Rezension: Auf und davon | David Arnold

Montag, 19. Oktober 2015 3 Kommentare

 Cover - Auf und davon - Davis Arnold
[Klappentext] Wer würde nicht gerne einfach mal verschwinden? In den nächsten Bus springen und alles hinter sich lassen? Genau das macht die sechzehnjährige Mim Malone. Es reicht ihr, immer das zu tun, was ihr Vater und seine neue Frau für richtig halten. Sie will wissen, weshalb ihre Mom aus ihrem Leben verschwunden ist. Und ihre Gedanken sollen endlich aufhören, in ihrem Kopf Karussell zu fahren. Also steigt sie einfach in den Greyhound-Bus und haut ab, zu ihrer Mom. Während draußen die Landschaft vorbeifliegt, macht Mim einige unvergessliche Bekanntschaften – die wunderbare Arlene, den unheimlichen Ponchomann und den äußerst attraktiven Beck, an den sie ihr Herz zu verlieren droht ... Doch dann verändert ein tragischer Unfall von einem auf den anderen Augenblick alles. Und Mim muss sich den wirklich entscheidenden Fragen in ihrem Leben stellen. [Text und Cover: Heyne fliegt]



»Ich bin eine Sammlung von Merkwürdigkeiten, ein Zirkus von Neuronen und Elektronen. Mein Herz ist der Direktor, meine Seele die Trapezkünstlerin, und die Welt ist mein Publikum. Das klingt seltsam, weil es das ist, weil ich seltsam bin« Seite 47


[az] die sechzehnjährige Mary Iris Malone, genannt Mim, hat es nicht leicht. Die Scheidung ihrer Eltern und der Umzug sind noch nicht genug, nein sein Vater hat auch noch eine neue Freundin, die an diesem Umzug nicht unschuldig ist. Probleme an der Schule und die Ungewissheit über ihre Mutter bringen Sie letztlich dazu, einfach abzuhauen und den nächstbesten Greyhound-Bus quer durch die USA zu ihrer Mutter zu nehmen. Sie muss wissen, wie es ihr geht, denn allem Anschein nach ist sie krank. Seit über drei Wochen hat sie nun nichts mehr von ihr gehört. Sie will zu ihr, komme was da wolle. Sie "findet" Geld von dem sie sich das teure Busticket kaufen kann und macht sich ... Auf und davon.

Mim ist ein sehr außergewöhnlicher Charakter, auf den man sich erst einmal einlassen muss. Zu Beginn begegnete ich ihr mit einer gewissen Distanz aber David Arnold gibt seinen Lesern die Möglichkeit, sie richtig kennenzulernen, indem er sie einfach mitnimmt auf diesen abenteuerlichen Roadtrip. Und Mim wird einem tatsächlich vertrauter dadurch. Sie ist sehr facettenreich und auch wenn sie nach außen hin oft naiv erscheint, macht sie sich doch viele psychologisch tiefgründige Gedanken. Sie führt Tagebuch während der Reise und widmet ihre Einträge einer gewissen Isabel. Isabel stellt uns vor ein Rätsel, aber dieses wird sich erst später lösen und so steigert sich die Neugierde.



Aber es sind diese Tagebucheinträge, die Einblick in Mims Gedankenkarusell gewähren.
Mim sagt von sich selbst, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Ihr Vater ist davon sogar sehr überzeugt und besuchte im Laufe der Jahre viele Ärzte mit ihr. Psychologen. Und Mim verhält sich dementsprechend, sie erscheint trotzig, aufmüpfig. Zuletzt bekommt sie Medikamente und ihr Vater ist zufrieden, sein Ziel ist erreicht. Wusste er doch immer, dass etwas nicht in Ordnung ist. 
Doch was genau stimmt mit Mim nicht?
Ihre Aufsässigkeit, ihre Selbstironie .. Nur ein Schutzwall?

Mim erlebt einiges Aufregendes und auch Skurriles auf ihrer Reise und gerät immer wieder in brenzlige Situationen. Sie lernt die unterschiedlichsten Leute kennen, freundet sich an, verliert durch einen bösen Unfall wieder jemanden und verliebt sich letztlich. In den attraktiven Beck, der plötzlich ein Teil ihrer Reise wird. Manchmal wird es schon zu viel des Guten und man möchte die Geschichte gerne selbst ein wenig ausbremsen.

David Arnold widmet sich in seinem Jugendroman gleich mehreren Themen auf einmal. Neben den Hauptthemen Scheidung und psychogischer Erkrankung greift der Autor unter anderem auch die Homosexualität und Vergewaltigung. Alles wirklich sehr wichtige Themen, gar keine Frage. Aber für meinen Geschmack etwas zu viel auf einmal für eine einzige Geschichte, da David Arnold sich nicht immer ausführlich mit allem befassen konnte und vieles dadurch nur wirklich nur angerissen im Raum steht. Da würde ich sagen: weniger ist mehr.

Vom Stil her ist die Story mitreißend und temporeich und erfüllt so das wichtigste Merkmal eines Roadtrips. Zum Ende hin wird vieles klarer und es folgen Wendungen, die man zwar erahnte, sich aber dennoch die ganze Zeit nicht sicher sein konnte.
Das Ende fordert dazu auf, sich Gedanken zu machen und eigene Rückschlüsse zu ziehen.

Persönliches Fazit

Der Jugend-Roadtrip "Auf und davon" ist das Debüt von David Arnold und diese etwas außergewöhnliche Geschichte ist ihm gut gelungen. Seine Protagonistin Mim ist wunderbar ausgearbeitet und hat mich sehr angesprochen. Etwas weniger schwere Themen im Gesamten hätten es jedoch sein dürfen, dann wäre mehr Spielraum geblieben, um sich ausführlicher zu befassen. Hier wurde vieles nur angeschnitten.

© Rezension: 2015, Alexandra Zylenas



Ab ca. 14 Jahren
Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke
2015, gebunden, ISBN: 978-3-453-26983-5

[alexandra]

Kommentare:

  1. Ich glaube du hast dort oben einen Dreher drin: Nicht Dorm hat seine Frau verloren, sondern der Besucher Hollberg. Dorm hat Hollbergs Frau in den Selbstmord getrieben.
    VG
    Hanna

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  2. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Natalie selbst immer alles überblickt. Das war auch das für mich Spannende dabei: Dass sie selbst zwar ein Gefühl dafür hat, dass mit dem "Arrangement" - wie es von allen genannt wird - etwas nicht stimmt, sie aber selbst lange im Dunkeln darüber tappt. Und wer wen stalkt, wird ja gerade am Ende bunt durcheinander geworfen - da ist dann niemand mehr in diesem Sinne unschuldig (außer vielleicht der Anstaltsinsasse Dorm).
    Ein interessantes, spannendes Buch - wenn auch am Ende alles irgendwie schnell und abrupt endet.

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  3. Sanni Bücherwurm26. Oktober 2015 um 15:06

    Das mit dem Dreher stimmt. Auwei. Aber vielen Dank für de Hinweis. Es wird geändert. Ich wollte es anders ausdrücken. Mit Überblick meine ich, dass sie mehr sieht, wahrnimmt als andere Menschen. Sie schaut, ihre Neugier wird geweckt. Für mich war es faszinierend, wie sie vieles sieht. Allein, wie das Buch schon beginnt ist wunderbar. Das Ende verrate ich natürlich in einer Rezension nie. Aber schön, wenn du es auch gelesen hast. Viele Meinungen habe ich noch nicht gehört, da die Seitenzahl wohl einige abschreckt.

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