DAS ZERSTÖRTE LEBEN DES WES TRENCH | TOM COOPER

Dienstag, 15. März 2016 0 Kommentare



Als Hurrikan Katrina mit den Südstaaten der USA fertig ist, hat Wes Trench alles verloren. Er ist kaum erwachsen, und doch erscheint es ihm, als sei sein Leben schon vorbei. Weil er es zu Hause nicht länger aushält, heuert Wes beim Shrimper Lindqvist an. Der alte Fischer ist noch übler dran: Was er fängt, reicht kaum zum Leben, ein Ölteppich bedroht die Küste, und zu allem Unglück ist ihm auch noch die Armprothese gestohlen worden. Besessen von der Idee, in den Sümpfen der Küste einen Schatz zu finden, fährt er immer wieder mit seinem Boot raus. Auch die gefährlich durchgeknallten Toup-Brüder, deren Grasplantagen er zu nahe kommt, können ihn nicht davon abhalten. Wes genießt die Freiheit an Lindqvists Seite und fasst allmählich neuen Mut, bis ihn ein weiterer Schicksalsschlag zu einer Entscheidung zwingt. Ein großer Roman, der packend und mit viel Liebe zu seinen störrischen, gebeutelten Figuren von Verlust erzählt und davon, was es heißt, allen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder aufzustehen. [© Text und Buchcover: Ullstein Verlag]
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[mk] Was motiviert diese Menschen, sich auf ihren Shrimpkuttern abzuplagen, tagelang durch die Bucht zu fahren und zu fischen, mit einem Ertrag, der für nicht viel mehr als eine Tankfüllung Diesel für das Boot reicht?
Nachdem der Hurrikan Häuser und Schiffe zerstört oder stark beschädigt hat, sind die Geldreserven aufgebraucht, denn die Versicherungen deckten nur einen Teil der Kosten ab. Die Preise für Shrimps sind im Keller und die Aussichten sind nicht optimistisch. Viele Leute verlassen die Gegend, es ist kaum noch Personal für die Fischerei zu bekommen. Der Roman beschreibt ein wahrlich deprimierendes Umfeld. 

Wieso tun sich die Menschen das noch an? Antworten gibt das Buch, in dem es mit uns einige der Einwohner begleitet. Je näher ich die Protagonisten kennen lerne, desto besser verstehe ich ihre Motivation, aber auch ihren Schmerz, ihre Wut und ihre kleinen und größeren Macken. Zugegeben, zwischendurch kam mir die Erzählung etwas fad vor, ich wollte wissen, ob das Ganze auf etwas hinausläuft. Aber letztendlich ist das Eindrucksvollste an diesem Roman die Charakterisierung. So skurril und eigenwillig die Leute auch sind, sie werden mir durch die ruhige, unsentimentale aber intensive Beschreibung sehr nahe gebracht. Und ja: die Fäden laufen am sehr gelungenen und glaubwürdigen Ende auch zusammen. 

„Die Barataria war seine Heimat, auf Gedeih und Verderb. Was immer das hieß." (S. 376)


Ich war schon mal als Urlauber in dieser Klimazone der Südstaaten der USA unterwegs und fragte mich ständig, wie man bei dieser Hitze und Luftfeuchtigkeit überhaupt irgendeine Tätigkeit verrichten kann. Sicher sind die Einheimischen das gewöhnt, aber der Schweiß läuft auch bei den Helden des Romans in Strömen. Und dann noch die Tiere, denen man nicht so gerne begegnen möchte wie Alligatoren, Giftschlangen, Schnappschildkröten und alle möglichen Arten von Insekten. Auch das baut Tom Cooper in seinen Roman sehr gut ein und erschafft damit eine sehr dichte Atmosphäre. 

PERSÖNLICHES FAZIT


Besonders gut hat mir die Charakterisierung der recht skurrilen Protagonisten gefallen mit ihren Schwächen, Schmerzen und Macken. Durch die etwas kühle, nüchterne Erzählweise hat es zwar gedauert, bis mich die Geschichte von Wes und den anderen richtig gefesselt hat, aber am Ende hat mich sowohl die Handlung als auch die Atmosphäre überzeugt. 

© Rezension: 2016, Marcus Kufner


Das zerstörte Leben des Wes Trench | Tom Cooper | Ullstein Verlag*

Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg
12. Februar 2016, gebunden, 384 Seiten, ISBN: 9783550080968



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