei Menschen, die eine Liebe teilten, sondern ganze Bilder fügen sich zusammen, geben Einblicke, Charaktere scheinen klar zu werden. Trotz aller Bilder und Zusammenfügungen trennen sich die Wege von Françoise und Picasso. Vielleicht mögen einige wie auch Picasso selbst damals sagen, keine Frau würde sich von so einem Mann trennen. Doch Françoise tat es. Ich hege schon länger eine Bewunderung für sie, ihre Kunst und ja - auch für den Mut zu gehen. Eine wahrlich starke Frau. Auch in den Interviews mit dem Biografen Malte Herwig spüre ich lesend diese Bestimmtheit von ihr. Dabei ist sie zu dieser Zeit bereits 90 Jahre. "Jederzeit kann es immer vorbei sein", sagt sie ihm und kauft nach einem verpassten Treffen doch noch rasch für ein gemeinsames Essen ein. Schonen tut sie sich nicht. Aber Malte Herwig kann in ihr Atelier sehen, sie kennenlernen. Es ist als würde ich als Leserin hinter der Kamera stehen. Ganz nah. Ich fühle so viel Respekt.

Für mich schien Picasso etwas kleiner zu werden. Seine Kunst gefällt mir deshalb nicht minder, aber sind oft nicht die Frauen die Starken dahinter? Eine rhetorische Frage. Ganz sicher sogar. Françoise Gilot ist ein passendes Beispiel dafür.

Ich würde am liebsten noch lange von ihr erzählen, wie sie die Ordnung liebt und keine Bilder, die zurecht geschnitten werden, weil Menschen keine passenden Rahmen haben. Wie sie mit kurzen Strichen, einfachsten Mitteln wahre Kunst schafft, wie sie wieder heiratete, liebte und die Melancholie immer in ihr ist.

Ich behalte recht. Erst als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe, lege ich es aus der Hand. Es ist fast schon etwas traurig so hinreißend, gefühlvoll, kunstvoll ist es.
Sie war und ist vielleicht heute noch eine künstlerische Rebellin, aber vor allem ist sie eine Heldin.
Und wie sagt sie: 

"Das Allerschlimmste ist langweilig werden …Querfeldein, das ist die Richtung. Geh los."

Das Buch an sich ist ein Kunstwerk der Buchbindung, wie sie leider zu selten geworden ist und der Inhalt ist der perfekte Rahmen. Literatur, die ein unvergessliches Gemälde bildet und Françoise Gilot, die eine Stimme bekommt, die wir nicht vergessen werden.
Gute Bücher wie dieses mit Heldinnen und kleinen nachdenklichen Lektionen brauchen wir alle so sehr wie das Durchatmen bei einem schönen Augenblick oder das Sehen eines genialen Pinselstriches. Wer dies nicht liest, verpasst mehr als hier zu beschreiben möglich ist.

Ich habe zwei Tage für das Fazit benötigt. Nicht, weil mir keines einfiel, sondern weil es etwas hinterlassen sollte, um dieses überdimensionale großartige Buch perfekt in kurzen Sätzen zu legen.


Positive Vorsicht: In dieses Buch vom Ankerherz-Verlag kann man sich verlieben. Ich möchte immer noch darüber schreiben, endlos erzählen, schon fast Bilder malen, aber so hochwertige Farben gibt es auf der Welt nicht, um es perfekt einzufangen oder ich möchte einfach laut schreien, vielleicht doch viele Bilder malen, verteilen auf denen geschrieben steht: >>Lest es alle, lest alle einfach nur dieses grandiose, kunstvolle Buch über "Françoise Gilot. Die Frau, die Nein sagt".

© Rezension, Fotografien, 2015 Sanni
Gedankenlabyrintherin




Gestaltung und Fotografie: Ana Lessing
Mai 2015, Hardcover mit 186 Seiten, ISBN: 978-3-940138-82-8




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