Bodentiefe Fenster | Anke Stelling

Dienstag, 6. Oktober 2015 2 Kommentare


 Cover - Bodentiefe Fenster- Anke StellingAuf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015!

[Klappentext] Von den 68er-Müttern im Aufbruch hat eine Töchtergeneration den Auftrag erhalten, die Welt zu verbessern – das Waldsterben und die Aufrüstung zu stoppen, ein Zimmer für sich allein zu haben, gemeinsam stark zu sein –, und diesen Auftrag kann Sandra nicht vergessen. Mit vierzig Jahren und als Mutter zweier Kinder ist aus ihr eine Art Kassandra vom Prenzlauer Berg geworden. Sie sieht, dass die Ideale der Elterngeneration im Alltag verloren gehen, auf dem Spielplatz versanden, im Plenum der Hausgemeinschaft ad absurdum geführt werden. Alles auszusprechen, ist offenbar keine Lösung, weggehen kann sie jedoch auch nicht, außerdem genießt sie ihre Privi legien. Sie feiert die Kindergeburtstage wie früher, wie Pippi Langstrumpf, doch der Kern der Utopie ist nicht mehr da. Und die bodentiefen Fenster machen den Alltag allzu durchsichtig. Am Ende von Anke Stellings Roman, der in schöner Sprache Bitterböses erzählt, geht es ins Müttergenesungswerk: 'Damit Mama wieder lacht.' Bodentiefe Fenster – bodenlose Gegenwart. [© Cover und Text: Verbrecher Verlag]

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[sg] Muss ich lesen, was tief ist und schon am Anfang hineinzieht, wie ein offenes Fenster? Ein offenes, tiefes Fenster, das wenigstens einen neugierigen Blick mit sich zieht? Ja ich muss. Denn Tiefe ist das, was mich erfüllt. Hinter Gardinen, offenen Fenstern stecken Geheimnisse. So auch in diesem Buch? Vielleicht.

Ich lese und alles passt zusammen. Hier wird kein Ball hochgeworfen, der die Oberfläche wieder spiegelt, sondern hier wird ein Steinball in den Boden versenkt.
Anke Stellings Roman spielt in Berlin, einem sehr bekannten Kiez Prenzlauer Berg. Hier wird der Stadtlärm oft durch Kinderwagenrollen und einem Ökologischen Leben ersetzt. Sandra ist die Protagonistin des Buches und in ihrer Wohnung scheint noch ein Hauch der 68er Bewegung zu sein. Bodentiefe Fenster geben der Wohnung irgendwie Licht. Alles ist vertraut, nachbarschaftlich eng. Einfach zusammen reden, gemeinsam etwas tun, ändern. Die Friedlichkeit scheint dort oft mit vielen Menschen spazieren zu gehen. 

Aber ist das Kiez, was wie eine blühende Wiese erscheint nur eine Fassade? Paare können sich dennoch entfremden, SMS verhindern ein Gespräch unter vier Augen. 

Sandra ist Mutter und schnell gibt es Einblicke in ihre Gedankenwelt, die mich als Leserin wirklich manchmal veranlassten kurz das Buch wegzulegen. 
Es sind die langen Gedanken, Hoffnungen und innere Kämpfe einer Frau und Mutter, die wir viel zu oft nicht sehen oder bedenken. Dies zu lesen hat eine Kraft für mich. Dennoch ist der Ton oft etwas deprimierend - ja, sogar verbittert, möchte ich sagen. Aber dennoch fand ich es gut. Vielleicht gerade, weil es so nah am echtem Leben ist und irgendwie ja der Kiez gleich neben meinem Bezirk liegt.

In dem Buch wird das Zusammenleben, ja einfach die Gesellschaft gezeigt und die Lücken, die damals wie heute noch sind. 


Fazit: Ein Buch, das sehr umfangreich ist. Selbst zwischen den Zeilen gibt es noch viel zu entdecken. Es ist wie durch ein Fenster blicken und damit in ein bekanntes Kiez von Berlin. Spannend. psychologisch, gesellschaftlich, politisch lesenswert.

© Rezension, 2015 Sanni Gedankenlabyrintherin

Kommentare:

  1. Oh sind die süüüüüßß!
    <3

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  2. Guten Morgen, Mareike


    ja gell, ich bin auch total verliebt, vor allem in den Esel :-D <3

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