Über den Winter | Rolf Lappert

Samstag, 10. Oktober 2015 0 Kommentare


[Klappentext] Lennard Salm ist fünfzig und als Künstler weltweit durchaus erfolgreich. Als seine älteste Schwester stirbt, kehrt er zurück nach Hamburg und in die Familie, der er immer entkommen wollte. So schnell wie möglich will er wieder zurück in sein eigenes Leben. Aber was ist das, das eigene Leben? Salms jüngere Schwester Bille verliert ihren Job, sein Vater nähert sich immer schneller der Hilflosigkeit. Einen funkelnden Winter lang entdeckt Salm, dass niemand jemals alleine ist. Er lernt seine Eltern und Geschwister neu kennen. Rolf Lappert erzählt vom Wunder der kleinen Dinge und von dem, was heute Familie bedeutet. Jedes Detail leuchtet in diesem zarten, großen Familienroman.
[Text und Bild: Hanser Literaturverlag]

--------------------

[sg] Das Cover lässt mich am Anfang verwundert zurück "Über den Winter" saust es durch meine Gedanken. Ich sehe Feuer und Wärme. Aber vielleicht hat der Inhalt genau diese Hitze.
Schon beim ersten Eintauchen in das Buch begegnet mir ein absoluter Wortschwall. Gerade am Anfang werde ich unsicher, ob mir dies gefällt. Dabei liebe ich viele Worte und genaue Beschreibungen wo alles klar, deutlicher wird oder auch einmal gewollt verschwimmt.

Es ist ein Roman über einen weltweit angesehenen Künstler namens Lennard Salm, welcher nach dem Tod seiner Schwester wieder nach Hamburg und damit zu seiner Familie zurückkehrt. Ich gebe zu, dass ich den Kurzinhalt las und es eher ermüdend fand. Das immer Wiederholte, welches es in unzähligen Filmen und Romanen gibt. Schon routiniert ist, dass die Familie kommt durch einen Trauerfall oder ein anderes Ereignis zusammen kommt. Es bilden sich Konflikte, Wahrheiten und damit Auseinandersetzungen.
Dennoch ich will nicht vorschnell reagieren. Jedes Buch aus der Longlist lese ich bis zum Ende durch.

Lennard Salm ist sein Leben als Künstler leid. Er ist ernüchtert, wie es scheint. Seine Kunst, so scheint es ihm beruhe auf dem Boden des Leids anderer Menschen. Doch was er will, weiß er an dieser Stelle auch nicht.
Durch den Tod seiner Schwester hat er die Möglichkeit aus seinem Alltag herauszutreten und den Familienmitgliedern nach langer Zeit wieder zu begegnen. Alle Mitglieder sind sehr unterschiedlich. Begonnen beim Vater, der früher mit viel Strenge herrschte, seiner neuen Frau, die sehr umsorgt und scheinbar liebevoll ist. Ein Gefühl, welches ich öfters beim Lesen habe. Die Personen, auch in dem ungepflegten Haus in dem der Vater wohnt, wirken für mich etwas geplant, überzogen und dann ist sie da; sie die unglaubliche Schwere, die leider keine positive Melancholie ist. Ich vermute durch Lennard möchte der Autor zeigen, was Wärme ist, wie schnell Kälte aufkommt und dies nicht nur, weil die Beerdigung im Winter stattfindet.

Lange fehlt mir das Wort dafür, aber passend wäre: In den Zeilen ist eine Hochsensitivität. Ich empfinde Gedankentiefe und Melancholie, die manchmal auch depressiv sein kann. Zu viele Worte, die mir unnötig vorkommen, was den Gedanken am Anfang von mir zu Ende führt.

Gegen Ende hat es etwas herzliches als Lennard überlegt, wie sein Vater, der schwer auf den Beinen ist einen Aufzug erhält und als er dann noch ein Pferd kauft, das schlecht behandelt wurde, bietet es zudem viel Nachdenkliches.
Es ist ein Buch, welches ein Familienleben, ein Zusammenfinden beschreibt. Eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Leben von einem Mann, der mit 50 auch in der Midlifecrisis sein könnte. 


Ein Roman, der nicht unlesenswert ist, aber für mich gab es nicht das Feuer, wie es das Cover mir suggerierte. Dennoch alles ist Geschmacksache. Daher unbedingt einmal reinschauen.
Worte sollten immer viele fließen, deutlich werden. Aber sie müssen gewollt und nicht erzwungen wirken. 

© Rezension, 2015 Sanni Gedankenlabyrintherin



24.08.2015 , 384 Seiten , ISBN 978-3-446-24905-9


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wir freuen uns, wenn ihr unsere Beiträge kommentiert, denn dadurch wird dieser Blog lebendig! Bitte habt Verständnis, dass Beiträge vorab geprüft werden, um Spam zu verhindern. Daher kann es einen Moment dauern, bis Kommentare sichtbar werden. Lieben Dank.