Rezension: Das zufällige Leben der Azalea Lewis | J. W. Ironmonger

Freitag, 30. Oktober 2015 0 Kommentare


Geschieht alles aus einem bestimmten Grund?

[Klappentext] Geschieht alles aus einem bestimmten Grund? Diese Frage quält Azalea Lewis, deren Leben von unfassbar vielen Zufällen bestimmt scheint. Da sie befürchtet, dass ihr Lebensweg vorgegeben ist und sie ihr Schicksal nicht ändern kann, vertraut sie sich einem Experten für Zufälle an: Dr. Thomas Post. Als dieser beginnt, die Rätsel ihrer Vergangenheit zu entwirren, werden seine Überzeugungen von der Liebe, dem Leben und seine Statistiken völlig auf den Kopf gestellt. [© Text und Bild: script5 Verlag]

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[mk] Das Buch beginnt sehr packend und emotional: im Jahr 1982 wird auf einem Rummelplatz in Wales ein dreijähriges Mädchen alleine aufgefunden, von den Eltern gibt es keine Spur. Da sie ihren Nachnamen und den Ort, aus dem sie kommt, nicht nennen kann, beginnt eine landesweite polizeiliche Suche nach der Familie. Dieser Start zieht mich gleich in seinen Bann. Und so lernen wir die Hauptdarstellerin Azalea kennen.

Im Jahr 2011 sucht Azalea Dr. Post auf. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit Zufällen, und da in Azaleas Leben einige für sie unerklärbare Ereignisse zusammenkommen, die ich zum Erhalt der Spannung nicht verraten werde, erhofft sie sich von ihm dazu Antworten und Erklärungen. Bei normalen Anfragen dieser Art enträtselt er das scheinbar Unerklärliche mit relativ einfacher mathematischer Wahrscheinlichkeit. In Azaleas Fall sind die Vorgänge nicht so leicht zu begründen, und damit läuft es auf die Frage hinaus, ob das alles von einer göttlichen Kraft gesteuert wird, ob alle Ereignisse bereits von Anfang an vorbestimmt sind oder ob es den freien Willen gibt.

Das regt mich zum Nachdenken an. Gibt es eine einfache Antwort darauf? Muss hier nicht jeder seine eigene Wahrheit finden? Wem das zu trocken ist, den kann ich beruhigen: die theoretischen Abhandlungen von Dr. Post dazu belegen nur wenige Seiten. Der Hauptteil des Romans beschäftigt sich mit Azaleas Leben und springt dazu immer wieder in der Zeit zurück. Als 15-jährige lebt sie in einer Mission in einem abgelegenen Gebiet in Uganda. Das Land ist zerrüttet von Bürgerkrieg und die Bevölkerung wird von Rebellen und Kindersoldaten terrorisiert. Speziell die Gruppe um Joseph Kony ist hier aktiv, und leider sind er und das Vorgehen dieser Verbrecher nicht fiktiv, hier hat sich der Autor an Tatsachen orientiert. Zu Recht mahnt er an, dass der Westen zu lange die Augen vor den Grausamkeiten verschlossen hat. Nach mehreren Jahrzehnten Terror und trotz eines Kopfgeldes in Höhe von 5 Millionen US-Dollar ist er immer noch auf freiem Fuß.

Bemerkenswert ist der wunderbare Erzählstil. Der gekonnte Umgang mit der Sprache und die gelungene Übersetzung bringen mir Azaleas Schicksal auch immer wieder auf amüsante Weise sehr nahe.

Persönliches Fazit


Gibt es den freien Willen oder ist alles nur Schicksal? Das ist die Kernfrage von „Das zufällige Leben von Azalea Lewis". Mit Tiefgang erzählt das Buch über ihr ungewöhnliches Leben. Die wundervolle Sprache erschafft hierbei trotz der manchmal schweren Themen eine erstaunliche Leichtigkeit. Vom Verlag ist es als Jugendbuch ab 16 Jahren eingestuft, ich halte es aber auch für Erwachsene spannend und sehr lesenswert.

© Rezension: 2015, Marcus Kufner


Das zufällige Leben der Azalea Lewis | J. W. Ironmonger | script5 Verlag

27. Juli 2015, Gebunden, 576 Seiten 
Ab 16 Jahren, ISBN: 9783785583326

[marcus]

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