Rezension: Spurlos | Ashley Elston

Freitag, 11. September 2015 0 Kommentare

[Klappentext] Zum sechsten Mal in acht Monaten wird Meg Jones mitten in der Nacht aus ihrem Leben gerissen. Ohne Vorwarnung, ohne Abschied, ohne Aussicht auf Rückkehr ...
Meg Jones ist nicht ihr richtiger Name. Seit die 17-Jährige mit ihrer Familie im Zeugenschutzprogramm lebt, hat sie ihre Identität verloren, ihre Freunde, ihre Heimat. In ständiger Angst vor ihren Verfolgern trägt sie immer eine Tasche bei sich mit den wichtigsten persönlichen Dingen. Und eigentlich hat sie sich vorgenommen, keine neuen Freundschaften zu schließen. Doch dann taucht Ethan auf ... [Text und Cover: Mixtvision Verlag]


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[az] Ashley Elston schreibt in Ihrem Jugendbuch-Thriller über eine Familie, die sich seit einiger Zeit im Zeugenschutzprogramm befindet. Dieses wahrlich nicht einfache Leben wird uns aus Sicht von Meg Jones aka Anna Boyd, der ältesten Tochter der Familie erzählt. Sechs Umzüge in acht Monaten hinterlassen ihre Spuren, nicht nur bei Meg selbst sondern bei jedem einzelnen Familienmitglied. Jeder leidet auf seine ganz eigene Art unter dem Identitätsverlust, unter der Heimatlosigkeit, ständige Namenswechsel, ständig neue Geschichten über ihre Herkunft, neue Schulen, neue Arbeitsplätze... Nichts hat Bestand, am wenigsten Freundschaften. Besonders hart trifft es Megs kleine Schwester, die sich immer mehr zurückzieht.

Meg macht es sehr zu schaffen, dass sie nicht weiß, warum und vor allem vor wem sie sich überhaupt verstecken müssen. Was ist damals passiert? Hatte ihr Vater womöglich krumme Geschäfte gemacht? Oder war er zur falschen Zeit am falschen Ort? Ihr Ziel ist es, dies endlich herauszufinden, denn keiner mag ihr etwas darüber erzählen. Ihre Eltern schweigen eisern und auch die "Anzüge", die ihr Programm überwachen und sie ständig über Nacht an neue Orte verfrachten, geben ihr keinerlei Auskunft.

Ihrem größten Vorsatz, ja keine neuen Freundschaften mehr zu schließen, kann sie allerdings nicht treu bleiben. Ethan aus ihrer Schule ist aber auch eisern und gibt nicht auf, mit ihr in Kontakt zu kommen. Wird sie sich ihm verwehren können? Sie kann und will doch niemandem mehr weh tun, einschließlich sich selbst. Dennoch scheint ein wenig Ruhe in ihre Situation zu kommen und Meg lässt sich sogar zu dem Besuch einer Party überreden. Aber diese Ruhe ist trügerisch....
Ashley Elston gelingt es hervorragend, die Stimmung der Familie widerzuspiegeln. Die Ich-Erzählerin Meg zieht uns direkt mit hinein ins Geschehen und man ertappt sich schon nach kurzer Zeit dabei, dass man mit ihr über das Warum und Weshalb rätselt.

Dieser Erzählstil bietet einen größtmöglichen Einblick in ihr inneres Gefühlschaos und ihren Gedanken über ihr chaotisches Leben und natürlich über Ethan. Dies sorgt dafür, dass man sich sehr schnell und leicht in ihre Lage hineinversetzen kann, gewährt jedoch auch nur indirekten Einblick in die Gesamtsituation der Familie. So erfährt man zum Beispiel vom Alkoholproblem der Mutter nur aus Megs Sicht. Der Fokus liegt daher sehr auf der Tochter und ihrem Part im Geschehen. Die Spannung baut sich immer mehr auf und es fällt immer schwerer, das Buch aus der Hand zu legen. Das Tempo der Geschichte überträgt sich und man verfällt der Versuchung, immer schneller zu lesen, jagt den Ereignissen hinterher.

Gelungen sind zudem die Kapitelüberschriften, denn jedes Kapitel beginnt erst einmal mit einer von Meg aufgestellten Regel für ihr neues Leben, quasi ihr ganz persönliches Schutzprogramm. Man spürt Megs Unsicherheit und ihre Rastlosigkeit und so manches Mal möchte man sie schütteln und sie zu anderen Entscheidungen bewegen. Aber gerade dies macht es so authentisch, denn sie ist mit den über die hereinstürzenden Ereignissen oft überfordert und handelt realistischerweise und auch ihrem Alter entsprechend oftmals mehr impulsiv als rational. Dies verleitet auch dazu, sich selbst Gedanken dazu zu machen. Wie würde man sich in solch einer Situation fühlen, wie würde man handeln?

Persönliches Fazit

Ein spannender und temporeicher Jugendthriller, der sich zu einem kleinen Road-Trip entwickelt. Die eingeflochtene Liebesgeschichte wirkt nicht überzogen, sondern genau richtig angepasst an die Alters-Zielgruppe. Ein originell ausgearbeitetes und sehr empfehlenswertes Debüt der Autorin.
In diesem Jahr ist schon der Folgeband "Atemlos"erschienen, zu dem in Kürze auch eine Besprechung folgt.

Rezension, 2015 Alexandra Zylenas



Jugendroman ab 14 Jahren
gebunden, 300 Seiten


[alexandra]

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