Welt in Flammen | Benjamin Monferat

Donnerstag, 17. Dezember 2015 0 Kommentare

Der Himmel im Osten war flüssiges Feuer.

[Klappentext] Mai 1940: Während die Deutschen Frankreich besetzen, bricht der Simplon Orient Express zu seiner letzten Reise auf. Eine schicksalhafte Gesellschaft, jeder der Gäste mit einem anderen Grund, diese Fahrt unter allen Umständen anzutreten. Ebenfalls an Bord – Agenten aller kriegführenden Mächte. Was niemand von ihnen ahnt: Im Zug befindet sich etwas, nach dem Hitler in ganz Europa suchen lässt.
Die Fahrt steht von Anfang an unter einem schlechten Stern. Jeder Grenzübertritt kann das Ende bedeuten. Schließlich bricht Feuer aus. Und während Europa in Dunkelheit versinkt, rast der Express als lodernde Fackel durch die Nacht ... [© Text und Bild: Rowohlt Verlag]

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[mk] Der Anfang von „Welt in Flammen" erinnert mich an eine Traumschiff-Episode: zuerst lernen wir die Passagiere kennen. Und das sind auf dieser Reise sehr verschiedene. Es gibt Reisende aus England, Amerika, Indien, Botschafter aus Deutschland und Frankreich, den Grafen Romanow mit seiner Familie, und sogar ein König im Exil ist dabei. Jede dieser Personen hat seine eigene Intention, mal mehr mal weniger geheim. Im Gegensatz zum Traumschifftrip ist bei dieser Fahrt jedoch von vorn herein klar, dass es keine Urlaubsreise wird.
1940, die deutschen Truppen stehen kurz vor Paris, ganz Europa ist im Aufruhr. Dieses Umfeld schafft von Beginn an große Spannung. Benjamin Monferat konstruiert gekonnt eine mehrschichtige Spionagegeschichte und bedient sich dazu bei den politischen Umständen. Wer es nicht mag, dass hierbei nicht alles der Realität entspringt, wird sich wohl beispielsweise an dem Fiktiven Königreich Carpathien stören. Ich meine, dass dadurch aber eine sehr ausgefeilte Dramaturgie entsteht. Ich habe mich auf keiner Seite der immerhin knapp 800 gelangweilt.



Es ist ja immer auch heikel, wenn Nazis eine Rolle spielen. Ist das Buch nicht kritisch genug gegenüber deren Gräueltaten, wird ihm bestenfalls Verharmlosung vorgeworfen. Wenn es aber die Deutschen generell schlecht darstellt, ist es nicht differenziert genug. Ich denke, das ist hier gut gemacht, denn die historischen Zusammenhänge sind schließlich nicht Thema des Romans. Trotzdem kann ich immer wieder erkennen, welches Übel über Europa kam aber auch dass nicht alle Deutschen auf Hitlers Seite standen.

Das Buch wurde 2014 veröffentlicht, jetzt folgt die Taschenbuchausgabe. Die klare, schnörkellose Sprache und die recht kurzen Kapitel und machen es zu einem richtigen Pageturner. Immer wenn ich Pause machen wollte habe ich doch noch ein oder zwei Abschnitte weitergelesen.

[Persönliches Fazit]

Unglaublich, was bei einer achtundvierzigstündigen Zugreise alles passieren kann! Das Zusammenspiel der Protagonisten ist gekonnt inszeniert und das Geschehen in eine ereignisreiche Zeit gelegt. Das macht „Welt in Flammen" für mich zu einem von Beginn an sehr spannenden Buch, das mich auf jeder der fast 800 Seiten mitgerissen hat.

© Rezension: 2015, Marcus Kufner

27. November 2015, Taschenbuch, 800 Seiten, ISBN: 9783499268434



© Rowohlt Verlag


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