KRÄUTER DER PROVINZ | PETRA DURST-BENNING

Freitag, 29. Januar 2016 0 Kommentare

 Cover: Kräuter der Provinz
Eine Prise Glück, ein Löffel Freude und jede Menge Liebe – so schmeckt das echte Leben. Bürgermeisterin Therese liebt ihre schwäbische Heimat – Wiesen mit sattgelbem Löwenzahn, ein paar sanft geschwungene Hügel und mittendrin Maierhofen. Doch die jungen Leute ziehen weg, und der Dorfplatz wird immer leerer. Als Therese krank wird und das Dorf kurz vor dem Aus steht, raufen sich alle Bewohner zusammen – seien es die drei Greisen, die immer auf der Bank sitzen, der linkische Metzgermeister Edi oder die schüchterne Christine. Und sie haben nur noch ein Ziel: ihre schöne kleine Stadt zu retten und das erste Genießerdorf entstehen zu lassen – einen Ort, an dem der echte Geschmack King ist! [Klappentext + Cover: Blanvalet Verlag]

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[sk] Die Autorin Petra Durst-Benning kannte man bisher als Verfasserin von historischen Romanen, in denen es um starke Frauen gehen, die aus ihren bisherigen Rollen ausbrechen und einen Neubeginn wagen. Doch mit „Kräuter der Provinz" wagt sich die Autorin in ein ganz neues Genre den Gegenwartsroman. Dabei behält sie allerdings die zentralen Motive ihrer Romane bei. Warum nur wagt eine erfolgreiche Autorin diesen Genre-Wechsel und was noch viel wichtiger ist, gelingt er ihr überhaupt? Um das herauszufinden, musste ich den zeitgenössischen Roman der Autorin einfach lesen...

Der Schreibstil ist gewohnt leicht verspielt, aber unterhaltsam und das Buch lässt sich dadurch in einem Rutsch lesen. Die Charaktere werden dem Leser Schritt für Schritt näher gebracht und sind eigentlich jeder für sich und zusammen erst recht wahre Sympathieträger. Man muss sie also einfach mögen. Besonders in Herz geschlossen hatte ich beim Lesen allerdings Greta. Eine taffe und selbstbewusste Frau, die mit ihrem Leben in Frankfurt, wenn sie ehrlich war, eigentlich überhaupt nicht glücklich war. Ihr Lebensmittelpunkt war ihre Arbeit in einer Werbeagentur und außerhalb dessen, gab es eigentlich nichts, das es wert wäre, erwähnt zu werden. Da kam ihr doch die Bitte ihrer Cousine ganz recht – Koffer packen und auf zu neuen Ufern, na ja zumindest vorübergehend, oder doch nicht? Schneller als gedacht fühlt sich Greta in Maierhofen wie zu Hause und stellt das Leben der Dorfbewohner mit ihrem Konzept gehörig auf den Kopf...

Die Geschichte an sich ist sehr schön und behandelt so einige Themen – Gegensatz Stadt und Land, Neuanfang, Träume wagen – Träume leben, verpasste Chancen etc. Manchmal bekam ich das Gefühl, dass die Autorin hier doch übers Ziel hinausgeschossen ist. Die verarbeiteten Themen sind für sich alle sehr gute Ansätze für einen zeitgenössischen Roman, doch sie alle in einer einzigen Geschichte zu verarbeiten beeinträchtigt ihre Glaubwürdigkeit deutlich und die Handlung wirkt schnell überfrachtet. Genauso ging es mir mit dem Roman der Autorin. Es wurden zwar viele Themen untergebracht, aber in meinen Augen alle nur oberflächlich behandelt. Hie fehlte mir eindeutig die Tiefe in der Handlung und der Geschichte insgesamt. Darüber hinaus vermisste ich herbe Rückschläge, Dramen und Spannung im Verlauf der Handlung. Mir verlief alles insgesamt zu geradlinig und positiv. Dadurch wirkte alles sehr unrealistisch und lebensfern. Denn das Leben selbst ist geprägt von positiven und negativen Dingen – Freude und Trauer liegen da eng beieinander. Doch im Roman fehlte Letzteres leider gänzlich. Meines Erachtens nach wäre da hier deutlich mehr drin gewesen, das hat die Autorin leider verpasst. Sehr schade, denn die Grundidee des Romans hatte so viel Potential...

Sehr gut gefallen hat mir dagegen die Wandlung des kleinen Örtchens Maierhofen. Der Genießerladen und vor allem auch er Gedanke, dass man sich auf regionale Produkte, die zudem noch selbst fernab von jeglicher Industrie und Chemie hergestellt werden, besinnt, faszinierte mich von Anfang an. Leider ist dieser Gedanke heutzutage eher in Hintertreffen geraten. Auch der Zusammenhalt der Maierhofer war sensationell, so wünscht man sich das.

Das Ende ist der Autorin sehr gut gelungen und fügt sich wunderbar harmonisch in die gesamte Geschichte ein. So kreiert Frau Durst-Benning hiermit einen herrlich runden Abschluss des Romans, der mich mit einem Seufzer zurückließ und mich aus dieser Traumwelt Maierhofens zurück ins reale Leben holte.

PERSÖNLICHES FAZIT


Mit „Kräuter der Provinz" liefert Petra Durst-Benning ihren ersten zeitgenössischen Roman, der wiederum von einer starken Frau handelt, die aus ihrem festgefahrenen Leben ausbricht und einen Neuanfang wagt und damit das große, langersehnte Glück findet. Die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen, wirkte mir aber an vielen Stellen zu positiv und schön gemalt. Auch thematisch wollte die Autorin hier zu viel – so wirkt die Handlung thematisch überfrachtet und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit. Insgesamt ist dies ein netter Roman für zwischendurch zum Wegträumen, aber leider ohne viel Tiefgang und dass obwohl bei dem Grundansatz hier deutlich mehr möglich gewesen wäre.

© Rezension: 2016, Sandra Krause



Kräuter der Provinz | Petra Durst-Benning | blanvalet Verlag*
2015, Taschenbuch, ISBN: 9783734100116



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