Die letzten Entdecker | Naomi J. Williams

Freitag, 18. Dezember 2015 0 Kommentare

Auf der Suche nach den letzten weißen Flecken der Welt

[Klappentext] Was gibt es mit zwei großen Segelschiffen zu entdecken, wenn es eigentlich nichts mehr zu entdecken gibt? Wenn die Engländer die Welt längst vermessen haben? Die Männer, die 1785 im Auftrag des französischen Königs unter der Führung des besonnenen und aufgeklärten Kommandanten La Pérouse ins Ungewisse fahren, glauben dennoch fest an den Erfolg ihrer Expedition.
Angetrieben von Pflichtbewusstsein, Idealismus, Eitelkeit oder schlichter Not bergen die beiden Schiffe sehr unterschiedliche Abenteurer. Eines ist allen – vom einfachen Matrosen bis zum geltungsbewussten Naturwissenschaftler – gemeinsam: die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen für eine Entdeckung, die ihnen den Eintrag in die Geschichtsbücher sichert. Als sie 1788 endlich auf die ersehnte ›terra incognita‹ stoßen, lediglich eine kleine Insel in der Südsee, ist ihre Begeisterung längst von den Schrecken der bisherigen Reise überschattet. [© Text und Bild: DuMont Verlag]

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[mk] Die Expedition der beiden Schiffe Boussole und Astrolabe, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts tatsächlich stattgefunden hat, ist die Grundlage dieses Romans. Nachdem der Engländer James Cook sehr erfolgreich von seiner Weltreise zurückkam, wollte auch der französische König eine so prestigeträchtige Entdeckungsfahrt auf den Weg bringen. Gleich hinter dem Buchdeckel ist eine Weltkarte gedruckt, auf der die Route der Forschungsreise eingezeichnet ist. Damit kann ich die Etappen gut nachvollziehen, denn die Struktur des Buches ist recht sprunghaft.
Die Autorin hält sich nicht mit einer Beschreibung der Seereise auf. Nach einem Kapitel über Vorbereitungen zur Reise befinden wir uns im nächsten Abschnitt bereits auf Teneriffa, im darauf folgenden schon in Chile. Die Struktur des Romans ist episodenhaft. In einem Kapitel verfolgen wir einen Naturforscher, in einem anderen begleiten wir einen der Kapitäne, ein Abschnitt ist sogar aus der Ich-Perspektive eines Indianermädchens geschrieben, ein weiterer erzählt die Geschehnisse in Form von Briefen. Anfangs kam mir das etwas wirr vor, mit der Zeit bildete sich bei mir aber puzzleartig ein Gesamtbild.



Wer einen wilden Abenteuerroman erwartet, wird enttäuscht sein. Naomi J. Williams hat den Schwerpunkt des Romans auf die Charaktere gelegt. Ich habe den Eindruck, dass sie hier akribisch recherchiert hat. Die sozialen Gegebenheiten, die militärischen Ränge und das Umfeld in den Kolonien beleben bei mir die Epoche glaubhaft wieder. Auch die Sprache verstärkt dies, trotz des hin und wieder aufkommenden ironischen Tons ist sie der damaligen Zeit angepasst. Das verstärkt gut die Atmosphäre.

Die Ausnahme hiervon ist die Reise von Barthélemy de Lesseps, der die Expedition in Kamtschatka verließ und eine Schatulle mit Dokumenten quer durch Russland bis nach Sankt Petersburg bringen sollte. Dieser Trip ist sehr ereignisreich und äußerst spannend geschrieben.

[Persönliches Fazit]

Ein sehr authentischer Roman, der sich nah an den Fakten der historischen Vorlage hält. Der Spannungsbogen ist zwar nicht übermäßig groß, durch die gut gezeichneten Charaktere, treffenden Dialoge und detaillierte Beschreibungen der Gegebenheiten fühle ich mich aber voll und ganz in die damalige Zeit versetzt. Die episodenhafte Erzählweise ist ungewöhnlich, empfinde ich aber als erfrischend, und am Ende fügen sich bei mir die einzelnen Teile wie ein Puzzle zusammen.

© Rezension: 2015, Marcus Kufner



Aus dem Englischen von Monika Köpfer
19. November 2015, gebunden, 464 Seiten, ISBN: 9783832197704



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