Die Tochter des Malers | Gloria Goldreich

Dienstag, 13. Oktober 2015 0 Kommentare


 Die Tochter des Malers
[Klappentext] Ein Roman wie ein Gemälde von Marc Chagall: voller Poesie, Träume und Liebe
Paris, 1935: Ida ist die behütete Tochter des Ausnahmekünstlers Marc Chagall und eines seiner Lieblingsmotive. Als sie sich in den Studenten Michel verliebt, steht die innige Beziehung zu ihrem Vater auf dem Spiel. Dann wird Frankreich von den Deutschen besetzt, und ihrer Familie droht tödliche Gefahr, was Chagall jedoch in blinder Hingabe an seine Kunst verleugnet. Schon bald muss Ida sich entscheiden – zwischen ihrem eigenen Lebensweg und der Rettung ihres Vaters.
Bewegend, mitreißend, voller Tragik – und eine wahre Geschichte. [© Text & Cover: Aufbau Verlag]

---------------------

[sh] "Was für ein schönes Cover", denke ich als ich das Buch in den Händen halte und das blaue Kleid der jungen Frau, die die Stufen entlang geht, hat diesen Hauch Türkis, das an das Mittelmeer, Sonne, himmelblauer Himmel erinnert.

Das Buch beginnt mit einem Alptraum, den Ida, die Protagonisten durchlebt. Immer wieder leidet sie darunter und kann diesen nicht entfliehen. Ein Nebenstrang ist die Verbindung zwischen Ida und ihrem Vater, den berühmten Maler Marc Chagall. Keine leichte Verbindung, da Vater und Tochter zwar eine gewisse Abhängigkeit voneinander haben, aber definitiv die Wärme fehlt.In dem Roman von Gloria Goldreich geht es zentral um die Verfolgung der Juden und ihre Flucht vor den immer stärker wachsenden Hass. Ida lernt als Studentin Michel kennen. Ungewollt wird sie schwanger. Dieses Geschehen zerbricht fast die Familie. Ida treibt das Kind ab. Zusätzlich wird sie dann gezwungen zu heiraten. Sie arrangiert sich damit und es ist erstaunlich wie viel sie dann gerade für ihren Vater tut.

Doch die Nazis nähern sich und die immer größer werdend Gefahr ist spürbar. Ida bemüht sich die Eltern fortschicken zu können. Marc Chagall wirkt exzentrisch, anstrengend und entwickelt im Laufe des Romans einen Wahn mit seiner Frau Bella, die erst gegen Ende wieder klare Gedanken fasst. Marc Chagall gefährdet die Familie, da er nicht mehr klar, sondern an die wertvollen Bilder und an sich denkt.  Dies sind Charakterzüge, die mich als Leserin fast wütend machen. 


Es ist nicht einfach die internen Problematiken der Familie zu lesen und erst recht nicht die schwierigen Charakterzüge Chagalls. Aber ich genieße es an einigen Abenden das Buch zu lesen. War Marc Chagall wirklich so unsympathisch? Ein Frage, die mich beim Lesen begleitet, aber es wird keine wirkliche Antwort dazu geben. Denn Chagall ist zum Protagonisten in diesem Roman geworden, den ich nicht mag. Man möchte ihm Ecken und Kanten lassen, aber dennoch mehr Besonnenheit schenken. Es sind aber gerade auch die vielen Gegensätze, wie Herzlichkeit und Kälte, Familienzusammenhalt und Krieg, der alles und viele auseinander riss, die einen hohen, lesenswerten Spannungsbogen geben.

Das Buch ist ein historischer und biographischer Roman. Es ist interessant über den Maler Chagall und seine Familie viel zu erfahren und animiert zu werden sich mit dieser Geschichte auch außerhalb des Buches näher zu beschäftigen. Angst, Flucht und Hass anderer Menschen sind der Leitfaden des Buches. Damals wie heute ein zentrales Thema, das leider nie an Kraft verliert. 

Mich hat das Buch beeindruckt. Einziges kleines Minus sind die vielen Wiederholungen in dem Buch, die sicher dazu dienen sollten bestimmte Gedanken, Fakten nicht zu vergessen, aber völlig unnötig sind. 



Ein sehr lesenswerter historischer, biographischer Roman über den Maler Marc Chagall und seine Familie. Tiefe Einblicke in die Geschichte und die Verfolgung der Juden, die unermesslich grausam war. Gloria Goldreich hat Seiten voller Wissen, Spannung, aber auch mit einer poetischen und bildhaften Sprache verfasst, die sich niemand entgehen lassen sollte. 

© Rezension 2015, Sanni Höhne



21. September 2015 / Print, e-Book / 592 Seiten, ISBN: 978-3746631820





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns, wenn ihr unsere Beiträge kommentiert, denn dadurch wird dieser Blog lebendig! Bitte habt Verständnis, dass Beiträge vorab geprüft werden, um Spam zu verhindern. Daher kann es einen Moment dauern, bis Kommentare sichtbar werden. Lieben Dank.