LITERATURVERFILMUNG || DIE PFEILER DER MACHT

Dienstag, 1. März 2016 2 Kommentare


Ein opulentes und modernes Märchen über die Sehnsüchte und inneren Kämpfe von Menschen im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts.


Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond

[mk] Das ZDF hat den gleichnamige Roman von Ken Follett, der bei uns 1996 erschien, verfilmen lassen. Kurz nach der TV-Ausstrahlung am 25. und 27. Januar 2016 wurde der Zweiteiler auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Ich habe mir das dreistündige Werk auf Blu-ray angesehen:


© EuroVideo Medien

Um was geht es in dem Film? 


Mittelpunkt ist das fiktive Bankhaus der Familie Pilaster im viktorianischen Zeitalter Mitte des 19. Jahrhunderts. Geführt wird die Bank vom Senior Seth und seinen Söhnen Joseph und Samuel. Joseph nimmt seinen 13-jährigen Neffen Hugh auf, als dessen Vater sich das Leben nimmt. Mit der Zeit kristallisiert sich heraus, dass Hugh der weitaus fähigere Nachfolger für das Familienunternehmen wäre als Edward, Josephs Sohn. Dagegen intrigiert Edwards Mutter Augusta. Die hat als Frau in jener Zeit zwar keine Ämter, weiß aber sehr gut, mit welchen Mitteln sie ihren Willen durchsetzen kann. Ganz in diesem Sinne versucht jeder die Leidenschaften und Wünsche der anderen zu steuern und es wird überall intrigiert. Und letztendlich hat jede Einflussnahme und jede Lüge ihre Konsequenzen.

Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Hugh verliebt sich in die selbstbewusste Maisie, die in ärmsten Verhältnissen lebt und darum kämpfen muss, ihre kranke Tochter durchzubringen. Die Hürden scheinen für die beiden unüberwindbar, die soziale Diskrepanz extrem. Kann die Leidenschaft diese Hindernisse überwinden?

Manche Details sind wenig glaubhaft, wenn beispielsweise einer einen Heiratsantrag macht, weil sie ihm gezeigt hat, wie er einen Stein übers Wasser springen lassen kann. Aha. Immer wieder werden die Adligen comedyhaft überzeichnet. Das mag zwar witzig sein, dass der Film sich hier nicht ernst nimmt, finde ich aber unpassend.

Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond
Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond

Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond
Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond

Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond
Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond
Wer gerne Actionfilme sieht ist bei „Die Pfeiler der Macht" ganz falsch – es gibt praktisch keine Action. Der Film ist sehr dialoglastig und hält sich auch nur grob an die Vorlage. Wer den Roman gut kennt wird sich wohl daran stören, wobei klar ist, dass die über 600 Seiten nicht in einen Film passen, auch wenn der 180 Laufzeit hat. Da muss man manches weglassen. Gelangweilt war ich jedenfalls trotzdem nicht.

Das liegt hauptsächlich an der hervorragenden Ausstattung. Die Schauplätze sind sehr authentisch gestaltet, vor allem aber die Kostüme und das Makeup sind bemerkenswert. Das bewirkt, dass das ganze Setting glaubhaft wird, ich fühle mich in die Zeit versetzt. Allerdings hat man es mit dem Sepiafilter übertrieben. Gerade durch die gute Ausstattung wäre die Zeitreise auch wirkungsvoll gewesen, wenn mehr Farbe in den Bildern geblieben wäre. Die Qualität der Blu-ray ist durchgehend gut, die Bilder sind sehr scharf. Außer den beiden Teilen des Films ist noch ein Making-of auf der Scheibe.

Die Besetzung fand ich soweit in Ordnung. Laura de Boer als Maisie erinnert mich an Keira Knightley in Sinn und Sinnlichkeit, deren Brillanz sie allerdings nicht erreicht. Mag auch am Akzent liegen. Herausragend fand ich Axel Milberg, der als Samuel Pilaster das „schwarze Schaf" der Familie darstellt und sich nach Herzenslust austobt. Von ihm hätte ich gerne noch mehr gesehen.

Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond
Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond

Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond
Die Pfeiler der Macht_Szenenbild © Constantin Television, Network Movie, Patrick Redmond




PERSÖNLICHES FAZIT


Als Fan von der Serie „Downton Abbey" konnte ich durchaus etwas mit der Verfilmung von Ken Folletts Roman anfangen. Auch wenn „Die Pfeiler der Macht" diesen Vergleich aufgrund der Besetzung und Dramaturgie (und weil er deutlich klischeehafter ist) verliert, ist es durchaus ein sehenswerter und unterhaltsamer „Historienschinken".

© 2016, Marcus Kufner



DIE PFEILER DER MACHT - TRAILER


© EuroVideo Medien || https://www.youtube.com/watch?v=lG7Fj7TS7K4


Original Titel: A dangerous Fortune - Love. Power. Betrayal.
Deutschland 2015 | ca. 180 Min. | ab 12

Die Schauspieler und Crew:

  • Dominic Thorburn als Hugh Pilaster
  • Laura de Boer als Maisie Robinson
  • Jeanette Hain als Augusta Pilaster
  • Thorsten Merten als Joseph Pilaster
  • Axel Milberg als Samuel Pilaster
  • Rolf Hoppe als Seth Pilaster
  • Daniel Strässer als Edward Pilaster
  • Gloria Endres de Oliveira als Florence Stalworthy
  • Albrecht Abraham Schuch als Solly Greenbourne
  • Yvonne Catterfeld als Nora Pilaster
  • Luca Marinelli als Mickey Miranda
  • Maria Dragus als Clara Pilaster
  • Stephanie Stumph als April Tinsely
  • David Bennent als Amish Bowles
  • Regie: Christian Schwochow
  • Kamera: Frank Lamm
  • Drehbuch: Annette Simon
  • Musik: Daniel Sus, Cornelius Renz


Kommentare:

  1. Mich hat der Film immerhin zum Buch geführt - mein erster Follett. Und das Buch ist viel besser. Ich nicht es gar nicht, dass im von der Fokus auf die Dreiecks-Liebesbeziehung gelegt wurde. Mickey und Augusta finde ich aber für besetzt.

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  2. Ich muss gestehen, dass ich noch nie etwas von Ken Follett gelesen habe. Schande über mich. Ich denke, das werde ich wohl mal nachholen müssen. ;-)

    Schade, dass sich der Film so weit weg vom Buch bewegt, gerade diese Fokusverschiebung kann ich oft nicht nachvollziehen. Das wird öfter bei Buchadaptionen für die Leinwand praktiziert und empfinde ich einfach nur als ärgerlich.

    Liebe Grüße
    Sandra

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