Der Fisch in der Streichholzschachtel | Martin Amanshauser

Freitag, 9. Oktober 2015 0 Kommentare


 Der Fisch in der Streichholzschachtel
[Klappentext] Auf der Karibik-Kreuzfahrt, die Fred mit seiner Frau Tamara und dem pubertären Nachwuchs unternimmt, herrscht gähnende Langeweile. Als der Familienvater an Bord ausgerechnet auf seine Exfreundin Amélie trifft und das Schiff auch noch in einen Orkan gerät, ist es mit der Seelenruhe schlagartig vorbei. Der Kontakt zur Außenwelt ist unterbrochen, als eine Horde eigenwilliger Piraten aus der Vergangenheit das Schiff kapert. Diese haben es auf Pfefferstreuer und Toilettenpapier abgesehen und reagieren panisch auf die technischen Errungenschaften aus dem 21. Jahrhundert. Was zur Hölle geht hier vor? Eine hinreißende Satire, eine Liebesgeschichte mit Humor aus einer Welt voller Wunder. [© Text und Bild: Deuticke Verlag]

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[mk] Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht von zwei Protagonisten erzählt, wobei sie sich meistens kapitelweise abwechseln. Der eine ist Fred, der seiner Frau zuliebe zur Kreuzfahrt zugestimmt hat. Seine Ehe ist allerdings nicht mehr ganz taufrisch, für seine Kinder schämt er sich und seine kleine Firma für Alarmanlagen steht auf der Kippe. Als er auf dem Schiff nach 15 Jahren seine alte Flamme wiedersieht, will er sie unbedingt wiedererobern.

Der andere ist Salvino, Geograph auf dem Piratenschiff „Fín del Mundo". Er ist mit seiner Truppe im Jahr 1730 unterwegs auf Beutezug, wobei die Piraterie ihre beste Zeit bereits hinter sich hat. Mangels Erfolg ist die Stimmung an Bord auch ziemlich schlecht.

Martin Amanshauser charakterisiert seine Darsteller ausführlich. Das kommt mir zwar anfangs etwas langatmig vor, je besser ich sie aber kennen lerne, desto mehr werde ich von ihnen eingenommen. Durch den nüchternen, ironischen Schreibstil finde ich aber auch diese Passagen amüsant. Bemerkenswert ist auch die Sprache, der sich Salvino bedient. Da er ja aus dem 18. Jahrhundert stammt, ist seine Ausdrucksweise entsprechend leicht antiquiert. Das bringt mich immer wieder zum Schmunzeln.

Klar, dass es darauf hinausläuft, dass die beiden Schiffe sich begegnen. Wie gehen die Menschen miteinander um, die zeitlich 285 Jahre trennen? Wie erklären sie sich die jeweils andere Welt? Können die Piraten überhaupt etwas mit den modernen Menschen und der Technik anfangen? Auf diese und weitere Fragen gibt das Buch sehr humorvoll einfallsreiche Antworten. Die distanzierte Sicht der Piraten reflektiert schonungslos die moderne Gesellschaft mit all ihren Widersprüchen, der maßlosen Technologisierung und die politischen und religiösen Entwicklungen.


Sehr detailliert und mit viel Humor lässt Martin Amanshauser zwei Welten aufeinander prallen. Die kuriose Geschichte voller Ironie hat mich sehr gut unterhalten. Im Laufe des Buchs sind mir Fred und seine Familie mit ihren Ecken und Kanten sehr sympathisch geworden, von denen würde ich gern noch mehr lesen!

© Rezension: 2015, Marcus Kufner



27. Juli 2015, Gebunden, 576 Seiten, ISBN: 9783552063020




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