Als die Sonne im Meer verschwand | Susan Abulhawa

Montag, 7. September 2015 0 Kommentare

Ein Roman voller Poesie über eine Familie ohne Heimat, von Krieg, Frieden und Hoffnung.

[Klappentext] In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören. [Text & Cover: © Diana Verlag]
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[az] Eine bewegende Geschichte um die Familie Baraka, die in dem kleinen Dorf Beit Daras in Palästina lebt, bis dieses 1948 von israelischen Soldaten verwüstet und angezündet wird. Die Familie muss fliehen, wird zerrissen, nicht alle überleben diese Flucht ...

Jedoch das Leben muss und wird irgendwie weiter gehen. Irgendwie. Doch das unbeschwerte Familienleben hat ein Ende gefunden. Während Nazmiyya in Gaza bleibt zieht es Mamduh ins ferne Amerika, wo auch seine Tochter Nur zur Welt kommt. Niemand kann seine Wurzeln verleugnen, ein jeder spürt im Inneren, wo er/sie wirklich hingehört, wo das Herz, die Familie ist. Auch Nur spürt es und macht sich auf, ihre Familie zu finden.
Sie reist nach Gaza trotz aller politischer Widrigkeiten und nimmt uns Leser mit, gewährt uns einen Einblick in die Kultur und das Leben in Gaza.

Susan Abulhawa widmet Ihre Aufmerksamkeit zum Großteil den Frauen aus Gaza und natürlich der dem Mädchen Nur, deren Erwachsenwerden wir mitverfolgen.
Dennoch tritt der junge Khaled quasi als allwissender Erzähler auf. Eine faszinierende Taktik, da er direkt und indirekt erzählt. Seine direkte Ansprache an uns Leser erfolgt zu jedem Kapitelbeginn in kursiver Schrift, oftmals in einer sehr poetischen, schwärmerischen Sprache.

Das Buch verlangt viel Aufmerksamkeit, möchte mit Ruhe und Bedacht gelesen werden. Dass man genau dies tut, dafür weiß die Autorin zu sorgen. Die springt in der Zeit hin und her, wechselt den Ort plötzlich und man muss kurz überlegen, innehalten und nachdenken, wo genau man sich gerade befindet. Das mag erst verstörend wirken aber letztlich sorgt es tatsächlich dafür, dass man sich sehr intensiv mit dem Gelesenen beschäftigt.
Wer Probleme hat, sich die Namen bzw den Familienstammbaum zu behalten, der findet im Glossar eine kurze Aufstellung. Dies hätte ich mir persönlich sehr gerne an den Anfang des Buches gewünscht, denn es ist eine kleine Hilfestellung und wird so leider zu spät entdeckt.
Das Glossar enthält zudem ein alphabetisch sortiertes Vokabular für das bessere Verständnis mach verwendeter Wörter und Ausrufe.

Was die Aufmachung des Buches betrifft muss ich gestehen, dass mir das Original mehr zusagte. Der Originaltitel des Romans "The Blue Between Sky and Water" finde ich persönlich viel passender, treffender für den Inhalt und dementsprechend verhält es sich auch mit der Covergestaltung. Dies tut jedoch der einfühlsamen und poetischen Geschichte natürlich keinen Abbruch - und letztlich kommt es ja doch hauptsächlich auf den Inhalt an. 


Susan Abulhawa erzielte mit ihrem Debütroman "Während die Welt schlief" große Erfolge. Ihren neuen Roman "Als die Sonne im Meer verschwand" widmet sie den Menschen in Gaza, erzählt auf sehr poetische Art von einer verstreuten Familie auf der Suche und Finden ihrer Heimat, ihren Wurzeln, nach Halt und Geborgenheit. Auf der Suche nach Frieden mit der nie endenden Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Sehr berührend und nachdenklich stimmend. 

© Rezension: 2015, Alexandra Zylenas




Aus dem Amerikanischen von Stefanie Fahrner
Gebundenes Buch, 384 Seiten, ISBN: 978-3-453-29170-6




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